Vor gut einem Vierteljahr habe ich darüber geschrieben, wie sehr ich mich über die Ankündigung der 3D-Blu-ray zu Avatar: Fire and Ash freue. Selbst für etliche Heimkino-Fans war das vermutlich kaum mehr als eine Randnotiz.
Doch für mich war es mehr – viel mehr.
Denn es war eines der letzten, wenn nicht sogar das letzte Lebenszeichen eines Formats, das aus den Wohnzimmern und vielen Heimkinos ausgezogen ist, obwohl ich bis heute nicht finde, dass es jemals hätte verschwinden müssen.
Inzwischen ist die Disc erschienen. Und eigentlich sollte ich vollauf zufrieden sein.
Das bin ich auch. Zumindest dann, wenn mein Projektor die Leinwand damit füllt, die Dolby Atmos-Anlage den Raum öffnet und Pandora jene Tiefe bekommt, für die die Filmreihe geschaffen wurde. Kaum ein Realfilm-CGI-Hybrid reicht an diese räumliche Wirkung heran.
Dennoch mischt sich in die Freude etwas anderes: Abschiedsschmerz.
Abgesehen von möglichen weiteren Avatar-Filmen könnte dies der letzte große 3D-Blu-ray-Release gewesen sein.
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Avatar: Im neuen Trailer zu Fire and Ash stehen die bösen Na'vi mit einer ungesunden Faszination für Feuer im Mittelpunkt
Ein Format verabschiedet sich leise
Ganz verschwunden ist die 3D-Blu-ray allerdings nicht. Vereinzelt werden Filme wie zuletzt The Fantastic Four: First Steps noch in 3D herausgebracht.
In diesem speziellen Fall aber nur in Japan. Und solche Importe sind sehr teuer, wie ich auch aus eigener Erfahrung berichten kann – meist zwischen 80 und 100 Euro, da die reguläre Full-HD-Blu-ray und die UHD-Disc beiliegen. Doch selbst diese Releases sind rar gesät.
Daneben gibt es noch das deutsche Label Turbine Medien, das gelegentlich ausgewählte Filme in kleinen Auflagen veröffentlicht. Seit ein paar Monaten ist es aber auch dort still geworden.
Und vergleichbar ist das ohnehin nicht.
Was Turbine Medien macht, würde ich als leidenschaftliche Pflege einer Nische beschreiben. Avatar dagegen ist ein international vermarkteter Studio-Blockbuster, der explizit auch für räumliche Darstellung gedacht ist.
Hierzulande und außerhalb Japans generell erscheinen Blockbuster seit Jahren kaum mehr auf 3D-Blu-ray. Tatsächlich war der letzte Film dieser Größenordnung auf internationaler Ebene Avatar: The Way of Water.
Darum fühlt sich die Veröffentlichung von Fire and Ash für mich wie das Ende einer Ära an. Nicht, weil danach nie wieder irgendeine 3D-Disc erscheinen wird, sondern weil hier womöglich zum letzten Mal ein Film dieser Dimension für das klassische 3D-Heimkino erschienen ist.
Und das ist besonders bitter, weil die Technik bei mir wunderbar funktioniert und noch immer jene Magie versprüht, die mich beim ersten Avatar-Teil vor 17 Jahren im Kino staunen ließ.
Eine gute 3D-Blu-ray auf großer Leinwand ist kein nostalgischer Trip. Sie erzeugt etwas, wozu selbst 4K, HDR und perfekter Schwarzwert nicht in der Lage sind: einen glaubhaften Raum.
In solchen Fällen – und davon gibt es sehr viel mehr, als die meisten Menschen denken – stehen Figuren nicht einfach flach vor einer Kulisse. Sie stehen auf einer Bühne, Landschaften staffeln sich in die Tiefe, Größenverhältnisse werden spürbar.
James Cameron versteht das wie kaum ein anderer. Die Magie entsteht nicht dadurch, dass permanent Dinge aus der Leinwand ragen und fliegen, sondern dadurch, dass Na’vi, Tiere und Pflanzen beinahe greifbar wirken.
