Auf dem Weg zur Öl-Großmacht: China bohrt das zweittiefste Loch der Welt

China will die gewaltigen Ressourcen einer Wüste mit hunderten Tiefbohrungen erschließen. Mit Shendi Take-1 hat das Land nun das tiefste Bohrloch in ganz Asien geschaffen.

Eine karge Landschaft, unter der sich wohl viel schwarzes Gold befindent. (Bild: CNPC Espanol, mit KI hochskaliert) Eine karge Landschaft, unter der sich wohl viel schwarzes Gold befindent. (Bild: CNPC Espanol, mit KI hochskaliert)

China hat in den vergangenen Jahren eine ganze Reihe extrem ambitionierter Großprojekte gestartet. Das Land treibt die Neue Seidenstraße voran, will bei Akkus für Elektroautos weltweit den Ton angeben und dominiert auch das Segment der Solarmodule.

Ein weiteres Ziel lautet, das Potenzial der eigenen Wüsten maximal auszuschöpfen. Deshalb entstehen dort nicht nur riesige Solarparks, sondern auch kilometerlange Bohrlöcher direkt ins Erdinnere.

Eines dieser Vorhaben ist das Bohrloch Shendi Take-1: Mit einer Tiefe von fast 11 Kilometern, die in Rekordzeit erreicht wurde, stellt es eine beachtliche ingenieurtechnische Leistung dar.

Dieser Artikel stammt im Original von unserer spanischen Schwesterseite Xataka und erscheint bei GameStar Tech in übersetzter und angepasster Form.


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Die Taklamakan-Wüste

Diese im äußersten Westen Chinas gelegene Wüste ist nicht nur gigantisch groß, sondern auch eine potenzielle Schatzkammer. Genauer gesagt handelt es sich möglicherweise um eine riesige Lagerstätte, die der staatliche Energiekonzern Sinopec intensiv erschließt.

  • Fachleute schätzen, dass in diesem Becken einige der vielversprechendsten Öl- und Gasreserven Chinas schlummern – Sinopec betreibt in der Region bereits weit über hundert Bohrungen.
  • Die eigentliche Herausforderung: Die Vorkommen liegen extrem tief im Boden, größtenteils zwischen 6.000 und 10.000 Metern Tiefe.
  • Im November 2023 vermeldete Sinopec erste Ergebnisse beim Vorhaben Project Deep Earth 1-Yuejin 3-3XC. Dabei handelt es sich um eine über 9.400 Meter tiefe Richtbohrung mit einem horizontalen Versatz von rund 3.400 Metern, um Öl aus dieser ultratiefen Schicht zu fördern.

Doch obwohl das Bohrloch in beachtlicher Geschwindigkeit fertiggestellt wurde, stellte eine konkurrierende Gesellschaft diese Marke bald darauf in den Schatten.

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Großprojekt Shendi Take-1

Im selben Wüstengebiet hat die China National Petroleum Corporation (CNPC) das Bohrloch Shendi Take-1 niedergebracht. Mit einer vertikalen Tiefe von 10.910 Metern wurde es zur tiefsten Bohrung in ganz Asien.

Die Arbeiten begannen am 30. Mai 2023 und wurden am 20. Februar 2025 abgeschlossen. Damit ist es die zweittiefste Vertikalbohrung der Erde – lediglich übertroffen von der legendären Kola-Bohrung.

Zu den Rekorden des Projekts zählt der weltweit erste potenzielle Fund von Öl- und Gasvorkommen an Land in einer Tiefe von mehr als 10.000 Metern. Zudem verfolgt die Anlage einen doppelten Zweck: wissenschaftliche Grundlagenforschung und die Exploration von fossilen Brennstoffen.

Kolossal in jeder Hinsicht

Ein derart tiefes Loch ist bereits für sich genommen beeindruckend. Noch erstaunlicher wirkt das Projekt jedoch, wenn ihr bedenkt, dass die Bohrteams »nur« ungefähr 580 Bohrtage benötigten, um diesen Meilenstein zu erreichen. Am anspruchsvollsten waren dabei die letzten 910 Meter, die mit 300 Tagen auch die meiste Zeit in Anspruch nahmen.

