Gaming-TFT mit Soundbar: Gute Idee von Huawei oder ein Rohrkrepierer?

Der Mateview GT von Huawei sticht unter anderem durch eine integrierte Soundbar aus der Masse hervor. Wir sagen euch, was der Gaming-TFT wirklich taugt.

von Nils Raettig,
02.07.2021 15:46 Uhr

Zusammenfassung zum Gaming-Monitor: Die beliebte Mischung aus breitem Seitenverhältnis mit hoher Auflösung und Bildwiederholrate gelingt dem Mateview GT ähnlich gut wie der etablierten Konkurrenz, das Alleinstellungsmerkmal in Form der Soundbar bietet aber nur sehr überschaubaren Mehrwert.

Pro
  • VA-Panel mit Overdrive spieletauglich...
  • Soundbar klingt besser als die meisten TFT-Lautsprecher...
  • HDR-fähig...
  • hohe Bildwiederholrate (165 Hertz)
Contra
  • ...aber nicht optimal für schnelle Titel wie Ego-Shooter
  • ...aber immer noch deutlich schlechter als viele separate Boxen
  • ...aber ohne wichtige HDR-Eigenschaften wie Local Dimming

Der chinesische Hersteller Huawei ist vor allem für seine Smartphones bekannt, er buhlt mit dem Monitor Mateview GT jetzt aber auch um die Gunst von Spielern. Besondere Aufmerksamkeit legt Huawei dabei auf den Standfuß, denn er beherbergt eine Soundbar mit RGB-Beleuchtung. Kann das was?

Genau dieser Frage gehen wir in diesem Artikel nach. Besonderes Augenmerk legen wir aber natürlich auch auf wichtige Gaming-Eigenschaften wie die Eingabeverzögerung und das generelle Spielgefühl.

Release und Preis: Der Mateview GT erscheint am 23. Juli 2021, die Kosten liegen bei 549 Euro.

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» Das ist der Huawei Mateview GT (Bilder und technische Daten)
» Was macht den MateView GT besonders?
» Wie gut eignet sich der Mateview GT für Spieler?
» Für wen lohnt sich der Mateview GT und ist der Preis angemessen?
» Fazit unseres Experten

Das ist der Huawei Mateview GT

Huawei Mateview GT - Bilder ansehen

  • Kategorie: Gaming-Monitor
  • Größe: 34 Zoll
  • Gebogen: Ja (1500R)
  • Seitenverhältnis: 21:9
  • Auflösung: 3440x1440
  • Pixeldichte: 110 ppi
  • Bildwiederholrate: 165 Hertz
  • Panel-Technik: VA
  • HDR10: Ja
  • VESA DisplayHDR: Nein
  • Helligkeit und Kontrast: 300 cd/m² / 4.000:1
  • Anschlüsse: 1 x USB-C mit DisplayPort 1.4, 1 x DisplayPort 1.4, 2 x HDMI 2.0
  • Ergonomie: höhenverstellbar (110 mm), neigbar (+20°/-5°)
  • Besonderheiten: Soundbar mit Beleuchtung im Standfuß integriert (2 x 5 Watt), Mikrofon

Was macht den MateView GT besonders?

Neben der Tatsache, dass er vom Smartphone-Hersteller Huawei stammt, ist das die im Standfuß integrierte Soundbar. Zwei Lautsprecher mit einer Ausgangsleistung von fünf Watt lassen aber wie die für eine Soundbar überschaubaren Abmessungen bereits erahnen, dass nicht allzu viel dahinter stecken kann.

Wie gut klingt die Soundbar? Der Klang ist zwar klar besser als bei den meisten in Monitoren integrierten Lautsprechern, zumal er direkt von vorne kommt statt von der Rückseite des Bildschirms. Die Soundbar klingt aber dennoch ziemlich blechern und hat in Puncto Bass praktisch nichts zu bieten.

Die Lichtleiste dient gleichzeitig auch zur Lautstärkereglung per Touch-Eingabe. Eine perfekt feine Justierung ist zwar nicht möglich, grundsätzlich erfüllt die Funktion aber ihren Zweck. Die Lichtleiste dient gleichzeitig auch zur Lautstärkereglung per Touch-Eingabe. Eine perfekt feine Justierung ist zwar nicht möglich, grundsätzlich erfüllt die Funktion aber ihren Zweck.

Wer sehr geringe Ansprüche an die Tonqualität hat, kann zwar auch beim Spielen durchaus damit zurecht kommen. Wir würden aber klar empfehlen, etwas Geld in zusätzliche Lautsprecher und/oder ein Headset zu investieren - was die meisten Spieler ohnehin schon getan haben dürften.

Wie gut eignet sich der Mateview GT für Spieler?

Sehr gut, mit geringen Abstrichen. Sie entstehen hauptsächlich durch das verwendete VA-Panel. Wie die meisten Modelle dieser Art neigt es auch im Falle des Mateview GT zu Schlierenbildung bei schnellen Bewegungen. Das macht sich vor allem in schnellen Spielen aus der Ego-Perspektive durch eine gewisse Trägheit unserer Bewegungen negativ bemerkbar.

