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Ich habe Avatar 3: Fire and Ash schon gesehen und finde ihn sehr ... seltsam

James Cameron trifft in seinem neuen Kino-Spektakel einige tolle Entscheidungen – und ein paar, bei denen selbst Avatar-Fan Steffi nur noch mit dem Kopf schütteln kann. Unsere Filmkritik.

Wenn die beiden ungleichen Kriegerinnen Varang und Neytiri aufeinander treffen, fliegen die Fetzen. Bild: 20th Century Studios Wenn die beiden ungleichen Kriegerinnen Varang und Neytiri aufeinander treffen, fliegen die Fetzen. Bild: 20th Century Studios

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»Au weia, das wird eine schwierige Filmkritik.« So lautet mein erster Gedanke, als ich aus der Pressevorführung von Avatar 3: Fire and Ash gehe. Am Ausgang warten, wie bei solchen Events üblich, lächelnde PR-Angestellte und fragen die Besucher nach ihrem Eindruck zum Film. Ich kann ihnen in dem Moment wahrheitsgemäß nur antworten, dass ich erstmal in Ruhe drüber nachdenken muss.

Denn der Film hinterlässt bei mir Zwiespalt. Einerseits ist es ein grandioses Action-Meisterwerk, das die anderen beiden Filme in Sachen Bildgewalt noch überstrahlt. Auf der anderen Seite erzählt Avatar 3 aber einfach nochmal genau die gleiche Geschichte wie Teil 2. Keine rhetorische Übertreibung, die Szenen sind sich teilweise zum Verwechseln ähnlich.

Das Tragische dabei: Fire and Ash ist eigentlich der bessere Film als The Way of Water, mit (großteils) interessanten Charakteren, mehr Vielfalt in der bildschönen Welt von Pandora, und herrlichen Kampf-Choreografien, die ich mir dreimal nacheinander in Zeitlupe anschauen möchte.

Doch Avatar 3 lässt mich insgesamt eher frustriert als begeistert zurück, weil es so vieles stumpf wiederholt. Ein Jammer!

Stephanie Schlottag
Stephanie Schlottag

Meistens schreibt Redakteurin Steffi über Spiele und Bücher, aber Filme liebt sie fast genau so sehr. Vor allem, wenn darin fremde Welten, bizarre Kreaturen und bogenschießende Aliens eine Rolle spielen. Mit dem Avatar-Universum von James Cameron kennt sie sich bestens aus, also war es für sie Ehrensache, das GameStar-Review für den dritten Film zu übernehmen.

Was Avatar 3 richtig gut macht

Video starten 1:00 Der letzte Trailer zu Avatar 3 kündigt große Veränderungen im Universum an (die der Film nicht unbedingt liefert)

In Sachen visuelles Spektakel macht Regisseur James Cameron niemand etwas vor. Avatar 3 ist erneut ein Meilenstein, was glaubhafte CGI-Technik angeht. Die Welt von Pandora mit ihren Dschungeln und Ozeanen ist schöner denn je, ein paar wirklich coole neue Kreaturen lassen sich blicken – alles wunderbar.

Auch wenn es an die Action geht, lässt Avatar 3 erneut die Muskeln spielen: Die Hitze der Explosionen spüre ich beinahe im Kinosessel (diesmal steckt sogar eine Portion Mad Max im Film). Zum ersten Mal kämpfen auch Na'vi gegen Na'vi, Ikrans stürzen sich aufeinander wie tollwütige Dinosaurier, Pfeile surren, Speere splittern, Helis und Boote krachen zusammen, super. Und in den ruhigen Momenten sieht die Welt wie immer aus wie einem Gemälde entsprungen.

Die Luftnomaden kommen erst auf der großen Leinwand so richtig zur Geltung. Bild: 20th Century Studios Die Luftnomaden kommen erst auf der großen Leinwand so richtig zur Geltung. Bild: 20th Century Studios

Wer sich von einem neuen Avatar-Film ohnehin nicht mehr als das erhofft, kann die Kinokarte guten Gewissens direkt kaufen. Dieser im wahrsten Sinne bombastische Teil ist noch brachialer geraten als in den Vorgängern, und viel der über 3 Stunden Laufzeit ist unterhaltsamen Action-Momenten gewidmet.

Auch bei der Story haben mir einige Ideen hervorragend gefallen. Das absolute Highlight des Films waren für mich die beiden großen Bösewichte – Colonel Quaritch (Stephen Lang) kennen wir ja nun schon bestens. In Avatar 3 wird er aber deutlich interessanter als bisher und zum ersten Mal hätte ich mir sogar mehr von ihm auf der Leinwand gewünscht. Sein Charakter profitiert massiv vom Auftreten der besten neuen Figur: Asche-Clan-Schamanin Varang.

