Eine Familie wollte nur mit Solarpaneelen, Brunnenwasser und einem Gemüsegarten leben. Bis ein Gericht in Italien entschied, den Eltern das Sorgerecht für ihre drei Kinder zu entziehen

Die drei Kinder der Familie befinden sich seit Ende November 2025 nicht mehr bei den Eltern, die Hoffnung in einen neuen Antrag vor Gericht setzen.

Das einfache Haus im Wald der Familie hat nur zwei Zimmer: einen gemeinsamen Schlafraum für alle und eine Küche mit Heizmöglichkeit über einen simplen Ofen. (Bild: Yahoo, Belinda Jiao für The Telegraph) Das einfache Haus im Wald der Familie hat nur zwei Zimmer: einen gemeinsamen Schlafraum für alle und eine Küche mit Heizmöglichkeit über einen simplen Ofen. (Bild: Yahoo, Belinda Jiao für The Telegraph)

Kindern ein behütetes, gesundes und glückliches Leben zu ermöglichen, ist die zentrale Aufgabe ihrer Eltern.

Moderne Technik kann dabei eine willkommene Hilfestellung sein. Doch wie weit darf es in die andere Richtung gehen und wie simpel ein Zuhause gestaltet sein, ohne dass das Wohl der Kinder dadurch gefährdet wird?

Vor dem Hintergrund dieser und ähnlicher Fragen sorgt seit Monaten ein Fall aus Italien für große nationale und internationale Aufmerksamkeit.

Es geht um die Familie von Catherine Birmingham (45, australische ehemalige Reitlehrerin) und Nathan Trevallion (51, britischer Ex-Koch), die drei Kinder im Alter von acht und neun Jahren haben.


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Die bisherigen Geschehnisse

  • Die Familie lebt sei 2021 in einem einfachen Haus im Wald in der Nähe von Palmoli östlich von Rom. Das Wasser kommt aus einem Brunnen, Strom von Solarpaneelen, Wärme spendet ein Ofen und das Klo ist eine kleine Holzhütte in der Nähe des Hauses, ebenfalls ohne Anschluss an fließendes Wasser (via yahoo.com).
  • Auf die Familie aufmerksam wurden die italienischen Behörden aufgrund einer Pilzvergiftung, wegen der alle Familienmitglieder im Jahr 2024 in ein Krankenhaus mussten (via cnn.com).
  • Ende November 2025 wurde die gerichtliche Entscheidung durchgesetzt, den Eltern das Sorgerecht zu entziehen und die Kinder in einer kirchlich geführten Pflegeeinrichtung unterzubringen. Die Mutter durfte zunächst ebenfalls dort in der Nähe der Kinder wohnen (via aol.com).
  • Neue Kontroversen entfachte im März 2026 die Entscheidung, dass die Mutter die Einrichtung verlassen muss. Gefällt wurde sie aufgrund von wachsendem Konfliktpotenzial zwischen ihr und den Mitarbeitern der Einrichtung (via europeantimes.org).
  • Die Kinder sind bis heute nicht zu ihren Eltern zurückgekehrt. Anfang August 2026 stellte die Anwältin der Eltern erneut einen Antrag, dies möglichst schnell zu ändern, um das Kindeswohl nicht weiter zu gefährden (via thesocialpost.it).

Neben der Gesundheit der Kinder stehen bei der Diskussion des Falls auch ihre Bildung sowie ihre sozialen Kontakte im Mittelpunkt.

So gab etwa ein Sozialarbeiter an, dass die Kinder weder lesen noch schreiben können und kaum Begegnungen mit anderen Kindern in ihrem Alter haben. Kontakt zu der Familie hatte er im Zuge der Pilzvergiftung (via wantedinrome.com).

Warum die Eltern sich für ein einfaches Leben entschieden haben

Die Mutter der Kinder hat am 12. August ihr Buch La mia verità, memorie e pensieri della mamma nel bosco vorgestellt. Übersetzt lautet der Titel: Meine Wahrheit, Erinnerungen und Gedanken der Mama im Wald.

Die Entscheidung der Eltern für ein möglichst einfaches Leben weitgehend ohne moderne Technik erklärt sie darin folgendermaßen (via euronews.com):

Eine Rückkehr zu Verbundenheit und Familie, wo Erwachsene Zeit und Möglichkeit haben, den Kindern ein Beispiel zu sein, frei von Stress und der Angst vor Verlust, die uns heute leiten, kann zum Balsam für eine generationenübergreifende Wunde werden, die wir nun gemeinsam heilen sollten. Verbundenheit: Sie ist die wunderbare Liebesquelle, aus der jedes Kind sich nährt, wächst und sich entwickelt.

Lärm, Lichtverschmutzung sowie die Belastung von Luft, Wasser, Boden und Nahrung, verbunden mit einem Leben unter ständigem Stress, sind die wichtigsten Probleme, von denen wir ausgehen müssen, um Veränderung anzustoßen.


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Eine schnelle Entscheidung ist wünschenswert

Den Wunsch, entschleunigt, naturnah und mit weniger Stress zu leben, können wohl viele Menschen nachvollziehen. Doch die entscheidende Frage lautet am Ende: Geht es der Familie und vor allem den Kindern dabei wirklich gut?

Haben sie also ein Zuhause, dass es ihnen ermöglicht, körperlich und geistig vollkommen gesund und behütet aufzuwachsen? Und genug Bildung sowie soziale Kontakte zu bekommen?

Man kann dabei nicht nur unterschiedlich darüber urteilen, ab wann diese wichtigen Eckpfeiler generell gegeben sind, sondern auch, inwieweit sie im Einzelfall verschiedener Familien tatsächlich erfüllt werden.

Doch eines dürfte unabhängig davon unstrittig sein: Die Gerichte in Italien sollten möglichst schnell zu einem fundierten und fairen Urteil dazu kommen, ob die Kinder von Catherine Birmingham und Nathan Trevallion wieder zu ihnen zurückkehren dürfen und wenn ja, unter welchen Bedingungen.


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