Seite 2: Führt wirklich kein Weg am Steam Deck vorbei? Ich habe die spannende Alternative Ayaneo Air getestet

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Die Software schreckt mich eher ab

Beim ersten Einschalten des Ayaneo Air habe ich frohlockt: Windows 11 begrüßt mich! Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber ich bin bis heute mit dem sperrigen Linux-Desktop des Steam-Decks nicht wirklich warm geworden. Beim Ayaneo habe ich die gewohnte Umgebung aus dem Hause Microsoft und dadurch vor allem auch volle Kompatibilität zu all meinen Spielen.

Außerdem empfinde ich persönlich das Arbeiten unter Windows 11 auf dem 5,5-Zoll-Display als angenehmer, was primär an der guten Skalierung der Oberfläche liegt (dass ich das mal über Windows schreiben würde, irre!). Dank der Synchronisation mit meinem Microsoft-Konto und anderen Diensten arbeitet das Ayaneo auch besser mit meinen anderen Geräten zusammen. Ich kann dort weitermachen, wo ich am Notebook/PC aufgehört habe, etwa beim Bearbeiten von Office-Dateien oder im Browser.

Dafür genieße ich beim Steam Deck mehr Gaming-Komfort. Sobald man den Desktop hinter sich lässt und die herstellereigene Oberfläche aufruft, kommt die Expertise von Valve zum Tragen. Auf dem Deck fühle ich mich wie auf einer waschechten Konsole. Die Menüs sind übersichtlich, alle Befehle lassen sich schnell und einfach mit den Analogsticks erreichen, ich kann in Windeseile von der Bibliothek rüber in den Shop wechseln, mein Profil anpassen oder einen Chat mit einem Steam-Freund starten.

Ayaneo Air Die Oberfläche des Ayaneo ist eine simple Windows-App und wirkt sehr unausgereift.

Steam Deck Das Steam Deck bietet mir mehr Komfort und wirkt durchdachter.

Das Ayaneo hingegen versprüht Bastler-Charme, um es freundlich auszudrücken. Auch hier gibt es die Möglichkeit, eine spezielle Oberfläche aufzurufen. Die ist aber bloß eine simple Windows-Anwendung und wirkt auf mich weder in Sachen Aufbau noch Optik so professionell und durchdacht wie das Pendant auf dem Steam Deck.

Immerhin stimmen die Funktionen. Ich bekomme die zuletzt gespielten Titel angezeigt, was auch Steam, GOG und andere Bibliotheken mit einschließt. Am rechten Rand finden sich dann gerätebezogene Features, etwa das Einstellen der maximalen Leistung, die Tastenbelegung und Live-Daten zur verbauten Hardware. Das steuert sich aber alles fummelig und wirkt zusammengeschustert. Noch dazu ist die englische Übersetzung des chinesischen Herstellers teilweise unfreiwillig komisch.

Das Resultat könnte unterschiedlicher nicht sein. Während ich mich beim Steam Deck am liebsten permanent im Konsolen-Modus befinde, halte ich mich auf dem Ayaneo primär auf dem regulären Windows-Desktop auf und arbeite lieber mit virtueller Maus und Tastatur. Wer Komfort sucht, dürfte bei Valve glücklicher werden.

Die Spieleleistung: Jetzt wird's spannend!

Genug über bunte Analogsticks, große Hände und gewöhnungsbedürftige Oberflächen gesprochen. Jetzt komme ich endlich zur Königsdisziplin: Welcher Handheld kann mich beim Gaming mehr überzeugen? Wie bereits zu Beginn des Artikels erläutert, ähnelt sich die verbaute Hardware in beiden Geräten stark.

Das Ayaneo Air hat Vorteile bei der CPU, das Steam Deck hingegen beim Arbeitsspeicher. Bei der Grafikeinheit herrscht Gleichstand. Gute Voraussetzungen also für ein Duell der Gaming-Handhelds. Ich habe beide Geräte intensiv zum Zocken genutzt. Als Titel kamen F1 22, Darksiders 3, Hollow Knight und Kao the Kangaroo zum Einsatz.

Ich mache es kurz: Beide Handhelds haben ordentlich Power, doch das Ayaneo steht sich selbst im Weg. Denn während sich Valve dazu entschied, die Auflösung des LCDs bei mobiltauglichen 1280x800 Pixel zu belassen, werkelt der OLED-Bildschirm des Ayaneo nativ in FullHD - bei kleinerer Displaygröße wohlgemerkt.

