Inzwischen habe ich über 10 E-Reader getestet, von Geräten mit physischen Tasten, besonders großen Bildschirmen bis hin zu günstigen Klassikern, wie dem Kindle. Jedes dieser Geräte war besonders auf eine andere Art und Weise, doch eine Gerätekategorie ist mir besonders ans Herz gewachsen: Die Mini-E-Reader.
Durch sie lese ich heute so viele Bücher wie nie zuvor. Jetzt habe ich den Boox Palma 2 Pro ausprobiert und irgendwie kommen mir klassische E-Reader jetzt einfach falsch vor.
Was ist der Boox Palma 2 Pro?
Der Boox Palma 2 Pro ist im Grunde ein E-Reader (wie Kindle, Tolino, Kobo etc.) im Format eines klassischen Smartphones. Der Formfaktor ist jedoch nicht die einzige Gemeinsamkeit zu unseren mobilen Begleitern: Es ist sogar Android 15 vorinstalliert.
Man könnte dieses Gerät auch als Smartphone mit E-Ink-Bildschirm bezeichnen, allerdings wäre das nicht ganz wahr. Es ist zwar ein SIM-Kartenslot vorhanden, allerdings unterstützt das Gerät ausschließlich Daten-SIM-Karten.
Ich habe trotzdem probiert, das Gerät eine Zeit lang als Zweit-Handy einzusetzen. Mehr dazu lest ihr weiter unten.
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- Bildschirmtyp: 6,13-Zoll Kaleido 3 (4.096 Farben), E-Ink, kapazitiver Touchscreen, mit warmer und kühler Beleuchtung
- Bildschirmauflösung: Schwarz-Weiß 824 x 1648 (300 ppi); Farbe 412 x 824 (150 ppi)
- CPU: Qualcomm Octa-Core (nicht näher benannt)
- RAM: 8 GB
- Interner Speicher: 128 GB (per microSD-Karte erweiterbar)
- Konnektivität: Wi-Fi, Bluetooth 5.1, 2G /3G/4G/5G
- Kamera: 16 MP mit LED-Blitz
- Akku: 3.950 mAh
- OS: Android 15
- Schutz: Keine IP-Schutzklasse, aber laut Hersteller resistent gegenüber Spritzwasser
- Stylus: Boox InkSense Plus, 4.096 Druckstufen, 80-mAh-Akku
- Preis: ca. 400 Euro
Das perfekte Format für unterwegs
Der Boox Palma 2 Pro ist etwa so groß wie die meisten Handys von heute. Lasst euch nicht von der 6,13-Zoll-Bildschirmdiagonale täuschen. Wegen der breiten Ränder ist das Gerät fast genauso groß wie mein Xiaomi 15 Ultra mit 6,73-Zoll-Bildschirm.
Dennoch ist der Formfaktor für mich absolut genial. Ich lese ausschließlich unterwegs; daheim spiele ich lieber. Inzwischen verlasse ich das Haus nicht mehr ohne einen E-Reader und Geräte wie diese passen genau wie mein Handy in jede Hosentasche.
Wenn ich an der Bushaltestelle stehe, sieht es zwar aus, als würde ich (wie nahezu jeder) auf mein Handy starren, doch in Wirklichkeit lese ich ein Buch. Das ist für mich eine bessere Nutzung meiner Freizeit, statt durch endlose Feeds zu scrollen.
Als der Bus dann endlich in Sichtweite erscheint, drücke ich auf die Home-Taste und öffne die DB-App für mein Deutschlandticket – Android macht es möglich. Im Bus stecke ich den kleinen E-Reader einfach wieder in die Hosentasche (auf Fahrten lese ich aufgrund von Reiseübelkeit nicht).
Obwohl Geräte wie der Kindle oder Tolino auch kompakt sind, passen sie aufgrund des breiten Seitenverhältnisses nicht in meine Hosentasche. Für diese ist also immer eine zusätzliche Tasche nötig, aus der ich sie auch erst herausholen muss, um zu lesen. Meine ganze digitale Bibliothek direkt in der Hosentasche zu haben, ist fantastisch!
Natürlich kann man auch einfach ein normales Smartphone verwenden, allerdings ist das bei Weitem nicht so ablenkungsfrei und augenschonend wie auf einem dedizierten Gerät mit E-Ink-Bildschirm.
Android ist ein Gamechanger
Die meisten bekannten E-Reader haben ein geschlossenes Betriebssystem vorinstalliert, das stark auf ein Ökosystem oder eben auf das Lesen von E-Books in unterschiedlichen Formaten beschränkt ist.
Das ist oft ganz in Ordnung und hat Vorteile: Ein E-Reader muss in erster Linie E-Books anzeigen können und nicht viel mehr. Die schlanken Betriebssysteme tragen außerdem zu der wochenlangen Akkulaufzeit bei, für die Kindle und Co. bekannt sind.
