Ich habe mein Balkonkraftwerk um einen Speicher erweitert - Mein Fazit nach 30 Tagen

Um weniger Energie zu vergeuden, habe ich mein Balkonkraftwerk mit dem Anker Solix E1600 Pro-Akku ausgestattet. Was ich nach 30 Tagen mit Speicher gelernt habe - und wie viel ich sparen konnte.

Die Anker Solix E1600 Pro im ersten Check: Mein Fazit nach 30 Tagen. Die Anker Solix E1600 Pro im ersten Check: Mein Fazit nach 30 Tagen.

Seit einem Jahr habe ich ein Balkonkraftwerk auf meinem Garagendach. In einem separaten Fazit habe ich euch zusammengefasst, was ich in dieser Zeit gelernt und gespart habe. 

Doch egal, wie optimal die Module ausgerichtet sind, ohne Akku geht ungenutzte Energie sofort verloren. Zudem steigt der Strombedarf vor allem im dunklen Winter stark an, wenn aufgrund des niedrigen Sonnenstands und Schneefalls kaum Energie produziert wird.

Ein Speicher musste her. 

Mittlerweile gibt es mehrere Anbieter mit Speicherlösungen, darunter Anker, EcoFlow und Zendure. Ich habe mich für die Anker Solix E1600 Pro entschieden und konnte sie bereits einen Monat lang ausprobieren. Hier sind meine Erfahrungen nach 30 Tagen.

Was ist das für ein Speicher?

Zunächst ein paar Eckdaten zu meinem genutzten System.

Ich habe eine Anker Solix Solarbank 2 E1600 Pro mit 1,6 kWh inklusive Erweiterungs-Akku mit weiteren 1,6 kWh im Einsatz. So komme ich auf 3,2 kWh maximale Speicherkapazität. Das System lässt sich bei Bedarf mit weiteren Zusatzakkus auf bis zu 9,6 kWh erweitern. Ebenso nutze ich das Anker Smart Meter, das den Stromfluss in Speicher, Haus und Netz je nach Verbrauch steuert.

Ich habe mich für die Solix Pro-Station entschieden, da diese einen Notstrom-Ausgang sowie einen integrierten Wechselrichter mit 4 Ladereglern besitzt – sie kann also bis zu vier Module separat ansteuern.

Bei den Akkus setzt Anker auf die LFP-Technologie und spricht von einer Nutzungsdauer von 15 Jahren (bzw. von 70 Prozent Leistung nach 6.000 Ladezyklen). Die Garantie beträgt zehn Jahre.

Meine Erkenntnisse nach 30 Tagen

Die Einrichtung war bis auf eine Ausnahme ein Kinderspiel

  • Die beiden Akkus werden einfach übereinander gestapelt, die Solarkabel in die Station gesteckt. Das Stromkabel kommt ins Haus zum Einspeisen – hier kann man nichts verkehrt machen.
  • Ein mögliches Hindernis: Die Powerstation muss für die App-Einrichtung in WLAN-Reichweite sein. Ich habe damals meine Garage, in der mein Speicher steht, mit einem Powerline-Adapter ausgestattet. Dieser überträgt quasi Internet über die Steckdose.
  • Die App war innerhalb von fünf Minuten eingerichtet, der Akku wurde sofort erkannt.
  • Ausnahme: Das optionale Smart Meter muss aus Sicherheitsgründen von einem Elektriker im Stromkasten installiert werden. Hier musste ich eine Woche auf einen Termin warten. Es hat sich jedoch gelohnt (gleich dazu mehr).

Die Anker-App ist genial – und macht süchtig

  • Die App ist sehr übersichtlich gestaltet und zeigt mir nahezu alle Daten: Mein Verbrauch, meine Energieproduktion, wie viel ich davon einspeise, wie viel in den Akku geht und sogar, wie sich mein Strom auf die einzelnen Quellen (Solarkraftwerk, Speicher, Netzimport) verteilt.
  • Die Daten stehen jeweils als Tages-, Wochen-, Monats- und Jahresauswertungen bereit, was Auswertung und Optimierung erheblich erleichtert.
  • Ich habe täglich meine Daten geprüft und somit Verbesserungspotenzial erkannt. Etwa, dass meine Solarmodule in einer anderen Ausrichtung und einem steileren Winkel bis zu 35 Prozent mehr Energie gewinnen.

Die Datenaufbereitung ist super: Links seht ihr meine Energieproduktion an einem bewölkten Tag, rechts wie sich der Strombezug auf die einzelnen Quellen aufteilt. Die Datenaufbereitung ist super: Links seht ihr meine Energieproduktion an einem bewölkten Tag, rechts wie sich der Strombezug auf die einzelnen Quellen aufteilt.

