»Was geht'n, Alder?«. Na, schon einen Ohrwurm? Bei Cambridge Audio geht vor allem eins: saftiger Bass und das in einem kompakten Stereo-Lautsprecherpaar für den Schreibtisch. Wobei, über die Auslegung des Wortes lässt sich sicher streiten.
Die Boxen können aber noch mehr. Neben einer handschmeichelnden Verarbeitung hat es die britische Audioschmiede geschafft, wuchtigen Klang auf kurze Distanz zu erzeugen. Das überzeugt, wenn auch auf Kosten der Dynamik, sobald es lauter wird.
Transparenzhinweis: Cambridge hat mir die L/R S für den Test kostenfrei zur Verfügung gestellt. Der Hersteller hatte keinen Einfluss auf den Artikelinhalt und bekam keine Einsicht vor Erscheinen des Tests. Es bestand keine Verpflichtung zu einem Testbericht.
Cambridge L/R S: Design und Aufbau
In meiner Zeit habe ich etliche kleine und große Boxen aus ihrer Verpackung befreit, aber eins wird nie langweilig: der Ersteindruck – und der fing diesmal schon beim Öffnen der Schachtel an.
Was folgt sind zwei wunderbar verarbeitete Boxen aus MDF, die optisch wie haptisch etwas hermachen. Beide Lautsprecher sind mit einem 21-mm-Aluminium-Hochtöner und einem 76-mm-Mitteltöner/Tieftöner mit großem Hub ausgestattet. Obacht mit den Fingerchen, hier ist kein Grill als Schutz vorhanden (außer vor dem Tweeter). Auf der Rückseite finden sich jeweils Bassreflexschlitze, welche die tiefen Tönen unterstützen.
Wenn ihr euch die Rückseite anschaut, gibt es Redebedarf.
Gibt es noch mehr Input?
Tatsächlich nicht. Was ihr oben auf dem Bild seht, sind alle Anschlüsse und Bedienelemente. Und da fehlt mir ein HDMI-Anschluss, um das Anschlussfeld zu komplettieren. Bestenfalls mit eARC, denn die Würfel machen auch im Heimkino gut was her.
Sind das alle Schalter und Knöpfe am Chassis?
Jawoll, denn mehr als Desktop, Position und Standort (linker oder rechter Speaker) dürft ihr nicht einstellen. Keine dedizierte Quellenwahl. Keine Lautstärke. Nichts. Das läuft alles über die mitgelieferte Fernbedienung. Hier hat man sich auf der Insel für einen sauberen Style über Knöpfe am Gehäuse entschieden. Vollkommen in Ordnung, das bedeutet aber auch, dass ihr die Fernbedienung bestenfalls immer griffbereit habt.
Cambridge geht einen recht eigenwilligen Weg bei den L/R S, denn es handelt sich hier um zwei Aktivlautsprecher – also, fast. Bei Desktop-Boxen dieser Bauart findet man in der Regel einen Master-Slave-Aufbau.
Bei einem Master-Slave-Lautsprechersystem ist der Master-Lautsprecher die zentrale Einheit mit Verstärker und Anschlüssen, während der Slave nur das Audiosignal vom Master erhält und ohne diesen nicht eigenständig funktioniert.
Obwohl bei den Cambridge L/R S nur der primäre Lautsprecher Strom bekommt, gibt es für jeden Lautsprecher zwei Verstärkerkanäle und eine DSP-Frequenzweiche, die jedem der Verstärker ein PWM-Signal (Pulsweitenmodulation) zuführt. Von den 100 Watt Energieaufnahme bekommt also jeder Treiber 25 ab.
Über den Primärspeaker stellt ihr alles ein, der Sekundärspeaker agiert entsprechend. Verbunden werden beide Würfel mit einem Kabel mit vier Pins, über die alle Audiosignale sowie Power übertragen werden.
Abschließend müssen wir noch über die Größe sprechen. Die Lautsprecher messen 22,5 cm in der Höhe und 13,5 cm in der Breite und für meinen Geschmack darf’s für den Schreibtisch nicht viel größer werden.
Beim Auspacken sind mir die 3-Kilo-Klötze schon recht wuchtig vorgekommen. Einesteils ein Plus, weil ein großer Klangkörper einen besseren Sound verspricht. Andernteils braucht ihr Platz auf dem Schreibtisch.
Nachstehend seht ihr die Cambridge L/R S vor meinem 48-Zoll-TV, den ich als Monitor auf dem Schreibtisch verwende. Da wird’s schon eng. Warum ein großer Schreibtisch noch eine Rolle spielen wird, erfahrt im Teil des Tests, wo es um die Audioqualität geht.
Cambridge L/R S: So klingen die Desktop-Boxen
Die Bühne war also vorbereitet und ich gespannt darauf, wie denn die Lautsprecher denn nun klingen. Das eigenwillige Master-Slave-Setup gepaart mit der Größe kam mir bisher so noch nicht unter. Plus, es ist gar nicht so leicht, solche Brüllwürfel auf so kurze Distanz potent klingen zu lassen.
Hinweis: Der Audioqualität willen habe ich die Cambridge L/R S hauptsächlich via USB-C betrieben und verlustfreie FLAC-Files verwendet. Weil aber die meisten der Einfachheit halber zu Bluetooth und Musik-Streaming greifen, bezieht sich meine Bewertung der Tonqualität darauf.
