Disney Plus, wir hatten einen Deal!

Ich habe mich darauf verlassen, dass ich Werbung bei dir entgehen kann, indem ich dafür zahle. Jetzt brichst du mit unserer Vereinbarung.

Disney, mir gefällt nicht, wie du das Kleingedruckte änderst. (Bildquelle: Disney, Maxe S., GameStar) Disney, mir gefällt nicht, wie du das Kleingedruckte änderst. (Bildquelle: Disney, Maxe S., GameStar)

Liebe Leserinnen und Leser, mir geht’s genau wie euch: Die Enshittification geht mir gehörig auf den Zeiger – gerade bei Abos und besonders im Streaming. Ich bin ja leidensfähig, aber was Disney jetzt bei Disney Plus abgezogen hat, ist für mich ein neuer Tiefpunkt.

Ich bin bereit, ein paar mehr Kröten im Monat für einen Streaming-Dienst zu zahlen. Mein Sweetspot ist dabei immer der günstigstmögliche Tarif ohne Werbung. Sie klaut Zeit, sie bringt mir nichts und ich werde auch noch bei einem Film oder einer Serie aus der Immersion gerissen. Das finde ich am schlimmsten.

Dass Disney Plus die Werbefreiheit abschafft, ist für mich nicht weniger als der wirklich allerletzte Sargnagel für Streaming. Disney, wir hatten einen Deal und du hast ihn gebrochen.

Maxe Schwind
Maxe Schwind

Maxe war einst großer Streaming-Fan und zwar so sehr, dass er sich von der Vorstellung einer eigenen Filmbibliothek zu Hause (samt Rollleitern!) verabschiedet hat. Von ehemals fünf Abos bei Netflix und Co. besitzt derzeit nur noch ein einziges. 

Ach, was hatten wir es gut

Netflix startete seinen Streaming-Dienst einst mit der Idee, Filme und Serien zu schauen, wie und wann man möchte. Genau genommen hat sich daran nichts geändert – außer die Konditionen für uns Zuschauerinnen und Zuschauer.

Wie man es dreht und wendet, die goldenen Jahre sind vorbei; die Kompromisse, die wir eingehen müssen, werden immer größer.

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Wir waren doch schon Pay-TV

Ein bisschen wie eine kaputte Platte fühle ich mich ja schon. Als ich Ende 2024 den stetigen Niedergang des Streamings in einem Artikel aufgegriffen habe, waren Netflix und Co. bereits das, was sie vernichten wollten: Pay-TV. Darin orakelte ich, dass Streaming an sich noch weiter degenerieren könnte – was mit dem Tabubruch von Disney jetzt in meinen Augen der Fall ist.

Disney schmeißt Werbefreiheit komplett raus. Klar, es gibt bei teureren Abos »nur noch« Werbung, die das Disney-Branding besitzen, aber Werbung bleibt es. Das ist nicht zu drehen und zu wenden.

Erst im Februar verursachte Disney einen Aufschrei, weil klammheimlich HDR aus dem Premium-Abo verschwunden war. Daraufhin fühlten sich Kundinnen und Kunden in ihrem Vertrauen verletzt.

Was ich damit sagen will: Disney hat es jetzt geschafft, Streaming quasi zu einem noch größeren Kompromiss zu machen als zuvor. Freilich, ich kann immer noch anschauen, was ich will und wann ich will, aber wenn ich nicht einmal mehr Werbung entgehen kann, dann schmelzen diese Vorteile wie ein Eis in der Sonne.

Vermutlich werden wir aber auch das schlucken. Neulich erst fragte ich mich, ob wir Netflix und Co. hinter uns lassen können. Die Antwort ist vielfältig, aber es ist nicht von der Hand zu weisen, dass Streaming-Dienste trotz der gestiegenen Preise immer noch das größte Angebot fürs Geld bieten. So ungern ich das auch sage, aber die meisten werden die Werbung und Enshittification vermutlich einfach aussitzen.

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Vorbild für andere Anbieter?

Ich vermute, Disney hat den Passus mit der Werbung bei seinem Streaming-Angebot aus zwei Gründen angefügt.

