Milliarden-Deal zwischen Nvidia und OpenAI stand angeblich auf der Kippe – bis der Nvidia-Chef persönlich »zur Rettung eilte«

Nur ein Bericht über ein Google-Partnerschaft reichte aus: Jensen Huang griff persönlich zum Hörer, um OpenAI an Nvidia zu binden – und die KI-Firma 100 Milliarden US-Dollar schwerer zu machen.

Der Deal zwischen OpenAI und Nvidia stand lange auf wackeligen Beinen, bis Huang direkt eingriff. Alles im Grünen ist damit aber noch nicht. (Bildquelle: Wikipedia, OpenAI) Der Deal zwischen OpenAI und Nvidia stand lange auf wackeligen Beinen, bis Huang direkt eingriff. Alles im Grünen ist damit aber noch nicht. (Bildquelle: Wikipedia, OpenAI)

Ende September 2025 kündigten Nvidia und OpenAI den Beginn einer strategischen Partnerschaft an: Der GPU-Entwickler nimmt hierbei satte 100 Milliarden US-Dollar in die Hand, um KI-Rechenzentren mit einer geplanten Leistung von 10 Gigawatt hinzubauen.

Während sich OpenAI-Gründer Sam Altman und Nvidia-Chef Jensen Huang für den riesigen Deal feiern, schrammten die Verhandlung hinter den Kulissen wohl knapp am Scheitern vorbei – bis Huang zum Hörer griff.

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Googles Interesse sorgt für Hektik

Dies berichtet das Wall Street Journal unter Berufung auf interne Quellen. Demzufolge befanden sich die Gespräche zwischen OpenAI und Nvidia im Sommer 2025 in einer kritischen Phase. Zwar haben die beiden Tech-Giganten schon einige Jahre zusammengearbeitet, doch Diskussionen um ein neues Infrastrukturprojekt gerieten wohl schon länger ins Stocken.

Entsprechend suchte OpenAI nach neuen Kooperationspartnern, um die Abhängigkeiten von Nvidia zu reduzieren – und wurde dabei ausgerechnet bei einem direkten KI-Konkurrenten fündig.

  • Denn einem Bericht von The Information zufolge begann OpenAI damit, Googles TPU-Chips über einen Cloud-Deal zu nutzen, den man im Frühjahr unterzeichnet und damit die Tür für den Einsatz von Googles hauseigenen Chips geöffnet hatte.
  • Parallel dazu arbeitete das KI-Unternehmen mit Broadcom an der Entwicklung eigener kundenspezifischer Chips.

Laut dem WSJ interpretierte Nvidia dieses Vorgehen als deutliches Warnsignal: Entweder es kommt zur schnellen Einigung oder man sieht sich eben bei der Konkurrenz um.

Huangs entscheidender Anruf und Nvidias ungewöhnliche Klarstellung

Die Panik schien zumindest groß genug gewesen zu sein, dass der Nvidia-Chef »zur Rettung eilen musste«: Als der Bericht über die Google-TPU-Nutzung veröffentlicht wurde, kontaktierte Huang Altman direkt, um den Wahrheitsgehalt dieser Gerüchte zu erfragen.

Während dieses Gesprächs signalisierte der Nvidia-CEO auch seine Bereitschaft, die festgefahrenen Verhandlungen wieder in Gang zu bringen. Eine Insiderquelle des WSJ, die eigenen Angaben zufolge mit Huang sprach, erklärte dieses Telefonat zur Geburtsstunde der Idee einer »direkten Investition in das KI-Unternehmen«.

Nvidias offizieller X-Account sah sich sogar dazu veranlasst, einen Screenshot eines Reuters-Artikels zu teilen, der das Dementi von OpenAI im Kontext von Googles TPU-Chips thematisiert:

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Ein finales Detail zum Deal kommt erst jetzt heraus

Die Gespräche führten schließlich zum eingangs erwähnten Deal: Das Abkommen sieht vor, dass mindestens 10 Gigawatt an KI-Rechenzentren mit Nvidia-Systemen aufgebaut werden, was Millionen von GPUs für OpenAIs Infrastruktur der nächsten Generation bedeutet.

