Elgato Facecam Pro: Diese Webcam macht im Test sogar meiner teuren Profikamera Konkurrenz

Elgatos neue Facecam Pro beherrscht 4K-Auflösung bei 60 Bildern pro Sekunde. Ein Novum für Webcams. Doch das ist längst nicht alles.

Die Elgato Facecam Pro. Die Elgato Facecam Pro.

Mit Webcams ist das so eine Sache. Viele davon sind okay, aber so richtig gut ist meiner Meinung nach eigentlich kaum eine. Die Bildqualität ist in den meisten Fällen maximal mittelprächtig. Und ich habe wirklich sehr viel Zeit damit verbracht, nach einem Modell zu suchen, das sich auch für Aufnahmen im Rahmen meiner Arbeit als Redakteur eignet. Denn gelegentlich könnt ihr mich auf dem YouTube-Kanal von GameStar oder unserem Twitch-Kanal Monsters and Explosions sehen.

Schlussendlich fand ich dann eine Möglichkeit, meine gebraucht und recht günstig erstandene Systemkamera (eine Sony A7) wie eine Webcam ins System einzubinden. Die Bildqualität einer echten Fotokamera samt Objektiv ist natürlich kaum zu übertreffen. Vom Bokeh, also der unscharfen Darstellung von Hintergrundobjekten, ganz zu schweigen. Apropos Objektiv:

Von Elgato habe ich nun allerdings die neueste Facecam Pro zum Testen zur Verfügung gestellt bekommen. Die verspricht volle 4K-Auflösung bei 60 Bildern pro Sekunde. Ein Novum für Webcams. Und dank des größten Sensors einer Webcam überhaupt, soll sie auch die bestmögliche Bildqualität bieten. Doch kann die Facecam Pro auch überzeugen - wie gut ist sie wirklich?

Elgato Facecam Pro
Elgato Facecam Pro
Die Elgato Facecam Pro ist ohne Zweifel die beste Webcam auf dem Markt. Sie unterstützt volle 4K-Auflösung samt flüssigen 60 Bildern pro Sekunde. Das kann derzeit kein anderes Gerät. Dank des für Webcams riesigen Sensors sind Aufnahmen damit gestochen scharf. Die übersichtliche Software lässt zudem keine Wünsche offen.
  • Super scharfe Aufnahmen
  • Unterstützt 4K bei 60 Bildern pro Sekunde
  • Auch bei wenig Licht immer noch hervorragende Bildqualität dank großem Sensor
  • Software ist übersichtlich und bietet alle Funktionen
  • Sehr teuer
Elgato

Das ist die Elgato Facecam Pro

  • Unterstützten Auflösungen: 2160p60, 2160p30, 1080p60, 1080p30, 720p60, 720p30
  • Optik: Elgato Premium Autofocus Lens
  • Brennweite: 21 mm
  • Blende: f/2.0
  • Sensor: Sony Starvis CMOS
  • Anschluss: USB Typ-C
  • Abmessungen: 116 x 38 x 79 mm (Breite, Höhe, Tiefe)
  • Gewicht: 240 Gramm (ohne Montierung)
  • Zubehör: Montierung für Monitor, USB-C- auf USB-C-Kabel
  • Preis: 350 Euro

Die Besonderheiten der Facecam Pro

Bevor ich auf die Besonderheiten eingehe, ein kurzes Vorwort. Denn als ich die Facecam Pro vor wenigen Tagen zum ersten Mal zu Gesicht bekam, war ich direkt von ihren Dimensionen überrascht. Sie ist über elfeinhalb Zentimeter breit, dazu noch fast acht Zentimeter tief und vier Zentimeter hoch – ohne Montierung, wohlgemerkt!

Doch sie ist nicht nur um eine Vielfaches größer als beispielsweise meine alte Logitech C920. Sie ist auch extrem gut verarbeitet. Das resultiert in einem Gewicht von fast einem Viertel Kilo!

Die Elgato Facecam Pro wiegt stolze 240 Gramm - ohne Montierung. Die Elgato Facecam Pro wiegt stolze 240 Gramm - ohne Montierung.

