Bis vor ein paar Jahren war ich ziemlich sportlich. Ich habe stundenlang vom Crosstrainer aus gezockt, war im Sommer mehrmals die Woche Bogenschießen, habe tatkräftig Gartentrampoline aufgebaut und getestet und hatte daheim sogar meine eigene, selbstgebaute Boulderwand. Für Zumba konnte ich mich auch mal eine Weile lang begeistern.
Dann ist eine Menge im Leben in sehr kurzer Zeit passiert oder begann, sich auszuwirken: Die Corona-Pandemie, mein angeborener Herzfehler, der Tod meiner beiden Hunde, ein belastender Umzug nach einer Eigenbedarfskündigung und eine schwere Depression haben dafür gesorgt, dass der Sport auf der Strecke blieb und ich nicht mehr so fit bin, wie ich es früher war.
Mittlerweile bin ich zumindest schrittweise auf dem Weg der Besserung. Was mir dabei hilft, mich vor allem sportlich wieder dem anzunähern, was früher einmal war: ein Gitarren-Controller.
Wenn einem ein Hügel wie ein Berg vorkommt
Ich habe den Gitarren-Controller eigentlich nicht einmal für mich, sondern als Geschenk gekauft. Konnte ja keiner wissen, dass ich das Teil mit der beschenkten Person zusammen ausprobieren muss. Aber konnte ja auch keiner wissen, dass Rock Band 4 in Kombination mit einem Gitarren-Controller besser als jedes Fitnessgerät ist.
Gerade für mich ist der Controller als Sportgerät perfekt, eben weil ich so eingerostet bin. Um mich trotz Herzfehler nicht zu überfordern, muss ich langsam machen. Dadurch komme ich in eine Zwickmühle:
Fit werden ist für mein Herz besonders wichtig, aber überfordern darf ich es auch auf keinen Fall. Die Gitarre ist da überraschenderweise genau das richtige Mittelding – und macht mir zur eigenen Verwunderung sogar richtig Spaß.
Kaum das Spiel gestartet, kann ich stundenlang und pausenlos auf meinem Riffmaster schrammeln. Nach jedem Song trinke ich einen Schluck, was auch nötig ist, denn ich bewege mich dabei richtig viel.
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»Get ready to rock!« Der Gitarren-Controller PDP Riffmaster im Trailer
Nur noch ein Song ...
Warum ausgerechnet dieser Controller mir so sehr hilft, hat viele Gründe und einige kombinieren sich.
Ich bewege mich von Natur aus gerne zu Musik. Das reicht von Mitnicken und Hin- und Herwiegen bis zu Headbangen und wildem Umherspringen. Beim Rock-Band-Spielen mit dem Riffmaster habe ich zusätzlich noch etwas Gewicht in den Armen und halte sie gespannt.
Auch mein Oberkörper steht leicht unter Spannung und mein Stand ist fest, mit leicht vorgeschobener Hüfte. Der Automatismus, den man beim Tanzen manchmal entwickelt, sorgt für fließende, schonende Bewegungen.
Um den Gitarrenhals für die Spezialfähigkeit im Spiel hochzureißen, gehe ich breitbeinig ein Stück in die stehende Hocke und hebe den Controller höher. Spätestens dabei werden einige Muskeln animiert.
Hinzukommt die Abwechslung: Zu verschiedenen Songs bewege ich mich unterschiedlich. So werden unterschiedliche Körperregionen beansprucht. Auch die Stücklänge und Schnelligkeit unterscheiden sich.
Für mich im Speziellen ist diese Abwechslung goldwert, denn der wichtigste Sport für meine Herzgesundheit ist Cardio-Training, ohne das Herz aber zu überfordern. Und das bekomme ich beim Plastikgitarre-Schrammeln in Reinform, vor allem bei längeren Songs. Wenn ihr mir nicht glaubt, spielt in Rock Band 4 einmal Judas Priest – Halls of Valhalla
, dann wisst ihr, was ich meine.
Mit der Unterteilung in einzelne Lieder oder mehrere Songs umfassende Auftritte werden mir kurze Trainingseinheiten mit Pausen zum Trinken geboten. Bei mir stellt sich schnell ein gewisser Groove ein und nach jedem Abschnitt verlangt etwas in mir Noch ein Song!
Ich möchte dann meistens gar nicht mehr aufhören und noch eben schnell
weitere drei Minuten dranzuhängen, ist zu verführerisch.
Ich glaube, dahinter steckt eine ähnliche Psychologie wie bei Fitnesstrainern, die ihre Mitglieder mit Ein Push-Up noch! Drei! Zwei! Komm, noch mal zwei!
usw. anspornen. Ich werde Kollege Linh bei Gelegenheit mal fragen, wie er das sieht, denn er ist jahrelanger Fitnesstrainer und eine echte Sportskanone.
Jedenfalls spiele ich im absoluten Minimum zwei Stunden am Stück, wenn ich einmal drin bin. Am Wochenende sind es auch gerne mal sieben Stunden und mehr.
