GPU-Frühjahrsputz: Wie viel bringt es, die Grafikkarte zu säubern?

Die Hardware-Experten von Gamers Nexus zeigen, welche Vorteile die Wartung von Grafikkarten haben kann und verzeichnen dabei teils beeindruckende Resultate.

von Leon Marlon Klein,
02.04.2021 19:11 Uhr

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Grafikkarten sind aktuell Mangelware, gleichzeitig gehen wir laut unserer eigenen Prognose nicht davon aus, dass sich die Situation schnell bessert. Viele Spieler werden also wahrscheinlich noch eine ganze Weile ihre bereits verbaute GPU nutzen - und die könnte möglicherweise etwas Wartung vertragen.

Steve Burke, Host des US-amerikanischen YouTube-Kanals GamersNexus, hat im oben verlinkten Video getestet, wie sehr gebrauchte GPUs von etwas Pflege profitieren können. Ein Ergebnis fällt dabei sogar so gut aus, dass selbst der erfahrene Hardware-Experte überrascht ist. Wir fassen die Erkenntnisse für euch zusammen.

Kühlere Karten und leisere Lüfter

Burke nimmt für seinen Test vier unterschiedlich stark genutzte Grafikkarten verschiedenen Alters unter die Lupe. Dabei vergleicht er deren Hitzeentwicklung im Stresstest FurMark vor und nachdem er die GPUs gründlich von Staub befreit sowie mit neuer Wärmeleitpaste versorgt hat.

Was bringt eine niedrigere Temperatur? Weniger Hitzeentwicklung hat zwei primäre Vorteile. Die Hardware altert nicht so schnell und der Aufwand für die Kühlung kann reduziert werden. Das führt wiederum potenziell zu einem leiseren PC.

Im Extremfall können (zu) hohe Temperaturen auch für niedrigere FPS sorgen. Der Grund: Die Leistung einer Grafikkarte hängt auch von ihrer Taktrate ab, und die wird oft gesenkt, wenn die Hitzeentwicklung zu groß ist. GamersNexus beschränkt sich in diesem Fall allerdings auf die Betrachtung der Temperatur.

Neben der Wartung einer GPU kann es mit Blick auf die Temperaturen auch helfen, sie mit einer geringeren Spannung zu betreiben. Wie ihr im Falle der RTX 3080 und 3090 Strom sparen und die Lautstärke ohne FPS-Verlust reduzieren könnt, erfahrt ihr im folgenden Guide bei GameStar Plus:

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Die Testergebnisse von GamersNexus

Während bei zwei GPUs selbst nach Austausch der Wärmeleitpaste kaum ein Unterschied zu messen ist, sind die Wartungsmaßnahmen bei den anderen beiden Modellen zum Teil sehr effektiv:

  • Temperatur-Verbesserung im zweistelligen Bereich: Den größten Unterschied verzeichnet Burke bei einer Nvidia Geforce GTX 760 aus dem Jahr 2013. Ihrer Temperatur ist von 80 auf 68 Grad gesunken, was gleichzeitig auch in einer deutlich niedrigeren Lüftergeschwindigkeit und Geräuschkulisse resultiert. Grund dafür sei die starke Verschmutzung der Karte und dass sie seit ihrer Veröffentlichung vor etwa acht Jahren nie gewartet wurde.
  • Ältere Karte, geringerer Unterschied: Trotz ihres hohen Alters von 11 Jahren und der stark eingetrockneten Wärmeleitpaste ist die getestete Radeon HD 5750 in puncto Hitzeentwicklung beispielhaft gut gealtert. Nach der Behandlung läuft die Karte durchschnittlich nur um drei bis fünf Grad kühler. GamersNexus macht dafür vor allem die geringe Leistungsaufnahme und den Faktor verantwortlich, dass sie in ihrem Office-PC nicht regelmäßig heiß gelaufen sei.
  • Keine Veränderung bei neuerer Hardware: Keine Verbesserung in Sachen Temperatur ist dagegen bei einer GTX 970 aus dem Jahr 2014 und einer GTX 1080 Ti aus dem Jahr 2017 festzustellen. Beide Modelle wurden zwar häufig genutzt, waren aber nicht stark verschmutzt. Ihr im Vergleich zu den anderen Modellen geringes Alter dürfte dabei eine wichtige Rolle spielen.

Ein Grund für die aktuelle GPU-Knappheit ist die starke Nachfrage durch das Kryptomining. Welche Auswirkungen dieser Dauereinsatz auf den Zustand einer aktuellen GPU haben kann, erfahrt ihr im folgenden Artikel:

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Regelmäßige Pflege ist empfehlenswert

Auch wenn die Wartungsmaßnahmen nur bei den zwei älteren Grafikkarten zu messbaren Verbesserungen geführt haben, kommt Burke zu dem Fazit, dass sich die Reinigung von Hardware grundsätzlich lohnt: »Es ist vorbeugende Wartung wie bei allem anderen, einem Auto zum Beispiel.«

Selbst wenn sich die Leistung der Karte nicht merklich ändern sollte, ließe sich durch die Reinigung Staubansammlungen vorbeugen, was die Lebenszeit einer GPU auf lange Sicht verlängern könne.

Burks Meinung nach sollten Spieler und Spielerinnen vom Austausch der Wärmeleitpaste und einer gründlichen Reinigung der GPU allerdings kein Allheilmittel erwarten. Vor allem bei älteren Karten sei das Potenzial für eine Verbesserung der (Kühl-)Leistung aber hoch.

Wir schließen uns dieser Einschätzung an, wobei wir auch eine kleine Warnung aussprechen. Das Auseinanderbauen einer Grafikkarte ist immer mit einem gewissen Risiko verbunden, deren empfindliche Hardware zu beschädigen.

Darüber hinaus empfehlen wir euch auch euren PC von vorneherein in einer sauberen Umgebung aufzustellen und möglichst vom Boden fernzuhalten, sodass sich weniger Staub und Haare in den Lüftern sammeln können. Letzteres trifft insbesondere dann zu, wenn ihr Haustiere habt.

Bei euch sind laut unserer jüngsten Umfrage immer noch viele ältere Grafikkarten im Einsatz:

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Wie häufig habt ihr diese bisher gewartet und wie waren die Ergebnisse? Schreibt es gerne in die Kommentare!

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