Für mich war der Wechsel zu einem E-Reader mit Android-Betriebssystem jedoch eine echte Offenbarung. Durch die Bereitstellung sämtlicher Apps, die ich auch von meinem Handy kenne, stehen mir viel mehr Möglichkeiten zum Lesen zur Verfügung. Hier sind meine persönlichen Must-Haves:
- Ugreen-NAS-App: Sofortiger Zugriff auf meine E-Books im Netzwerkspeicher
- Kindle-App: Alle Bücher aus meinem Amazon-Konto
- Tolino-App: Alle Bücher aus meinem Tolino-Konto
- Onleihe-App: E-Books aus meiner Stadtbibliothek ausleihen
- Vivaldi-App: Mein Standardbrowser. Zum Lesen von Webseiten und Artikeln.
- Good News: Nachrichtenportal für gute Nachrichten
- LocalSend: Schnelles Übertragen von Dateien zwischen unterschiedlichen Geräten.
- YouTube Music: Für Musik und Podcasts
Lokal heruntergeladene E-Books lese ich mit der vorinstallierten Bibliothek-App. In dieser lässt sich praktischerweise mit den Lautstärke-Tasten blättern.
Das Android-Betriebssystem macht den E-Reader zu einem zentralen Hub für meinen gesamten Lesestoff, unabhängig von seiner Quelle. Das ist mitunter einer der Gründe, warum ich nur ungern wieder zu meinem Tolino oder Kindle zurückkehre.
Farbdisplay für Comics? Geht so
Der Boox Palma 2 Pro ist mit einem farbigen E-Ink-Bildschirm ausgestattet, was seine Nützlichkeit gegenüber Geräten mit Schwarz-Weiß-Bildschirm erweitert. Ihr könnt also auch farbige Bücher lesen, wie etwa Comics oder Graphic Novels.
Sollte man? Hier offenbart sich, dass der größte Vorteil von Mini-E-Readern gleichzeitig ihr größter Nachteil ist: Sie sind eben klein.
Das Lesen von Comics ist zwar möglich, macht aber nicht wirklich Spaß. Erstens werden weniger Farben dargestellt, als es euer Handy könnte, und zweitens eignen sich breite Seitenverhältnisse einfach besser für die große Darstellung von Comic-Buch-Seiten.
Noch dazu kommt die etwas geringe Pixeldichte von 150 ppi beim Anzeigen von Farbinhalten. Dadurch ist der Text in den Sprechblasen etwas fransig.
Für Comics kann ich dieses Gerät deshalb eher nicht empfehlen. Das Farbdisplay ist eher nützlich für das Lesen von Artikeln, Graphic Novels oder für farbige Markierungen und Notizen (ein Stylus ist optional verfügbar).
Übrigens ist die Darstellung von Mangas zwar schärfer, allerdings werdet ihr hier aufgrund des kleinen Bildschirms auf dieselben Probleme stoßen.
Bücher lesen? Viel besser, aber nicht ohne Kompromisse
Deutlich besser geeignet für Textbücher: Wie zu erwarten, lesen sich klassische Bücher am besten auf dem kleinen Gerät. Nicht umsonst habe ich allein in den letzten 14 Tagen mehr als 2000 Seiten gelesen. Der Text ist schärfer als etwa bei Comics und selbst bei kleiner Textdarstellung bleibt er lesbar. So muss ich nicht ganz so häufig umblättern.
Viele Zeilensprünge: Was jedoch für einige etwas gewöhnungsbedürftig sein könnte, ist das schmale Seitenverhältnis, weshalb man mit vielen Zeilenumbrüchen lesen muss. Die Augen springen beim Lesen also öfter hin und her als bei breiteren E-Readern oder klassischen Büchern. Mich hat das nicht sonderlich gestört, aber ich kann mir vorstellen, dass es für andere ein K.-o.-Kriterium sein kann.
Farbe vs. Schwarz-Weiß: Was mir viel eher aufgefallen ist, ist, wie sehr ich monochrome Bildschirme gegenüber farbigen bei meinen E-Readern bevorzuge. Der Bildschirm des Boox Palma 2 Pro ist keineswegs schlecht, aber im direkten Vergleich zum Viwoods AiPaper Reader, einem anderen E-Reader im Handyformat, ist es ein auffälliges Downgrade.
Auf monochromen E-Ink-Bildschirmen sieht der Text wirklich wie gedruckt aus. Der Viwoods AiPaper-Reader wirkt aufgrund seines besseren Kontrastes schärfer. Dieser Unterschied fällt einem allerdings erst bei direkter Gegenüberstellung auf – und ist ohnehin Meckern auf hohem Niveau.
Ghosting: Bei E-Ink-Bildschirmen kann es, vor allem bei dunklen Inhalten, vorkommen, dass Inhalte auf dem Bildschirm sichtbar bleiben, obwohl ihr schon weitergeblättert habt. Das ist leider auch beim Boox Palma 2 Pro ein Problem.
Beim Lesen von Büchern (dunkle Schrift auf weißem Hintergrund) fällt das seltener auf, aber häufiger im Webbrowser oder eben bei Comics. Es gibt allerdings eine Refresh-Taste in der Navigationsleiste, um jegliche Ghosting-Effekte mit einem Fingertipp zu entfernen.