Musikhören ist für mich einfach nur schön und diese gefühlt mitgestalten zu können, macht es noch besser. Ich verstehe auch erst jetzt wieder den Reiz, ein echtes Instrument zu spielen. Das war mir über die Jahre irgendwie abhandengekommen, nachdem ich das Schlagzeugspielen in meiner Jugend irgendwann wieder aufgegeben hatte. Nun überlege ich, irgendwann wieder damit anzufangen oder mir direkt einen Bass zu kaufen.
Es ist leicht, im Spiel einen Fortschritt zu erzielen. Man kann optische Anpassungen freischalten oder schlichtweg dem nächsten Highscore hinterherjagen. Mir persönlich reicht es, mich zu verbessern und in immer mehr Stücken die 100 Prozent zu schaffen. Wenn die auf dem leichten Schwierigkeitsgrad absolviert wurden, geht es in den mittleren und so weiter.
Ein ebenfalls wichtiger Punkt: Beim Spielen mit dem Riffmaster bin ich zu Hause und rocke im Wohnzimmer. Dabei muss meine drei Katzen also nicht alleine lassen. Immer, wenn ich beispielsweise wandern war, plagte mich das schlechte Gewissen, weil meine Katzen währenddessen alleine bleiben mussten.
Die Auswahl an Musik ist im Spiel ziemlich begrenzt. Also spiele ich nicht nur Sachen, die ich mir auch sonst gerne anhöre. In der Tour-Kampagne werden zufällige Songs gespielt – oft auch welche aus meiner Kindheit und Jugend.
Und obwohl es heute nicht mehr meinen Geschmack trifft, fühle ich mich beispielsweise bei den alten The Offspring
-Liedern direkt in diese Zeit zurückkatapultiert. Das hat auch Einfluss aufs Körpergefühl.
Als überraschend nützlich haben sich meine Zumba-Kenntnisse erwiesen. Im Flow, wenn mir ein Song gerade zusagt und ich beim Spielen mit groove, führe ich oft unbewusst Bewegungen stärker aus, als ich es ohne Zumba-Erfahrung machen würde.
Anstatt etwa einfach nur die Hüften zur Musik zu bewegen, strecke ich mich tanzend dabei so stark nach links und wieder nach rechts, bis ich die Sehnen und Muskeln an den Seiten und Rücken des Torsos spüre und halte dabei Spannung im Oberkörper. Das kommt vom Zumba und fühlt sich richtig gut an.
So kann es gerne weitergehen
Inzwischen spiele ich, wann immer es Zeit und Energie erlauben, mit meinem Riffmaster Rock Band 4. Ich habe drei verschiedene Gitarren-Controller ausprobiert, und mir daraufhin meinen eigenen für die PlayStation 5 gekauft. Ein weiterer für PC/Xbox folgte, wie ich in diesem Black-Friday-Artikel schon angekündigt hatte.
So gut wie im Moment habe ich mich schon lange nicht mehr gefühlt und es bleibt dennoch Luft nach oben. Ich werde weitermachen und versuchen, alle Songs zu perfektionieren. Danach steige ich dann von Bass auf Gitarre um. Der Riffmaster geht selbstverständlich für beides.
Natürlich ist das nicht das Einzige, was ich tue, um wieder fit zu werden, aber wohl das, was mir am meisten hilft.
Das Ende?
Es ist schade, dass ich sowohl Rock Band als auch das passende Zubehör erst so spät für mich entdeckt habe, denn bei dem Titel handelt es sich im Grunde um ein sterbendes Spiel. Daher wurde der Riffmaster auch in erster Linie für Fortnite Festival konzipiert.
Doch die Begeisterung hat nicht nur mich erwischt. Auch Kollege Chris von der GamePro hat sich den Riffmaster privat zugelegt, ist aber schon seit Guitar Hero 2 mit am Start.
Es wäre schön, wenn die Spielreihe fortgesetzt würde und wieder mehr Lieder zur Auswahl stünden, um noch mehr Geschmäcker zu bedienen. So gibt es aktuell beispielsweise nur einen Amon-Amarth- und einen Arch-Enemy-Track! Blasphemie!
Zuletzt war 2016 eine Crowdfunding-Kampagne, um das Spiel auch auf den PC zu bringen, gescheitert.
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Rock Band 4 - Crowdfunding.Trailer zur PC-Version - Crowdfunding.Trailer zur PC-Version
Epic kaufte dann 2021 den Rock-Band-Entwickler Harmonix auf. Dieses Studio kreierte Fortnite Festival, mit dem auch die gängigen Gitarren-Controller kompatibel sind. Im Januar dieses Jahres wurde bekannt gegeben, dass es keine weiteren DLCs mehr für Rock Band 4 geben wird.
Doch vielleicht hilft es, dass mit dem Riffmaster schon einmal die passende Hardware vorhanden wäre. Wer weiß. Falls mir Rock Band 4 irgendwann nicht mehr reicht und kein Rock Band 5 nachrückt, werde ich es einmal mit Fortnite Festival und dem kostenlosen Guitar Hero Fanprojekt namens Clone Hero versuchen.
Bis dahin hoffe ich jedenfalls, dass noch viel mehr Spielerinnen und Spieler das Plastikgitarre-Schrammeln für sich entdecken. Sei es, um so wie ich fitter zu werden, oder einfach nur um Spaß zu haben.



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