Die in fünf Stufen über das Bildschirmmenü regelbare Overdrive-Funktion sorgt zwar ohne deutlich sichtbare Nebenwirkungen wie (zu) helle Objektränder spürbar für Linderung. Monitore mit IPS-Panel und insbesondere mit TN-Panel sind für schnelle Spiele aber dennoch tendenziell besser geeignet. Das Menü hat außerdem weitere auf Spieler ausgelegte Funktionen zu bieten:

Auf Wunsch können wir unter anderem ein Fadenkreuz in der Mitte des Bildschirms anzeigen oder dunkle Bereich heller wirken lassen. Letzteres funktioniert allerdings in der Praxis nicht sehr gut. Auf Wunsch können wir unter anderem ein Fadenkreuz in der Mitte des Bildschirms anzeigen oder dunkle Bereich heller wirken lassen. Letzteres funktioniert allerdings in der Praxis nicht sehr gut.

Die Zahlen sprechen für den Mateview GT: Sehr gut gefallen hat uns die hohe Bildwiederholrate von 165 Hertz und die Messungen zum Inputlag, also zu der Verzögerungen zwischen unseren Eingaben und ihrer Umsetzung auf dem Monitor.

Mit einem Leo Bodnar (mehr dazu in unserem Test des AOC 3583FQ) messen wir bei 60 Hertz in 1920x1080 am unteren Bildschirmrand sehr geringe 20,2 Millisekunden, Nvidias LDAT-Tool ermittelt in 3440x1440 bei 165 Hertz vergleichbar niedrige 19,3 Millisekunden.

Wie LDAT funktioniert, erfahrt ihr in unserem Test von Nvidas Reflex-Funktion:

Wettbewerbsvorteil mit Nvidia Reflex? Latenz-Boost im Benchmark-Test   60     3

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Was ist mit G-Sync/FreeSync?
Im offiziellen Reviewers Guide ist davon die Rede, dass der Mateview GT FreeSync unterstützt. Wir konnten die Funktion allerdings trotz kompatibler AMD-Grafikkarte, aktuellem Treiber und Tests über verschiedene Anschlüsse nicht aktivieren. Im Monitormenü findet sich ebenfalls kein passender Eintrag. Wir stehen bereits zur Klärung mit Huawei in Kontakt und aktualisieren diesen Artikel, sobald wir mehr wissen.

Für wen lohnt sich der Mateview GT?

Huawei macht mit dem Mateview GT vieles richtig, ausgerechnet die besonders hervorgehobene Soundbar ist aufgrund ihrer sehr überschaubaren Klangqualitäten aber kein entscheidender Faktor.

Wer auf der Suche nach einem neuen Gaming-Monitor ist und nicht primär schnelle Ego-Shooter spielt, der kann mit dem Mateview GT aber absolut glücklich werden. Dank 21:9-Seitenverhältnis und 165 Hertz eignet er sich sehr gut für das Spielen, allerdings sollte euer PC eher von der flotten Sorte sein.

Die Auflösung von 3440x1440 stellt fast 2,5 Mal so viele Pixel dar wie Full HD und fordert euren Rechner dementsprechend ordentlich - insbesondere dann, wenn ihr hohe Bildwiederholraten erreichen wollt. Eine GPU der gehobenen Mittelklasse sollte es da schon mindestens sein (siehe unsere Einteilung aktueller Modelle in verschiedene Leistungsklassen).

Gaming-Monitor Huawei Mateview GT - Offizielle Produktvorstellung 0:52 Gaming-Monitor Huawei Mateview GT - Offizielle Produktvorstellung

Ist der Preis angemessen?

Bleibt abschließend noch der Blick auf den Preis. Mit Kosten von 549 Euro liegt der Mateview GT im Vergleich mit anderen 21:9-Monitoren mit 1440p-Auflösung und dreistelliger Bildwiederholrate ungefähr im Mittelfeld.

Vergleichbare technische Eigenschaften gibt es also auch schon für weniger Geld. Da die Soundbar aus unserer Sicht gleichzeitig kein entscheidender Aspekt ist, können wir für den Mateview GT keine uneingeschränkte Preis-/Leistungsempfehlung aussprechen.

Fazit unseres Experten


Nils Raettig, Hardware-Redakteur und Haupttester für Monitore seit 2013: Huawei feiert mit dem Mateview GT grundsätzlich ein durchaus gelungenes Debüt auf dem Markt für Spielermonitore. Die im Standfuß integrierte Soundbar hätte es dazu aus meiner Sicht aber nicht gebraucht.

Mir persönlich sagen sowohl die abseits der Soundbar sehr schlichte Optik sowie das breite Seitenverhältnis samt Krümmung zu. Außerdem erfüllt der Mateview GT mit der Bildwiederholrate von 165 Hertz meine unumstößliche Mindestanforderung für einen Spieler-TFT (dreistellige Hertzzahl).

Ihr müsst euch beim Kauf aber über die typischen Nachteile eines VA-Panels in Form der etwas trägeren Bewegungen im Klaren sein. Etwas schade finde ich außerdem, dass der Mateview GT mangels Local Dimming nur rudimentäres HDR beherrscht (mehr zu dem Thema erfahrt ihr im Test des Asus PG27UQ).

Unterm Strich ist der Mateview GT damit ein guter Spieler-TFT, der am besten noch in einer neuen Version ohne Soundbar und für 100 Euro weniger auf den Markt kommen sollte.

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