Günstige E-Bikes gibt's inzwischen wie Sand am Meer. Wer einfach nur vorwärts kommen mag, muss nicht tief in die Tasche greifen. Doch sobald der erste Feldweg, das erste Kopfsteinpflaster oder der erste Anstieg kommt, trennt sich die Spreu vom Weizen.
Und die richtig guten Trekking-Pedelecs, die das alles mitmachen, kosten gerne einige tausend Euro.
Das Fiido Nomads richtet sich klar an preisbewusste Einsteiger: Ein Touren-E-Bike mit Drehmomentsensor, einstellbarer Federgabel, 29-Zoll-Reifen und sogar integrierten Blinkern.
Der Preis: ab rund 1.400 Euro. Der chinesische Hersteller verspricht hier ein Rad, das optisch fast an Marken wie Canyon oder Riese & Müller heranreicht, aber nur einen Bruchteil kostet.
Ich bin das Nomads zwei Wochen lang gefahren und habe im Test herausgefunden, wo bei diesem Preis der Haken ist. Und klar, man muss Kompromisse eingehen. Doch es sind weniger, als ich anfangs dachte.
Transparenzhinweis: Fiido hat mir das Nomads für diesen Test kostenfrei für den Test zur Verfügung gestellt. Der Hersteller hatte kein Mitspracherecht beim Artikelinhalt und konnte den Test nicht vorher einsehen. Es bestand keine Verpflichtung für einen Testbericht.
Erster Eindruck: Wow!
Als das Nomads geliefert wurde, ist mir direkt der riesige Karton aufgefallen. Entsprechend war das erste Wort, das mir beim Auspacken rausrutschte: »Wow, ist das ein Oschi«.
Das Nomads ist ein riesiges Rad. Mit seinen 29-Zoll-Laufrädern, dem massiven Gepäckträger und dem breiten Lenker steht da ein ausgewachsenes Trekking-Bike, kein zierliches Stadtflitzerchen.
Diese Größe schlägt sich auch in der Rahmenwahl nieder. Fiido bietet das Nomads in zwei Größen an: M für Körpergrößen von 165 bis 190 Zentimeter und L für 175 bis 205 Zentimeter, beide in einer Farbe. Eine XL-Variante gibt es nicht.
Wer sehr groß ist, sollte vor dem Kauf prüfen, ob das L wirklich passt. Und wer wie ich eher klein ist, landet schnell am unteren Ende des M-Bereichs. Warum das ergonomisch eine Rolle spielt, dazu später mehr.
Umso überraschter war ich, wie leicht es sich anheben lässt. 24,7 Kilogramm sind für diesen Brocken erstaunlich wenig.
In den dritten Stock würde ich es trotzdem nicht tragen wollen, aber zum Rangieren oder über eine Bordsteinkante heben reicht die Kraft locker.
Die Verarbeitung hat mich positiv überrascht. Ja, es gibt vorm Lenker ein bisschen Kabelgewirr, aber dafür gibt es so gut wie keine Schweißnähte im sichtbaren Bereich. In dieser Preisklasse eher eine Seltenheit als die Norm. Rein optisch betrachtet würde man das Nomads auf jeden Fall teurer einschätzen, zumal auch die Farbe im leichten Champagner-Ton einiges hermacht.
Technische Daten im Überblick
| Eigenschaft | Spezifikation |
|---|---|
| Modell | Fiido Nomads (Nabenmotor) |
| Motor | Hinterrad-Nabenmotor, 250 W, 45 Nm, MIVICE-Drehmomentsensor |
| Unterstützung bis | 25 km/h (Pedelec, kein Kennzeichen) |
| Akku | 417,6 Wh, im Rahmen, entnehmbar |
| Reichweite (Hersteller) | bis 80 km (1 Akku), bis 240 km (3 Akkus) |
| Schaltung | Shimano Altus, 9-fach (11–32T) |
| Bremsen | Tektro Hydraulik-Scheibenbremsen |
| Reifen | 29 Zoll, 2,1 Zoll breit (CST) |
| Federgabel | 120 mm, Dämpfung einstellbar |
| Lenker | Flatbar, 720 mm, einstellbarer Vorbau |
| Beleuchtung | Blinker + Rücklicht integriert, Frontlicht (akkugespeist) |
| Gewicht | 24,7 kg |
| Rahmengrößen | M (165–190 cm), L (175–205 cm) |
| Preis | ab 1.399 Euro, mit 3 Akkus + Halter 1.999 Euro |
So habe ich getestet
Ich bin das Nomads zwei Wochen lang im Alltag gefahren, auf Asphalt, Schotter und Waldwegen. Wir haben in unser ländlichen Umgebung viele Schlaglöcher und Unebenheiten sowie Steigungen. Der Test fand bei Temperaturen um die 20-30 Grad statt. Ich bin 1,68 m groß und wiege 59 Kilo.
