Es gibt in Deutschland hunderte eingemauerte USB-Sticks, aber wofür sind sie da?

Dahinter steckt das Kunstprojekt »Dead Drops«.

Man sollte sich aus Sicherheitsgründen gut überlegen, ob man sein Notebook mit so einem USB-Stick verbindet, da er auch Schadsoftware enthalten kann. (Bild: deaddrops.com, bearbeitet mit Adobe Firefly) Man sollte sich aus Sicherheitsgründen gut überlegen, ob man sein Notebook mit so einem USB-Stick verbindet, da er auch Schadsoftware enthalten kann. (Bild: deaddrops.com, bearbeitet mit Adobe Firefly)

Ein Künstler aus Deutschland hat vor über 15 Jahren das Dead Drops-Projekt ins Leben gerufen, bei dem weltweit USB-Sticks einbetoniert werden.

Das Projekt lebt bis heute: Laut Datenbank wurde vor wenigen Wochen der letzte Stick angebracht. Ziel war eine Brücke im US-Bundesstaat Pennsylvania. In Deutschland hat zuletzt im Juni 2025 jemand einen solchen Stick installiert, genauer gesagt in Leipzig.

  • Wer steckt dahinter? Initiator des Projekts ist der deutsche Künstler Aram Bartholl. Er wurde 1972 in Bremen geboren, studierte Architektur in Berlin und ist aktuell als Professor für Kunst im Bereich der digitalen Medien an der HAW in Hamburg tätig.
  • Wofür ist das gut? Im Kern geht es darum, eine Art anonymes Offline-Filesharing zu ermöglichen. Als Projekt mit einem künstlerischen Hintergrund ist das aber nicht wirklich als eine Alternative zu modernem Cloud-Speicher zu verstehen, sondern eher als Denkanstoß.

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In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung sagte Bartholl dazu 2015 Folgendes:

Mir ging es um das Bild: Ein Stick, der in der Backsteinmauer steckt. Heute liegt alles in der Cloud, mit entsprechenden GPS-Koordinaten, et cetera. Bei »Dead Drops« sind die Daten eingemauert, sie sind ausschließlich dort.

Ein Gegenmodell zur totalen Vernetzung, in der alles online und digital ist: Man muss wieder rausgehen. Digitale Filesharing-Dienste sind aber natürlich viel effektiver.

Wie alles begann und der aktuelle Stand

Schließt man ein Notebook einem Dead-Drop-Stick an, sollte sich darauf diese Readme-Datei zur Erklärung des Projekts befinden. (Bild: deaddrops.com) Schließt man ein Notebook einem Dead-Drop-Stick an, sollte sich darauf diese Readme-Datei zur Erklärung des Projekts befinden. (Bild: deaddrops.com)

Der Startschuss für das Projekt fiel im Oktober 2010 in New York. Auf der Homepage findet sich auch ein How to-Video, das zeigt, wie der erste USB-Stick eingemauert wurde.

  • Laut Datenbank gibt es weltweit mittlerweile über 2.300 dieser USB-Sticks und in Deutschland über 400.
  • Kombiniert kommen alle Speichersticks derzeit zusammen auf eine Kapazität von 75.602 Gigabyte.
  • Viele, aber längst nicht alle der frei zugänglichen Sticks sind inzwischen nicht mehr funktionsfähig oder wurden entwendet, doch es kommen immer wieder neue hinzu.

Die Anleitung in Textform empfiehlt unter anderem, die Hülle des Sticks zu entfernen, ihn in wasserfestes Teflonband einzuwickeln und nach dem Ritzen eines passenden Lochs Schnellzement zu verwenden.

Was darauf gespeichert wird: ein Strauß Buntes

Es gibt abseits der Readme- und manifesto-Dateien zur Erklärung und Dokumentation bei der Ersteinrichtung keinerlei Vorgaben, was auf einem Dead Drop landen soll und was nicht. Das führt laut Bartholl zu einer bunten, aber nicht immer harmlosen Mischung.

Wie er gegenüber der Süddeutschen Zeitung angegeben hat, reicht die Bandbreite unproblematischer Inhalte von simplen Logbucheinträgen über Bilder von Darth Vader bis hin zu Urlaubsfotos.

Hier kommentiert Bartholl bei X (ehemals Twitter), dass die Polizei auf einen Dead-Drop-Stick aufmerksam geworden ist. Hier kommentiert Bartholl bei X (ehemals Twitter), dass die Polizei auf einen Dead-Drop-Stick aufmerksam geworden ist.

Heikle Daten: Zu dem besagten Interview kam es dagegen, wie im Bild oben zu sehen, aufgrund von kritischen Dateien. So will ein Journalist auf einem Dead Drop in Köln Anleitungen zum Bau von Bomben und zur Herstellung von Drogen gefunden haben. Dazu äußerte sich Bartholl damals so:

Man kann diese Technologie [...] nicht so zuschrauben, dass niemand mehr Böses damit tun kann. Der Buchdruck war auch mal eine neue, gefährliche Technologie, mit der sich Menschen radikalisierten.

Kurioserweise wurde der USB-Stick in Köln beim Entfernen damals laut Bartholl so beschädigt, dass die Daten darauf nicht mehr geöffnet werden konnten. Das Cybercrime-Zentrum des LKAs in Düsseldorf musste daher versuchen, sie wieder lesbar zu machen.

Einen Dead-Drop-Fund mit völlig harmlosem Inhalt haben wir uns bereits in der Vergangenheit angeschaut, wenn auch zugegebenermaßen ohne ihn als solchen zu identifizieren. Was genau darauf zu finden war, erfahrt ihr im oben verlinkten Artikel.

Lasst uns gerne in den Kommentaren wissen, ob ihr selbst schon mal so einem Dead Drop begegnet seid und was ihr von der Aktion mit künstlerischem Hintergrund haltet.


Archiv-Content: Dieser Artikel ist in einer früheren Version bereits auf GameStar.de erschienen.

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