Wie eine urfossile Industrie erstmals die Diesel-Generatoren abstellt und das vielleicht edelste Gut der Menschheitsgeschichte so neu erfindet

Um Ressourcen abzubauen, braucht es reichlich Energie. Inmitten des australischen Outbacks, Hunderte Kilometer von jedem Stromnetz entfernt, zeigt eine Goldmine, wie sie ohne fossile Brennstoffe neue Wege geht.

Grünes Gold könnte abseits des ohnehin profitablen Marktes zu einer speziellen Zukunfts-Investition avancieren.
(Bildquelle: Unsplash, Scottsdale Mint, Annie Spratt und Wolfgang Hasselmann) Grünes Gold könnte abseits des ohnehin profitablen Marktes zu einer speziellen Zukunfts-Investition avancieren. (Bildquelle: Unsplash, Scottsdale Mint, Annie Spratt und Wolfgang Hasselmann)

Dem Erdboden seine Schätze abzuringen, gehört wohl zu den dreckigsten und kraftraubendsten Aufgaben der Geschichte. Selbst heute gelten Minen, egal ob im Untergrund oder als Tagebau an der Oberfläche, kaum als Vorzeigestätten grüner Technologie.

In Australien schwört eine Goldmine fernab der Zivilisation fossilen Brennstoffen ab – ein Unterfangen, das auf einem komplett neuen Energiekonzept fußt. Wir erklären euch, weshalb es da um weit mehr als etwas saubereres Gold geht und wieso der Entschluss sich als wegweisend für eine ganze Branche erweisen könnte.

Hightech-Stromoase inmitten des Nichts

Nach einem Bericht des beteiligten Energiekonzerns Zenith Energy ereignete sich in Australien bisher Ungesehenes: Die Mine »Bellevue Gold« in Westaustralien lief rund drei Tage vollständig mit grün erzeugtem Strom. Das mag jetzt heutzutage nicht allzu besonders anmuten – doch weit gefehlt!

Denn Bergbauoperationen funktionieren oft abseits des Netzes, sie erhalten keinen Strom von außen, sondern versorgen sich selbst. Der Grund: Die Mine liegt rund 400 Kilometer von der nächstgrößeren Stadt entfernt, Kalgoorlie-Boulder City in Westaustralien – selbst etwa abermals 600 Kilometer abseits des Zentrums Perth an der westaustralischen Küste.

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Sie wurde nie an das Stromnetz angeschlossen und das wird auch nie erfolgen. Es rentiert sich schlicht nicht, stattdessen setzen Projekte im Outback, wo quasi niemand ansonsten wohnt, auf Diesel- oder Gasturbinen, um Strom zu erzeugen.

Dank eines Umbaus der Energieinfrastruktur haben sie aber seit einiger Zeit testen können, die Generatoren, die fossile Energieträger nutzen, immer häufiger abzuschalten. Stattdessen betreiben sie die meisten Maschinen dann durch:

  • 26,5 Megawatt Solaranlagen
  • 24 Megawatt Windkraft (4 mal 6 MW-Anlagen), die sich zwar nicht mit den Giganten der Branche messen können, aber dennoch für steten Stromfluss sorgen
  • 15 Megawatt an Leistung in Form eines Batteriespeichers, der eine Kapazität von 33 Megawattstunden bereithält
  • Als Backup bleiben dann Gasgeneratoren für 15,6 Megawatt und Dieselmaschinen für 9 Megawatt

Symbolbild: Drei Tage lang wurde der größte Anteil durch Solarenergie erzeugt. (Symbolbild: stock.adobe.com - martiposa) Symbolbild: Drei Tage lang wurde der größte Anteil durch Solarenergie erzeugt. (Symbolbild: stock.adobe.com - martiposa)

Durch eine je nach Wetterlagen angepasste Steuerung kann der Strom über ein sogenanntes Mikronetz in der gesamten Minenanlage verteilt werden.