Müsste ich den Klang in einem Satz beschreiben, dann würde ich sagen, dass die Cambridge L/R S sehr direkt, mühelos und lebensfroh aufspielen. Anschließen und Spaß haben.
Den stromlinienförmigen Bass bei SPECIALZ von King Gnu decken die Boxen problemlos ab, ohne den Rest des Songs zu erdrücken. Gleichzeitig drückend, aber nicht zu dominant, so mag ich das.
Link zum Spotify-Inhalt
Generell ist der Sound sehr klar und aufgeräumt. Tank! von den Seatbelts (via Spotify) ist ein fordernder, manchmal hektischer Song, den die Lautsprecher auf normaler Lautstärke mit Bravour meistern.
Mir persönlich hat gerade rockige und poppige Musik sehr gut gefallen. Da merkt man, wie die Boxen solchen recht oberflächlich wirkenden Songs Volumen verleiht, ein fast schon positives Aufspielen. Japanischer City Pop ist generell sehr Up-Beat-fokussiert, aber mit den Cambridge L/R S macht das noch mal eine Ecke mehr Spaß.
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Alles in allem bieten sich die Boxen durch ihren kräftigen Sound auch für jegliche Art von Metal an, wo Gitarren bestenfalls die größte Rolle spielen. Sei es klassisch mit Black Sabbath, verspielt-progressiv wie King Gizzard oder wenn es richtig scheppern soll á la Scar Symmetry oder Slayer: Die Cambridge L/R S haben mir richtig schön das Trommelfell massiert.
Je nach Abmischung war mir der Bass manchmal etwas zu dominant und bei höherer Lautstärke bestehen die Boxen keinen Stresstest. Dann geht einfach der Pegel verloren. Da man aber sowieso direkt davorsitzt, hält sich dieser Nachteil im Rahmen.
Wo die Cambridge L/R S keine gute Figur machen, ist auf engem Raum. Sie brauchen einen gewissen Abstand und Raum, um ihre Stärken auszuspielen. Als Regallautsprecher auf einem Lowboard sind die Boxen gut geeignet. In einem Regal zwischen vielen Büchern hingegen nicht.
So habe ich getestet
Die Cambridge L/R S standen rund zwei Wochen auf meinem Schreibtisch.
Spezifikationen
- Bauart: Aktive Stereo-Regallautsprecher (2-Wege-System)
- Verstärkerleistung: 2 x 50 Watt (100 Watt Gesamtleistung)
- Hochtöner: 21 mm Aluminium-Hochtöner
- Tieftöner: 1 x 3 Zoll (76 mm) Langhub-Tieftöner pro Lautsprecher, Bassreflexöffnung hinten
- Frequenzgang: 55 Hz – 24 kHz (±3 dB)
- Bluetooth-Codecs: SBC, AAC, aptX, aptX HD
- Analoge Eingänge: 1 x Stereo-Cinch (RCA)
- Digitale Eingänge: USB-C Audio, 1 x Optischer TOSLINK-Eingang
- Subwoofer-Ausgang: Ja, RCA-Sub-Out vorhanden
- DSP-Funktionen: DynamEQ, Lautsprecherschutz, Raum-/Desktop-Anpassung
- EQ-Modi: Normal, Film, Stimme
- Verbindung zwischen den Lautsprechern: Kabelgebundene analoge Verbindung
- Fernbedienung: Bluetooth-Fernbedienung
- Abmessungen (pro Lautsprecher): 134 x 226 x 180 mm (B x H x T)
- Gewicht: 3,0 kg (Master), 2,6 kg (Slave)
- Farben: Schwarz, Weiß, Blau, Walnuss, Orange, Grün
Preis und Verfügbarkeit
Die Cambridge L/R S sind im Handel für 499 Euro in sechs unterschiedlichen Farben verfügbar.
Die Cambridge L/R S sind für euch, wenn …
- … euch die 80-Euro-Boxen, die nur Musik ausgeben, nicht gut genug sind.
- … ihr flexible Lautsprecher sucht, mit denen ihr auch mal den ganzen Raum beschallen wollt.
- … ihr einen entsprechend großen Schreibtisch besitzt, um dem Pärchen genügend Auslauf zu bieten.
Mögliche Alternativen zu den Cambridge L/R S:
- Ruark MR1 (via Amazon): Technisch sind diese Speaker nicht ganz auf dem Niveau der Cambridge L/R S, dafür sind sie noch ein bisschen kleiner und besitzen ein wärmeres Design. Kostenpunkt: 549 Euro (rund 500 Euro, wenn ihr irgendwo einen Schnapper findet).
- Edifier M90 (via Amazon): Edifier gilt ein wenig als der goldene Standard bei kompakten Deskop-Lautsprechern. Die M90 sind ebenfalls kraftvoll, nehmen 100 Watt auf und besitzen sogar HDMI eARC. Sie klingen nicht ganz so rund wie die Cambridge im Test, sind aber eine gute Budget-Alternative für rund 300 Euro.
Wenn ihr warmen, spaßigen Sound am Rechner wollt, seid ihr bei den Cambridge L/R S genau richtig. Die machen nicht bloß Musik, sondern sind potente Aktivlautsprecher, wenn’s auf dem Schreibtisch mehr sein darf.
Behaltet aber im Blick, dass die Boxen Luft und Platz brauchen – auch auf dem Sideboard oder im Regal. Ist der gegeben und legt ihr Wert auf Klangqualität, macht ihr mit diesem Pärchen nichts verkehrt.

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