  • Der Anbieter kann es sich leisten, (viel) eigene Werbung zu zeigen, weil er viele der bekanntesten Marken der Welt unter seinem Schirm hat. Wer nachfolgende Franchises liebt, kommt um Disney Plus nicht herum:
    • Disney-Eigenmarken 
    • Marvel
    • Pixar
    • Star Wars
    • 20th Century Studios
    • National Geographic
  • Es ist für Disney eine gute Möglichkeit, mehr aus einem Abo zu quetschen, ohne den Preis zu erhöhen. Preisanpassungen sind der Hammer, dessen Aufprall am meisten schmerzt. Leise mehr Werbung zeigen, ist der Meißel, der weniger wehtut.

Wenn ich ehrlich bin, dann war es für mich eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis der erste Streaming-Service Werbung in allen Abos anzeigt, eigen oder fremd.

Der Aufschrei ist jetzt groß und erinnert mich ein wenig daran, wie Spielerinnen und Spieler aufgeschrien haben, als Nintendo mit dem Release der Switch 2 die Preise für Spiele nach oben korrigiert hat. Da haben die anderen Publisher klammheimlich ebenfalls an der Preisschraube gedreht, denn der Zahn war ja bereits gezogen.

Ähnlich könnte flächendeckende Werbung womöglich auch bei Netflix, Crunchyroll und dem Rest Realität werden.

Dass andere Anbieter Eigenwerbung zeigen, ist per se ja auch nichts Neues. Auf Sky oder Apple TV kriege ich die nicht selten serviert und kann sie aber zumeist überspringen. Aber der Sprung von Eigenwerbung zur richtigen Werbung ist nicht sehr weit. Und bei Prime Video muss ich sowieso blechen, wenn ich Werbung gar nicht erst sehen will.

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Jetzt liegt es an uns

Ich habe eben schon vermutet, dass viele Leute solche Nickligkeiten einfach aussitzen werden – und auch ich werde zähneknirschend in den sauren Apfel beißen, wenn die zweite Staffel von Alien: Earth bei Disney Plus erscheint.

Fakt ist aber auch, dass wir bestimmen, ob Disney damit durchkommt. 

Erinnert ihr euch noch an September 2025, als Disney Jimmy Kimmel Live! aus dem Programm schmiss? Damals ging es um eine Aussage, die Kimmel während seiner Show traf, und woraufhin der Fernsehsender ABC (der zu Disney gehört) die Sendung kurzerhand absetzte.

Daraufhin erwuchs eine Protestaktion namens »Cancel Disney«. Leute kündigten als Reaktion auf Kimmels Absetzung massenweise ihren Disney Plus-Account (ich übrigens auch), was dazu geführt hat, dass der Konzern den Rauswurf rückgängig machte. Auf Huffpost könnt ihr das Schauspiel nochmal nachlesen.

Dieses Beispiel zeigt, wie viel Macht die Abonnentinnen und Abonnenten eigentlich besitzen. »Vote with your Wallet« heißt es im Englischen, man solle seine Meinung mittels seines Geldbeutels zeigen – und das sollten wir tun. Wenn uns die Konditionen auf den Geist gehen, ist die beste Möglichkeit, nicht mehr für Disney Plus zu zahlen – oder nur noch, wenn keine Alternativen übrig sind.

Dabei sind die Alternativen zahlreich.

  • Wir können zu einem Anbieter wechseln, dessen Konditionen für uns besser sind. Für mich war das überraschend Apple TV, das mich mit tollen Serien lockt und technisch gesehen das Beste auf dem Markt bietet – für ‘nen Zehner im Monat.
  • Greift öfter zur Disk. Ja, das ist teurer, aber steht die Blu-ray erstmal im Schrank, besitzen wir sie.
  • Lasst uns öfter ins Kino gehen. Mein Lieblingskino bekommt rekordbrechendes Upgrade, aber das ist gar nicht nötig, um sich mal wieder von einem Blockbuster auf der großen Leinwand wegblasen zu lassen.

Streaming hat seinen Zenit längst überschritten, damit erzähle ich euch nichts Neues. Wenn wir uns aber denselben Service zu schlechteren Konditionen verkaufen lassen, sind wir selbst schuld.

Mir ist auch klar, dass Streaming für viele alternativlos ist, vor allem dann, wenn eine neue Staffel unserer Lieblingsserie erscheint. Am Ende haben wir trotzdem in der Hand, wem wir unser Geld und wie viel davon geben. Wir haben Deals, mit Disney Plus, Netflix, Prime Video, aber zu Deals gehören immer mindestens zwei. Und ich werde mein Autogramm nicht mehr unter jeden Streaming-Vertrag setzen.


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