Vergesst AirPods und Co.: Ich nutze immer noch Kabelkopfhörer am Handy und ihr solltet das auch tun

Die meisten von euch werden Musik an ihrem Handy vermutlich mit Bluetooth-Kopfhörern hören. Allerdings bieten klassische Kabelkopfhörer einige Vorteile.

Musik hören mit dem Handy? Da greife ich am liebsten zu meinen Kabelkopfhörern. (Bild: GameStar Tech) Musik hören mit dem Handy? Da greife ich am liebsten zu meinen Kabelkopfhörern. (Bild: GameStar Tech)

Das Thema »Bluetooth-Kopfhörer vs. Kabelkopfhörer« spaltet Audiofans und endet nicht selten in hitzigen Diskussionen. Die einen schwören auf die Kabelvariante, die anderen wollen den Drahtlos-Komfort nie mehr hergeben.

Ich gehöre tatsächlich zu ersterer Fraktion, wenn ich Musik über mein Handy oder meinen DAP höre.

Das hat verschiedene Gründe und nicht nur etwas mit der reinen Audioqualität zu tun – von der viele sagen, sie sei bei Kabelkopfhörern noch immer »hörbar« besser.

Klangqualität

Gehen wir als Erstes dennoch einmal auf die Klangqualität von Kabelkopfhörern und Bluetooth-Kopfhörern ein.

Der entscheidende Punkt ist dabei nicht nur der verbaute Lautsprechertreiber, sondern auch Bluetooth, also vielmehr der verwendete Audio-Codec.

In der nachfolgenden Tabelle zeige ich die gängigsten Codecs im Vergleich mit der klassischen Audio-CD. Die Daten stammen von What HiFi:

CD / CodecsBit-RateSampling RateBittiefe
Audio CD1.411 KBit/s44,1 kHz16-Bit
SBC320 KBit/s44,1 kHz16-Bit
AAC264 KBit/s44,1 kHz24-Bit
LDAC990 KBit/s48 kHz24-Bit
aptX352 KBit/s48 kHz24-Bit
aptX HD576 KBit/s96 kHz24-Bit
aptX Lossless1.200 KBit/s96 kHz24-Bit

Wichtig bei den Bluetooth-Codecs:

  • Auf dem iPhone stehen ausschließlich SBC und AAC bereit.
  • Android-Geräte unterstützten viele weitere Codecs. Welche das sind, ist jedoch abhängig von eurem Smartphone.
  • Einige Codecs senden in unterschiedlichen Qualitätsstufen. Befinden sich viele andere Bluetooth-Geräte in eurer Nähe, sinkt die Bit-Rate zugunsten der Verbindungsqualität.

In der Tabelle sieht man gut, dass keiner der aufgeführten Codecs an die Datenrate der klassischen Audio-CD herankommt. Bei aptX Lossless ist der Unterschied gering, bei AAC deutlich größer.

Natürlich setzen die Entwickler aber mitunter ausgeklügelte Komprimierungstechniken ein, sodass der Klangunterschied auch bei Codecs mit niedriger Bit-Rate im Vergleich zur Audio-CD sehr gering ausfällt.

Anders bei Hi-Res-Audio: Wenn wir in Richtung hochaufgelöster Musik blicken, dann sind diese Datenraten für Bluetooth zum jetzigen Zeiten nicht stemmbar, auch wenn viele Hersteller mit »Hi-Res Wireless« locken.

Hier sprechen wir über Bit-Rates von beispielsweise 9.216 Kilobit pro Sekunde bei einem Song mit 24-Bit/192kHz.

Hört man den Unterschied überhaupt?

Das ist etwas, das sich pauschal nicht beantworten lässt.

Es hängt von einigen Faktoren ab:

  • Wie gut und geschult ist euer Gehör?
  • Nutzt ihr einen hochwertigen Kopfhörer?
  • Hört ihr abseits von Störern wie weiteren Bluetooth-Geräten und in ruhiger Umgebung?
  • Welchen Musikdienst verwendet ihr?

Mit meinen fast 40 Jahren bilde ich mir ein, zwischen AAC und Hi-Res per Kabel einen kleinen Unterschied wahrnehmen zu können. Aber auch dies nur im direkten A-B-Vergleich und möglicherweise ist auch immer etwas Placebo dabei.

Essenziell für die Klangqualität ist der Kopfhörer: Modelle für wenige Euro werden Details und Co. womöglich nicht so fein auflösen wie hochwertige für mehrere Hundert Euro.

