Rätselhafter Geschwindigkeitsrekord der Erde verursacht den kürzesten Tag seit Beginn der Aufzeichnung

Am 29. Juni drehte sich die Erde schneller um die eigene Achse, als es jemals gemessen wurde. Forschende rätseln wegen der Gründe.

(Bildquelle: Pixabayqimono) (Bildquelle: Pixabay/qimono)

Die Erde dreht sich bekanntermaßen um die eigene Achse. Das wird Erdrotation genannt und ist der Grund für den stetigen und regelmäßigen Tag-Nacht-Wechsel. Ein Tag dauert dabei 24 Stunden, auch das wird den allermeisten nur allzu geläufig sein, schließlich ist unser Alltag und sogar unsere innere Uhr daran ausgerichtet.

Wissenschaftler haben nun jedoch festgestellt, dass der 29. Juni dieses Jahres etwas kürzer und damit der kürzeste Tag seit Beginn der Aufzeichnungen mittels Atomuhren in den 1960er-Jahren war. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass sich die Erde schneller gedreht hat, als das in den letzten rund 60 Jahren der Fall gewesen ist. Die Forschenden stehen vor einem Rätsel, wie timeanddate.com berichtet.

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Wie viel kürzer war der 29. Juni?

Ein normaler Tag, oder genauer gesagt Sonnentag, dauert 24 Stunden oder 86.400 Sekunden. Das ist die mittlere Zeitspanne zwischen dem höchsten Stand der Sonne von einem zum nächsten Tag. Der 29. Juni wich davon um ziemlich exakt 1,59 Millisekunden ab. Das klingt nach wenig, ist aber deutlich mehr, als solche Abweichungen üblicherweise betragen. Normalerweise rechnen Forscher mit einer Differenz zum Standard-Sonnentag von rund einer Millisekunde. Das ist völlig normal. Die meisten Tage sind um das Tausendstel einer Sekunde kürzer oder länger.

Das liegt daran, dass die Erde verschiedenen gravitativen Kräften ausgesetzt ist. Die Distanz zum Mond beispielsweise schwankt permanent, was wiederum die Gezeitenkräfte beeinflusst und damit auch die Erdrotation. Außerdem ist die Erde keine perfekte Kugel, sondern ähnelt eher einer Kartoffel - Stichwort: Potsdamer Kartoffel. Um genau zu sein ist die Erde ein fast kugelförmiger Rotationsellipsoid.

Sonnentag versus siderischer Tag

Neben dem Sonnentag gibt es auch noch den siderischen Tag. Sidus ist lateinisch und heißt zu Deutsch Stern. Das ist etwas verwirrend, weil damit nicht die Sonne gemeint ist, sondern ein fiktiver Stern. Der siderische Tag berechnet sich daher nicht anhand unseres Zentralgestirns, sondern nimmt den als ruhend angenommenen kosmischen Hintergrund als Bezugspunkt. Ein siderischer Tag dauert 23 Stunden 56 Minuten und 4,0905 Sekunden.

Warum der 29. Juni nun kürzer war, ist den Wissenschaftlern ein Rätsel. Es ist auch nicht der erste Rekord. Seit einigen Jahren stellt die Erdrotation immer neue Geschwindigkeitsbestmarken auf.

Als mögliche Gründe hierfür werden Prozesse im Inneren der Erde angeführt, Gezeitenkräfte, Ozeane und sogar der Klimawandel. Auch die Veränderung der geografischen Pole, das sogenannte Chandler-Wackeln, wird als potenzielle Ursache genannt. Der genaue Grund steht jedoch noch nicht mit absoluter Sicherheit fest.

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Hat die schnellere Erdrotation Folgen für uns?

Keine Sorge, wir laufen nicht Gefahr, von der Erde geschleudert zu werden. Das schlimmste denkbare Szenario ist, dass wir eine Sekunde verlieren. Falls die Erdrotation weitere Kapriolen schlägt, könnte es sein, dass unsere Uhren eine Sekunde überspringen müssen, damit Atomuhren und Sonnenzeit wieder übereinstimmen.

Insgesamt zeigt der Trend aber ohnehin in eine ganz andere Richtung: Denn eigentlich verlangsamt sich die Erdrotation mit der Zeit. Das heißt, pro Jahrhundert werden die Tage um etwa eine Millisekunde länger. Das liegt ebenfalls an der Gezeitenreibung, die vom Mond ausgeübt wird. Vereinfacht gesagt, wird die Erde seit Entstehung des Mondes sukzessive abgebremst. Dabei handelt es sich im Gegensatz zu den in diesem Artikel beschriebenen kurzfristigen Schwankungen jedoch um langfristige Änderungen.

Wie findet ihr das? Interessiert ihr euch für solche Themen? Oder scheinen euch 1,59 Millisekunden fast zu wenig, um überhaupt darüber nachzudenken? Schreibt es uns gerne in die Kommentare!

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