Gewicht und Größe spielen für eine Webcam allerdings nur indirekt eine Rolle. Was letztlich zählt, sind die inneren Werte. Und auch hier stellt die Facecam Pro eine Ausnahme unter den Webcams dar:

Mit voller 4K-Auflösung samt 60 Bildern pro Sekunde steht sie derzeit allein auf weiter Flur. Keine andere Webcam löst so hoch bei gleichzeitig flüssiger Bildrate auf. Selbst Full HD, also 1080p, samt 60 FPS ist längst nicht mit allen Geräten möglich. Ob 4K bei einer Webcam überhaupt nötig ist, steht auf einem anderen Blatt. Was ich jedoch schon jetzt verraten kann: Für die Bildqualität lohnt es sich allemal, denn selbst wer nur in Full HD aufnimmt, profitiert von der hohen nativen Auflösung.

Damit das überhaupt möglich ist, spendiert Elgato der Facecam Pro den laut eigener Aussage größten Sensor, der je in einer Webcam verbaut wurde. Meine Recherche hat zumindest nichts Gegenteiliges ergeben. Der Sony-Sensor ist demnach vier Mal so groß wie der einer typischen Webcam.

So können im Vergleich zu beispielsweise Full-HD-Auflösung deutlich mehr Pixel untergebracht werden, ohne die einzelnen Pixel verkleinern zu müssen. Oder im Vergleich zu normalem HD (720p) sogar mehr und gleichzeitig größere Pixel. Das wiederum heißt, dass auf jeden Bildpunkt dieselbe Menge oder sogar mehr Licht fällt wie bei einem vier Mal kleineren (Full-)HD-Sensor - und nicht etwa weniger. Im folgenden Video von Elgato seht ihr einen Größenvergleich:

Video starten 0:22 Elgato Facecam Pro Sensor-Vergleich

Wie gut ist die Facecam Pro?

Genauso positiv überrascht wie von der Größe und dem Gewicht der Facecam Pro bin ich von der Bildqualität. Der Sony-Sensor löst sehr fein auf, das Bild ist gerade für eine Webcam sehr scharf und selbst feine Details wie beispielsweise meine Bartstoppeln sind gut zu erkennen. Nicht ganz so gut wie mit meiner zur Webcam umfunktionierten Fotokamera, aber deutlich besser als mit allen anderen Geräten, die ich jemals ausprobiert habe. Farben werden zudem sehr natürlich abgebildet. Lediglich Rot sticht in der Standardeinstellung für meine Begriffe einen Ticken zu stark hervor. Das lässt sich im Camera-Hub jedoch leicht anpassen.

Doch nicht nur in 4K-Auflösung lässt die Facecam Pro ihre Muskeln spielen, auch in Full HD. Dabei profitiert die eigentlich deutlich geringere Auflösung davon, dass der Sensor nativ immer mit 4K aufzeichnet und das Bild im Anschluss auf Full HD skaliert wird. Wie viel diese Methode unter anderem auch bei Spielen bringen kann, belegt der folgende Artikel:

Der Autofokus der optischen Linse funktioniert ebenfalls sehr gut und vor allem schnell. Bewege ich mich von der Facecam Pro weg oder auf sie zu, dauert es weniger als eine Sekunde, bis ich wieder scharf dargestellt werde. Während des Justierens kommt es dabei jedoch zu einer geringfügigen Verzögerung, in der das Bild einmal kurz zu scharf und dann zu verschwommen ist, ehe die optimale Einstellung gefunden ist.

Den Autofokus braucht es meiner Meinung nach allerdings gar nicht unbedingt. Zumindest nicht, solange ich nichts spontan in die Kamera halte. Denn normalerweise sitze ich immer in etwa im gleichen Abstand zum Bildschirm, auf dem die Facecam Pro samt mitgelieferter Montierung thront. Das heißt, ein festgelegter Fokus genügt mir in den meisten Fällen völlig. Praktischerweise lässt sich der Autofokus im Camera-Hub von Elgato abschalten. Und nicht nur das. Die Software ist in meinen Augen eines der Highlights.

Das Camera-Hub ist vorbildlich

Das Camera Hin von Elgato ist übersichtlich und bietet zahlreiche Funktionen. Schöner macht mich das allerdings auch nicht. Das Camera Hin von Elgato ist übersichtlich und bietet zahlreiche Funktionen. Schöner macht mich das allerdings auch nicht.