Es kommt auch auf den Musik-Streaming-Dienst an: Spotify oder YouTube Music unterstützen beispielsweise kein verlustfreies Audio, sondern bieten nur komprimierte Inhalte an.

Ein wichtiger Punkt ist abseits dessen die Störungsanfälligkeit von Bluetooth. Hier kann eine sehr niedrige Bit-Rate deutlich gehört werden und es kann im Zweifel auch zu Sound-Aussetzern kommen.

Noch ein Hinweis zu Bluetooth-Kopfhörern, die auch passiv mit Kabel genutzt werden können:

Ich habe bereits viele solcher Modelle getestet und häufig werden die Kopfhörer von den Herstellern rein für den aktiven Betrieb über den integrierten DAC abgestimmt.

Beim Hören über das Kabel klingen sie dann teilweise flach, dumpf – einfach schlecht.

Eine Ausnahme sind Bluetooth-Kopfhörer, die vom Hersteller für beide Betriebsarten entwickelt worden sind – unter anderem macht das T+A bei seinem Solitaire T.

Kompatibilität

Ein großer Pluspunkt von Kabelkopfhörern ist für mich die breite Kompatibilität neben dem Betrieb am Handy.

Ich hatte euch bereits berichtet, dass ich wieder CDs und Kassetten kaufe und dementsprechend nutze ich neben meinem Handy auch mal ältere Walkmans, Discmans oder Minidisc-Player.

Einfach anstecken: Vor allem für ältere Audiogeräte sind Kabelkopfhörer unerlässlich. (Bild: GameStar Tech) Einfach anstecken: Vor allem für ältere Audiogeräte sind Kabelkopfhörer unerlässlich. (Bild: GameStar Tech)

Ohne Bluetooth-Adapter komme ich bei solchen Geräten natürlich nicht weit. Der Vorteil von Kabelkopfhörern liegt hier also auf der Hand.

Was mich nervt: Kaum noch ein aktuelles Smartphone besitzt einen Kopfhörerausgang, vor allem nicht das iPhone. Ich verwende daher einen Kopfhöreradapter, der gleichzeitig auch ein Verstärker ist.

Preis-Leistung

Vorn sehe ich Kabelkopfhörer auch beim Preis-Leistungs-Verhältnis. Solche Modelle verzichten nämlich auf Akku, ANC oder einen DAC (Digital-Analog-Wandler). Das sind alles Komponenten, die man beim Kauf also nicht mitbezahlen muss.

Ich lehne mich daher aus dem Fenster und meine: Bei gleichem Preis kann ein Kabelkopfhörer besser klingen, da der Hersteller anstelle der Elektronik in einen höherwertigen Treiber oder ein besseres Soundtuning investieren kann.

Nachhaltigkeit

Früher war es gerade im In-Ear-Bereich so, dass die Kabel nicht immer getauscht werden konnten. Das war besonders ärgerlich bei einem Kabelbruch.

Diese Zeiten sind aber weitgehend vorbei: Selbst bei preiswerten Kopfhörern und Ohrhörern von Herstellern wie FiiO, Moondrop, Kiwi Ears und Co. kann das Kabel getauscht und ersetzt werden.

So lassen sich In-Ear-, On-Ear- oder Over-Ear-Kopfhörer viele Jahre lang nutzen. Bei den Over-Ear-Modellen können in der Regel auch die Ohrpolster getauscht werden.

Zudem besitzen Kabelkopfhörer den Vorteil, dass sie keinen Akku besitzen. Gerade bei Earbuds ist ein Tausch der verbauten Batterie oft nicht vorgesehen oder möglich.

Meine AirPods der ersten Generation sind mittlerweile Elektroschrott.

Hinzukommt auch die Sache mit den Apps: Viele Bluetooth-Kopfhörer kommen mit einer App, in der ihr Einstellungen, Soundprofile und Co. festlegen könnt.

Allerdings weiß natürlich niemand, wie lange so eine Software gepflegt und in den App-Stores angeboten wird.

Latenz

Für mich persönlich spielt die Latenz keine Rolle. Wenn ihr jedoch gerne zockt oder aber mit Videobearbeitung hantiert, kann das wichtig für euch sein.

Kabelkopfhörer bieten gegenüber Bluetooth-Kopfhörern den Vorteil der geringeren Verzögerung bei der Audioübertragung.

