Schwitzige Muskeln, zerrissene Kleidung, ein Explosivpfeil auf der Bogensehne und dichter Dschungel überall: Wenn ihr an Rambo 2: Der Auftrag denkt, habt ihr vermutlich sofort die Regenwälder Vietnams vor Augen. Schließlich schickt die US-Regierung John Rambo im Action-Klassiker von 1985 genau dorthin, um hinter feindlichen Linien nach vermissten amerikanischen Kriegsgefangenen zu suchen.
So überzeugend die südostasiatische Kulisse im fertigen Film auch rüberkommt: Sylvester Stallone und das gesamte Filmteam haben während der Dreharbeiten keinen einzigen Schritt auf vietnamesischen Boden gesetzt.
Vietnam ist Mexiko ...
Dass die Kameras damals nicht in Asien rollten, hatte historische Gründe: Mitte der 1980er Jahre befand sich der Kalte Krieg auf einem weiteren Höhepunkt. Die Idee, dass ein US-Filmstudio einen stramm antikommunistischen Hollywood-Blockbuster mitten in der Sozialistischen Republik Vietnam dreht, war völlig undenkbar.
Diplomatische Beziehungen zwischen den beiden Staaten gab es zu dieser Zeit praktisch nicht, geschweige denn Drehgenehmigungen für ein Werk, in dem ein amerikanischer Einzelkämpfer reihenweise Vietnamesen und Sowejts eliminiert.
Regisseur George P. Cosmatos liebäugelte zunächst mit Thailand als möglichst originalgetreuem Ersatz. Doch am Ende entschieden sich die Produzenten aus Budgetgründen und wegen der einfacheren Logistik für ein Land auf der anderen Seite des Globus: Mexiko, 14.000 Kilometer von Vietnam entfernt.
Die Illusion Südostasiens entstand größtenteils an der mexikanischen Pazifikküste im Bundesstaat Guerrero. Rund um Acapulco fand die Crew alles, was sie für die berüchtigte Dschungelatmosphäre brauchte:
- Die Mangrovenwälder der Laguna de Coyuca und die Umgebung von Pie de la Cuesta dienten als Kulisse für Rambos Bootstouren und Fluchtversuche.
- Die Szenen, in denen Stallone unter herabstürzenden Wassermassen Deckung sucht, entstanden an den Wasserfällen von El Salto bei Coyuca de Benítez. Bei Einheimischen heißt der Ort bis heute »Rambo-Wasserfall«.
- Szenen auf dem Flugfeld wurden auf einer echten Basis der mexikanischen Luftwaffe gedreht. Nationale Abzeichen wurden kurzerhand überklebt und mexikanische Soldaten als Statisten eingesetzt.
Weil es im damaligen Acapulco kaum asiatische Einwohner gab, klapperte das Produktionsteam örtliche China-Restaurants ab, um Statisten für vietnamesische Truppen und Dorfbewohner zu engagieren.
Zusätzlich machte das Wetter der Produktion zu schaffen: Im September 1984 fegte ein Hurrikan über die Region und beschädigte mehrere Sets. Die berühmten Nahaufnahmen, in denen Rambo sein ikonisches Kampfmesser schärft, filmte die Crew deshalb kurzerhand in einem Hotelzimmer.
... und Mexiko ist in Europa
Im Jahr 2019 schickte Sylvester Stallone seine Kultfigur im fünften Teil Rambo: Last Blood auf einen Rachefeldzug gegen ein Drogenkartell. Die Handlung des Films spielt zu großen Teilen in Mexiko.
Und wo wurde gedreht? Natürlich wieder nicht dort! Die mexikanischen Szenen von Last Blood entstanden stattdessen auf der spanischen Kanareninsel Teneriffa sowie in den Nu-Boyana-Studios in Bulgarien.
Sylvester Stallone hat also für einen Film, der in Vietnam spielt, wochenlang in Mexiko gedreht, nur um für einen Film, der dann in Mexiko spielt, nach Europa auszuweichen.
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