Mehr als zehn Jahre nach der Einführung des ersten Dolby-Vision-Standards läutet das Unternehmen hinter der Technik eine neue Zeitrechnung ein: Zur IFA 2025 in Berlin stellt Dolby Laboratories den Nachfolger in Form von Dolby Vision 2 vor. Damit soll nicht weniger als eine umfassende Weiterentwicklung des etablierten HDR-Formats gelingen.
Künstliche Intelligenz im Zentrum
Das Kernstück von Dolby Vision 2 bildet eine von Grund auf neu entwickelte »Image Engine«, die durch sogenannte »Content Intelligence« angetrieben wird. Diese KI-gestützte Technologie analysiert laut Dolby nicht nur das Bildmaterial selbst, sondern berücksichtigt auch die spezifischen Eigenschaften des Wiedergabegeräts und die Umgebungsbedingungen des Betrachters.
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Find Your Next Tech 2025: Unser Trailer zum Live-Event von der IFA in Berlin
Grundsätzlich bleibt Dolby Vision 2 abwärtskompatibel: Die zusätzlichen Metadaten werden von älteren Geräten einfach ignoriert, sodass ihr zumindest deshalb keinen neuen TV-Kauf einplanen müsst, wie The Verge auf Nachfrage erfuhr.
John Couling, Senior Vice President Entertainment bei Dolby Laboratories, erklärt den Generationenwechsel mit dem Argument des Wendepunkts: Die TV-Technologie habe sich »dramatisch verändert, während Künstler weiterhin noch innovativere Werkzeuge verlangen«. Diese will man mit Dolby Vision 2 nun zur Hand geben:
»Precision Black«
Eine der wichtigsten Neuerungen ist Precision Black – eine Funktion, die das Problem zu dunkler HDR-Szenen adressieren will. Diese Technologie macht Details in schattigen Bildbereichen sichtbarer, ohne dabei die ursprüngliche Idee Filmemacher zu beeinträchtigen, wie Dolby verspricht.
»Light Sense«
Light Sense stellt eine Weiterentwicklung der bereits bekannten »Dolby Vision IQ«-Technologie dar. Die Funktion nutzt die Umgebungslichtsensoren moderner Fernseher und kombiniert diese Daten mit Referenzinformationen aus dem Quellmaterial. So passt sich das Bild automatisch an die aktuellen Lichtverhältnisse im Raum an.
Bidirektionales Tone-Mapping
Dolby Vision 2 führt außerdem bidirektionales Tone Mapping ein. Diese Technologie ermöglicht es Content-Erstellern, die erhöhten Helligkeits- und Farbwerte moderner Premium-Fernseher gezielter zu nutzen. Während herkömmliches Tone Mapping lediglich die Bilddaten an die Displayeigenschaften anpasst, können Kreative nun spezifisch für leistungsstarke Bildschirme mastern.
»Authentic Motion«
Eine weitere Neuerung hört auf den Namen »Authentic Motion« – laut Dolby das »weltweit erste kreative Tool zur Bewegungssteuerung«. Diese Technologie geht das Problem der umstrittenen Zwischenbildberechnung an, die oft für den sogenannten »Seifenoper-Effekt« verantwortlich ist. Statt einer pauschalen Bewegungsglättung können Filmemacher nun Szene für Szene festlegen, wie die Bewegungsdarstellung erfolgen soll
Hisense als Vorreiter der neuen Technologie
Als erster TV-Hersteller hat Hisense angekündigt, Dolby Vision 2 in sein Portfolio zu integrieren. Das chinesische Unternehmen wird die Technologie zunächst in seinen Premium-Modellen einsetzen, insbesondere in Fernsehern mit RGB-MiniLED-Technologie. Sonny Ming, General Manager of Hisense TV Product Marketing, feierte die Ankündigung in der zugehörigen Pressemitteilung:
Dies repräsentiert genau die Art von Innovation, die Hisense-Kunden von Premium-Fernseherfahrungen erwarten. Dolby Vision 2 gemeinsam mit Hisense RGB-MiniLED-Technologie kann nicht nur dramatisch beeindruckende Bilder liefern, sondern auch das Potenzial von Fernsehern mit ultra-weitem Farbraum und ultra-hoher Helligkeit steigern, was bis heute nicht möglich war.
Die technische Grundlage für die Hisense-TVs mit Dolby Vision 2 bildet der MediaTek Pentonic 800-Prozessor mit »MiraVision Pro PQ Engine« – der erste Chip, der vollständige Unterstützung für die neue Generation bietet.
- Der Quad-Core-Prozessor mit Cortex-A73-Kernen sowie integrierter NPU (Neural Processing Unit) ermöglicht die rechenintensiven KI-Operationen, die für Content Intelligence erforderlich sind.
- Der Chip unterstützt 4K-Auflösung bei bis zu 165 Hz Bildwiederholrate und verschiedene HDR-Standards, darunter HDR10, HDR10+ und natürlich Dolby Vision IQ mit Precision Detail.
- Die NPU bietet laut MediaTek zudem 50 Prozent schnellere Verarbeitung von KI-Berechnungen und reduziert die Speicherbandbreite um 60 Prozent im Vergleich zur Vorgängergeneration.
Zwei-Stufen-System: Vision 2 und Vision 2 Max
Die oben genannten Features sind aber wohl nicht sofort für alle Fernseher mit Dolby Vision 2 gedacht, denn das Unternehmen führt mit der zweiten Generation ein gestaffeltes System ein.
Dolby Vision 2 richtet sich an Mainstream-Fernseher und bietet die Kernfunktionen. Eine Stufe darüber liegt hingegen das für Premium-TVs gedachte »Dolby Vision 2 Max«. Wie genau sich die beiden Varianten voneinander unterscheiden, ist allerdings noch unklar.
Auf der Inhaltsseite hat sich der französische Medienkonzern Canal+ als erster Partner verpflichtet. Das Unternehmen will künftig Filme, Serien und Live-Sport in Dolby Vision 2 anbieten. Wann weitere Inhalte und Fernseher folgen, ist noch unklar.
Die ersten Modelle mit Dolby Vision 2 sollen im zweiten Halbjahr 2026 auf den Markt kommen; bis dahin dürften auch Streamingdienste wie Netflix auf den Zug der neuen Generation aufspringen.
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