Ich liebe Alternativen im Tech-Bereich abseits des Mainstreams. Sie machen mich neugierig, lassen mich über den Tellerrand schauen und überraschen nicht selten positiv.
Die Scanwatch 2 von Withings ist genau so eine Alternative, die seit ihrer Ankündigung auf der IFA meine volle Aufmerksamkeit beansprucht.
Nach 60 Tagen bin ich mir sicher: Es muss doch eine »richtige« Smartwatch her – und das aus guten Gründen.
Fangen wir ganz vorne an.
Was ist die Scanwatch 2 für eine Art Smartwatch?
Sogenannte Hybriduhren - wie die Alternative von Withings - versuchen, das Beste aus der analogen und der digitalen Welt zu vereinen.
- Die Scanwatch 2 hat ein analoges Zifferblatt. Auf dem Zifferblatt befindet sich jedoch ein 0,63 Zoll großes OLED-Display (Graustufen), auf dem Nachrichten sowie das Menü angezeigt werden, durch das man mit der seitlich angebrachten Krone navigieren kann.
- Wie bereits erwähnt, unterstützt die Smartwatch Nachrichten, auch von Drittanwendungen wie WhatsApp.
- Durch den angestrebten Minimalismus der Smartwatch-Features ist mit einer relativ langen Akkulaufzeit zu rechnen. In meinem Fall hält die Scanwatch 2 je nach Nutzung zwei bis drei Wochen durch.
Außerdem bietet die Uhr Sport- und Gesundheitsfunktionen. Auf letztere legt die Firma Withings besonderen Wert.
Alle Messwerte können über die passende App verfolgt werden, die sowohl für Android (mindestens Android 9) als auch für iOS (mindestens iOS 15) zum Download bereitsteht. Eine Anbindung an Apple Fit beziehungsweise Google Fit ist ebenfalls vorhanden.
Leider ist für alle Funktionen ein kostenpflichtiges Abo in Höhe von zehn Euro pro Monat notwendig. Immerhin sind die ersten drei Monate zum Schnuppern kostenlos.
Technische Daten
- Abmessungen: 38 Millimeter und 42 Millimeter
- Gewicht: 34,6 Gramm (38mm) und 52,6 Gramm (42mm)
- Display: Grascale OLED-Display
- Displaygröße: 0,63 Zoll
- Auflösung: 14.504 Pixel, 282 ppi
- Materialien: Edelstahlgehäuse, Saphirglas, Krone aus Edelstahl
- Sensoren: TempTech24/7-Modul, Beschleunigungssensor, Multiwellenlängen-PPG 16 Kanäle, Höhenmesser
- Wasserdichtigkeit: 5 ATM
- Akkulaufzeit: Bis zu 30 Tage
- Akkuladezeit: Zwei Stunden mit USB-C-Dockingstation
- Konnektivität: Bluetooth Low Energy
- App-Kompatibilität: Google Play Store Android 9.0 und höher, App Store iOS 15 und höher
- Dateinspeicherung: Kostenlose Online-Speicherung aller Gesundheitsdaten, sieben Tage lokale Speicherung auf der Uhr
- Preis: ab 350 Euro (UVP)
Warum kein Test-Artikel?
Es handelt sich ausdrücklich um einen Erfahrungsbericht und nicht um einen Test-Artikel. Unseren ausführlichen Test der Withings Scanwatch 2 gibt es hier.
Transparenz
Die Uhr wurde mir nicht von der Firma Withings zur Verfügung gestellt. Ich habe sie selbst gekauft. Der Artikel beschreibt meinen Eindruck von der Uhr während der letzten 60 Tage. In dieser Zeit habe ich die Uhr Tag und Nacht am Handgelenk getragen.
Das macht die Scanwatch 2 von Withings so gut
Die Akkulaufzeit der Scanwatch 2 ist ein Segen: Wem das ständige Aufladen auf den Zeiger geht, der wird an der Withings-Uhr seine Freude haben.
Nach knapp 60 Tagen habe ich es mir abgewöhnt, ständig den Batteriestand der Uhr im Auge zu behalten, was bei herkömmlichen Smartwatches leider noch immer unerlässlich ist.