Das Smart Meter empfehle ich jedem

  • Ohne Smart Meter müsst ihr selbst entscheiden, wie viel Energie in den Speicher und wie viel ins Haus fließt. Dies könnt ihr stündlich für jeden Tag individuell anpassen, zum Beispiel nachts 200 Watt, tagsüber 350 Watt fürs Homeoffice und kurzfristig mittags 6die vollen 800 Watt fürs Kochen.
  • Ich merkte schnell: Solche Pauschalwerte sind nie ideal – und für ständige Anpassungen in der App habe ich keine Lust.
  • Seitdem mein Smart Meter installiert wurde, regelt das System je nach aktuellem Stromverbrauch automatisch, wie viel Energie in den Akku gespeichert oder ins Haus weitergeleitet wird. Ein Gamechanger!
  • Das Ganze passiert in 3-Sekunden-Intervallen und somit nahezu in Echtzeit. Dadurch gelangt die Energie auch sofort ins Haus, wenn sie gerade benötigt wird.

Ich schaue immer wieder in die App, um meinen Verbrauch zu checken. Rechts im Bild seht ihr: Ich verbrauche gerade 233 Watt, generiere aber 946 Watt. 713 Watt fließen also in den Speicher. Ich schaue immer wieder in die App, um meinen Verbrauch zu checken. Rechts im Bild seht ihr: Ich verbrauche gerade 233 Watt, generiere aber 946 Watt. 713 Watt fließen also in den Speicher.

Zwei Solarmodule reichen kaum aus

  • Meinen 3,2 kWh-Akku bekam ich mit drei nach Süden ausgerichteten Solarmodulen (2x 400, 1x 410 Watt) im August jeden Tag nur mit Ach und Krach voll – meist war er nur zwischen 75-95 Prozent geladen. Auch, weil mir ein Baum meine Abendsonne raubt.
  • Für meine Kombination (Solix E1600 Pro + Zusatzakku) empfehle ich daher eher vier Solarpaneele, um auch in den dunkleren Jahreszeiten noch mehr vom Akku zu profitieren.
  • Wer einen kleineren Akku möchte, sollte mit zwei Solarmodulen jedoch gut auskommen.

So viel habe ich in 30 Tagen gespart

Nun die Preisfrage: Was habe ich gespart? Die Frage ist mit Daten von nur 30 Tagen im August nicht abschließend zu beantworten. Aber wir können uns der Antwort zumindest annähern.

So sah im August mein Energiebezug aus:

  • 32,63 Prozent aus dem Speicher = 51,16 kWh
  • 37,54 Prozent von den Solarmodulen = 58,85 kWh
  • 29,83 Prozent vom Stromanbieter = 50,04 kWh

Bei einem Preis von 33 Cent pro Kilowattstunde habe ich im August 16,88 Euro gespart.

Jetzt kommt das Milchmädchen ins Spiel. Nehmen wir Folgendes an:

  • Mein Stromverbrauch liegt im Jahr bei 1.900 kWh
  • 30 Prozent meiner Energie beziehe ich aus dem Speicher (=570 kWh)

Dann spare ich im Jahr 188,10 Euro im Vergleich zum Balkonkraftwerk ohne Speicher.

Allerdings dürfte der Anteil der Energie, die ich aus dem Speicher beziehe, in den kommenden Monaten sinken. Die Stromproduktion nimmt ab; die gewonnene Energie fließt direkt zu den Verbrauchern. Daher bin ich gespannt, wie mein Fazit nächstes Jahr ausfallen wird.

Mein Kabelmanagement lässt noch zu wünschen übrig. Das ist etwas für die Zukunft. Mein Kabelmanagement lässt noch zu wünschen übrig. Das ist etwas für die Zukunft.

Rechnet sich der Speicher?

Hier kommt jetzt die Zwillingsschwester des Milchmädchens hinzu, aber gehen wir von folgenden Daten aus:

  • Der Anker-Akku inkl. Erweiterung und Smart Meter kostet 1900 Euro
  • Ich spare besagte 180,10 Euro im Jahr

Dann hätte ich die Kosten für den Speicher nach etwas mehr als zehn Jahren wieder drin. Das liegt außerhalb der Garantiezeit von Anker (10 Jahre), aber immerhin innerhalb der angegebenen Lebensdauer von 15 Jahren.

Zu einem ähnlichen Fazit kommt übrigens auch mein Kollege Dennis bei der EcoFlow Delta Max 2.

