10 GBit-Netzwerkkarte für Spieler? - Gaming als Verkaufsargument

Der Hersteller Aquantia hat mit der Aqtion AQN 107 eine Netzwerkkarte präsentiert, die 10-GBit-Verbindungen unterstützt. Sie kostet derzeit rund 90 US-Dollar, erfordert darüber hinaus aber teure Zusatz-Hardware.

Die neue Netzwerkkarte von Aquantia unterstützt Geschwindigkeiten von bis zu 10 Gbit/s. Die neue Netzwerkkarte von Aquantia unterstützt Geschwindigkeiten von bis zu 10 Gbit/s.

Zehnfache Performance für Spieler - mit diesem Versprechen bewirbt Aquantia seine PCIe-x4-Netzwerkkarte AQtion AQN-107. Die unterstützt nämlich eine maximale Geschwindigkeit von 10 Gbit/s statt der momentan üblichen 1,0 Gbit/s, die bei LAN-Chips auf Mainboards als auch bei separaten Netzwerkkarten gängig sind – Aquantia bezeichnet 1,0 Gbit/s dagegen als veraltet (»outdated«).

Auf der 10-Gbit/s-Karte kommt der hauseigene Chip namens AQC-107 zum Einsatz, der in 28nm gefertigt wird und unter anderem auch auf High-End-Mainboards mit entsprechenden Gigabit-Anschlüssen und bei den schon länger erhältlichen Netzwerkkarten Asus XG-C100C und Gigabyte GC-AQC107 verwendet wird.

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Derzeit bietet Aquantia eine »Gaming Grade«-Variante der Netzwerkkarte für 90 US-Dollar über Amazon.com an (via ComputerBase). Die 10-Gbit-Variante verfügt über folgende Features:

  • RJ45-Anschluss
  • 6 Watt Verbrauch
  • Abwärtskompatibilität zu 5 GBit, 2,5 GBit, 1 GBit und 100 MBit
  • Support für Windows 10, 8.1, 8.0 und 7 sowie verschiedene Linux-Versionen

Da die Karte vier PCIe-Lanes benötigt (x4), reicht einer der auf Mainboards weit verbreiteten Anschlüsse für eine Lane (x1) nicht aus. Da es kaum Mainstream-Mainboards mit x4-Slots gibt, muss daher einer der gängigen x16-Slots für Grafikkarten genutzt werden.

Die meisten aktuellen Platinen für CPUs von AMD und Intel besitzen mindestens zwei x16-Slots, wobei der primäre, mit vollen 16 Leitungen angebundene meist durch eine Grafikkarte belegt ist, während der zweite häufig mit maximal acht Lanes angebunden ist (was für die AQtion AQN-107 problemlos genügt, da sie nur 4 Lanes benötigt).

Gaming als Verkaufsargument

Laut Herstellerangaben soll die Netzwerkkarte (wenig überraschend) eine bis zu zehnmal höhere Performance bieten als herkömmliche LAN-Chips (10 statt 1,0 Gbit/s) und sich auch durch sehr geringe Latzenz auszeichnen – das einzige halbwegs handfeste Argument für die angebliche Gaming-Spezialisierung. Allerdings dürften selbst billigste Onboard-LAN-Chips in Sachen Latenz nicht mehr als 1-2 Millisekunden darüber liegen, wenn überhaupt – für die Online-Anbindung irrelevant.

Dazu kommt, dass man – um von der höheren Bandbreite überhaupt zu profitieren – gleichzeitig auch alle anderen in die jeweilige Datenübertragung involvierten Komponenten ebenfalls auf 10 Gbit/s-Modelle umrüsten muss – etwa Netzwerkspeicher (NAS, network attached storage) oder Switch zum Verbinden mit anderen PCs (die ebenfalls 10 GBit/s unterstützen müssen) – diese Komponenten schlagen aber selbst in der jeweils günstigsten Variante aktuell noch mit um die 400 Euro zu Buche.

Unserer Einschätzung nach dürften sich beim Spielen von Online-Titeln jedenfalls keine spürbaren Vorteile durch die Netzwerkkarte von Aquantia einstellen: Die hohe Bandbreite ist beim Spielen irrelevant und selbst einfache Onboard-LAN-Chips haben nur eine vernachlässigbare Latenz – der Gaming-Fokus ist also viel mehr Marketing als Realität.

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