Für Podcasts, Streaming und Co.: Elgatos neues Audio-Interface zeigt im Test, wie leicht die Mikrofon-Einrichtung sein kann

Nach sehr kurzer Zeit, war das XLR-Mikrofon fertig eingerichtet.

Das Wave XLR MK.2 kann problemlos mit Drittanbieter-Mikrofone verwendet werden. (Bild: Patrick S. – GameStar Tech) Das Wave XLR MK.2 kann problemlos mit Drittanbieter-Mikrofone verwendet werden. (Bild: Patrick S. – GameStar Tech)

Egal, ob für Podcasts, YouTube-Videos oder Streaming: Die Möglichkeiten, mit seiner Stimme das Bewegtbild zu untermalen, sind nahezu unendlich.

Audio ist nämlich eine Wissenschaft für sich. Das wird einem schnell klar, je tiefer man in die Materie einsteigt. Das Elgato Wave XLR MK.2 ermöglicht jedoch einen sanften Einstieg im Bereich der XLR-Mikrofone – ganz ohne oder mit nur wenigen Vorkenntnissen.

Der Hersteller hat für sein Audio-Interface nämlich einige clevere Kniffe parat.

Herausragend
Elgato Wave XLR MK.2
Elgato Wave XLR MK.2
Für das Wave XLR2 MK.2 spricht vor allem seine Einfachheit. Wenn ihr bereits ein entsprechendes Mikrofon besitzt, fällt der Wechsel von USB auf XLR besonders leicht. Elgato verdient viel Lob für die einsteigerfreundliche Einrichtung und die übersichtliche Software-Oberfläche. Besonders der Auto Gain Wizard und das kinderleichte Zuschalten von DSP-Effekten überzeugen im Alltag. Nach nur kurzem Experimentieren erhält man einen sehr ausgewogenen Klang, der die Bedürfnisse der Zielgruppe der Content Creator voll und ganz erfüllt.
  • Einfache, intuitive Bedienung
  • Wave Link 3.0: Software auch für Drittanbieter-Mikrofone
  • Genug Power mit 80 dB Preamp
  • Auto Gain Wizard
  • Toller Klang mit solidem Mikrofon
  • Manche Software-Effekte führen bei macOS vereinzelt zu Problemen
  • LED-Streifen leuchten dauerhaft
  • Kopfhöreranschluss auf der Rückseite des Geräts
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Wissenswertes zum Test
Inhaltsverzeichnis
Spezifikationen

Wave XLRWave XLR MK.2
XLR-Eingang
Phantomspeisung+48 V+48 V
Abtastrate48/96 kHz48 kHz
Bit-Tiefe24 Bit24 Bit
Wave FX-Prozessor
Clip Guard1.02.0
DSP-Effekte
VST-Insert
Kapazitive Stummschaltung
Hardware-WählscheibeVerstärkung, Kopfhörerlautstärke, Mikrofon-/PC-MixVerstärkung, Stimmabstimmung, Kopfhörerlautstärke, Mikrofon-/PC-Mix
LED-Ring
Kopfhörerausgang3,5-mm-Stereo3,5-mm-Stereo
Ausgangsleistung KopfhörerDie meisten Studio- und Gaming-HeadsetsHochohmige Studio-Kopfhörer
Elgato Wave Version2.0 / 3.03.0
Voice Focus
Stream Deck-Integration
VerbindungUSB-CUSB-C

Quelle: Elgato

Preis

Das Elgato Wave XLR MK.2 ist bereits zu einem Preis von 170 Euro im Handel erhältlich.

Elgato Wave XLR MK.2: Verpackung, Anschlüsse und Bedienung

Glücklicherweise erspart Elgato das Befreien von unnötigem Plastik. Das Unboxing-Erlebnis ist schnell vorbei. Neben der Anleitung findet ihr in der Verpackung ein 1,5 Meter langes USB-C-Kabel mit Textilummantelung.

Optisch hat sich im Vergleich zur ersten Generation wenig getan, was dem Ganzen allerdings keinen Abbruch tut. Im Gegenteil: Trotz des Kunststoffgehäuses wirkt das Wave XLR MK.2 durch sein Gewicht von 320 Gramm sehr wertig. Die Unterseite ist gummiert und somit rutschfest.

