Ein Film, fast vollständig mit künstlicher Intelligenz produziert, soll die Zukunft des Kinos einläuten. Rund 100 Menschen arbeiten über zwei Jahre daran, Millionen werden investiert. Am Ende interessiert sich allerdings kaum jemand dafür.
Gleichzeitig wird ein Animationsfilm zum Überraschungshit, dessen Figuren aussehen, als wären sie aus einem Computerspiel vor 20 Jahren entsprungen.
Beide Filme kommen aus China und zeigen, wie unterschiedlich das Publikum auf neue und alte Produktionstechniken reagieren kann. Besonders bemerkenswert sind dabei die Einspielergebnisse.
Wie schlecht läuft es für Chinas ersten KI-Kinofilm?
Am 23. Oktober 2026 startete mit »Sanxingdui: Future Past« der erste in China für die reguläre Kinoauswertung zugelassene Langfilm, dessen Bilder vollständig mithilfe generativer KI entstanden sind. Der 100 Minuten lange Science-Fiction-Film verbindet eine historische chinesische Kultur mit einer Zukunft, in der die Menschheit ihre Entscheidungen an künstliche Intelligenz abgegeben hat.
Die Produktionsfirma Bona Film Group hatte große Pläne. Nach eigenen Angaben arbeiteten fast 100 Menschen über zwei Jahre an dem Projekt. Dabei entstanden mehr als 1,2 Millionen Ausgangsbilder, und die gesamte Produktion wurde mehr als hundertmal überarbeitet.
Die Technik übernahm vor allem die Bildproduktion. Drehbuch, Regie, Schnitt und kreative Entscheidungen lagen weiterhin bei Menschen. Ganz ohne menschliche Arbeit entstand der Film also keineswegs.
Gekostet hat die Produktion laut Bona Film Group mehr als zehn Millionen Yuan. Die chinesische Kinokassenstatistik weist am 4. November dagegen lediglich rund 1,7 Millionen Yuan Einnahmen aus. Das sind die gesamten Ticketeinnahmen, nicht der Anteil, der beim Studio ankommt.
Von einer Kostendeckung durch die Kinoauswertung ist der Film damit weit entfernt.
Warum wird ausgerechnet ein schlecht animierter Film zum Hit?
Ganz anders verlief die Geschichte von »Niu Lai«. Der Animationsfilm erschien bereits am 5. August und erzählt von einem jungen Kalb, das gemeinsam mit einer Feldlerche eine fantastische Reise erlebt.
Hinter dem 86 Minuten langen Werk stecken hauptsächlich zwei Menschen: der chinesische Regisseur Xin Yumeng und seine Mutter Sun Lifang.
Fünf Jahre lang arbeitete Xin an den Animationen, der Modellierung und dem Schnitt. Seine Mutter beteiligte sich am Drehbuch, übernahm Sprecherrollen und schrieb und sang das Titellied. Professionelle Produktionsbedingungen gab es kaum. Im Interview mit »创业青年说« erklärte der Regisseur, dass er gebrauchte Computer einsetzte und vollständig auf generative KI verzichtete.
2:33
»Das ist ein wunderbarer Fiebertraum!« - Im Dezember retten Reacher und der Terminator gemeinsam das Weihnachtsfest
Das Ergebnis sieht man dem Film an. Die Figuren bewegen sich steif, die Animationen wirken grob, und auch die technische Qualität entspricht kaum dem, was Zuschauer von einer modernen Kinoproduktion erwarten würden.
Zunächst schien der Film ebenfalls zu scheitern. Während der ersten zehn Tage kamen nur wenige Zuschauer. Dann verbreiteten sich Ausschnitte im Internet, und gerade die ungewöhnlich schlechten Animationen wurden zum Meme.
Plötzlich wollten viele Menschen den Film selbst sehen. Die anfängliche Belustigung entwickelte sich zu einem überraschenden Publikumserfolg.
Die chinesische Kinokassenstatistik verzeichnet inzwischen rund 64,3 Millionen Yuan Einnahmen. Damit hat der handgemachte Film um ein Vielfaches mehr eingespielt als die technisch aufwendige KI-Produktion.
Was sagt der Vergleich über KI im Kino aus?
Eines sollte man bei diesem Vergleich nicht vergessen: Die beiden Filme erschienen in unterschiedlichen Monaten. Außerdem profitierte »Niu Lai« erheblich von seiner Verbreitung in sozialen Netzwerken. Aus den Zahlen allein lässt sich deshalb nicht ableiten, dass Zuschauer grundsätzlich keine KI-Filme sehen möchten.
Dennoch ist der Unterschied bemerkenswert. Bona Film Group investierte erheblich in die technischen Möglichkeiten generativer KI. Xin Yumeng und seine Mutter konnten dagegen mit ihren begrenzten Mitteln eine Geschichte erzählen, die genügend Neugier auslöste, um Millionen Menschen ins Kino zu bringen.
Über den ungewöhnlichen Erfolg von »Niu Lai« berichtete GameStar bereits im August. Gleichzeitig beschäftigen sich chinesische Filmstudios schon länger mit KI, etwa bei der geplanten Restaurierung klassischer Kung-Fu-Filme.
Ob sich solche Technologien langfristig im Kino durchsetzen, hängt nicht allein von besseren Bildern ab.
Auch ein Film mit KI braucht eine Geschichte, die Zuschauer sehen möchten.
Bei »Niu Lai« reichten ungewöhnliche Animationen, eine persönliche Entstehungsgeschichte und viel Aufmerksamkeit im Internet für einen Überraschungserfolg.
»Sanxingdui« muss dagegen erst noch zeigen, dass sein technischer Ansatz auch wirtschaftlich überzeugen kann.







Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Dein Kommentar wurde nicht gespeichert. Dies kann folgende Ursachen haben:
1. Der Kommentar ist länger als 4000 Zeichen.
2. Du hast versucht, einen Kommentar innerhalb der 10-Sekunden-Schreibsperre zu senden.
3. Dein Kommentar wurde als Spam identifiziert. Bitte beachte unsere Richtlinien zum Erstellen von Kommentaren.
4. Du verfügst nicht über die nötigen Schreibrechte bzw. wurdest gebannt.
Bei Fragen oder Problemen nutze bitte das Kontakt-Formular.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Nur angemeldete Plus-Mitglieder können Plus-Inhalte kommentieren und bewerten.