Facebook - »Massive Menschenrechtsverletzung« mittels Mikrotargeting

In einer Anhörung vor dem EU-Parlament haben ehemalige Mitarbeiter von Facebook und Cambridge Analytica die personalisierte Werbung auf Facebook mithilfe von Mikrotargeting scharf kritisiert.

von Sara Petzold,
05.06.2018 17:55 Uhr

Im Europäischen Parlament fand am 04. Juni 2018 eine Anhörung zum Thema Mikrotargeting auf Facebook statt.Im Europäischen Parlament fand am 04. Juni 2018 eine Anhörung zum Thema Mikrotargeting auf Facebook statt.

Für den US-Medienprofessor David Carroll verkörpert das von Facebook betriebene Mikrotargeting zugunsten personalisierter Werbung eine ernstzunehmende Gefahr für die Gesellschaft. Das sagte er im Rahmen einer Expertenbefragung zum Thema bei einer Anhörung vor dem Europäischen Parlament. Dabei bezeichnete Carroll das Mikrotargeting unter anderem als Gefahr für die Demokratie sowie als Ursache »massenhafter Menschenrechtsverletzungen« (via Heise).

Die rund zweieinhalbstündige Anhörung fand gestern, am 04. Juni 2018, im Europaparlament in Brüssel statt und wurde live im Internet übertragen. Ziel der Anhörung sei es laut Claude Moraes, dem Vorsitzenden des Ausschusses für bürgerliche Freiheiten, gewesen, »nachzuhaken und wichtige Lehren zu ziehen, die wir dann mit Hilfe der zur Verfügung stehenden EU-Instrumente umsetzen können«.

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Mikrotargeting als Datenverbrechen

In seiner Aussage vor dem EU-Parlament erklärte Carroll das Sammeln und Weitergeben von massenhaft Nutzerdaten und das auf deren Auswertung basierende Mikrotargeting als Form der informationellen, psychologischen Kriegsführung, die gezielte Falschinformation der Bevölkerung betreibe. Laut Carroll sei dies ein verbrecherischer, schwerwiegender Angriff auf die Demokratie, der sich möglicherweise am Beispiel des Brexit-Referndums oder des US-Präsidentschafts-Wahlkampfes illustrieren lasse– 2016 gab Cambridge Analytica etwa an, alle 190 Millionen US-Wähler »psychometrisch« klassifiziert zu haben, die entsprechenden Daten sollen Trumps Wahlkampf unterstützt haben.

Christopher Wylie, Ex-Angestellter von Cambridge Analytica, sagte aus, dass etwa das Brexit-Referendum in Großbritannien mittels ausgewerteter Nutzerdaten von Cambridge Analytica durch systematische und gezielte Propaganda beeinflusst wurde – mit dem Wissen von Beratern diverser britischer Ministerien.

Ergänzend dazu forderte die britische Datenschutzbeauftragte Elizabeth Denham unter anderem eine umfassende Untersuchung der Mikrotargeting-Prozesse und stimmte mit Carroll dahingehend überein, dass sie Datenverbrechen als »echte Straftaten« bezeichnete.

Sandy Parakalis, Ex-Betriebsmanager bei Facebook, ging noch einen Schritt weiter und forderte ein Verbot von Mikrotargeting im Rahmen politischer Anzeigen. Außerdem empfahl er eine Aufteilung Facebooks in separate Firmen, um die Monopolstellung des Konzerns aufzubrechen.

Die vollständige Anhörung lässt sich über die Webseite des Europäischen Parlaments per Video on Demand in voller Länge anschauen. Das Video ist in mehreren Sprachen verfügbar.

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