Kostenloser Wohnraum, mietfreie Büros und Fördergelder im sechsstelligen Bereich: Mehrere chinesische Städte überbieten sich derzeit gegenseitig, um Start-ups und Entwicklerinnen und Entwickler anzulocken, die auf den Open-Source-KI-Agenten OpenClaw setzen.
Die Hightech-Zone der ostchinesischen Stadt Wuxi hat Anfang März einen Maßnahmenentwurf mit zwölf Förderpunkten auf ihrem offiziellen WeChat-Kanal veröffentlicht, wie Business Insider berichtet.
- Projekte im Bereich industrieller KI-Anwendungen – etwa für vorausschauende Wartung oder automatisierte Qualitätsprüfung – sollen Prämien von bis zu 500.000 Yuan (umgerechnet rund 63.000 Euro) erhalten.
- Für besonders bedeutende Durchbrüche in der Robotik oder bei sogenannter »Embodied AI« stellt der Entwurf Subventionen von bis zu fünf Millionen Yuan (umgerechnet etwa 630.000 Euro) in Aussicht.
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Wuxi und Shenzhen: Zwei Städte, zwei Förderprogramme
Neben Wuxi hat auch der Bezirk Longgang in Shenzhen, einem der wichtigsten Technologiestandorte Südchinas, am 8. März einen eigenen Förderkatalog vorgelegt. Dort sind Subventionen von bis zu zwei Millionen Yuan – rund 250.000 Euro – für Projekte vorgesehen, die wesentlichen Code zur internationalen Open-Source-Community beisteuern oder Anwendungen für intelligente Geräte entwickeln.
- Für Start-ups in der Frühphase stellt der Longgang-Bezirk laut dem Entwurf sogar Eigenkapitalinvestitionen von bis zu zehn Millionen Yuan in Aussicht, also rund 1,26 Millionen Euro.
- Neu registrierte Einpersonen-Start-ups sollen bis zu zwei Monate kostenlosen Wohnraum und bis zu 18 Monate vergünstigte Büroflächen erhalten.
- Wuxis Programm setzt ähnlich an: Dort können Ein-Personen-Unternehmen bis zu drei Jahre mietfreie Büroräume nutzen. Erstgründer aus der OpenClaw-Community erhalten darüber hinaus Lebenshaltungszuschüsse von bis zu 120.000 Yuan (etwa 15.000 Euro).
Schlangen vor dem Tencent-Hauptquartier
Die Förderprogramme treffen auf eine regelrechte OpenClaw-Euphorie in der chinesischen Tech-Szene. Vergangene Woche bildeten sich laut Business Insider – die sich wiederum auf lokale Medienberichte stützen – Schlangen von knapp tausend Personen vor der Tencent-Zentrale in Shenzhen. Sie alle wollten sich OpenClaw kostenlos installieren lassen.
- Auf der Social-Media-Plattform RedNote kursieren demnach sogar Berichte über bezahlte Installationsdienstleistungen.
- In einem solchen Beitrag hieß es, einzelne Anbieter hätten in wenigen Tagen umgerechnet rund 33.000 Euro mit der Einrichtung der Software verdient.
OpenClaw ist aktuell einer der Senkrechtstarter der KI-Szene. Die Beliebtheit des Open-Source-Projekts hatte einen überraschenden Nebeneffekt: Plötzlich ging der Aktienkurs der Raspberry Pi Holdings PLC – dem Unternehmen hinter dem Einplatinencomputer – steil nach oben.
Auch chinesische Tech-Konzerne reagieren in der Zwischenzeit auf den Trend: Tencent stellte mit »WorkBuddy« ein eigenes, an OpenClaw angelehntes Produkt vor. ByteDance brachte mit »ArkClaw« eine cloudbasierte OpenClaw-Variante auf den Markt, und Xiaomi testete den eigenen Dienst »miclaw« im kleinen Rahmen.
Weitere chinesische Städte positionieren sich
Neben Wuxi und Shenzhen positionieren sich weitere Städte im OpenClaw-Wettbewerb. Shanghai richtet Ende März den »Global Developer Pioneers Summit 2026« aus, bei dem ein OpenClaw-Hackathon und ein Wettbewerb für KI-gestützte Einpersonen-Unternehmen auf dem Programm stehen.
Wie sich der chinesische Förderwettlauf weiterentwickelt, dürfte sich entsprechend in den kommenden Wochen zeigen – spätestens, wenn die derzeit als Entwürfe veröffentlichten Maßnahmen in Kraft treten und der Shanghaier Hackathon Ende März erste Ergebnisse liefert.
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