Wenn ihr wirklich gute Fotos und Videos aufnehmen wollt, dann ist ein High-End-Handy nicht die beste Wahl für euer Geld. Diese kosten gerne vierstellige Beträge und einer der größten Unterschiede zu den (auch guten) Mittelklasse-Handys ist das bessere Kamerasystem.
Für denselben Preis könnt ihr stattdessen eine »echte« Kamera und ein Mittelklasse-Handy kaufen. An die Bildqualität dieser Geräte wird kein Top-Handy herankommen. Hier sind meine Empfehlungen.
Anmerkung zu den empfohlenen Produkten: Der Gebrauchtmarkt bei Kameras bietet eine riesige Auswahl an Geräten, die noch vor einigen Jahren mehrere tausend Euro kosteten. Heute sind sie deutlich günstiger - aber deswegen nicht schlechter. Deswegen werdet ihr in diesem Artikel auch Empfehlungen zu gebrauchten Produkten erhalten.
Für die Preise habe ich mpb.com herangezogen. Ich habe schon oft dort eingekauft und war bisher sehr zufrieden. Natürlich könnt ihr auf Kleinanzeigen oder anderen Portalen noch bessere Schnäppchen machen, wenn ihr die Augen offen haltet.
Budget: 1.500 Euro
Ganz schön viel Geld, oder? Tatsächlich ist das der Preis von vielen Flaggschiff-Handys von heute. Das iPhone 15 Pro Max kostet bei Apple zum Beispiel 1.450 Euro. Auch das Samsung Galaxy S24 Ultra startet bei dem Preis.
Beide Handys besitzen unglaublich gute Kameras für Smartphone-Verhältnisse. Und trotzdem kann man mit so viel Geld eine bessere Wahl treffen, wenn Fotografie im Vordergrund stehen soll.
Vollformat zum kleinen Preis:
- Sony Alpha 7 (gebraucht): circa 415 Euro
- Sony FE 24-70mm F/4.0 ZA OSS Zeiss Vario-Tessar T*: circa 430 Euro
- iPhone 14 (neu, 128 GByte): 700 Euro
- Gesamtpreis: 1.545 Euro
Diese Kombination ist auch unter 1.500 Euro möglich und abhängig davon, wie hoch die Gebrauchtpreise der beiden Sony-Geräte sind. Auch das iPhone 14 ist immer wieder unter 700 Euro erhältlich.
Kamera: Die Sony Alpha 7 ist die erste spiegellose Vollformat-Systemkamera für Fotografen gewesen (davor gab es einen Vollformat-Camcorder mit Objektivanschluss). In ihr steckt ein 24 Megapixel-Vollformat-Sensor, der auch heute noch eine außerordentlich gute Bildqualität in allen Lichtbedingungen abliefert und an die kein Smartphone-Bildsensor herankommt. An das E-Bajonett können außerdem unzählige Objektive adaptiert werden.
Objektiv: Das Zoomobjektiv mit dem extrem langen Namen wurde von Sony in Zusammenarbeit mit Zeiss entwickelt. Die T*-Beschichtung von den deutschen Optik-Ingenieuren sorgt für weniger Reflexionen und einen höheren Kontrast. Das Objektiv ist optisch stabilisiert und eignet sich perfekt als Immerdrauf.
Smartphone: Obwohl wir schon eine Vollformat-Kamera und ein Zeiss-Objektiv in unserem Warenkorb haben, passt trotzdem noch das iPhone 14 hinein. Dass es sich dabei um ein gutes Handy handelt, müssen wir bestimmt nicht näher erläutern. Was allerdings besonders praktisch ist: Die Ultraweitwinkel-Kamera des iPhone 14 deckt den Brennweitenbereich ab, der unserem Zeiss-Objektiv fehlt.
Budget: 1.000 Euro
Wenn ihr ein iPhone 15 oder ein Galaxy S24 (Standardmodelle) euer Eigen nennen wollt, ist das ungefähr der Betrag, der auf den Tisch gelegt werden muss. In den meisten Fällen muss man in diesem Preisbereich auf einen Periskop-Zoom verzichten.
Deswegen habe ich für euch hier eine Empfehlung, die euch nicht nur eine bessere Bildqualität liefert, sondern auch weiter zoomen kann, als jedes Handy.
Für die budgetorientierte Reisefotografie:
- Panasonic Lumix DMC-G6 (gebraucht): circa 150 Euro
- Panasonic Lumix G Vario 14-140 mm F/3.5-5.6 ASPH Power OIS II (gebraucht): circa. 420 Euro
- Google Pixel 7a (neu, 128 GByte): 400 Euro
- Gesamtpreis: 970 Euro
Mit diesem Set habt ihr sogar noch 30 Euro übrig. Natürlich kommt es wieder ganz darauf an, für welche Preise ihr die zwei gebrauchten Geräte kaufen könnt.
