Ayaneo Pocket DMG im Test: Ein Traum für Retro-Fans mit großem Haken

Der Ayaneo Pocket DMG ist einer der besten Game Boy-Klone – aber er hat eine Identitätskrise.

Der Ayaneo Pocket DMG ist ein vertikaler Handheld mit schneller Hardware – aber ist die überhaupt notwendig? Der Ayaneo Pocket DMG ist ein vertikaler Handheld mit schneller Hardware – aber ist die überhaupt notwendig?

Die Gaming-Handheld-Renaissance geht weiter, aber eine Gerätekategorie wird noch eher selten bedient: Vertikale Handhelds. 

Damit sind Geräte gemeint, bei denen sich die Steuerelemente nicht neben, sondern unter dem Display befinden – also wie bei den ersten Game Boy-Modellen. In den meisten Fällen sind solche Geräte deutlich kompakter und einige passen sogar in die Hosentasche. 

Das ist der Grund, warum ich den hier getesteten Ayaneo Pocket DMG problemlos überallhin mitgenommen habe – ganz einfach rutscht er in Jacken- oder sogar Hosentasche.

Ein Steam Deck oder die Nintendo Switch erfordern meistens eine zusätzliche Tasche, weshalb sie bei mir nur selten das Haus verlassen.

Der Ayaneo Pocket DMG ist ein vertikaler Gaming-Handheld mit Android-Betriebssystem – und womöglich einer der besten. Eine klare Empfehlung fällt mir trotzdem schwer. Warum, erfahrt ihr jetzt.

Transparenzhinweis: Ayaneo hat mir den Pocket DMG für den Test kostenfrei zur Verfügung gestellt. Der Hersteller hatte keinen Einfluss auf den Artikelinhalt und bekam keine Einsicht vor dem Erscheinen des Tests. Es bestand keine Verpflichtung zu einem Testbericht.

Leistungs-Tipp
Ayaneo Pocket DMG
Ayaneo Pocket DMG
Der Ayaneo Pocket DMG ist einer der besten vertikalen Handhelds auf dem Markt, der allerdings unter einer Identitätskrise leidet. Die schnelle Hardware eignet sich sehr gut für das Spielen von modernen Spielen, aber das Fehlen vom zweiten Analog-Stick und das fast quadratische Seitenverhältnis vom Bildschirm machen den Pocket DMG besser geeignet für Retro-Spiele. Für diese hätte jedoch auch langsamere Hardware ausgereicht. 

Abseits davon erhaltet ihr mit diesem Gerät einen Handheld im Game Boy-Stil, den ihr leicht überall hin mitnehmen könnt und genügend Leistung für alles, was mit dem Android-Betriebssystem möglich ist – solange ihr bereit seit, den hohen Preis zu bezahlen.
  • Handlich und gut verarbeitet
  • Schöner OLED-Bildschirm für Retro-Spiele
  • Sehr hohe Gaming-Leistung
  • Fingerabdrucksensor 
  • Großer Akku
  • Erweiterbarer Speicher
  • Kein zweiter Analog-Stick
  • Unpräzises Touchpad und Gyroskop
  • Keine 3,5mm-Klinke
  • Ungeeignetes Seitenverhältnis für moderne Spiele

Verarbeitung, Design und Komfort

Das Gehäuse besteht aus einem matten Kunststoff, der eine sehr feine Textur besitzt. Dadurch liegt es sicher in der Hand und fühlt sich nicht billig an.

Der Handheld liegt komfortabel in meinen Händen, obwohl das Gerät eigentlich nur ein grauer Kasten ist – am ehesten erinnert mich die Ergonomie an den Game Boy Color. 

Mir gefällt das Gerät optisch sehr gut. Mir gefällt das Gerät optisch sehr gut.

Das Design ist jedoch ganz klar an den ersten Game Boy angelehnt. Auf der rechten Seite befinden sich die ABXY-Tasten, wobei die B- und A-Tasten in Magenta eingefärbt sind. Das Steuerkreuz links wird von einem einzelnen Analog-Stick darunter ergänzt. Dieser ist etwa so groß, wie der von den Nintendo Joy Cons. 

Einen zweiten Analog-Stick gibt es nicht. Stattdessen gibt es ein drückbares Touchpad. Auf der Rückseite befinden sich vier Schultertasten, die horizontal statt vertikal zueinander angeordnet sind. Spielt man Spiele, die zwei Sticks und die Schultertasten verwenden, muss man mit beiden Zeigefingern und Daumen eine Klaue formen – nicht sehr komfortabel.

