Ein bisschen unabhängiger vom Stromanbieter sein und eigene Energie erzeugen, Geld sparen und etwas für die Umwelt tun - ganz ohne selbst viel dafür machen zu müssen? Klingt nach dem Geldbaum aus Die Sims, allerdings soll es um private Balkonkraftwerke gehen.
Warum es eigentlich (abseits von fehlenden Aufstellmöglichkeiten oder ablehnenden Vermietern) kaum noch Gründe gegen ein Balkonkraftwerk gibt und was fallende Akkupreise und moderne Stromtarife damit zu tun haben? Ich habe mir von Zendure ein Set mit Wechselrichter und Batteriespeicher kommen lassen, damit ihr an meinen Erfahrungen teilhaben könnt.
Sinkende Preise, immer mehr Sparmöglichkeiten
Als ich mir vor einigen Jahren ein Balkonkraftwerk kaufte, lag der Preis bei knapp 1.000 Euro. Dafür gab es nur zwei Panels mit je 385 Watt und einen Hoymiles-Wechselrichter mit 600 Watt Einspeiseleistung.
Heute gibt es so kleine Sets gar nicht mehr, im Einstieg bekommt ihr bereits 800 Watt Einspeiseleistung und zwei Panels mit je um die 415 Watt. Und das kostet auch keine vierstellige Summe mehr, ein qualitativ solides Balkonkraftwerk gibt es schon für weniger als 250 Euro!
Wenn ihr kein Set, sondern Einzelteile (Wechselrichter, Solarmodule, eventuell Verlängerungs- und Anschlusskabel) kauft, könnt ihr zusätzlich sparen: Die Preise pro 400-Watt-Solarmodul sind von über 150 Euro auf nur noch knapp 50 Euro gefallen, passende Wechselrichter gibt es schon für unter 100 Euro. Achtet aber bei den Panels auf die Versandkosten.
Mehr Effizienz dank Akku
Ebenfalls stark im Preis gesunken sind Akkuspeicher für Balkonkraftwerke. Damit lässt sich die tagsüber eingefangene Energie auch in den Abend- und Nachtstunden nutzen, statt eventuellen Überschuss (meist unvergütet) ins Stromnetz einzuspeisen. Wer tagsüber selten daheim ist und entsprechend nur einen geringen Stromverbrauch hat, wird in der Regel erst mit einem Akku ernsthaft von der Solarenergie profitieren können.
Die Preise für die typischen Balkonsolar-Akkus mit 2 bis 5 kWh Kapazität sind in den letzten Jahren sogar noch stärker gefallen als die für Solarmodule. Kostete vor wenigen Jahren eine Kilowattstunde Speicherkapazität noch gut 1.000 Euro, bekommt ihr für das Geld bereits günstige Akkus mit 5 Kilowattstunden, die noch weiter verbreiteten Speicher mit 2 kWh gibt es ab 500 Euro.
Galten Balkonsolarakkus vor einiger Zeit noch als reine Liebhaberei, die sich in der Lebenszeit des Speichers nur schwer rechneten, sieht es bei den aktuellen Preisen trotz gleichzeitig sinkender Strompreise schon besser aus. Den Einspar-Nachbrenner zündet ihr aber erst, wenn ihr den Akku mit einem modernen Stromtarif verbindet.
Der Gamechanger: Dynamische Strompreise
Ein dynamischer Stromtarif kann ohne Solar und Speicheroption durchaus riskant werden: Bei diesen Tarifen gibt der Anbieter stundengenau den Börsenstrompreis plus die fixen Stromnebenkosten an euch weiter. Zwar ist der größte Teil des Strompreises in diesen Nebenkosten (Netzentgelte, Steuern, etc.) enthalten, die Erzeugungskosten des Stromes können aber durchaus einen Unterschied machen. Allerdings in beide Richtungen.
An sonnigen und/oder windreichen Tagen kommen die niedrigen Kosten erneuerbarer Energie zum Tragen, der Börsenstrompreis liegt dann oft bei 0 Cent oder sogar im negativen Bereich. Der effektive kWh-Preis liegt dann am Ende zwar immer noch zwischen 5 und 15 Cent, das ist aber schon weit entfernt von den Kosten im Pauschalvertrag.
Der Nachteil: An anderen Tagen kann der Börsenstrompreis stundenweise stark ansteigen und euren Strompreis auf über 50 Cent treiben. Gut also, wenn sich diese Stunden mit einem Akku abpuffern lassen - übrigens auch gut für die Stabilität des Stromnetzes und für die CO2-Bilanz, da in den teuren Stunden üblicherweise Gas- und Kohlekraftwerke arbeiten.
Praxistest mit Zendure Solarflow und Akku
Moderne Balkonkraftwerke mit Akku beherrschen inzwischen auch bidirektionales Laden. Bedeutet: Der Solar-Wechselrichter kann den Akku auf Wunsch auch mit Netzstrom statt Photovoltaik laden. Kollege Mirco berichtet euch hier beispielsweise von seinen Erfahrungen mit dem neuen System von Anker:
Der zweite große Akku-Balkonsolar-Ausstatter ist Zendure, dessen neuen Solarflow 800 Wechselrichter ich die letzten Wochen in Verbindung mit einem 2-kWh-Akku ausprobieren durfte. Auch hier ist bidirektionales Laden möglich.
