Wir schreiben das Jahr 2005: Ich stehe in einem Musikladen, durchstöbere die neuesten CDs und kaufe mir mit viel Vorfreude Ne-Yos Debütalbum »In my own words«.
Spulen wir vorwärts ins Jahr 2026 und irgendwie hat sich gar nicht so viel verändert. Ich stehe wieder im Laden und nehme Ados Doppel-CD »Best Adobum« mit nach Hause – und das tue ich, obwohl ich mir ihre Songs mit einem einzigen Klick auch über YouTube Music anhören könnte.
Physische Medien feiern derzeit ein großes Comeback (auch wenn das einige Unternehmen ganz anders sehen). Doch nach Schallplatten und CDs folgt nun der nächste Streich: Das gute alte Kabel ist zurück.
Der US-Audio-Riese Bose hat jetzt zum ersten Mal seit elf Jahren wieder einen kabelgebundenen In-Ear-Kopfhörer in sein Sortiment aufgenommen – und liefert damit sogar etwas ab, das kabellose Konkurrenten niemals bieten können.
In-Ears mit Kabel, ANC und Transparenz
Boses neue Kopfhörer kommen mit einem Namen, der erfrischend unkompliziert ist und kaum Fragen offen lässt: »Kabelgebundene Bose Noise-Cancelling-Earbuds«. Davon darf sich Sony mit seinen kryptischen Bezeichnungen à la »WF-1000XM6« gerne mal eine dicke Scheibe abschneiden.
Die neuen In-Ears verzichten komplett auf Bluetooth. Stattdessen werden sie ganz klassisch via USB-C mit dem Abspielgerät, also etwa eurem Handy, Tablet oder Laptop, verbunden.
Der Clou dabei: Im Gegensatz zu AirPods und Konsorten ist deswegen kein eigener Akku verbaut. Die Earbuds beziehen die nötige Energie direkt über den USB-C-Anschluss – und genau darin liegt ihr größter Vorteil.
Wie der Name schon leicht erraten lässt, verfügen die Kopfhörer über aktives Noise Cancelling (ANC), um störende Außengeräusche auszublenden. Sogar ein Transparenz-Modus ist mit an Bord. Beide Funktionen lassen sich theoretisch exakt so lange nutzen, bis dem Abspielgerät der Saft ausgeht.
Ein weiterer riesiger Pluspunkt: Ihr braucht keine zusätzliche App, die von vielen Bluetooth-Kopfhörern mittlerweile zwingend vorausgesetzt wird, wenn man alle Funktionen nutzen möchte. Es ist genau wie in den guten alten Zeiten: Einfach einstöpseln und sofort Musik genießen, inklusive Stummschaltung für die Außenwelt. Ganz ohne umständliches Koppeln, nervigen App-Updates und vor allem: kein präventiver Akku-Check mehr, bevor man das Haus verlässt.
Mich persönlich freut diese Entwicklung enorm. Auf Reisen habe ich zur Sicherheit ohnehin immer ein Paar kabelgebundene In-Ears als Backup dabei. Was mir bei diesen klassischen Modellen jedoch stets schmerzlich gefehlt hat, waren eben genau jene ANC- und Transparenz-Funktionen.
Trotzdem gibt es noch ein paar Dinge, denen ich noch skeptisch gegenüberstehe.
Potenzielle Probleme des Kabel-Comebacks
Auch wenn die Idee genial ist, bringt das Kabel in der modernen Zeit ein paar Tücken mit sich, die nicht ignoriert werden dürfen:
- Kabelgeräusche (Mikrofonie): Wer früher Kabel-In-Ears getragen hat, kennt das Problem. Reibt das Kabel beim Gehen an der Kleidung, überträgt sich dieses Schaben unweigerlich direkt bis ins Ohr. Es wird spannend zu sehen sein, ob Bose dieses Problem durch das Design oder clevere Kabelmaterialien minimieren konnte.
- Die Gefahr des Kabelbruchs: Hochwertige High-End-In-Ear-Monitore (IEMs) setzen fast immer auf austauschbare Kabel. Geht das Kabel kaputt, tauscht man es für ein paar Euro einfach aus. Boses neue In-Ears bieten diese Möglichkeit leider nicht. Ein Kabelbruch bedeutet hier im schlimmsten Fall das sofortige Aus für den kompletten Kopfhörer.
- Der Stromverbrauch mit ANC: Aktive Geräuschunterdrückung benötigt Energie. Da die Kopfhörer keinen eigenen Akku besitzen, saugen sie direkt am Akku eures Smartphones oder Laptops. Es bleibt abzuwarten, wie stromhungrig dieses Setup in der Praxis wirklich ist und ob das Handy auf einem langen Flug dadurch spürbar schneller in die Knie geht.
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Ein Comeback, das Sinn ergibt
Das Kabel ist offiziell zurück – und vor allem bei In-Ears mit ANC ergibt das Konzept viel Sinn. Der Wegfall von Akku-Sorgen (zumindest für die Kopfhörer selbst), Bluetooth-Verbindungsabbrüchen und App-Zwang macht die neuen Bose-Earbuds zu einem spannenden Werkzeug für Pendler und Musikliebhaber.
Wenn Bose die typischen Schwächen wie Kabelgeräusche und den Stromverbrauch im Griff hat, könnte uns hier tatsächlich der Beginn einer wunderbaren, kabelgebundenen Renaissance bevorstehen.



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