Es war Ende Januar 2010. Steve Jobs saß in einem Sessel auf der Bühne des Yerba Buena Center in San Francisco. Er präsentierte das erste iPad. Er stellte das erste iPad vor, und viele glaubten, Apple versuche damit »einfach nur«, den Erfolg des iPhones von vor drei Jahren fortzusetzen. »Ein großes iPhone«, sagten manche. Aber das stimmte nicht.
Erst später wurde bekannt, dass die Realität genau umgekehrt aussah. Die Ursprünge des iPads liegen zeitlich vor dem iPhone. Apple forschte bereits an einer Multitouch-Benutzeroberfläche für ein Tablet, noch bevor überhaupt an ein Smartphone gedacht wurde. Doch dann schob sich das Handy-Projekt in der Prioritätenliste nach oben.
Dieser Artikel stammt im Original von unserer spanischen Schwesterseite Applesfera und erscheint bei GameStar Tech in übersetzter und angepasster Form.
Jobs wollte ein Tablet abseits des Microsoft-Konzepts
Anfang der 2000er-Jahre, als Steve Jobs mit vollem Einsatz daran arbeitete, Apple wieder an die Spitze der Tech-Branche zu führen, wollte er über Computer und den iPod hinausdenken. Er entwarf ein Tablet-Konzept, das dem ähnelte, was Jahre später zum Standard werden sollte.
Microsoft setzte damals schon länger auf Geräte mit Eingabestift und angepassten Windows-Versionen. Jobs war jedoch fest davon überzeugt, dass dies der falsche Weg war. Seine Vision war eine große Glasscheibe, die sich ausschließlich mit den Fingern bedienen ließ.
Er beauftragte die Apple-Ingenieure, die Machbarkeit dieser Technologie zu erforschen. Ein halbes Jahr später präsentierten sie ihm den Prototypen eines Multitouch-Bildschirms, der eine völlig neue Art der Interaktion ermöglichte.
Erste Funktionen wie das träge Scrollen und der charakteristische »Gummiband-Effekt« am Ende einer Liste waren bereits integriert. Das reichte aus, um Jobs vom enormen Potenzial des Projekts zu überzeugen.
In diesem Moment sprach er einen der berühmtesten Sätze der iPhone-Geschichte gelassen aus:
»Mein Gott, daraus können wir ein Telefon bauen.«
Die Entscheidung fiel sofort: Das Tablet-Projekt wurde vorerst auf Eis gelegt. Alle Ressourcen flossen ab sofort in die Entwicklung eines Telefons, das auf genau dieser Multitouch-Technologie basieren sollte.
Das war die Geburtsstunde des ultrageheimen Projekts namens iPhone.
Das iPhone legte den Grundstein für das zukünftige Tablet
Der Schwenk vom Tablet zum Smartphone war Teil einer neuen Strategie. Apple und allen voran Jobs sahen darin das Potenzial, eine ganze Industrie zu revolutionieren – was ihnen letztlich auch gelang. Obwohl die Herausforderung gigantisch war, hatten sie nun ein solides Fundament.
Basierend auf der von den Ingenieuren entwickelten Multitouch-Schnittstelle schritt das intern als »Project Purple 2« bekannte Vorhaben in Rekordzeit voran. Die Idee des iPads blieb derweil eingefroren. Ob Apple damals kurz davor stand, das Tablet komplett zu verwerfen, ist nicht sicher überliefert. Rückblickend ist jedoch klar, dass sie es nicht taten.
Tatsächlich gab es gute Gründe, das Tablet nach dem iPhone weiterzuverfolgen. Wenn es dem Unternehmen gelänge, Millionen von Menschen an eine Touch-Bedienung auf einem Alltagsbegleiter zu gewöhnen, würde der spätere Schritt zu einem größeren Bildschirm viel leichter fallen. Die Kundschaft wüsste dann bereits, wie man ein solches Gerät bedient, ohne dass man es von Grund auf neu erklären müsste.
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Die Wiedergeburt des iPads
Das iPhone kam 2007 auf den Markt und wirbelte Apples Pläne komplett durcheinander. Es zeigte nicht nur, dass Multitouch funktionierte, sondern ermöglichte auch den Aufbau eines ganzen Ökosystems rund um iPhone OS, das später in iOS umbenannt wurde.
Während das iPhone stetig neue Funktionen erhielt und der App Store rasant wuchs, kehrte Apple schließlich zum Tablet-Projekt zurück. Diesmal fingen sie jedoch nicht bei null an. Es gab bereits ein ausgereiftes Betriebssystem, einen prall gefüllten App Store und Millionen von Nutzerinnen und Nutzern, die mit den Wischgesten bestens vertraut waren.
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In der von Walter Isaacson geschriebenen Biografie von Steve Jobs wird berichtet, dass Jonathan Ive und Steve Jobs während der Entwicklung des iPads rund zwanzig Prototypen in verschiedenen Größen und Seitenverhältnissen anfertigen ließen, um das beste Nutzungserlebnis zu ermitteln. Nach monatelangen Tests entschieden sie sich schließlich für das 9,7-Zoll-Display mit dem Seitenverhältnis von 4:3, das das erste Modell prägte.
Und so kam es zu jenem 27. Januar 2010, an dem das iPad das Licht der Welt erblickte. Die Öffentlichkeit machte es in der Folgezeit zum unangefochtenen Marktführer unter den Tablets.
Wir wissen nicht, wie sich die Geschichte von iPad und iPhone entwickelt hätte, wenn Apple die Reihenfolge beibehalten hätte. Sicher ist jedoch, dass die damalige Entscheidung von Steve Jobs den Weg für beide Produkte – und die gesamte Tech-Branche – für immer verändert hat.

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