Über diesen kurzfristigen Erfolg hinaus sicherte sich die Anlage im westlichen Australien für die erste Hälfte 2025 aber auch eine weitere Branchenpremiere: Bellevue Gold ist die weltweit erste Goldmine, die diesen Grad an Einsparung von Treibhausgasemissionen erreicht hat.

Im kommenden Jahr möchten die Verantwortlichen insgesamt 80 bis 90 Prozent des Energiebedarfs aus regenerativen Quellen decken – laut Pressemitteilung wahrscheinlich der mit Abstand höchste Wert für jede Mine in Australien, die nicht ans Stromnetz des Kontinents angeschlossen ist.

Ein Problemfeld für Verbesserungen bleibt allerdings noch offen: Stromproduktion ist das eine, aber dauerhaft kein CO₂ auszustoßen, um Ressourcen zu transportieren oder Gold zu raffinieren, das muss noch gelöst werden – aber sie seien dran: Wie die Website Stockhead von der Konferenz »Diggers and Dealers Mining Forum« berichtet, gehört Bellevue zur Gruppe der Bergbauunternehmen, welche fortwährend mehr Gerätschaften und Fahrzeuge elektrisieren wollen.

Derweil werde zwischenzeitlich ein Mittelweg angestrebt, der einen Teil der Diesel-Antriebe durch E-Motoren ersetzt, wodurch Hybridlösungen buchstäblich in Fahrt kommen.

Hinzu kamen gekaufte »Carbon-Credits«, also Einheiten einer digitalen Währung, um rechnerisch den Ausstoß von Kohlenstoff gegenzurechnen. Dadurch durften sie feststellen, in der ersten Hälfte 2025 Net-Zero gearbeitet zu haben, das bedeutet: Sie haben insgesamt kein zusätzliches Kohlendioxid in die Atmosphäre ausgestoßen.

Fortschritt in einer urfossilen Nische

Grüner Fortschritt in einer Nische wie dieser könnte in den kommenden Jahren zusehends an Relevanz gewinnen. Denn auch wenn hier sicher nicht die Klimakrise im Alleingang angegangen wird, bringen tief im Hinterland operierende Minen eine spezielle Symbolik mit.

Oder fällt euch eine Branche ein, die weniger für grün und nachhaltig steht als eine Mine für eine (hauptsächliche) Luxusressource? Uns auch nicht. In Zeiten von rasant steigenden Goldpreisen eröffnen sich selbst für mitunter erzkonservative Industrielle bisher undenkbare Optionen.

Allein in den vergangenen 10 Jahren kletterte der Preis von 1.000 Euro auf erstmals in der Geschichte fast 4.000 Dollar (3470 Euro) pro Feinunze (31,10 Gramm) Euro (via goldpreis).

Experten wittern in dieser Innovation eine Marketing-Chance: »Grünes« Gold. (Symbolbild: ethz.ch) Experten wittern in dieser Innovation eine Marketing-Chance: »Grünes« Gold. (Symbolbild: ethz.ch)

Da muten Investitionen in nachhaltige Energieerzeugung direkt vor der eigenen Haustür im Niemandsland verständlicherweise als ein reizender Gedanke an. Fernab von jeder Zivilisation muss alles herbeigeschafft werden; da zumindest die Energieerzeugung ohne Erdölderivate abzuwickeln, stellt sicher einen Anreiz für Nachahmer dar.

Vor allem schlummert in der Innovation indes eine exzellente Marketing-Chance: Grünes/Sauberes-Gold. Bellevue überlegt laut Stockhead, ob es nicht einen Teil seines Goldes als Premium-Produkt für Investoren mit hoher Sensibilität vermarkten könne – zum Beispiel Banken oder Juweliere. Sie sähen demnach als global erste, zumindest annähernd kohlenstoffneutrale Produzenten von Gold durchaus eine Chance auf dem Markt.

Vielleicht steht ja in einigen Jahren dieser wohl selbst in Australien unbekannte Bergbau-Standort im Outback für den Aufbruch einer Branche: ein erster Schritt weg von der zwangsläufigen Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen.

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