Kamera: Die Lumix DMC-G6 von Panasonic besitzt einen Micro-Four-Thirds-Sensor - eine Größe, die noch bei keinem Handy auffindbar ist. Der 16 Megapixel-Sensor kann zwar nicht mit den Low-Light-Fähigkeiten eines Vollformat-Sensors mithalten, wird aber dennoch bei guten Lichtverhältnissen hervorragende Ergebnisse abliefern. Und wenn Bedarf besteht, kauft ihr einfach ein lichtstarkes Objektiv aus dem riesigen Katalog von Micro Four Thirds-Objektiven.
Objektiv: Dieses Panasonic-Zoomobjektiv ist fast schon ein Kultgegenstand in der Lumix-Community. Es bietet trotz seines 10-fach-Zooms eine sehr gute Bildqualität. Außerdem gibt es einen eingebauten Bildstabilisator, der bei Aufnahmen am langen Ende des Zooms oder bei Videoaufnahmen hilft.
Smartphone: In unser Budget passt noch das Google Pixel 7a. Dieses besitzt eine außerordentlich gute Hauptkamera für ein so günstiges Handy. Dazu kommen clevere KI-Funktionen, die ihr auch auf Bilder anwenden könnt, die ihr mit der Panasonic-Kamera geschossen habt.
Budget: 750 Euro
In dem Preisbereich von 750 Euro gibt es die Handys, die oft als »Flaggschiff-Killer« oder »Geheimtipp« bezeichnet werden. Dazu gehören zum Beispiel das Asus Zenfone 10 oder das Nothing Phone 2. Selbst zu diesem Preis biete ich euch eine Kamera mit einem ausgezeichneten Objektiv mitsamt eines der besten Preis-Leistungs-Handys, die aktuell verfügbar sind.
Die Bokeh-Maschine:
- Canon EOS 5D Mark 2 (gebraucht): circa 300 Euro
- Canon EF 50 mm F1.8 STM (neu): 120 Euro
- Nothing Phone 2a (neu, 128 GByte): 330 Euro
- Gesamtpreis: 750 Euro
Dieses Set kommt genau auf das angepeilte Budget und beinhaltet sogar mehr neue als gebrauchte Geräte.
Kamera: Die Canon EOS 5D Mark 2 ist eine absolute Legende. Sie war nämlich eine der ersten Vollformat-Kameras, die Videos aufnehmen konnte und deswegen unglaublich beliebt. Noch heute bietet der 21-Megapixel-Sensor eine exzellente Bildqualität für Fotos und (Full-HD-)Videos. Weil die Kamera äußerst robust ist, bekommt man sie selbst heute noch in einem guten und funktionsfähigen Zustand. Günstiger in das digitale Vollformat kann man kaum einsteigen.
Objektiv: Das 50 mm F1.8-Objektiv von Canon besteht zwar aus Plastik und kostet gerade einmal 120 Euro, aber trotzdem solltet ihr es nicht unterschätzen. Die Bilder aus diesem Objektiv, gerade in Kombination mit der Canon 5D Mark 2 sind scharf und zeichnen ein traumhaft schönes Bokeh - also einen cremig verschwommenen Hintergrund.
Smartphone: Das Nothing Phone 2a ist aktuell einer der Anwärter für das Handy mit der besten Preis-Leistung von 2024. Trotz des günstigen Preises bietet es gute Performance, ein schönes Display und eine sehr lange Akkulaufzeit - und nicht zu vergessen das einzigartige Design mit den Glyph-LEDs.
Die beste Kamera bringt euch allerdings nichts …
… wenn ihr sie nicht dabei habt. Und in dieser Disziplin bleibt das Smartphone einfach ungeschlagen. Selbst als ich die sehr kompakte Ricoh GR als Alltagskamera verwendet habe, habe ich sie bei weitem nicht so oft dabei gehabt, wie mein Handy.
Meine hier vorgeschlagenen Optionen erfordern das Mitbringen von zwei Geräten und sehr wahrscheinlich noch eine Tasche. Wenn euch also das letzte Quäntchen an Bildqualität nicht so wichtig ist oder ihr auf manuelle Einstellungen verzichten könnt, dann ist natürlich ein Handy mit einem guten Kamerasystem eine ausgezeichnete Wahl.
Denn wie der bekannte amerikanische Fotograf Chase Jarvis schon sagte:
»Die beste Kamera ist die, die ihr dabei habt«.
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