Ohne dynamischen Stromtarif oder wenigstens einem Tarif mit spürbar günstigeren Nachtpreisen rechnet sich das Akkuladen aus dem Stromnetz aber nicht: Euer kWh-Preis bleibt ja gleich, dafür fallen zwischen Akku und Netz aber Wandlungsverluste von gut 20 Prozent an.
Per App-Automatisierung oder automatisch per Ausleseadapter oder Strommessgeräten wie denen von Shelly lässt sich der Akku zu günstigen Zeiten füllen und so einen Teil des Preisvorteils in teure Stunden überführen.
Das klappt mit dem Zendure-System schon sehr gut, im hiesigen vier-Personen-Haushalt reichen allerdings die zwei Kilowattstunden des Akkus nicht lange aus. Praktisch: Die Zendure-Akkus lassen sich bequem erweitern. Bislang zeigt sich auch der Wechselrichter als weniger anfällig bei höheren Temperaturen als der vorher genutzte Powerstream von Ecoflow.
Zendure Solarflow 800 - nutzerfreundlich und erweiterbar
Dass es bei Wechselrichtern Unterschiede gibt, zeigt sich schon beim Blick auf den Preis. Der Solarflow 800 gehört zu den eher teureren Modellen mit gut 250 Euro, auch wenn es bei Zendure noch in einigen Punkten besser ausgestattete Modelle findet.
Die Solarleistung, die über die zwei MC4-Eingänge erzielt werden kann, liegt bei maximal 1.200 Watt. Wer keine zwei Panels mit je 600 Watt besitzt, kann auch zwei PV-Module parallel anschließen um die Ampere-Leistung zu erhöhen und damit mehr Leistung herausholen.
Ein Anschluss für Zendure-Akkus wie den AB2000S, den ich ebenfalls ausprobieren durfte, gibt es ebenfalls. Angesichts der maximal erreichbaren Solareingangsleistung dürfte eine Bestückung mit maximal 4-6 Kilowattstunden Speicher am Sinnvollsten sein - kauft ihr noch mehr Akkukapazität, wird es schon schwer, die Speicher zu füllen.
Insgesamt ist der Umgang mit dem Solarflow 800 sowie den Zusatzbatterien sehr stressfrei - aufbauen, mit der App vertraut machen, passt. Per Shelly-Pro-Adapter oder Smart Meter lässt sich eine Nulleinspeisung realisieren, notfalls lassen sich Ladeprofile auf Stundenbasis erstellen.
Praktisch: Der Wechselrichter legt deutlich früher mit der Stromerzeugung los als mein bisher genutzter Ecoflow Powerstream. Der aber auch nur die Hälfte kostet und die noch etwas umfangreichere Appsteuerung mitbringt.
Balkonsolar mit Akku ist bezahlbar geworden
Bei Preisen von unter 300 Euro für solide Mini-Solaranlagen ohne Akku, die sich später immer noch mit einem Speicher erweitern lassen, braucht ihr nicht einmal der Umwelt etwas Gutes tun wollen, es reicht schon der Wunsch nach einer niedrigeren Stromrechnung.
Je nach Nutzungsprofil und Verschattung spart ein kleines Balkonkraftwerk bis zu 200 Euro im Jahr. Rechnet aber vorher durch, es kann auch deutlich weniger sein wenn die Umstände nicht passen.
Mit einem Akku auf maximalen Eigenverbrauch getrimmt lässt sich die Ersparnis weiter optimieren, so dass sich die Anschaffung inzwischen auch trotz der Mehrkosten durch den Speicher rechnen kann. Idealerweise lässt ein flexibler Stromvertrag sogar noch weitere Einsparungen zu. Ich persönlich möchte jedenfalls nicht mehr auf Stromspeichermöglichkeiten verzichten müssen.
Unsere Preisprognose: Bei den Solarpanels dürften wir bereits die preisliche Untergrenze erreicht haben, allerdings steigt die Effizienz und damit Leistung der Panels stetig an. Größere Sprünge nach unten könnten die Akkuspeicher machen. Vorausgesetzt, die Weltpolitik sorgt nicht für Überraschungen.
Mit den langsam auch in den Privatnutzermarkt drängenden Natrium-Akkus (die auf seltene und/oder unter für Mensch und Umwelt unschönen Bedingungen abzubauende Rohstoffe wie Kobalt und Lithium verzichten) dürften noch niedrigere Preise möglich werden. Damit sinkt auch die Abhängigkeit von anderen Ländern, die entsprechende Ressourcen zunehmend politisch einsetzen.
Die Technologie entwickelt sich weiter und wird zugänglicher – eine Chance, Sonnenenergie effektiv für den Eigenverbrauch zu nutzen.


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