Bei Notebooks gibt es viele Siegel die für Nachhaltigkeit stehen sollen. Ich zeige euch, was wirklich hinter großen Namen wie TCO oder Energy Star steckt

Welche Umweltzeichen sind wirklich vertrauenswürdig? Ich erkläre euch die wichtigsten Siegel von Energy Star bis zum blauen Engel und was sie wirklich aussagen.

Hersteller von Computer-Hardware werben gerne mit diversen Zertifizierungen. Der blaue Engel ist aber bisher leider nur die Ausnahme. (Quelle: RAL gGmbH) Hersteller von Computer-Hardware werben gerne mit diversen Zertifizierungen. Der blaue Engel ist aber bisher leider nur die Ausnahme. (Quelle: RAL gGmbH)

Vielleicht sind sie euch ja schon mal die kryptischen Abkürzungen, die auf der Verpackung von Hardware, PCs oder Laptops stehen. Da ist etwa von RoHS, dem Energy Star oder TCO die Rede.

Es gibt international dutzende Siegel, welche die Kartons der Hersteller oder als Aufkleber direkt die Geräte zieren. Hinsichtlich der Nachhaltigkeit besitzen die folgenden Standards in Deutschland die größte Relevanz

Energy Star: Ein technisches Minimum aber kein Öko-Siegel

Der wohl bekannteste Begleiter auf fast jeder Hardware ist der Energy Star. Aber lasst euch hier nicht täuschen, dieses Siegel ist im Grunde nicht mehr als der kleinste gemeinsame Nenner. Es konzentriert sich ausschließlich auf die Energieeffizienz während der Nutzung. 

Die Energy Star Zertifizierung gibt es bereits seit 1992. (Quelle: Energy Star) Die Energy Star Zertifizierung gibt es bereits seit 1992. (Quelle: Energy Star)

Ein Laptop mit diesem Logo verbraucht zwar wenig Strom im Betrieb oder im Standby, über die oft verheerenden Bedingungen beim Abbau seltener Erden oder die soziale Verantwortung in den Fabriken sagt es jedoch absolut nichts aus. Wer wirklich nachhaltig kaufen will, muss den Blick weiten.

TCO und EPEAT: Soziale Verantwortung und globale Standards

Einen deutlich tieferen Einblick bietet das schwedische TCO-Zertifikat. Es gilt unter Experten quasi als der Goldstandard, weil es einen ganzheitlichen Ansatz verfolgt. Hier geht es auch um die soziale Gerechtigkeit in der Lieferkette und um ergonomische Aspekte.

Ein Gerät mit TCO-Siegel wurde unter nachweisbar besseren Arbeitsbedingungen gefertigt. Dass unabhängige Prüfer die Einhaltung kontrollieren, hebt es von der Masse ab.

Ähnlich prominent ist EPEAT, ein globales Ranking-System, das Hardware in Bronze, Silber und Gold unterteilt. Zwar ist EPEAT speziell für Behörden weltweit der Maßstab, doch ein kritischer Punkt bleibt: Viele Bewertungen basieren alleine auf der Selbstauskunft der Hersteller. Hier ist also ein gesundes Misstrauen gegenüber dem Gold-Status angebracht, wenn nicht gleichzeitig auch andere Siegel vorhanden sind. 

Der Blaue Engel: Das Bollwerk gegen die Wegwerfkultur

In Deutschland haben wir zudem den Blauen Engel, der besonders streng ist, wenn es um die physische Langlebigkeit geht. Ein Laptop mit diesem Umweltsiegel muss sich fast schon gegen den Trend der Wegwerfgesellschaft stemmen: Die Komponenten müssen zugänglich sein, und der Akku sollte sich zumindest theoretisch tauschen lassen.

Um dieses Siegel zu bekommen, müssen Laptops strenge Vorgaben erfüllen. Für die meisten mobilen Rechner ist das Siegel unerreichbar. (Quelle: RAL gGmbH) Um dieses Siegel zu bekommen, müssen Laptops strenge Vorgaben erfüllen. Für die meisten mobilen Rechner ist das Siegel unerreichbar. (Quelle: RAL gGmbH)

Für die heute so beliebten, hauchdünnen Ultrabooks, bei denen oft alles verklebt und verlötet ist, ist der Blaue Engel daher meist eine unerreichbare Hürde.

RoHS: Der gesetzliche Türsteher ohne Freiwilligkeit

Oft liest man auch den Zusatz RoHS-konform. Hier ist jedoch Vorsicht geboten, denn RoHS (Restriction of Hazardous Substances) ist kein freiwilliges Öko-Siegel, sondern eine zwingende EU-Richtlinie. Sie fungiert als eine Art gesetzlicher Türsteher, der verhindert, dass hochgiftige Substanzen wie Blei, Quecksilber oder Cadmium in eure Elektronik gelangen. 

Jedes Gerät, das in Europa das CE-Zeichen trägt, muss diese Vorgaben zwingend erfüllen. Wer also offensiv mit RoHS wirbt, macht im Grunde nur darauf aufmerksam, dass er sich an das Gesetz hält. Über die eigentliche Nachhaltigkeit eines Produkts sagt diese Kennzeichnung allerdings nichts aus.

Der französische Reparaturindex als Vorbild

Ein neuer und sehr hilfreicher Wegweiser ist der französische Reparaturindex (Indice de réparabilité), der sich langsam auch in deutschen Shops einschleicht.

0,5 von 10 möglichen Punkten bedeutet, dass das mit diesem Siegel versehene Produkt mehr oder weniger nicht oder nur sehr schwer reparierbar ist. (Quelle: Rez AG) 0,5 von 10 möglichen Punkten bedeutet, dass das mit diesem Siegel versehene Produkt mehr oder weniger nicht oder nur sehr schwer reparierbar ist. (Quelle: Rez AG)

Er bewertet auf einer Skala von null bis zehn, wie gut sich ein Gerät im Falle eines Defekts zerlegen lässt. In einer Welt, in der ein kaputtes Display oft das Ende für den gesamten Computer bedeutet, ist dies vielleicht die ehrlichste Form der Nachhaltigkeit.

Die Mischung macht die Nachhaltigkeit

Wenn ihr gerade ein neues richtig fettes Gaming-Notebook sucht und Geld dabei Nebensache ist, könnte das Legion 9i von Lenovo vielleicht etwas für euch sein. Lenovo Legion 9i 18 im Test: Das 3D-Display begeistert mich, hat aber auch eine gravierende Schwäche

Ein Energy Star ist nur die Basis, erst ein TCO-Siegel oder der Blaue Engel machen aus einem simplen Gebrauchsgegenstand ein Produkt, das man mit gutem Gewissen als nachhaltig bezeichnen kann. Letztlich ist das nachhaltigste Gerät jedoch immer das, das gar nicht erst produziert werden muss oder welches durch kluge Wartung und Reparatur deutlich länger hält als der Branchendurchschnitt.


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