Allerdings muss man fairerweise sagen, dass es auch Drahtlosalternativen gibt, deren Latenz vom Hersteller auf 50 Millisekunden und weniger reduziert worden ist.

Viele Modelle bieten auch einen speziellen Low-Latency Mode für Gaming und Co. Hierbei wird in der Regel aber wiederum die Audioqualität herabgestuft.

Größere Auswahl, gerade im oberen Preisbereich

Bei Bluetooth-Kopfhörern gibt es im Preisbereich bis rund 500 Euro eine riesige Auswahl, darüber wird es allerdings dünn.

Einer der wenigen High-End-Bluetooth-Kopfhörer über 1.000 ist der Solitäre T des deutschen HiFi-Herstellers T+A.

Bei kabelgebundenen Kopfhörern ist die Auswahl noch immer um ein Vielfaches größer. Wenn ihr das Beste vom Besten sucht, dann findet ihr diverse Modelle im oberen Preissegment.

Für High-End-In-Ear-Kopfhörer können schon einmal mehrere Tausend Euro über die Ladentheke gehen, für Over-Ear-Modelle gibt es kaum Grenzen. 

Sennheiser verlangt beispielsweise für den HE 1 im Set mit Kopfhörerverstärker fast 70.000 Euro.

Ob ihr nun so viel Geld für Kopfhörer ausgeben wollt oder könnt, sei dahingestellt – zumindest habt ihr eine sehr breite Auswahl, wenn ihr den besten Klang sucht.

Darüber hinaus könnt ihr im Over-Ear-Bereich auf mehrere Bauarten zurückgreifen: Offen, halboffen oder geschlossen.

Bluetooth-Kopfhörer sind in der Regel geschlossen, damit ihr unterwegs niemanden mit eurer Musik stört.

Nachteile von Kabelkopfhörern

Ich will ehrlich mit euch sein: Selbstverständlich haben kabelgebundene Kopfhörer auch Nachteile, die nicht von der Hand zu weisen sind.

Das Kabel nervt mich selbst oft, da ich jemand bin, der damit gerne hängenbleibt. Zudem kann es an Jacke und Co. mitunter Reibungsgeräusche erzeugen, was ebenfalls stört.

Kein ANC: Ich muss zugeben, meine In-Ear-Kopfhörer dichten durch ihre Memory-Schaum-Aufsätze den Gehörgang so stark ab, dass ich unterwegs kaum Außengeräusche wahrnehme. 

Die AirPods Pro bieten gegenüber Kabelkopfhörern mehr Bewegungsfreiheit und ANC. (Bild: GameStar Tech) Die AirPods Pro bieten gegenüber Kabelkopfhörern mehr Bewegungsfreiheit und ANC. (Bild: GameStar Tech)

Dennoch ist das Active Noise Cancelling eine tolle Erfindung – nicht nur unterwegs, sondern auch im Büro oder Homeoffice.

Was ich wirklich vermisse: einen Transparenzmodus. Ich muss die Kopfhörer oder Ohrstöpsel nämlich immer abnehmen, um etwas zu verstehen. Das ist umständlich.

Ansonsten sprechen Dinge wie Multi-Device-Support, Bewegungsfreiheit bei Sport und Co. oder auch der fehlende Klinkenanschluss an Handys für die Bluetooth-Modelle.

Fazit

Ihr seht: Das Kopfhörerschwert hat zwei Seiten. Ich selbst verwende für Musik sehr gerne meine Kabelkopfhörer aus den genannten Gründen. 

Allerdings kommen bei der Gartenarbeit auch noch ältere AirPods Pro zum Einsatz, da mir meine Kabelmodelle dafür zu schade sind.

Solltet ihr nur wegen der Klangqualität zu Kabelkopfhörern wechseln? Wenn ihr Ohren wie ein Luchs habt, vielleicht!

Zum Hören des Unterschiedes bedarf es jedoch erst einmal hochwertiger Kopfhörer – und Bluetooth hat mit neuen Audio-Codecs stark aufgeholt. 

Für mich selbst spielte die Nachhaltigkeit die entscheidende Rolle bei der Entscheidung.

Wie sieht es bei euch mit Kabelkopfhörern aus? Nutzt ihr sie am Handy oder an anderen Geräten oder setzt ihr voll auf Bluetooth? Teilt mir eure Meinung gerne in den Kommentaren mit.

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