An den Seiten befinden sich zusätzliche Tasten für die Steuerung von Android, ein Lautstärkerad, ein Schalter für das Wechseln von Leistungsprofilen, ein Power-Button mit Fingerabdrucksensor, ein microSD-Kartenslot und die Lautsprecher.

Diese sind zwar laut, aber klingen recht dünn. Einen 3,5mm-Klinkenanschluss gibt es außerdem nicht. Man muss auf Bluetooth-Kopfhörer ausweichen. 

Alles in allem gefällt mir das Design vom Ayaneo Pocket DMG insgesamt gut. Das Gerät sieht schön aus und ist komfortabel – solange man Spiele spielt, die keine zwei Analog-Sticks benötigen.

Bildschirm

Eines der Highlights vom Ayaneo Pocket DMG ist das 3,92-Zoll große OLED-Display.

Die Auflösung beträgt 1240 x 1080 Pixeln, was in einer Pixeldichte von etwa 415 ppi resultiert. Bildschirminhalte sind somit gestochen scharf. 

Der Bildschirm ist ausgezeichnet. Der Bildschirm ist ausgezeichnet.

Die maximale Helligkeit von 450 Nits könnte besser sein, ist aber noch ausreichend, um bei Tageslicht draußen spielen zu können. Bei direkter Sonneneinstrahlung wird es aber schwierig

Wie bei anderen OLED-Bildschirmen kommen Spiele richtig schön zur Geltung. Die Farben strahlen und der Kontrast ist ausgezeichnet. 

Steuerung

D-Pad und Tasten: Aufgrund des fast quadratischen Bildschirmverhältnisses eignet sich dieser Handheld besonders gut für das Spielen von Retro-Spielen. Dazu trägt auch das kreuzförmige D-Pad bei. Ich bin froh darüber, dass sich Ayaneo nicht für eine scheibenförmige Variante entschieden haben.

Die Druckpunkte sind allerdings etwas schwammig und gerade bei Kreisbewegungen ist es schwierig, die Eingaben zu fühlen. 

Die ABXY-Tasten sind sehr flach, aber daran habe ich mich schnell gewohnt. Bei den Schultertasten sind die Aktivierungen taktil durch einen Klick spürbar. Wenn ihr mit dem Ayaneo Pocket DMG größtenteils Retro-Titel spielen wollt, dann werdet ihr definitiv nicht enttäuscht. 

Reden wir jetzt über den Analog-Stick und das Touchpad. Fangen wir mit der guten Nachricht an. Der Analog-Stick ist präzise, griffig und sollte dank Hall-Effekt-Sensoren resistenter gegenüber Stick Drift sein. 

Und jetzt die schlechte Nachricht. Der rechte Analog-Stick wird durch ein Touchpad simuliert. Präzise in Shootern damit zu zielen ist unmöglich. Es reicht aus, um in Spielen die Kamera zu steuern, aber erwartet nicht die Präzision, die ein Touchpad haben kann, wenn es stattdessen eine Maus simuliert. 

Das Trackpad versucht ein Problem zu beheben, das nicht existiert. Das Trackpad versucht ein Problem zu beheben, das nicht existiert.

Ich bin mir offen gesagt nicht sicher, warum sich Ayaneo für ein Touchpad anstelle eines zweiten Analog-Sticks entschieden hat. Ich sehe keine offensichtlichen Vorteile dadurch – eher nur Nachteile. 

Aber es gibt noch ein 6-Achsen-Gyroskop … das leider noch schlechter als das Touchpad ist. Es reagiert nur verzögert und simuliert auch nur den rechten Analog-Stick. 

Software

Der Ayaneo Pocket DMG verwendet Android 13 als Betriebssystem mit einem Launcher, der einfach mit dem Controller gesteuert werden kann. Alternativ lässt sich Android ganz klassisch über den Touchscreen bedienen. 

Das Google-Betriebssystem ist selbst auf diesem quadratischen Display in den meisten Fällen unproblematisch. Es gibt aber auch Fälle, bei denen das nicht zutrifft. Manchmal verdeckt zum Beispiel die On-Screen-Tastatur das Textfeld in einigen Apps und so sieht man nicht, was man gerade tippt. 

