Verkäufe von Desktop-GPUs erreichen 20-Jahres-Tief - liegt das nur an den Preisen?

Ein historischer Tiefstwert: Keine 7 Millionen Grafikkarten konnten Nvidia und Co. in den letzten Monaten verkaufen. Haben daran wirklich nur die Hersteller Schuld?

Nach zwei starken Pandemie-Jahren sind die Verkäufe von Desktop-Grafikkarten in den vergangenen Monaten so niedrig wie seit langem nicht mehr. Trotz zwei neuen GPU-Generationen erreichen die Verkäufe im dritten Quartal 2022 den niedrigsten Wert seit mindestens 2005.

Die Daten stammen vom Beratungsunternehmen Jon Peddie Research, die bereits seit mehreren Jahren über die Lage des Grafikkarten-Marktes informieren. Demnach hätten die Hersteller AMD, Nvidia und Intel zwischen Juli und September gerade einmal 6,896 Millionen diskrete Grafikkarten verkaufen können.

Dieser Wert liegt sogar noch unter dem bisherigen Tiefstwert seit Beginn der Datenerhebung 2005. Denn sogar im bisherigen Schlusslicht, dem Q2 2019, konnten immerhin noch 7,4 Millionen Karten umgesetzt werden.

Doch damit nicht genug. Die US-Kollegen von Tom's Hardware gehen zudem davon aus, dass der Wert auch alle nicht in der Erhebung enthaltenen Werte bis 2002 schlägt - und bescheinigen diesem Quartal damit, das schlechteste seit mindestens 20 Jahren zu sein.

Dabei hatte es eigentlich wieder nach einem Erstarken des Grafikkarten-Marktes ausgesehen. Denn während die Absätze bereits seit mindestens 2009 rückläufig waren, konnte der Markt seit Beginn der Pandemie wieder eine Zunahme der Verkäufe sehen. Spätestens seit dem zweiten Quartal 2022 scheint sich diese aber wieder in Luft aufgelöst zu haben.

Keine kleine Grafik: Jon Peddie erhebt seit 2005 die quartalsweisen GPU-Verkäufe. (Bildquelle: Jon Peddie Research) Keine kleine Grafik: Jon Peddie erhebt seit 2005 die quartalsweisen GPU-Verkäufe. (Bildquelle: Jon Peddie Research)

Nvidia dominiert den Markt

Gleichzeitig hat sich der Markt in den vergangenen Monaten stärker monopolisiert. Obwohl mit Intel in diesem Jahr ein dritter Wettbewerber in den Markt eingestiegen ist, konnte Nvidia einen neuen Höchstwert bei den Marktanteilen erreichen. 86 Prozent aller verkauften Grafikkarten im dritten Quartal stammten aus der Hand von Team Grün.

Abstriche machen musste damit vor allem AMD, deren Marktanteil sich im Vorjahresvergleich mehr als halbierte. Nur noch zehn Prozent aller diskreten Karten wurden von Team Rot verkauft.

Auf die Schulter klopfen dürfte sich aktuell aber wohl keiner der Hersteller, denn neben AMD musste auch Nvidia bei den tatsächlichen Verkäufen ordentlich Federn lassen. Und der Einstieg von Intel darf zurecht als holprig bezeichnet werden.

Marktanteile Nvidia zeigt sich bei den Marktanteilen dominant wie nie. (Bildquelle: Jon Peddie Research)

Verkäufe Trotzdem musste man wie auch AMD Federn beim Gesamtabsatz lassen. (Bildquelle: Jon Peddie Research)

Meinung der Redakteurin

Alana Friedrichs: Dass die Grafikkarten-Verkäufe in den letzten Monaten gefallen sind, ist eigentlich kein Wunder. Und für viele der dafür verantwortlichen Faktoren können die Hersteller auch nichts. Nach mehreren Jahren Pandemie, in denen die Menschen mehr Zeit vor dem Rechner verbracht haben, genießt man jetzt endlich wieder das Draußensein und soziale Kontakte.

Auch die Umstellung von Ethereum auf das Proof-of-Stake-Verfahren und das daraus resultierende Ende des Krypto-Minings auf Grafikkarten hat sein Übriges getan. Und dass Desktop-Grafikkarten bereits seit Jahren immer stärker durch Notebook-GPUs abgelöst werden, ist auch keine Neuigkeit mehr.

Trotzdem ist dieser historische Tiefstwert natürlich auch zu einem Teil ein hausgemachtes Problem. In einer Zeit, in der bei vielen Menschen der Gürtel enger sitzt, sind die Preise für Grafikkarten nicht gesunken, im Gegenteil sogar in nie gesehene Höhen geschnellt.

In den sozialen Medien wie auch bei euch in den Kommentaren ist die Stimmung einhellig: Solange die Preise so hoch sind, werden die neuen Karten nicht gekauft. Dass dann auch noch ältere Karten, wenn überhaupt, nur langsam im Preis fallen, tut sein Übriges.

Wenn die Hersteller das Ruder herumreißen möchten, reicht es also nicht, auf bessere Zeiten zu warten. Stattdessen müssen sie auch selbst aktiv werden und endlich wieder attraktive Angebote für den Endkunden bieten. Sonst könnte schon im nächsten Quartal der nächste Tiefstwert warten.

Erste Hinweise auf die Releasepreise der anstehenden RTX 4070 Ti lassen aber leider genau das Gegenteil vermuten.

Was meint ihr? Ist der niedrige Absatz in den letzten Monaten vor allem selbstverschuldet oder sind die Hersteller nur Spielball höherer Mächte? Und glaubt ihr, dass sich die Lage für Nvidia, AMD und Intel demnächst wieder verbessert? Lasst uns eure Meinung in den Kommentaren hören.

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