Noch wilder drauf als es die Trailer zeigen: Varang ist ein Highlight des Films. Bild: 20th Century Studios Noch wilder drauf als es die Trailer zeigen: Varang ist ein Highlight des Films. Bild: 20th Century Studios

Zum ersten Mal darf eine Na'vi ungezähmt blutrünstig und grausam sein. Schauspielerin Oona Chaplin (auch bekannt als Talisa aus Game of Thrones) liefert eine stellare Performance ab und reißt jede einzelne Szene an sich, in der sie auftaucht. Ihre tödliche Eleganz, gemischt mit einer ordentlichen Portion Zerstörungswut, funktioniert hervorragend für die Alien-Kriegerin.

Sie und Quaritch ergänzen einander perfekt – in Avatar 3 geben sie für mich sogar ein stärkeres Paar ab als Jake (Sam Worthington) und Neytiri (Zoe Saldana). Den beiden zuzusehen, wie sie sich gegenseitig in immer tiefere Abgründe treiben, macht verflucht viel Spaß.

Dass aus Quaritch nochmal ein interessanter Gegenspieler wird, hat mich positiv überrascht. Bild: 20th Century Studios Dass aus Quaritch nochmal ein interessanter Gegenspieler wird, hat mich positiv überrascht. Bild: 20th Century Studios

Dass Varang ihr Kuru (den unter Haaren versteckten Nervenstrang) sogar als Waffe einsetzt, ist eine weitere coole Neuerung des Films. Schade, dass ihrem Clan nicht mehr Hintergrundgeschichte gegönnt wird – alles, was wir über die Feuer-Na’vi erfahren, wurde schon in den Trailern gezeigt.

Womit wir leider die in meinen Augen größten Stärken der Story schon abgearbeitet haben. Nun kommen wir zu dem, was mir  Kopfschmerzen bereitet.

Das gewaltig ärgerliche Problem mit der Story

Avatar 3 ist Avatar 2 viel zu ähnlich, besonders in der zweiten Hälfte. Das hat mich so lange gewundert, bis ich ein Interview mit James Cameron gefunden habe, in dem er erklärt, er habe beide Filme ursprünglich als einen geplant. Das spürt man schmerzhaft.

Die Geschichte von Payakan, dem abtrünnigen Tulkun, wiederholt sich im dritten Film einfach nochmal. Bild: 20th Century Studios Die Geschichte von Payakan, dem abtrünnigen Tulkun, wiederholt sich im dritten Film einfach nochmal. Bild: 20th Century Studios

Ich gebe euch mal ein konkretes Beispiel, was ich mit »stellenweise die exakt gleiche Szene« meine. Im zweiten Film wurde Lo’ak (Britain Dalton) von einem Riesenfisch gejagt, suchte Schutz in einer Felsformation, wurde von Pandora-Wal Payakan gerettet und ist auf dem Weg zur Oberfläche fast ertrunken.

In Film 3 wird Lo’ak von mittelgroßen Fischen gejagt, sucht Schutz in einer Felsformation, wird dann von Pandora-Walen gerettet und ertrinkt fast auf dem Weg zur Oberfläche. War diese Szene echt so gut, dass wir sie nochmal gebraucht haben? Über solche Entscheidungen kann ich mich nur wundern, denn trotz seiner langen Laufzeit hätte Avatar 3 wichtigen Handlungssträngen wie Kiris (Sigourney Weaver) Verbindung zu Eywa mehr Luft einräumen müssen. Stattdessen vergeuden wir Zeit mit solchen Wiederholungen.

Gute Ansätze sind ja eigentlich da: Jake und Neytiri trauern um ihren verstorbenen Erstgeborenen, während ihr überlebender Sohn Lo’ak sich die Schuld an der Katastrophe gibt. Das könnte spannend und berührend sein! Leider wird dieser Konflikt aber viel zu schnell und oberflächlich abgehandelt, Subtext und Feingefühl Fehlanzeige, die Charaktere schreien einander ihre Motivationen meistens einfach ins Gesicht.

Subtil ist Avatar 3 nie, weder in seinen Action-Szenen noch in ruhigen Momenten. Bild: 20th Century Studios Subtil ist Avatar 3 nie, weder in seinen Action-Szenen noch in ruhigen Momenten. Bild: 20th Century Studios

Auch seltsam: Auf einmal hat Neytiri ein Problem mit Jakes Menschlichkeit und den teils menschlichen Genen ihrer gemeinsamen Kinder, zumindest für anderthalb Minuten. Das kommt gefühlt völlig aus dem Nichts, hätte viel besser in Film 2 gepasst, wo die Familie ja deswegen vom Metkayina-Clan angefeindet wurde, und hat am Ende keinerlei Konsequenzen. 