Zum Vergleich:
- Meine Apple Watch Series 7 hält nach zwei Jahren gerade mal einen Tag durch.
- Die Galaxy Watch 5 Pro kommt auf etwa zwei Tage.
Wenn ich unter der Woche viel Sport treibe, meinen Schlaf überwache und die GPS-Funktion (in Kombination mit dem Smartphone) nutze, hält der Akku knapp 14 Tage. Bei unregelmäßigem Training sind bis zu drei Wochen möglich.
Der größte Akkufresser ist und bleibt die sogenannte Quicklock-Funktion. Glaubt mir, das Wort »Fresser« trifft es. Bei dieser Funktion schaltet sich das OLED-Display ein, sobald der Arm gehoben wird, was merklich am Akku zehrt. Die Rede ist von mehreren Tagen (!) Unterschied.
Verarbeitung und Tragekomfort: Optisch und auch in der Handhabung macht die Uhr einen hochwertigen Eindruck. Die Uhr liegt angenehm am Handgelenk und auch die Silikonarmbänder schmiegen sich gut an die Haut an.
Wenn man vorhat, die Uhr über Nacht zu tragen, stört sie nicht. Ich nehme sie kaum noch wahr.
Die Funktionen und die App: Wer die App öffnet, wird von Optionen, Meldungen und den Informationen nahezu erschlagen. Da gibt es nichts zu beschönigen.
Aber das Pariser Gesundheitsunternehmen hat sich zum Ziel gesetzt, eine Art Leitfaden in Form von täglichen Aufgaben zu integrieren.
Ja, richtig gelesen: Aufgaben, die erledigt werden sollen. Sei es in Form von Aktivitäten oder einfach nur Lesen und Verstehen. Die Uhr bietet nämlich eine Fülle von Gesundheitsfunktionen.
Wenn ihr die Uhr vor allem nutzt, um eure Gesundheit und euren Schlaf zu fördern, ist eine Einarbeitung unerlässlich.
Habt ihr die Software »gemeistert«, erwartet euch eine übersichtliche Anwendung, die alle Metriken übersichtlich und verständlich aufschlüsselt. Bei Bedarf könnt ihr diese auch teilweise anpassen.
Einzig die Daten der Smartphone-Widgets für den Homescreen könnten für meinen Geschmack häufiger aktualisiert werden. Die angegebenen Schritte sind oft um Stunden veraltet.
Die Alternative von Withings kann drei Lücken nicht schließen
Aktivitäten: Es ärgert mich, die folgenden Zeilen zu schreiben, wenn man bedenkt, wie gut die Daten nach dem Joggen aufgeschlüsselt werden (können!).
Aber während des Laufens muss ich mein Smartphone in der Tasche haben, um die vollständigen Daten zu erhalten.
Ohne das Handy kann die Uhr keine GPS-Verbindung aufbauen. Es fehlen die Daten über die Strecke und die eigene Leistung:
- Durchschnittsgeschwindigkeit
- Höhe
- Zwischenzeiten
Schade, wenn man sich auf dieser Basis verbessern will. Was bleibt, sind ohne Handy in der Tasche immerhin Herzfrequenz, Dauer, Gesamtstrecke, Kalorienverbrauch sowie die Herzfrequenzzonen.
Letzteres möchte ich übrigens bei keiner Smartwatch mehr missen. Leider bietet die Apple Watch noch keine Herzfrequenzzonen.
Dafür kann man mit der Apple Watch dank voller GPS-Funktionalität das Handy während des Trainings zu Hause lassen. Auch das Hören von Musik oder Podcasts über die Uhr ist möglich - ein weiterer Pluspunkt für die smarte Armbanduhr mit dem angebissenen Apfel.
Mit meinem Cellular-Modell bin ich auch unterwegs im Notfall erreichbar, womit wir beim nächsten Punkt angekommen sind.
Erreichbarkeit: Nein, damit meine ich nicht das ständige Vibrieren der Uhr, weil die Benachrichtigungen häufiger eintrudeln, als die Uhr mit der Anzeige nachkommt.
Benachrichtigungen von Apps wie WhatsApp, Telegram und Co. werden von mir bei jeder Smartwatch konsequent abgeschaltet. Unter Erreichbarkeit verstehe ich, im Notfall für wichtige Kontakte telefonisch erreichbar zu sein.