Zusätzlich ist die AyaSpace-App vorinstalliert. Mit dieser werden Updates installiert und Einstellungen geändert. Mit der AyaSpace-Taste unten rechts lässt sich zudem ein Schnellmenü aufrufen, wie man es von anderen Gaming-Handhelds kennt:

Das Schnellmenü erinnert an Steam Deck und Co. Das Schnellmenü erinnert an Steam Deck und Co.

Gaming-Leistung und Speicher

Im Inneren des Ayaneo Pocket DMG steckt ein sehr potenter Qualcomm Snapdragon 8 G3X Gen2. Dieser wird außerdem aktiv durch einen Lüfter gekühlt. Frische Luft wird über die Rückseite angesaugt und dann durch das Gerät nach oben ausgegeben. 

Dadurch wird sichergestellt, dass selbst bei langen Spielsessions die bestmögliche Leistung aufrechterhalten wird.

Es gibt zwar auch Handys, die sehr schnelle Hardware besitzen, aber diese setzen in fast allen Fällen auf passive Kühlung über das Gehäuse und Drosselung des Prozessors, um das Gerät vor Überhitzung zu schützen – nicht ideal für aufwendige Spiele. 

Der Lüfter des Ayaneo Pocket DMG. Bei maximaler Einstellung ist er ziemlich laut. Diese ist zum Glück nur selten notwendig. Der Lüfter des Ayaneo Pocket DMG. Bei maximaler Einstellung ist er ziemlich laut. Diese ist zum Glück nur selten notwendig.

Wieder habe ich zwei Nachrichten für euch:

Die gute Nachricht: Dieser Prozessor ist schnell genug für so gut wie alle Android-Spiele und Apps. Der Lüfter kann eine gewisse Drosselung bei besonders leistungsintensiven Prozessen nicht ganz verhindern, aber die Leistung bleibt auf einem hohen Niveau.

  • 3D Mark Wild Life Extreme: 3.879 (Besser als 85 Prozent aller Geräte)
  • 3D Mark Wild Life Extreme Stress Test: 3.742 zu 3.203 (85,6 Prozent Stabilität: Leistungsverlust von 14,4 Prozent nach 20 Minuten bei maximaler Lüftungsgeschwindigkeit)

Die schlechte Nachricht: Der Prozessor ist also schnell genug, um selbst relativ moderne Spiele nativ zu spielen. Aber sie passen nicht wirklich zu diesem Handheld. Der Bildschirm hat ein fast quadratisches Seitenverhältnis und bei Spielen, die für das 16-zu-9-Format entwickelt wurden, gibt es unschöne schwarze Ränder. Überdies fehlt ein echter zweiter Analog-Stick für solche Spiele. 

GTA Chinatown Wars: Schwarze Ränder machen den Spielbildschirm kleiner, als er ist. GTA Chinatown Wars: Schwarze Ränder machen den Spielbildschirm kleiner, als er ist.

Der Ayaneo Pocket DMG eignet sich vom Formfaktor und der Steuerelemente her perfekt für das Spielen von älteren Retro-Spielen, aber dafür ist diese performante Hardware gar nicht notwendig. 

Auch das Streamen von PC-Spielen über Steam Link funktioniert zwar gut, aber wieder erschweren das Seitenverhältnis und das Fehlen vom zweiten Analog-Stick die Sache. 

Like a Dragon: Infinite Wealth. Bei PC- und Konsolentiteln kann das Lesen von Text schwer werden. Like a Dragon: Infinite Wealth. Bei PC- und Konsolentiteln kann das Lesen von Text schwer werden.

Das Gerät hat also eine gewisse Identitätskrise. Schnell genug für modernere Titel, aber ergonomisch nicht dafür geeignet. Dafür perfekt für Retro-Spiele, aber die interne Hardware ist dafür ein Overkill. 

Spiele wie Brotato oder Stardew Valley können im Vollbild angezeigt werden. Auch ältere Retrospiele, die für das 4:3-Format entwickelt wurden, lassen sich wunderbar auf dem Bildschirm spielen. Spiele wie Brotato oder Stardew Valley können im Vollbild angezeigt werden. Auch ältere Retrospiele, die für das 4:3-Format entwickelt wurden, lassen sich wunderbar auf dem Bildschirm spielen.

Speicher: Der Ayaneo Pocket DMG ist auf der Webseite des Herstellers in zwei Varianten vorbestellbar: 

  • 16 GByte RAM / 512 GByte UFS 4.0
  • 8 GByte RAM / 128 GB UFS 3.1

Mein Testmuster mit 16 GByte und 1 TByte Speicher ist aktuell nicht verfügbar. Der interne Speicher lässt sich zusätzlich mit einer microSD-Karte erweitern.