Deutlich sinnvoller ist Ganze, wenn ihr euch direkt ein Set bestehend aus vier Solarmodulen kauft. Diese kosten um die 2000-3000 Euro, lohnen sich aber, wenn ihr noch gar kein Solarkraftwerk besitzt. Ich konnte mit meinem Solarkraftwerk (ohne Akku) 171 Euro im Jahr sparen. Mit Akku liegen wir schon bei annähernd 350 Euro.

Zudem dürfte sich bei einem Speicher ein dynamischer Stromtarif umso mehr lohnen, da ihr zur günstigen Zeit euren Akku speisen und zur teuren Zeit vom Akku zehren könnt.

Preise und mögliche Alternativen

1.900 Euro sind kein Pappenstiel für einen Speicher, die Preise sind aber im Konkurrenzumfeld recht ähnlich und im Vergleich zum Vorjahr stark gerutscht. Zudem gibt's gelegentliche Sales wie aktuell das Sommerangebot von Anker. Mit dem Code SOMMER55 könnt ihr 55 Euro sparen. Außerdem gibt es eine Wechselrichter-Eintauschaktion mit weiteren 200 Euro Cashback.

Neben Anker gibt es wie eingangs erwähnt weitere Hersteller mit Speichern oder kompletten Balkonkraftwerk-Sets im Sortiment. Mein Kollege Dennis hat bereits über seine Erfahrung mit der EcoFlow Delta Max 2 berichtet.

Dieser Speicher ist im Gegensatz zum Anker-Akku portabel, besitzt diverse Anschlüsse zum Laden eurer Geräte und ist daher ideal für Camper. Im Sale gibt's den Speicher inklusive Wechselrichter für teilweise 1700 Euro.

Wo Anker auf ein geschlossenes System setzt, unterstützt Zendure auch die smarten Stromzähler von Shelly. Allerdings soll die Stromverbrauchserkennung recht träge funktionieren. Der Zendure SolarFlow Hub ist ab 1.000 Euro erhältlich.

Nachtrag vom 06. September: So schnell kann es gehen. Auf der IFA in Berlin hat Anker angekündigt, dass die Produkte von Anker Solix künftig auch Shelly unterstützen. Das Update soll ab sofort in Wellen ausgerollt werden.

Es lohnt sich, die eigenen Bedürfnisse abzuwägen und Preise zu vergleichen.

Anker Solix BKW mit Speicher
Anker Solix BKW mit Speicher
Balkonkraftwerk mit Akkuspeicher
Das Set von Anker besteht aus einem 1,6 kWh fassenden Akku und zwei Solarpanels mit je 435 Watt Peakleistung. Der Akku nutzt dabei die langlebigen LFP-Akkuzellen.
1.499 €
Ecoflow Powerstream 600/800W
Ecoflow Powerstream 600/800W
Flexibler Wechselrichter mit Akkuoption
Der Powerstream von Ecoflow bietet eine gute App-Anbindung und ist trotz einiger Kinderkrankheiten ein zuverlässiger Bestandteil eines Balkonkraftwerks - egal ob mit oder ohne Akku.
98 €
Ecoflow Delta 2 Max 2 kWh
Ecoflow Delta 2 Max 2 kWh
Powerstation für BKW und Hobby
Die Delta 2 Max setzt auf LFP-Akkus mit hoher Zyklenfestigkeit und bietet Anschluss für den Powerstream-Wechselrichter.
1.799 €

Wie geht es weiter?

  • Ich kaufe mir ein viertes Solarmodul, um auch im Herbst und Winter mehr Energie zu gewinnen und meinen Speicher aufzuladen. Schließlich steigt der Energieverbrauch in den dunklen Jahreszeiten.
  • Ich möchte mein Kabelmanagement verbessern: Die Kabel verbinden, fixieren und aufräumen. Das sieht besser aus und erleichtert gegebenenfalls die Wartung.
  • Ich werde mich intensiver mit dem Thema des dynamischen Stromtarifs beschäftigen und einen Wechsel in Erwägung ziehen.

Nach einem Monat kann ich sagen: Der Speicher war für mich eine sinnvolle Investition und ich will nicht mehr ohne. Ihr solltet eure Situation jedoch genau prüfen und vorher durchrechnen, ob sich für euch die Anschaffung rechnet. Ich würde euch raten: Wartet auf einen Sale oder noch ein Jahr ab. Die Preise dürften noch einmal kräftig sinken.

Ich hoffe, ihr konntet von einigen meiner Erkenntnisse profitieren. Solltet ihr Fragen haben, stellt sie gerne in den Kommentaren.

zu den Kommentaren (8)

Kommentare(8)
Kommentar-Regeln von GameStar
Bitte lies unsere Kommentar-Regeln, bevor Du einen Kommentar verfasst.

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.