Die erste Phase des Projekts soll in der zweiten Hälfte des Jahres 2026 mit Nvidias kommender »Vera Rubin«-Plattform in Betrieb gehen. Zudem verpflichtet sich Nvidia schon jetzt, bis zu fünf Millionen seiner Chips an OpenAI zu verleasen.

Ein Aspekt war bisher allerdings noch unbekannt und kommt erst durch den WSJ-Artikel zum Vorschein: Nvidia erwägt, Garantien für Kredite zu übernehmen, die OpenAI für den Bau eigener Rechenzentren aufnehmen will.

Die neue Partnerschaft mit Nvidia steht dabei nur am Ende einer langen Kette an eingefädelten OpenAI-Deals, die mit dem »Stargate«-Projekt im Januar 2025 begannen:

  • Oracle sicherte sich einen 300-Milliarden-USD-Vertrag mit OpenAI über fünf Jahre hinweg.
  • Broadcom kündigte ebenfalls eine Partnerschaft zur Entwicklung kundenspezifischer Chips an, die auf 10 Gigawatt Rechenkapazität abzielt.​​
  • AMD schloss indes eine Vereinbarung über sechs Gigawatt Rechenkapazität ab, die OpenAI die Option gibt, bis zu 10 Prozent des Unternehmens zu erwerben.

Ausblick: »Zu groß zum Scheitern«, doch die Angst vor »Dotcom 2.0« wächst

Diese Strategie des »Financial One-Upmanship« hat laut dem WSJ die Schicksale der weltweit größten Halbleiter- und Cloud-Unternehmen mit OpenAI verknüpft und das einstige Start-up faktisch »zu groß zum Scheitern« gemacht.

Die gewaltigen Zahlen werfen indes Fragen zur Nachhaltigkeit dieser Vereinbarungen und der KI-Industrie im Allgemeinen auf.

Über den Tellerrand: Immerhin lohnt sich das (Stand jetzt) auch für die Partner: An vier separaten Tagen in den vergangenen zwei Monaten stiegen die Aktienkurse von Oracle, Nvidia, AMD und Broadcom rasant an, nachdem sie OpenAI-bezogene Deals bekannt gegeben hatten.

Insgesamt wurde den Unternehmen am ersten Handelstag nach den Ankündigungen ein kombinierter Marktwert von 630 Milliarden US-Dollar hinzugefügt.

OpenAI wird laut der Financial Times in diesem Jahr voraussichtlich 12 Milliarden US-Dollar Umsatz generieren – ein winziger Bruchteil der 650 Milliarden US-Dollar an Rechenkosten, für die das Unternehmen sich allein durch die Nvidia- und Oracle-Deals verpflichtet hat.

Wenn man Vereinbarungen mit AMD, Broadcom und anderen Cloud-Anbietern wie Microsoft einbezieht, liegen die Kosten der CNBC-Rechnung zufolge näher an der Billionen-Marke.

  • Die Verpflichtungen, solch massive Mengen an Chips und Rechenzentren zu bauen, bevor OpenAI sie sich leisten kann, schüren Befürchtungen, dass die Begeisterung für KI sich zu einer Blase ähnlich der berüchtigten Dotcom-Blase entwickelt. Einige der Partner helfen OpenAI schließlich sogar dabei, für deren Chips zu bezahlen.
  • Analysten äußern (via Fortune) entsprechende Bedenken über die »zirkuläre Natur« der Vereinbarungen, die sich bei der Dotcom-Blase ebenfalls als Merkmal gezeigt hat. Bei Nvidias Investition in OpenAI stelle sich etwa die Frage, wie viel von diesem Geld letztlich durch Chip-Käufe zurück zu Nvidia fließt.
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