Kein Handy in der Tasche haben zu müssen, wenn man eine Smartwatch trägt, ist ein Komfort, egal ob beim Einkaufen oder im Restaurant.
Im Notfall bleibe ich für wichtige Kontakte erreichbar. Das kann die Withings Smartwatch leider nicht leisten, was mir im Vorfeld natürlich bewusst war. Aber im Nachhinein vermisse ich die Funktion und den Komfort dahinter umso mehr, ebenso wie Smartwatch-typische Funktionen.
Smartwatch-typische Funktionen: »Man weiß etwas erst zu schätzen, wenn man es verloren hat«. Nun gut, weder habe ich sprichwörtlich etwas verloren noch ist meine Situation dramatisch genug für den WhatsApp-Profil-tauglichen Spruch.
Trotzdem vermisse ich nach etwas mehr als 60 Tagen clevere Funktionen an meinem Handgelenk:
- Wenn ich durch eine fremde Stadt navigiere, kann ich jede Abzweigung geschickt auf der Apple Watch ablesen, ohne das Handy auch nur zu zücken.
- Was ich ebenfalls vermisse, sind sogenannte Komplikationen wie meine Schrittzahl oder das Wetter. Was mich zum Laufen motiviert, sind die Aktivitätsringe.
- Smartwatches bieten viele Anpassungsmöglichkeiten. Wenn mir das Zifferblatt der Apple Watch nicht mehr gefällt, kann ich einfach ein neues gestalten.
- Bequemes Bezahlen über die Uhr ist mit der Scanwatch 2 leider nicht möglich.
Für wen könnte die Scanwatch 2 genau das Richtige sein?
- ... nach einer Smartwatch mit einer sehr langen Akkulaufzeit sucht.
- ... den Charme einer analogen Uhr nicht vermissen möchtet.
- ... bereit seid, für (alle) Gesundheitsfunktionen knapp zehn Euro im Monat zu zahlen.
- ... eine gute Smartwatch für den Sport sucht, ohne das Handy dabei zu haben.
- ... eine waschechte Smartwatch erwartet mit allem Drum und Dran.
- ... kein Geld für zusätzliche Abo-Gebühren ausgeben möchtet, um alle Funktionen nutzen zu können.
Fazit der Redaktion
Patrick Schneider
Wohl oder übel werde ich in Zukunft wieder auf eine »richtige« Smartwatch umsteigen, wenn es der Geldbeutel zulässt. Auch wenn ich mit der Scanwatch 2 größtenteils zufrieden bin, löst die Uhr vor allem beim Sport wenig Begeisterung aus. Auch Smartphone-typische Funktionen wie Navigation, anpassbare Zifferblätter, mobiles Bezahlen und Komplikationen auf der Uhr vermisse ich auf Dauer.
In einer Disziplin kann allerdings kaum eine Smartwatch mit der Alternative von Withings mithalten: der Akkulaufzeit. Smartwatches werden diese Laufzeit wohl nie erreichen, aber die OnePlus Watch 2 kommt je nach Nutzung auf solide vier Tage - immerhin.
Irgendwie macht keine Smartwatch alles richtig, oder? Nach der Scanwatch 2 hat sich ein Problem bei mir eingeschlichen, das ich von vielen anderen Produkten aus dem Tech-Bereich nur zu gut kenne und lieber vermeide: Kompromisse.
Wir alle wissen: Kompromisse erfüllen nie ganz die eigenen Bedürfnisse.

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Dein Kommentar wurde nicht gespeichert. Dies kann folgende Ursachen haben:
1. Der Kommentar ist länger als 4000 Zeichen.
2. Du hast versucht, einen Kommentar innerhalb der 10-Sekunden-Schreibsperre zu senden.
3. Dein Kommentar wurde als Spam identifiziert. Bitte beachte unsere Richtlinien zum Erstellen von Kommentaren.
4. Du verfügst nicht über die nötigen Schreibrechte bzw. wurdest gebannt.
Bei Fragen oder Problemen nutze bitte das Kontakt-Formular.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Nur angemeldete Plus-Mitglieder können Plus-Inhalte kommentieren und bewerten.