Noch seltsamer: Spider (Jack Champion) ist jetzt das Zentrum der Geschichte. Wer den menschlichen Ziehsohn von Jake in Teil 2 nicht mochte, muss also die Zähne zusammenbeißen. Ich hätte viel passender gefunden, wenn Lo’ak diesen Fokus bekommt, immerhin ist er nun derjenige, der statt Jake als Erzähler auftritt. Stattdessen wird Spider zu einer Art wandelndem Wunder, das gleichzeitig die Bombe sein könnte, die die Welt der Na’vi vernichtet. Nur macht ihn das als Charakter nicht spannender, er bleibt so facettenlos wie im letzten Film.

Die anderen Sully-Kinder sind eher Nebenfiguren, sogar die eigentlich äußerst wichtige Kiri. Bildquelle: 20th Century Studios Die anderen Sully-Kinder sind eher Nebenfiguren, sogar die eigentlich äußerst wichtige Kiri. Bildquelle: 20th Century Studios

Dass die Geschichte am Ende dann wieder auf den gleichen Endkampf hinausläuft, den wir in Teil 2 schon gesehen haben, mit denselben Beteiligten – da stellt sich selbst bei einem äußerst versöhnlichen Avatar-Fan wie mir Frust ein. Es hätte einen viel spannenderen Ausweg gegeben, dazu muss ich ein paar kleine Spoiler nennen.

Warnung: der folgende Absatz enthält leichte Spoiler

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Spider erhält durch ein Ritual die Fähigkeit, in Pandoras für Menschen giftiger Atmosphäre ohne Maske zu atmen. Nun wollen die Forscher der RDA ihn untersuchen und auch andere Menschen entsprechend verändern. Jake und Neytiri befürchten, dass damit der vollständigen Kolonisierung von Pandora nichts mehr im Weg stehen würde. Daher treffen sie die Entscheidung, Spider zu töten, um das zu verhindern. 

So viel sei verraten: Avatar geht hier nicht so weit, wie ich es mir gewünscht hätte, nachdem die Themen Gewalt, Opferbereitschaft und die Hoffnungslosigkeit des Krieges vorher aufgebaut wurden. Stattdessen entscheidet sich James Cameron für den erwartbaren und damit zahnloseren Weg.

Eine weitere Änderung hätte das Finale so abwandeln können, dass die Wiederholung sich bedeutungsvoll anfühlt: Wären die letzten Kriegsszenen von Teil 3 mit einem schwermütigen Soundtrack hinterlegt statt mit dem typischen Kampfmusik-Gewummer, dann wäre daraus ein Kommentar über die scheinbar unentrinnbare Spirale der Gewalt geworden. Trauer statt Triumph – das wäre im Gedächtnis geblieben!

Am Ende hat sich eigentlich nichts geändert, nur dass die letzten Momente von Avatar 3 noch versöhnlicher und abschließender wirken als im Vorgänger. Ich frage mich, ob James Cameron vielleicht tatsächlich damit rechnet, dass dieser Film der letzte wird – er sagte kürzlich, er wäre bereit aufzuhören. Zwar bleiben noch ein paar kleine Handlungsfäden unaufgelöst, aber keiner davon verschafft mir das brennende Bedürfnis nach einer Fortsetzung.

Laut Regisseur und Cast ist die bisherige Geschichte mit dem Film auch tatsächlich abgeschlossen, nur frage ich mich dann, warum es eine Trilogie wurde, in der wir zweimal ein sehr ähnliches Ende erleben.

Lohnt sich der Kinobesuch denn nun?

Fürs reine Spektakel ja, am besten in einem Kino mit möglichst hochwertiger und großer Leinwand, damit die volle visuelle Pracht des Films zur Geltung kommt. Unterhalten werdet ihr hier gut, solange ihr nicht allzu viel nachdenkt. 

Die Kultur der Feuer-Navi ist so ganz anders als die ihrer friedlichen Mitvölker. Cool! Bild: 20th Century Studios Die Kultur der Feuer-Na'vi ist so ganz anders als die ihrer friedlichen Mitvölker. Cool! Bild: 20th Century Studios

Wer sich einen beherzten Sprung im Narrativ von Avatar erhofft, sollte diese Erwartung gleich wieder dämpfen. Ihr werdet einen neuen Aufguss von Teil 2 sehen, mit ein paar spaßigen neuen Elementen und Charakteren, mehr Spider und ein bisschen mehr Lore über Eywa und die spirituelle Welt der Na’vi. Nicht mehr, nicht weniger. Ob das für euch einen Kinobesuch rechtfertigt, müsst ihr natürlich selber entscheiden.

Teil 4 soll eigentlich 2029 erscheinen. Ich weiß jetzt schon, dass ich wieder reingehe – ich sehe so viel Potential im Pandora-Universum, das kann doch nicht ungenutzt bleiben! So viele starke Storys wären möglich, und ich will nicht aufhören, darauf zu hoffen. Aber nach dem Besuch von Avatar 3 fällt mir das Warten auf den nächsten Teil zum ersten Mal ganz leicht. 

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