Eigentlich befand sich die Aktie von Raspberry Pi Holdings PLC seit einem Jahr in einem Abwärtstrend, doch diese Woche schoss sie plötzlich um etwa 40 Prozent nach oben. Der Grund dafür ist jedoch kein Hardware-Durchbruch, sondern ein KI-Agent namens OpenClaw, der zeigt, dass man für KI in den eigenen vier Wänden keinen Supercomputer benötigt.
Wie ein einziger Beitrag den Stein ins Rollen brachte
Der Funke für den plötzlichen Kursanstieg war ein Thread des Nutzers aleabitoreddit auf X.
Seine These: Während viele Startups auf Apples Mac Minis als günstige KI-PCs schielen, liegt das wahre Potenzial beim Raspberry Pi.
Die Logik dahinter ist simpel: Apple ist ein Gigant mit einem Marktwert von über 3,7 Billionen US-Dollar; selbst wenn dort ein paar Tausend Mac Minis mehr verkauft werden, merkt das die Aktie kaum. Raspberry Pi hingegen ist mit einem Marktwert von rund 542 Millionen Euro vergleichsweise klein.
Wenn Startups plötzlich anfangen, Hardware zu hamstern, um ganze Schwärme von KI-Agenten zu betreiben, schlägt sich das sofort massiv im Umsatz nieder. Der Threadersteller glaubt, dass nicht wenige Unternehmen und Individuen diese Schwärme nutzen, um etwa Werbung auf Reddit und Co. in ihrem Namen zu betreiben – »Agentic Marketing« ist das Schlüsselwort.
Und genau da kommen die Raspberry Pis ins Spiel.
Was ist OpenClaw und warum der Raspberry Pi?
OpenClaw ist ein sogenannter KI-Agent, der gerade sehr beliebt ist. Anders als ein normaler Chatbot beantwortet er nicht nur Fragen, sondern führt aktiv Aufgaben auf dem Computer aus. Er schreibt unter anderem E-Mails, verwaltet den Kalender, bucht Termine – oder macht eben Werbung für euer Startup auf Social-Media-Plattformen.
Warum ist ausgerechnet dieser Agent gerade so beliebt?
- Open-Source-Freiheit: Wie der Name schon sagt, ist das Projekt quelloffen. Das bedeutet, jeder kann den Code einsehen, verbessern und ihn ohne Monatsabos nutzen.
- Anpassbarkeit: Weil das Projekt Open-Source ist, konnte die Community Versionen wie PicoClaw entwickeln. Diese sind so effizient programmiert, dass sie selbst auf günstigen Raspberry-Pi-PCs laufen.
- Unabhängigkeit: Nutzer und Nutzerinnen wollen nicht darauf warten, bis Apple oder Microsoft ihre KI-Assistenten für alle freischalten. OpenClaw kann man jetzt sofort installieren und an die eigenen Bedürfnisse anpassen.
Das Problem dabei: Damit der Agent das kann, muss er sehen, was auf dem Bildschirm passiert und Interaktionen ausführen. Das macht ihn zu einem massiven Sicherheitsrisiko. Experten bezeichnen solche KI-Agenten sogar als »Malware, verkleidet als KI-Assistent« und raten von der Nutzung auf eurem Rechner mit sensiblen Daten ab.
Der Raspberry PI dient eben darum als dedizierter Mini-PC, der als Sicherheitskäfig (Sandbox) fungiert. Falls der Agent kompromittiert wird, ist der Schaden fern von persönlichen Daten.
Das Praktische an diesem Setup: Die KI-Rechenleistung kommt nicht vom Pi selbst, sondern über eine Cloud-Anbindung (API). Der kleine Rechner dient nur als Koordinator. Das macht den Aufbau großer Rechen-Schwärme theoretisch extrem erschwinglich.
Doch ein Hindernis bleibt: Wie viele andere Tech-Produkte sind auch die Mini-PCs zuletzt im Preis gestiegen. Ein Raspberry Pi 5 mit 16 GB Arbeitsspeicher kostet wegen der globalen Speicherkrise inzwischen oft mehr als 200 Euro. Es bleibt also fraglich, ob das Horten der Hardware für Startups wirklich so rentabel ist, wie die Börse aktuell glaubt.
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Gemeinsam durch die Hardware Krise: Warum die RAM-Knappheit uns ALLE angeht
Persönliche KI ganz ohne eigene Supercomputer
Ob Startups nun wirklich Raspberry Pis hamstern, wie es auf X behauptet wird, wird erst die Zukunft zeigen. Klar ist aber: Die Kombination aus Open-Source-Software und günstiger Hardware macht KI-Agenten wie OpenClaw greifbarer als je zuvor.
Der Raspberry Pi bietet hier eine physische Trennung zwischen eurem Alltag und den tiefgreifenden Rechten, die so ein KI-Agent benötigt.
Was denkt ihr? Würdet ihr einem KI-Agenten erlauben, eure E-Mails zu verwalten, wenn er auf einem isolierten Raspberry Pi läuft? Oder ist euch das Risiko trotz Sicherheitskäfig noch zu hoch? Schreibt es uns in die Kommentare!
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