Ihr wollt eine neue Festplatte? Dann macht es nicht so wie ich

Redakteur Alex hat sich eine neue Festplatte gekauft und musste dann feststellen, dass auch Hardware-Experten nicht immer alles auf dem Schirm haben.

von Alexander Köpf,
04.05.2021 07:30 Uhr

Festplatte ist nicht gleich Festplatte. Festplatte ist nicht gleich Festplatte.

Wer kennt das nicht? Je besser man sich mit dem PC auskennt, oder auszukennen glaubt, und je mehr Zeit und Aufwand man in die Optimierung des selbigen steckt, umso mehr geht in der Regel schief. Genau so ist es mir nun ergangen. Mit Festplatten kenne ich mich eigentlich aus, und dennoch habe ich einen teuren Fehlkauf hingelegt. Der Reihe nach:

Erst vor Kurzem habe ich einen Artikel geschrieben, der die einzelnen Typen von Festplatten genauer erklärt. Mein Fokus lag da vor allem auf Bezeichnungen wie NAS, Enterprise und Consumer. Ihr könnt ihn euch ja mal durchlesen:

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Dass ich den Artikel geschrieben hab, war nicht ganz uneigennützig, denn ich war selbst gerade dabei - und bin es jetzt leider immer noch -, mir ein neues großes Datengrab für Filme, Serien, Musik und die Arbeit natürlich mit möglichst vielen Terabytes zu genehmigen.

Ich hatte gute Gründe für den Kauf

Bereits vor dem Schreiben des Artikels war mir im Großen und Ganzen klar, was die einzelnen Festplattentypen unterscheidet. Auch Vor- und Nachteile konnte ich mir durchaus selbst ergründen, ohne das extra nachschlagen zu müssen.

Ich wusste also, dass gerade Enterprise-Platten unter Umständen laut sein können. Schließlich sind die nicht unbedingt für den Einsatz am heimischen PC gedacht, sondern für ein Leben auf engstem Raum mit vielen Artgenossen, umgeben von aufwändigen, lauten Kühlsystemen, dem Geratter und Gepiepse von Prozessoren und Netzwerkswitches. Wenig verwunderlich, dass da die Lautstärke einer einzelnen Festplatte keine Rolle spielt.

Und dennoch fiel meine Wahl auf eine 330 Euro teure Enterprise-HDD mit 14 Terabyte Volumen. Hohe, stabile Übertragungsgeschwindigkeit und potenziell längere Lebensdauer waren für mich die stärkeren Argumente.

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Es kann auch im Leerlauf laut werden

Was ich jedoch nicht bedachte war, dass die verschiedenen Power-Modi und Features, um die Langlebigkeit und Stabilität der Platte zu garantieren, ebenfalls sehr laute Geräusche von sich geben können. Sogar ganz besonders nervige wie ein alle paar Sekunden sich wiederholendes Klackern, das an einen abgebrochenen Bootvorgang erinnert. Und das nicht etwa beim Lesen oder Schreiben, sondern im Idle - im Leerlauf.

Der genaue Grund hierfür lässt sich gar nicht so leicht bestimmen. Es hat aber vermutlich mit dem Lese- beziehungsweise Schreibkopf zu tun, der offenbar nicht in einen Standby-Modus versetzt werden will. Bei genauerer Betrachtung überrascht das wenig, schließlich sind Enterprise-HDDs für den dauerhaften Betrieb, also für einen immerwährenden Datenstrom ausgelegt und nicht, um im Standby rumzulümmeln.

Nichts hat geholfen

Im nächsten Schritt hab ich daher versucht, alle betreffenden Features der Festplatte manuell zu deaktivieren. Hierfür gibt es ein interessantes Set von Werkzeugen, genannt SeaChest Utilities. Via Kommandozeile lassen sich damit sehr viele spezifische Werte auslesen und vor allem auch die Power-Modi steuern. Die heißen bei Seagate EPC, für Extended Power Control, oder APM, für Advanced Power Management.

Leider ist es mir damit nicht gelungen, die Geräusche abzustellen. Auch wenn ich kein Freund davon bin, sehe ich mich daher gezwungen, die Platte zurückzuschicken.

Augen auf beim Festplattenkauf

Wenn Enterprise drauf steht, ist eben auch Enterprise drin. Wenn Enterprise drauf steht, ist eben auch Enterprise drin.

Was ist nun mein Fazit, die unumstößliche Lehre, die ich euch durch meine Geschichte mitgeben kann? Das ist gar nicht so leicht zu sagen. Was ich in Erfahrung bringen konnte ist, dass nicht alle Enterprise-HDDs so penetrante Geräusche von sich geben. Aber es ist auch nichts Ungewöhnliches und in meinem Fall bestimmt nicht auf einen technischen Defekt zurückzuführen.

Das Einzige was ich euch daher mit auf den Weg geben kann: Überlegt euch sehr genau, welche Art Festplatte ihr euch kaufen wollt und wo sie am Ende eingebaut werden soll. In einem NAS im Keller stören Geklacker und Geklicke wohl weit weniger als im Büro oder am privaten Gaming-Rechner.

Und behaltet auch Cloud-Lösungen im Blick. Zwar gibt es hier eine stete Debatte über den Datenschutz, in Sachen Datensicherheit sind Cloudspeicher stationären Festplatten allerdings deutlich überlegen. Weil es sehr einfach geht, speichere ich zum Beispiel Sicherheitskopien meiner wichtigsten Arbeitsunterlagen auf Microsofts OneDrive.

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Nicht mein allergrößter Fehlkauf

PS: Mein allergrößter Fehlkauf war die Enterprise-HDD nicht. Da gab es noch andere Geschichten, wie beispielsweise einen vorselektierten, geköpften und mit Flüssigmetall versehenen Workstation-Prozessor. Aber dazu ein andermal mehr.

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