Apple macht, was Spotify bisher verpasst: Sie haben der massiven KI-Grütze den Kampf angesagt

Apple Music macht KI-Musik-Kennzeichnung zur Pflicht – und reagiert damit auf einen Markt, auf dem laut dem eigenen Vizepräsidenten ein Drittel aller Uploads vollständig KI-generiert ist. Bei Spotify dagegen ist »freiwillig« weiter das Schlüsselwort.

Quo vadis, Spotify? Während Apple Music konkrete Maßnahmen gegen KI-generierte Inhalte ergreift, macht der Streamingdienst dahingehend nur wenige Anstalten. (© Spotify) Quo vadis, Spotify? Während Apple Music konkrete Maßnahmen gegen KI-generierte Inhalte ergreift, macht der Streamingdienst dahingehend nur wenige Anstalten. (© Spotify)

Künstliche Intelligenz hat längst Einzug in alle möglichen Apps gehalten – das macht auch vor Musikstreaming keinen Halt.

Bleibt die Frage: Wie sollen die Anbieter mit der Flut an KI-generierten Inhalten umgehen? Während Branchenführer Spotify bisher eher zaghaft agiert, scheint man bei Apple einen klaren Plan zu haben.

In diesem Kontext hat sich im englischsprachigen Tech-Raum die wenig schmeichelhafte Bezeichnung »AI Slop« (dt.: KI-Grütze) durchgesetzt.

  • Dabei handelt es sich um einen umgangsprachlichen Begriff für (meist) minderwertige, massenhaft produzierte KI-generierte Inhalte, denen es an erkennbaren künstlerischem oder inhaltlichen Mehrwert fehlt.
  • Bei Musik im Speziellen bezeichnet KI-Grütze also die die Flut an vollautomatisch erzeugten Liedern, die mit minimalem Aufwand auf Streaming-Plattformen hochgeladen werden.
  • Das Ziel ist wie so oft der schnöde Mammon: Wird ein solcher Track oft abgespielt, gibt es Tantiemen vom Streaming-Dienst – ohne, dass ein menschlicher Künstler die Finger in relevantem Maße im Spiel hatte.

Ein Drittel aller Uploads ist KI

Im Interview mit Billboard gibt der Vizepräsident von Apple Music Oliver Schusser nun zu verstehen, wie weit das Problem fortgeschritten ist: Über ein Drittel aller Inhalte, die auf die Plattform hochgeladen werden, seien inzwischen vollständig KI-generiert.

Teilweise soll das Schusser zufolge auch ohne das Wissen der Labels geschehen, unter deren Namen die »Songs« publiziert werden.

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Apple Music: Vier Tags ab sofort

Um der KI-Welle entgegenzutreten, führte Apple bereits im vergangenen März verpflichtend vier neue Transparenz-Tags ein, die in den Metadaten der Labels und Distributoren stehen sollen. Folgende Tags wurden laut Billboard in einem Newsletter an die Musikpartner verbrieft:

  • Artwork: »KI wurde verwendet, um einen wesentlichen Teil des Artworks für ein Album zu erstellen. Dies gilt sowohl für statisches als auch für animiertes Grafikartwork.«
  • Track: »KI wurde verwendet, um einen wesentlichen Teil einer Tonaufnahme zu erstellen. Dieses Tag ist nur auf Track-Ebene verfügbar.«
  • Composition: »KI wurde verwendet, um einen wesentlichen Teil einer auf einem Track enthaltenen Musikkomposition zu erstellen. Verwende dieses Tag, wenn KI einen wesentlichen Teil der Texte oder anderer Kompositionselemente generiert hat.«
  • Music Video: »KI wurde verwendet, um einen wesentlichen Teil der visuellen Elemente zu erstellen. Dies gilt für Musikvideos, die mit Alben gebündelt sind, sowie für eigenständige Videos.«

Für neue Uploads soll die Kennzeichnung künftig verpflichtend werden. Apple hat dazu intern bereits Technologie entwickelt, die erkennen kann, mit welchem KI-Modell ein Track generiert wurde – gewissermaßen als zweite »Verteidigungslinie« neben der Selbstauskunft der Labels. Gleichzeitig räumt Apple ein, dass die Labels selbst entscheiden, ab wann ein Inhalt »wesentlich« KI-generiert ist.

Spotify: Absichtserklärungen statt Durchsetzungsvermögen

Beim großen Konkurrenten Spotify sieht die Lage ungleich weniger kämpferisch aus. So hat man zwar im vergangenen September neue KI-Richtlinien angekündigt, doch die Kennzeichnung solcher Inhalte erfolgt noch komplett auf Basis der Freiwilligkeit, wie Digital Trends erklärt.

  • Das Fehlen einer Kennzeichnung bedeutet demnach nicht explizit, dass keine KI eingesetzt wurde.
  • Digital Trends mutmaßt angesichts dessen, dass Spotify intern überhaupt keinen belastbaren Plan hat, wie die KI-Kennzeichnung zuverlässig durchgesetzt werden soll.
Jusuf Hatic
Jusuf Hatic

Eine kurze Einordnung: Ein wichtiger Unterschied gehört hierbei berücksichtigt: Apple kontrolliert die (sozusagen) Lieferkette im eigenen Musik-Ökosystem. Creator müssen die Vorgaben des Unternehmens aus Cupertino berücksichtigen – sonst gibt's eben keinen Upload.

Spotify als vergleichsweise offene Plattform hat dieses Druckmittel nicht, eher andersherum. Pflichtfelder kann der Dienst nicht mal eben durchsetzen, ohne potenziell Partnerschaften zu gefährden.

Das erklärt die bisherige Zurückhaltung, macht sie aber auch nicht besser: Wer täglich Abermillionen an Tracks über Kopfhörer und Lautsprecher laufen lässt und davon wiederum potenziell mehr als ein Drittel KI-generiert ist, der schuldet seinen Nutzern auch eine Antwort auf die Frage, was sie eigentlich hören.


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Apple Music wählte indes auch eine finanzielle Abschreckungstaktik, um der Lage Herr zu werden, wie Schusser im Billboard-Interview ausführt: Demnach habe man schon vor vier Jahren eine »Betrugsstrafe« eingeführt, die das Geld wieder einzieht, das mit den KI-generierten Inhalten eingenommen wurde.

Das liege laut dem Apple-Music-Vizepräsidenten auch an einer Korrelation zwischen KI-Musik und Betrug – zumindest konnte das Unternehmen seitdem »einen Rückgang von betrügerischen Uploads um 60 Prozent beobachten«.

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