Die Faceplate und der Drehregler sind weiterhin austauschbar. Allerdings passen die Platten des Vorgängers aufgrund des neuen LED-Layouts nicht mehr.

Die Bedienung der Hardware ist ebenfalls schnell verinnerlicht:

  • Mit dem zentralen Push-Regler könnt ihr die Lautstärke des Mikrofons, der Kopfhörer oder der Mix-Software steuern. Mit einem Knopf könnt ihr zwischen diesen Optionen wechseln.
  • Anstelle einzelner Punkte wie bei der ersten Generation gibt es jetzt einen durchgehenden LED-Streifen für Pegel, Limiter und Mute.
  • Drei neue LEDs sind für den neuen integrierten Voice Enhancer vorgesehen.

Auf der Rückseite des MK.2 befinden sich ein XLR-Eingang, ein USB-Anschluss zur Verbindung mit dem PC und ein 3,5-mm-Klinkenanschluss für Kopfhörer. Auf der Oberseite wurde ein Touch-Sensor angebracht, mit dem ihr das Mikrofon schnell stummschalten könnt.

Zwei mickrige Kritikpunkte fallen mir dennoch auf: Das Gerät besitzt keinen Ausschalter. Die LED leuchtet somit durchgehend, was je nach Standort des Rechners (etwa im Schlafzimmer) störend sein kann. Zudem hätte ich mir den Kopfhöreranschluss auf der Vorderseite des Interfaces gewünscht. Das Verkabeln im Alltag wäre somit deutlich leichter.

Soweit zur Theorie. Was gibt es denn Spannendes zum Audio-Interface zu berichten? Gut, dass ihr fragt!

Wave Link 3.0 ist die neue Schaltzentrale. Das Beste daran ist, dass Elgato die Software nun auch für Mikrofone von Drittanbietern öffnet. Wenn ihr, so wie ich, ein Rode Podmic USB XLR besitzt, fällt euch der Umstieg von USB auf XLR ziemlich leicht.

Das ist aber noch nicht alles: Mit 80 dB Preamp hat das Teil genug Power unter der Haube für beliebte Mikrofone wie das Shure SM7B.

Der Pegel des Mikrofon lässt sich automatisch einstellen. Ihr solltet danach gegebenenfalls ein paar dB abziehen, um in der Nachbearbeitung etwas Spielraum zu haben. So vermeidet ihr Clipping. Der Pegel des Mikrofon lässt sich automatisch einstellen. Ihr solltet danach gegebenenfalls ein paar dB abziehen, um in der Nachbearbeitung etwas Spielraum zu haben. So vermeidet ihr Clipping.

Ein Paradebeispiel für den hohen Bedienkomfort ist der Auto Gain Wizard. Diese Funktion ist sehr praktisch, da das manuelle Herumprobieren beim Einpegeln nahezu entfällt. Ich habe dafür etwa zehn Sekunden ein paar Sätze in das Mikrofon gesprochen.

Das Ergebnis ist zufriedenstellend: Das Interface hat den Pegel automatisch auf 41 Dezibel gesetzt. Zum Vergleich: Manuell habe ich meinen persönlichen »Sweet Spot« bei 38 Dezibel verortet, für mehr Spielraum in der Nachbearbeitung. Der Wizard lag also sehr nah an meinem Idealwert.

Somit war die Einrichtung des Mikrofons binnen 15 Minuten fast abgeschlossen. Fast, weil die Software in Kombination mit dem Interface hardwarebasierte DSP-Effekte mitbringt (wärmere Stimme, Filtern von Hintergrundgeräuschen etc.).

Diese wird direkt im Gerät berechnet und somit entsteht keine Latenz bei der Signalübertragung. Die Steuerung übernimmt dabei die Software.

DPS- und Software-Effekte Probieren geht über Studieren: Einzelne Effekte wie Voice Tune haben einen großen Einfluss auf den Klang der Stimme.

Mikrofon- und Kopfhörer-Einstellungen Gain Lock ist ein starkes Features. Dann pfuscht andere Software nicht am Mikrofonpegel.