Akkulaufzeit

Ayaneo hat in das kleine Gerät einen 6.000 mAh-Akku gepackt. Dieser kann mit einer Ladeleistung von maximal 25 Watt aufgeladen werden. Ein Ladegerät müsst ihr euch allerdings separat besorgen. 

Die Akkulaufzeit variiert je nach Spiel und Leistungsprofil. In der »Max«-Einstellung mit 15 Watt-Leistung ist nach etwa 150 Minuten Schluss. Im »Power-Saving«-Profil sind locker über zehn Stunden möglich. 

Wissenswertes zum Test
So habe ich getestet

Über einen Zeitraum von etwa einem Monat habe ich Spiele unterwegs und zu Hause mit dem Ayaneo Pocket DMG gespielt. Weiter habe ich auch ein paar gewöhnliche Smartphone-Apps auf diesem verwendet. 

Spezifikationen
Bildschirm3.92" OLED, 1240 x 1080 pixel
CPUSnapdragon G3X Gen 2 / 8 Core Arm SOC Bis zu 3.36GHz
GPUAdreno A32 GPU @ 1000MHz
RAMLPDDR5X 8.533 MT/s
OSAndroid 13
SoftwareAYASpace front-end, AYAHome launcher
KonnektivitätWiFi 6 / BT 5.3
BewegungssteuerungSechs-Achsen-Gyroskop
RumbleX-Achse Linearer Motor
Anschlüsse1x USB Type-C, USB 2.0,
1x microSD-Kartenslot
BiometrikFingerabdrucksensor
Battery6000mAh / 25W PD QC
Maße91,5 x 151 x 22,3mm
Gewicht279 g
FarbenMoon White, Arctic Black, Retro Colour

Preis und Verfügbarkeit

Der Ayaneo Pocket DMG erscheint am 17.01.2025 und ist aktuell für einen Preis ab 365 Euro vorbestellbar. Der Versand für EU-Kunden wird von Ayaneo-Partner DroiX abgewickelt. 

Solltet ihr euch den Ayaneo Pocket DMG kaufen?

Die schnelle Hardware und der schöne OLED-Bildschirm treiben den Preis von diesem Handheld leider nach oben. Bei Ayaneo könnt ihr den Pocket DMG zum jetzigen Zeitpunkt ab 365 Euro in der Variante mit 8 GByte RAM und 128 GByte Speicher vorbestellen. Für die 16 / 512 GByte-Version werden 495 Euro fällig.

Der Ayaneo Pocket DMG ist für euch, wenn … 

  • … ihr einen vertikalen Retro-Handheld mit hoher Leistung sucht.
  • … ihr keine Shooter spielen wollt.
  • … euch ein besonders guter Bildschirm wichtig ist. 

Alternativen

Razer Edge: Im Razer Edge steckt der Vorgänger-Chip, also der Snapdragon 8 G3X Gen1. Dieser ist auch heute noch schnell genug für die meisten Spiele und Apps. Außerdem eignet sich das Seitenverhältnis vom Razer Edge besser für das Spielen von modernen Titeln. Dafür ist der Bildschirm schlechter geeignet für Retrospiele.

Logitech G Cloud: Wenn ihr größtenteils Spiele streamen möchtet, kann sich der Griff zur Logitech G Cloud lohnen. Das Gerät hat ein sieben Zoll großes 16-9-Display, was sich perfekt für Konsolen- und PC-Spiele eignet. Der verbaute Snapdragon 720 G ist für das Spielen von älteren Titeln noch gut gerüstet. 

Analouge Pocket: Wenn ihr ein authentisches Game Boy-Erlebnis mit moderner Hardware sucht, dann führt kein Weg am Analouge Pocket vorbei. In den Handheld könnt ihr sogar eure Original Spielkassetten einlegen. 

Wenn ihr auf der Suche nach einem vertikalen Gaming-handheld mit der herausragend schneller Hardware und exzellentem Bildschirm sucht, dann ist der Ayaneo Pocket DMG die richtige Wahl, solange euch der Preis nicht zu hoch erscheint. Wenn ihr jedoch nur Retro-Spiele spielen wollt, dann ist die verbaute Hardware zu viel des Guten und es gibt günstigere Optionen, wie zum Beispiel die Geräte vom Konkurrenten Anbernic

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