Das Fahrgefühl: Smooth – bis genau 25 km/h
Fangen wir mit dem Schönen an, denn davon gibt es einiges. Der Nabenmotor im Hinterrad ist auffallend leise und schiebt mit bis zu 45 Nm geschmeidig an, was für das Fahrradgewicht und der maximalen Zuladung von 120 Kg gerade noch so okay ist.
Personen mit hohem Gewicht oder dickem Reisegepäck sollten sich am besten direkt den größeren Bruder ansehen – das Nomads Pro mit 100 Nm starken Mittelmotor wurde frisch gelauncht.
Bei langsamem Pedalieren regelt der Motor butterweich runter, kein Ruckeln, kein Ein-Aus-Geschalte. Im Turbomodus, der höchsten von insgesamt fünf Stufen, hat er dann richtig Biss und springt los wie ein Gepard.
Der Mivice-Drehmomentsensor leistet hier einen großen Anteil, denn er reagiert feinfühlig auf die Tretkraft. Das fühlt sich natürlich an und macht richtig Spaß!
Und dann kommen die 25 km/h.
Genau hier sitzt der größte Kritikpunkt. Erreicht das Nomads seine erlaubte Höchstunterstützung, bricht der Motor abrupt und hart ab.
Wer darüber hinaus weiterfahren will, muss spürbar in die Pedale treten. Spätestens bei 29 km/h bin ich schon ordentlich am Drücken und brauche echte Muckis in den Beinen.
Für ein Rad, das »Touren« im Namen trägt, ist dieser Übergang eine echte Spaßbremse. Schade, dass Fiido die in Deutschland erlaubte Toleranz von rund 2 km/h nicht ausreizt.
Dass das Rad sich theoretisch per Code im Menü auf 32 km/h freischalten lässt, ist hierzulande nicht erlaubt und für mich kein gangbarer Weg. Es zeigt aber, wie viel Laune der Motor machen würde, wenn man ihn nicht abrupt drosseln würde.
Es gibt aber Hoffnung: Ich habe Fiido mein Feedback weitergeleitet, und mir wurde versichert, dass neue Serienräder einen angepassten Algorithmus bekommen sollen.
Der soll den Übergang weicher gestalten, dafür die volle Kraft schon etwas vor 25 km/h zurücknehmen. Bestätigen kann ich das noch nicht, denn mein Testrad fährt mit der alten Abstimmung. Doch das würde einen meiner Hauptkritikpunkte am Nomads obsolét machen.
Leider haben Bestandskunden keine Möglichkeit, den neuen Algorithmus per Softwareupdate aufzuspielen, hier wäre ein Austausch des Controllers nötig.
Schaltung, Bremsen, Reifen: Solide mit Einschränkungen
Klar, irgendwo musste Fiido sparen, um den Preis attraktiv zu halten. Und das merkt man vor allem bei den Komponenten.
Die Shimano-Schaltung mit ihren neun Gängen funktioniert im ersten Eindruck gut und unauffällig, aber es ist die Altus-Gruppe und damit Einstiegsklasse. Für Pendeln und Touren reicht das aus, ein Premium-Versprechen sollte hier niemand erwarten.
Die hydraulischen Tektro-Scheibenbremsen verzögern zuverlässig, dürften für meinen Geschmack aber gerne etwas zackiger zugreifen. Ich muss den Hebel fast durchdrücken, bis sie richtig beißen.
Die 29-Zoll-Reifen sind groß und hinterlassen auf Asphalt ein deutlich hörbares Abrollgeräusch. Das ist aber zu verschmerzen, denn das Nomads ist eben nicht nur fürs Stadtpflaster gemacht, sondern auch für Schotter und Waldwege.