Das Problem ist nicht die Wirkung auf der Leinwand
Das Format verschwindet daher nicht, weil es nichts zu bieten hätte. Es verschwindet, weil es auf kleinen Fernsehern im Vergleich zu Leinwänden nie sein volles Potenzial ausschöpfen konnte, die Unterhaltungselektronik weitergezogen ist und der Lichtverlust durch Shutter- und Polfilterbrillen bei schlechten Setups mit geringer Leuchtkraft zu hoch war.
Im Heimkino blieb 3D zudem bei Full HD stehen. Der Sprung zu UHD (4K), HDR und HFR (High Frame Rate) fand dort nie statt. Selbst Fire and Ash muss zu Hause auf Möglichkeiten verzichten, die seine Kinofassung auszeichnen.
Trotzdem zeigt der Film, wie gut dieses alte Format sein kann, wenn Material, Projektor und Sound zusammenspielen. Dann kann es trotz der Nachteile sogar besser sein als im Kino.
Gerade deshalb wirkt die Disc nicht wie das letzte Aufbäumen einer längst überholten Technik. Vielmehr beweist sie, dass sie aufgegeben wurde, bevor sie ihre nächste Entwicklungsstufe erreichen durfte.
Vielleicht kommt 3D zurück – in anderer Form
Ganz hoffnungslos bin ich dennoch nicht. Denn an anderer Stelle beginnt räumliches Bewegtbild gerade wieder von vorn.
VR-Headsets können jedem Auge ein eigenes hochauflösendes Bild liefern. Es ist sicher kein Zufall, dass Disney und James Cameron für die Apple Vision Pro eine 3D-Fassung von Avatar: The Way of Water in 4K und HDR veröffentlicht haben.
Samsung setzt bei seinen Odyssey-3D-Monitoren auf Eye-Tracking und brillenlose Darstellung. Und andere Hersteller arbeiten ebenfalls längst an Techniken, die räumliche Ansichten ohne klassische 3D-Brille erzeugen.
Doch das ist vorerst kein Ersatz für mein Heimkino.
Ein Monitor ist nun mal keine Leinwand. Und ein Headset ist für mich kein wirklich gemeinsames Erlebnis. Ich möchte einen Film nicht bloß zeitgleich neben meiner Frau sehen, sondern ihn gemeinsam mit ihr erleben – sonst könnten wir ebenso gut in getrennten Räumen schauen.
Doch die technischen Bausteine für ein neues gemeinsames 3D-Erlebnis sind da: hohe Auflösungen, HDR, Eye-Tracking und Displays, die mehrere Ansichten gleichzeitig erzeugen können.
Und womöglich führt der Weg irgendwann auf die große Leinwand – nur ohne Brille und die alten Nachteile.
Passend zum Thema:
- Ich habe Avatar 3: Fire and Ash schon gesehen und finde ihn sehr ... seltsam
- Avatar 3: Das Ende erklärt - Was ist genau passiert und wie steht es um Teil 4?
Bis dahin bleibt mir diese Disc
Wenn ich Avatar: Fire and Ash einlege, freue ich mich, dass ich einen der aufwendigsten 3D-Filme noch lange im eigenen Heimkino erleben darf.
Aber gleichzeitig bin ich traurig, weil ein Großteil der Branche offenbar vergessen hat, wie eindrucksvoll das 3D-Erlebnis unter den richtigen Bedingungen zu Hause sein kann.
Vielleicht folgen noch Avatar 4 und Avatar 5. Und vielleicht überrascht Turbine Medien noch viele Jahre mit einzelnen Veröffentlichungen.
Doch selbst wenn auch das irgendwann endet, muss räumliches Heimkino nicht zwangsläufig damit verschwinden.
Die 3D-Blu-ray ist womöglich nicht einfach nur der gescheiterte Standard, als den sie viele betrachten. Womöglich ist sie nur ein früher Entwurf einer Zukunft, deren Technologien noch nicht ausgereift sind.
Und bis diese Zukunft da ist, setze ich mit Freude meine 3D-Brille auf, schalte den Projektor ein und fliege noch einmal nach Pandora.
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