Voice Tune: Dieser Effekt soll die Stimme radiotauglich machen und ihr mehr Wärme verleihen.

Gain Lock: Andere Apps wie Teams, Zoom oder Discord können die Mikrofonlautstärke nicht mehr eigenmächtig verändern. Der individuell eingestellte Sweet Spot bleibt somit dauerhaft erhalten. Praktisch!

Clipguard 2.0: Elgatos neuer Schutzschild gegen verzerrte Aufnahmen (Clipping). In der Praxis gelingt das. Testweise habe ich den Pegel um 20 erhöht (also Mikrofonpegel auf 61 dB). Auch wenn das Ergebnis natürlich übersteuert, ist es mit Clipguard 2.0 deutlich erträglicher zu hören, wie die folgenden zwei Beispiele zeigen.

Achtung, Laut!

Elgato Wave XLR MK.2 + Wave DX – Mit Voice Tune (leicht) und ohne Clipguard

Elgato Wave XLR MK.2 + Wave DX – Mit Voice Tune (leicht) und mit Clipguard

High Power Mode: Einige Audiointerfaces haben nicht genug Leistung, um professionelle Studio-Kopfhörer mit hoher Impedanz (ab etwa 250 Ohm) ordentlich anzutreiben. Durch Aktivierung dieses Modus in Wave Link wird die Ausgangsspannung am Kopfhöreranschluss erhöht.

Vielseitige VST- und AU-Einbindung: Plug-ins wie Equalizer, Noise Gates oder Limiter werden direkt in jeden Software-Kanal geladen. Da die Software hardwareunabhängig ist, können diese Effekte sogar in den Signalweg von Mikrofonen von Drittanbietern eingebunden werden.

Der Clou dabei: Diese Effekte lassen sich in den Stream-Mix einbinden – also das, was die Zuschauer hören. Im Monitor-Mix können sie wiederum ausgeklammert werden, um jegliche Latenz zu umgehen.

Und wie klingt das Ganze?

Soundtest mit dem Elgato Wave XLR MK.2

Neben dem Rode Podmic USB XLR habe ich das Elgato DX am Wave XLR MK.2 getestet. Die unten stehenden Testaufnahmen wurden mit diesem Mikrofon durchgeführt. Wie bereits beschrieben, wurde der Mikrofonpegel (Gain) automatisch durch den Auto Gain Wizard des Interfaces ermittelt.

Zunächst habe ich sämtliche Hard- und Software-Effekte deaktiviert. In diesem
»rohen« Zustand klingt das Mikrofon für meinen Geschmack bereits recht ordentlich. Der Stimme fehlt es aber etwas an Wärme und Präsenz. Zudem ist ein gewisser Raumhall wahrnehmbar.

Elgato Wave XLR MK.2 + Wave DX – ohne DSP-Effekte:

Elgato Wave XLR MK.2 + Wave DX – Nur mit Voice Tune (Mittel)

Wenn ich Voice Tune hinzufüge, wird die Stimme sofort präsenter. Allerdings mangelt es der Stimme dann noch etwas an Tiefe. Durch das zusätzliche Einschalten des Equalizers lassen sich einzelne Frequenzbereiche jedoch gezielt anpassen.

In den Standardeinstellungen wirkt die Stimme dadurch zwar nochmals präsenter, aber nicht unbedingt besser, zumindest nicht nach meinem persönlichen Geschmack.

Elgato Wave XLR MK.2 + Wave DX – Mit Voice Tune (Mittel) und Equalizer

Elgato Wave XLR MK.2 + Wave DX – Mit Voice Tune (Leicht) + Compressor und ohne Equalizer

Elgato Wave XLR MK.2 + Wave DX – Alle Effekte eingeschaltet, Voice Tune auf Leicht

Wenn ich hingegen Voice Tune auf die Stufe »Leicht« einstelle, gleicht sich das Klangbild gut aus. Das Gesamtergebnis gefällt mir sehr gut: Die Stimme klingt warm und tief und hat ein ordentliches Volumen.

Mich hat insbesondere der Software-Effekt »Voice Focus« beeindruckt. Im direkten Vergleich beseitigt die KI selbst den letzten Hallrest. Ein kleiner Wermutstropfen: Durch die aggressive Filterung geht ein Teil des natürlichen Raumklangs verloren.