F1 22 läuft auf dem Ayaneo flüssig, jedoch nur mit reduzierter Bildschirmauflösung. F1 22 läuft auf dem Ayaneo flüssig, jedoch nur mit reduzierter Bildschirmauflösung.

Natürlich könnt ihr die Auflösung auch runtersetzen, dadurch wird das Bild aber unscharf, was nicht Sinn der Sache ist. Das Ergebnis überrascht demzufolge auch nicht. Da sich beide Geräte zumeist im Grafiklimit wiederfinden, wirkt sich die schwächere CPU des Steam Deck im Spielealltag nicht aus. Die hohe Auflösung des Ayaneo jedoch sehr wohl. Ich musste im Vergleich zum Valve-Konkurrenten häufiger die Details reduzieren und mit niedrigeren Bildraten leben.

Das soll aber nicht heißen, dass das Ayaneo kein guter Gaming-Handheld ist. Die Leistung ist wie gesagt dennoch absolut überzeugend und für unterwegs ausreichend. Und auch die Arbeitsgeschwindigkeit unter Windows - Surfen, Dateien verschieben, etc. - ist auf sehr hohem Niveau.

Mit einer niedrigeren Auflösung bei diesem kompakten Formfaktor wäre aber eben noch mehr drin gewesen und ihr wärt seltener dazu gezwungen, Zugeständnisse bei der Optik machen zu müssen. Der Lüfter ist beim Ayaneo unter Last übrigens hörbar lauter als beim Deck, ohne dabei aber einen unangenehmen Pegel zu erreichen.

Als subjektiv besser empfunden habe ich das Display des Ayaneo Air, da es die bekannten OLED-Stärken wie Farbbrillanz und Kontrast ausspielen kann. Eindeutig geschlagen muss sich das Ayaneo hingegen beim Thema Sound geben. Die Spieleklänge kommen nur dumpf aus dem Lautsprecher, wohingegen mich das Steam Deck auf diesem Gebiet jedes Mal aufs Neue umhaut.

Wie lange geht der Spaß?

Bleibt abschließend noch die Frage nach der Akkulaufzeit. Hier hat erneut das Steam Deck nach meinen Messungen - und auch vom subjektiven Empfinden her - die Nase vorn. In Spielen hielt das Steam Deck (5.200 mAh) bei mir je nach getestetem Spiel zwischen 3 bis 5 Stunden durch. Das Ayaneo Air (7.350 mAh) verlangte rund eine Stunde früher nach der nächstgelegenen Steckdose.

Hauptverantwortlich dafür dürfte erneut die höhere Bildschirmauflösung sein. Außerdem bleibt die RGB-Beleuchtung der Analogsticks standardmäßig auch im Standby aktiviert, was munter am Akku saugt - immerhin kann man diesen Umstand manuell beheben. Nicht zuletzt ist auch denkbar, dass das Steam Deck über eine feinere Leistungskurve verfügt und die Taktrate der APU effizienter an die jeweilige Auslastung anpasst, aber das ist nur eine Vermutung.

Dem Akku des Ayaneo geht recht schnell die Puste aus, wenn ihr nicht nur genügsame Titel spielt. Dem Akku des Ayaneo geht recht schnell die Puste aus, wenn ihr nicht nur genügsame Titel spielt.

Kauf oder Nichtkauf? Optik, Bedienung, Performance - ihr seht schon, es gibt eine ganze Reihe an guten Gründen, sich für den Kauf des Ayaneo Air (Pro) zu entscheiden. Das größte Gegenargument zieht sich jedoch bereits durch den ganzen Artikel: die Existenz des Steam Decks. Für mich und meine Spielegewohnheiten bietet der Valve-Handheld meist das bessere Erlebnis und Gesamtpaket.

Erschwerend hinzu kommt noch der Umstand, dass ihr das Ayaneo derzeit nur im offiziellen Store des Herstellers und in einigen anderen internationalen Internet-Shops (zu meist deutlich höheren Preisen) erwerben könnt. Oftmals kommt noch die bereits erwähnte Zoll-Gebühr obendrauf. Und wenn ihr dann doch mal Probleme mit dem Gerät habt und Support benötigt, habt ihr dafür keine regionale Anlaufstelle.

Alles Punkte, die ihr vor einem Kauf unbedingt bedenken solltet. Das Gerät als solches habe ich aber trotz seiner Macken in mein Herz geschlossen. Vor einem Jahr, bevor das Steam Deck auf der Bildfläche auftauchte, hätte ich das Ayaneo als das Non plus ultra empfunden. Heute kann es mich vor allem mit seinem Charme als fernöstlicher Underdog bezaubern.

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