Hier lässt sich alles vorbildlich einstellen. Von der Zoomstufe über den Blickwinkel zum Fokus bis hin zum ISO-Wert und der Verschlusszeit. Gerade Letzteres weiß ich besonders zu schätzen, da es bei professionellen Aufnahmen mitunter entscheidend sein kann, die Verschlusszeit manuell einstellen zu können, um ein möglichst ruhiges Bild zu gewährleisten. Die Kontrolle über den ISO-Wert lässt mich außerdem zusätzlich Einfluss auf die Schärfe nehmen. Je geringer der ISO-Wert, umso weniger kriselig und damit schärfer ist das Bild. Regler für Kontrast und Sättigung sind obligatorisch.

Darüber hinaus kann ich aus verschiedenen Effekten wählen, um den Hintergrund entweder unscharf wirken zu lassen oder mich in einem stylischen Loft zu präsentieren. Dazu kommt die Entwicklungsumgebung von Nvidia Broadcast zum Einsatz. Entsprechende SDKs müssen manuell geladen und installiert werden.

Die Ergebnisse sind dafür um ein Vielfaches besser als es Microsoft Teams und Co. zu leisten im Stande sind. Überraschenderweise sieht beispielsweise der künstlich unscharfe Hintergrund gar nicht mal so viel schlechter aus als mit der Fotokamera samt großem Objektiv und großer Blende. Der Algorithmus schneidet mich außerdem ziemlich genau aus und erkennt sogar meinen Stuhl und den Rahmen meiner Brille - da ich gerade keine bessere Beleuchtung zur Hand hatte, nutze ich im Übrigen nicht das volle Potenzial der Facecam Pro:

Die per Algorithmus hinzugefügte Unschärfe erinnert fast an das Bokeh einer Systemkamera. Achtet vor allem auf den Übergang von Hintergrund zu meinen Haaren, dem Stuhl und meiner Brille. Ich gucke übrigens deshalb so seltsam, weil ich ganz konzentriert einen Screenshot inklusive Brillenrand machen will. Die per Algorithmus hinzugefügte Unschärfe erinnert fast an das Bokeh einer Systemkamera. Achtet vor allem auf den Übergang von Hintergrund zu meinen Haaren, dem Stuhl und meiner Brille. Ich gucke übrigens deshalb so seltsam, weil ich ganz konzentriert einen Screenshot inklusive Brillenrand machen will.

Für wen eignet sich die Facecam Pro?

Der Name verrät es bereits: Die Facecam Pro ist eigentlich nichts für Normalanwender, die gelegentlich mit Freunden plaudern wollen. Sie richtet sich mit einem Preis von 350 Euro viel mehr an Nutzer in einem professionellen Umfeld, beispielsweise Streamer, die bereit sind, etwas tiefer in die Tasche zu greifen, ohne direkt den Schritt zur noch einmal deutlich teureren Lösung mit Systemkamera und im Zweifel einem HDMI-USB-Adapter machen zu müssen. Allen, denen 350 Euro viel zu viel Geld für eine Webcam sind, empfehle ich unsere Kaufberatung zum Thema:

Fazit der Redaktion

Alexander Köpf
@NebulaMutara

Die Facecam Pro von Elgato hat mich mehr als einmal überrascht und überzeugt. Die hohe Auflösung von 4K samt 60 Bildern pro Sekunde ist für Webcams ein Novum, der große Sensor ebenso. Ohne Wenn und Aber ist sie die beste Webcam auf dem Markt. Selbst meiner Systemkamera mit noch größerem Sensor und vor allem viel größerem Objektiv steht sie in erstaunlich wenig nach.

Die dazugehörige Software ist zudem vorbildlich umgesetzt und lässt keine Wünsche offen. Es lässt sich sogar die Helligkeit des kleinen, blauen LED-Lichts, das darüber Auskunft gibt, ob die Kamera aktiv ist, stufenlos darin regeln.

Zum Preis von 350 Euro ist die Facecam Pro aber auch alles andere als ein Schnäppchen. Ganz im Gegenteil sogar. Gute Webcams gibt es bereits für weit weniger als die Hälfte. Wer jedoch die beste Webcam haben möchte, wird hier fündig.

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