Elgato Wave XLR MK.2 + Wave DX – Nur Voice Focus (Mittel)

Elgato Wave XLR MK.2 + Wave DX – Alle Effekte, Voice Tune auf Leicht + Voice Focus (Mittel)

Unterm Strich bietet das System extrem viel Raum zum Experimentieren. Allerdings habe ich in Kombination mit dem KI-Effekt (Voice Focus) ein technisches Problem unter macOS festgestellt: Sobald ich die Aufnahme-Software in den Hintergrund verschiebe, beginnt die Aufnahme stark zu knistern und wird abgehackt, wodurch der Effekt nahezu unbrauchbar wird (MacBook Pro M1 Pro).

Da mir derzeit kein Windows-Rechner zur Verfügung steht, konnte ich leider nicht prüfen, ob dieses Problem auch unter dem Microsoft-Betriebssystem auftritt.

Wave Next: Anbindung an weitere Elgato-Produkte

Mit Wave Link 3.0 könnt ihr bis zu fünf unabhängige Hardware-Mixe in einer neuen, horizontalen Matrix-Ansicht verwalten, die euch einen guten Überblick über eure Geräte verschafft. Zudem bietet die Software eine umfassende VST3- sowie AU-Integration für Windows und macOS. Das bedeutet, dass sich Audio-Plug-ins auf jeden einzelnen Kanal separat legen lassen.

Wave 3.0 bringt einen leistungsstarken Mixer mit und das auch für Drittanbieter-Produkte. (Bild: Elgato) Wave 3.0 bringt einen leistungsstarken Mixer mit und das auch für Drittanbieter-Produkte. (Bild: Elgato)

Wave Link dient außerdem als Schnittstelle zu weiteren Produkten des Herstellers, wie dem Stream Deck+ oder dem StreamDeck+ XL. Hierfür ist die Installation des hauseigenen Wave-Link-Plug-ins über die Stream-Deck-Software erforderlich.

Anschließend könnt ihr mittels der zahlreichen Buttons und Regler Effekte per Tastendruck aktivieren oder deaktivieren, Kanäle verwalten und Lautstärken präzise steuern.

Solltet ihr das Elgato Wave XLR MK.2 kaufen?

Das Elgato Wave XLR MK.2 lohnt sich für euch, wenn ihr …

  • … ein unkompliziertes XLR-Audio-Interface sucht.
  • … von USB auf XLR umsteigen möchtet.
  • … im Elgato-Ökosystem verwurzelt seid
  • … eine gute Audio-Lösung für euren Content sucht.

Mögliche Alternativen für das Elgato Wave XLR MK.2

Eine Alternative stammt aus dem gleichen Haus. Das Elgato StreamDeck+ mit XLR-Dock bietet ein gutes Gesamtpaket. Ihr erhaltet nahezu die gleiche Leistung wie beim Elgato Wave XLR MK.2, zusätzlich gibt es vier Drehregler und ein Touch-Display, um den eigenen Audio-Mix zu verwalten. Das Paket kostet allerdings 320 Euro.

Je nach Angebot bekommt ihr das Rode Rodecaster Duo (meist als B-Ware) mit 30 bis 50 Euro Aufpreis. Das professionelle Mischpult verfügt über physische Regler, Fader und Buttons sowie einen Touchscreen. Es dient sogar wahlweise als drahtloser Empfänger zum Anschluss von Wireless-Mikrofonen des Herstellers.

Für das Wave XLR MK.2 spricht vor allem seine Einfachheit: Wenn ihr bereits ein entsprechendes Mikrofon besitzt, fällt der Wechsel von USB auf XLR besonders leicht. Elgato verdient viel Lob für die einsteigerfreundliche Einrichtung und die übersichtliche Software-Oberfläche. Besonders der Auto Gain Wizard und das kinderleichte Zuschalten von DSP-Effekten überzeugen im Alltag. Nach nur kurzem Experimentieren erhält man einen sehr ausgewogenen Klang, der die Bedürfnisse der Zielgruppe der Content Creator voll und ganz erfüllt.

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