Doch warum dauerte der letzte Abschnitt unverhältnismäßig länger als die ersten 10.000 Meter? Den Grund lieferte die Leitung der Bohranlage.

»Jeder zusätzliche Meter ab einer bestimmten Tiefe erhöht die Komplexität der Bohrung exponentiell«, wie der zuständige Leiter erklärte.

Für das ambitionierte Vorhaben braucht es passendes Werkzeug. (Bild: CNPC Espanol, mit KI hochskaliert) Für das ambitionierte Vorhaben braucht es passendes Werkzeug. (Bild: CNPC Espanol, mit KI hochskaliert)

Neues Werkzeug für extreme Tiefen

  • Je tiefer der Bohrkopf in die Erdkruste vordringt, desto drastischer steigt die Umgebungstemperatur. In 10.000 Metern Tiefe klettert das Thermometer auf über 210 Grad Celsius, begleitet von immensem Druck.
  • Aus diesem Grund entwickelte CNPC eine hochgradig automatisierte Plattform, die rein rechnerisch für Tiefen von bis zu 12.000 Metern ausgelegt ist.
  • Dabei wurden nicht nur die mit Diamanten bestückten Bohrköpfe speziell für diese Hitzebelastung konstruiert. Die Ingenieurteams entwickelten auch spezielle Kühlflüssigkeiten, die bei derart hohen Umgebungstemperaturen Wärme abführen können. Selbst Verbindungselemente wie Schrauben wurden gezielt so gefertigt, dass sie unter Extrembedingungen formstabil bleiben.

Diese Entwicklung war keine Einmallösung für ein einzelnes Bohrloch. China strebt mit solchen Werkzeugen die Spitzenposition bei ultratiefen Bohrungen an.

Da rund 90 Prozent der Komponenten aus heimischer Fertigung stammen, lässt sich die Plattform problemlos für weitere Projekte replizieren, ohne auf kritische Importe angewiesen zu sein.

Tatsächlich erreichte die zweite mit diesem System durchgeführte Bohrung, Zhentan-1, im Oktober 2026 eine Tiefe von über 8.00 Metern und lieferte einen Gesteinskern zutage, dessen Alter auf rund 500 Millionen Jahre geschätzt wird.


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Doppelter Verwendungszweck

Über die Förderung von Erdöl und Erdgas hinaus eröffnet Shendi Take-1 neue Möglichkeiten für die geologische Forschung. Das macht absolut Sinn: Der Bohrkopf durchquerte 12 geologische Formationen und erreichte Gesteinsschichten, die weit über 500 Millionen Jahre alt sind.

  • Der ursprüngliche Plan sah vor, bis auf 11.100 Meter vorzustoßen – was nah an das Limit der Bohranlage herangereicht hätte. Die Arbeiten wurden jedoch bei 10.910 Metern für beendet erklärt.
  • Berichten zufolge stoppte das Team die Bohrung, nachdem das Vorhandensein von Gas bereits vor Erreichen der Zielmarke bestätigt werden konnte.
  • Das Projekt liefert wertvolle Erkenntnisse über das Erdinnere im asiatischen Raum. Gleichzeitig sicherte sich China das nötige Know-how, um eine der anspruchsvollsten Lagerstätten der Welt zu erschließen: Im Tarim-Becken lagern mehr als 80 Prozent des Tiefenöls und rund 64 Prozent der Tiefengasreserven unterhalb von 6.000 Metern.

Die berühmte SG-3-Bohrung hat China damit zwar noch nicht übertroffen: Für die als Kola-Bohrung bekannte Station benötigte die Sowjetunion seinerzeit 19 Jahre, um eine Tiefe von 12.262 Metern zu erreichen. Mehr dazu erfahrt ihr unter dem obigen Link.

Während dort jedoch rein wissenschaftliche Lithosphärenforschung im Vordergrund stand, dient Shendi Take-1 nicht nur dem Wissensdurst, sondern zielt ganz pragmatisch darauf ab, flüssiges Gold aus der Tiefe zu fördern.


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