Dafür gibt es die Federgabel mit 120 Millimetern Federweg, deren Dämpfung sich einstellen lässt. Sie macht einen stabilen Eindruck, wie gut sie sich über Wochen schlägt, muss der Langzeittest zeigen.
Ein kleines Ärgernis habe ich aber gefunden: Sobald ich über echte Wurzeln fahre oder durch den Wald brettere, klappert etwas. Erst dachte ich an Schutzblech oder Kette. Dann hatte ich das Problem jedoch eingegrenzt: Es ist höchstwahrscheinlich das Schaltwerk, das unten am Rahmen anschlägt.
Das ist angesichts des Preises zu verschmerzen und dürfte der Budget-Schaltung geschuldet sein, trübte den Ausflug durchs Unterholz dennoch etwas. Andererseits: Das Fiido Nomads ist kein waschechtes Mountainbike. Höherwertige MTBs haben in ihren Schaltungen Dämpfungen verbaut.
Die Ausstattung: Hier glänzt das Nomads
Die integrierten Blinker sind das Highlight und eine Seltenheit, vor allem in dieser Budgetklasse – das findet ihr selbst bei deutschen Marken wie Canyon oder Riese & Müller nicht.
Sie sitzen samt Rücklicht am Rahmendreieck und informieren den Verkehr über eure Abbiegeabsichten. Ein cooles, sinnvolles Feature.
Doch Obacht: Sobald ihr eine Gepäckträgertasche oder gar die optionalen Zusatzakkus montiert (bis zu zwei können an den Seitenstreben angesteckt werden), könnten die Blinker und Leuchten verdeckt werden. Ich selber hatte damit keine Probleme, habe bei meiner Recherche aber entsprechende Kritiken gefunden.
Auch beim Frontlicht hat Fiido eine unglückliche Entscheidung getroffen: Es hängt komplett am Hauptakku. Ist der leer oder zum Laden entnommen, bleibt es dunkel.
Hier wünsche ich mir einen kleinen internen Reserve-Akku als Notlicht, wie es teils die Konkurrenz löst Eine Bremslichtfunktion gibt es übrigens nicht, die Heckleuchten können nur Dauerlicht und Blinker.
Praktisch gelöst ist der Akku selbst. Er lässt sich entnehmen und ist mit einem extra Schlüssel plus zusätzlicher Sicherung gegen Diebstahl geschützt.
Mitgeliefert werden außerdem eine Klingel und ein Rückreflektor. Die Klingel würde ich im Alltag sogar der verbauten Hupe vorziehen, denn die ist wirklich sehr laut und wie fast alle digitalen Klingeln (oder in diesem Falle besser gesagt Tröten
) gewöhnungsbedürftig.
Display und App: funktional, aber lieblos
Das Display ist gut ablesbar, kommt aber mit einer Eigenheit, die ich nicht mehr übersehen kann. Warum zeigt es bei null Stundenkilometern einen Smiley mit traurigem Mund? Ich weiß nicht, ob das Absicht oder ein kurioser Patzer ist.
Schwerer wiegt, dass die Akku-Anzeige ungenau ist. Bei einem Touren-Rad, bei dem ich meine Reichweite einschätzen will, ist das ärgerlich.
Standardmäßig stehen drei Fahrmodi bereit, per App lassen sie sich auf fünf erweitern. Im Alltag reichen mir die drei locker, auch wenn der Eco-Modus sehr sanft schiebt.
Die App selbst tut, was sie soll, ist aber alles andere als hübsch. Sie wirkt, als hätten sie ITler ohne Designgefühl zusammengebaut. Ihr seht alles, was ihr braucht, schön ist sie aber nicht gerade. Es gibt auch ein paar Textfragmente, die wie Platzhalter wirken, aber seht selbst:
Positiv hingegen: Ihr habt die Möglichkeit, das Bike digital mit der App zu (ent-)sperren. Damit bietet Fiido selbst in dieser Preisklasse einen komfortablen Diebstahlschutz.
Alltagstauglichkeit: Eine Frage der Körpergröße
Kommen wir zu dem Punkt, der mich am meisten beschäftigt hat: die Ergonomie. Angefangen bei der Geometrie. Die ist ... sagen wir mal: besonders.
Der Lenker, obwohl einstellbar, ist mit 720 Millimetern ungewöhnlich breit. Zusammen mit der gestreckten Sitzposition taten mir nach einer Weile die Hände weh, trotz korrekt eingestelltem Vorbau.