Mein Erfahrungsbericht zum oben gezeigten Viwoods AiPaper-Reader: Ich habe einen E-Reader im Handyformat ausprobiert und möchte nicht mehr anders lesen
Das Boox Palma 2 Pro als Digital-Detox-Smartphone
Obwohl das Gerät so aussieht und sogar einen SIM-Karten-Slot besitzt, ist es in erster Linie ein E-Reader und kein Smartphone – ich habe es dennoch ausprobiert.
Meine SIM-Karte wurde nach Eingabe der PIN ganz normal erkannt und ich konnte schon auf mein Datenvolumen zugreifen.
Umständliches Benachrichtigungs-Management: Standardmäßig ist der Boox Palma 2 Pro so eingestellt, dass WLAN, Bluetooth und Audiowiedergabe pausiert werden, wenn ihr das Gerät in den Stand-by schickt – um Akkulaufzeit zu sparen.
Für ein Handy ist das manchmal nicht optimal, da so keine Benachrichtigungen empfangen werden und Musik pausiert wird. Zum Glück lässt sich das in den Einstellungen ändern.
Standardmäßig muss außerdem ausgewählt werden, welche App wie lange aktiv bleiben darf. Das Gerät deaktiviert standardmäßig jede inaktive App nach 5 Minuten. Das heißt: Wenn WhatsApp seit fünf Minuten nicht verwendet wurde, erhaltet ihr auch keine Benachrichtigungen mehr.
Auch diese Einstellung kann geändert werden, muss aber eben von einem selbst unternommen werden. Kurioserweise schienen selbst mit diesen Einstellungen viele Benachrichtigungen nicht immer zu funktionieren. Die Apps scheinen dennoch nach einer Weile deaktiviert zu werden.
Weitere Einschränkungen: Dazu kommen weitere Einschränkungen gegenüber Smartphones: Es fehlt NFC (zum Beispiel für mobiles Bezahlen), der SIM-Kartenslot unterstützt nur Datentarife und die Kamera ist … retro. Das Anschauen von Videos ist zwar möglich, aber nicht empfehlenswert. Es werden zu wenige Farben angezeigt, und die niedrige Bildwiederholrate ist dafür ungeeignet.
Akkulaufzeit: Die Akkulaufzeit ist für ein Android-Gerät genial, für einen E-Reader unterdurchschnittlich. Wenn ich nur Bücher lese, hält er etwa ein bis zwei Wochen durch. Bei Verwendung als Handy, mitsamt Messaging, Telefonaten, Web-Browsing und mehr, hält der Akku etwa drei bis vier Tage durch.
Nicht ganz ein Smartphone, aber vielleicht genau richtig? Alles in allem ist der Boox Palma 2 Pro kein vollwertiger Smartphone-Ersatz, aber genau das könnte ihn für viele als Digital-Detox-Handy interessant machen. Wenn man diese Einschränkungen nicht als Nachteil sieht, sondern als Feature-Set, nach dem man sucht, dann könnte das ein praktisches Smartphone für Leseratten sein.
Fazit: E-Reader im Handyformat sind für mich die Zukunft, aber nicht für jeden
Für mich persönlich sind E-Reader im Smartphone-Format eine absolute Offenbarung. Weil das Gerät problemlos in meine Hosentasche passt und ich es überallhin mitnehme, greife ich in freien Minuten nicht mehr reflexartig zum Handy, sondern zu einem Buch.
Das Ergebnis: Ich lese so viel wie seit Jahren nicht mehr. Die Freiheit, dank Android alle meine Bibliotheken auf einem einzigen Gerät mit augenschonendem Display vereint zu haben, möchte ich unterwegs nicht mehr missen.
Dennoch ist der Boox Palma 2 Pro ein Nischengerät und definitiv nicht für jeden die richtige Wahl:
- Keine Empfehlung für Comic- und Manga-Fans: Was beim normalen Lesen der größte Vorteil ist, wird hier zum Verhängnis. Das schmale Seitenverhältnis und die geringere Farbauflösung (150 ppi) machen das Betrachten von Graphic Novels oder das Lesen kleiner Sprechblasen eher anstrengend.
- Kein echter Smartphone-Ersatz: Trotz Android, SIM-Slot und langer Akkulaufzeit bremsen fehlendes NFC, eine sehr einfache Kamera und einschränkende Hintergrund-Benachrichtigungen den Alltagsnutzen als Handy stark aus.
Für wen lohnt sich der Kauf? Wenn ihr primär reine Textbücher lest, euer Lesezeichen immer in der Hosentasche haben wollt und die App-Freiheit von Android schätzt, ist der Boox Palma 2 Pro ein genialer Begleiter (oder ein spannendes Tool für ein gezieltes Digital Detox).
Sucht ihr hingegen einen großen Bildschirm für Bildbände oder euer neues primäres Alltags-Smartphone, solltet ihr besser zu einem klassischen E-Reader oder einem gewöhnlichen Handy greifen.



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