Das fühlt sich weder richtig sportlich noch entspannt nach Cruiser an, sondern irgendwie dazwischen.
Hier muss ich aber fair bleiben: Mit meinen 1,68 Metern bin ich der Härtefall für diese Geometrie. Gut möglich, dass größere Fahrer mit der Breite und der gestreckten Haltung deutlich besser zurechtkommen, weil sich Lenkerweite und Reichweite bei mehr Körpergröße natürlicher anfühlen.
Für kleinere Fahrer wie mich ist das Nomads ergonomisch dagegen eine Ansage. Probefahren ist hier Pflicht, gerade an den Rändern der angegebenen Größenbereiche.
Die harten Griffe haben ihren Teil zum Handproblem beigetragen. Hier hätte ich mir etwas Weicheres gewünscht.
Zur Reichweite kann ich noch kein endgültiges Urteil fällen. Fiido verspricht bis zu 79 Kilometer mit einem Akku. Die Wahrheit hängt aber stark von Temperatur, Strecke und Modus ab.
Die optionale Drei-Akku-Lösung für bis zu 240 Kilometer habe ich nicht selbst gefahren. Wichtig zu wissen: Die beiden Zusatzakkus am Heck sind kein integrierter Range-Extender. Ihr könnt nicht einfach durchfahren, sondern müsst den leeren Hauptakku manuell tauschen.
Und ich kann mir gut vorstellen, dass das schwere Heck das Fahrverhalten kippelig macht, vor allem mit Gepäck obendrauf. Genau das berichten auch andere Tests.
Alternativen zum Fiido Nomads
Wer es noch günstiger mag, schaut sich das Touroll MA2 an: ein Trekking-Pedelec mit Mittelmotor und Drehmomentsensor für unter 900 Euro, das oft als Budget-Tipp gehandelt wird, aber oft auch ausverkauft ist.
Wer bereit ist, spürbar mehr auszugeben, kann sich das Lemmo One Collab.Ride in der Dynamic Edition
anschauen. Ab rund 3.600 Euro bekommt ihr dort einen geschmeidigeren Motor ohne harten Cutoff, eine automatische Schaltung und smarte Extras wie GPS, Alarmanlage und einen von der Achse entkoppelbaren Motor.
Noch eine Stufe höher steht das Kettler Quadriga CX10 LG. Mit Bosch Performance Line CX, 750-Wh-Akku, 10-Gang-Schaltung und bis zu 145 Kilogramm Zuladung ist es ein deutsches Marken-Schwergewicht. Dafür kostet es aber auch 4.000 Euro (UVP), bei einigen Händlern aber auch schon deutlich günstiger.
Mein Fazit: Ein Preis-Leistungs-Tipp für Einsteiger
Für wen lohnt sich das Nomads? Für preisbewusste Pendler und Tourenfahrer, die ein leises, gut ausgestattetes Trekking-Pedelec mit feinem Drehmomentsensor suchen und keine 3.000 Euro ausgeben wollen. Wer Blinker, eine Federgabel und einen entnehmbaren Akku zum kleinen Preis will, bekommt hier viel fürs Geld.
Für wen nicht? Für alle, die oft schneller als 25 km/h unterwegs sein wollen. Der harte Cutoff verdirbt den Spaß. Auch echte Geländefahrer und Leute, die voll bepackt plus Zusatzakkus auf große Tour gehen, sollten genauer hinschauen.
Mein Urteil: Das Fiido Nomads ist ein klarer Fall von viel E-Bike für wenig Geld, aber eben nicht von »alles perfekt«. Der Antrieb ist toll, die Ausstattung üppig, die Verarbeitung gut.
Der abrupte 25-km/h-Übergang ist jedoch mein größter Kritikpunkt. Darüber hinaus gibt es ähnlich bepreiste E-Bikes mit stärkeren Motoren, etwa bei LIDL, die jedoch auch nicht über die Ausstattung des Nomads verfügen. Für den Preis holt ihr euch daher trotzdem ein erstaunlich vollwertiges Touren-Bike ins Haus.
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Wenn der angekündigte Software-Feinschliff für den Motor wirklich kommt, wird aus einem guten Deal ein sehr guter. Und wer etwas mehr Budget hat, sollte zu den oben genannten Alternativen greifen.

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