Handhelds waren voller abgedrehter Ideen – jetzt droht ihnen der Einheitsbrei

Die Speicherkrise sorgt nicht nur für teurere Preise. Auch die Innovation leidet.

Video starten 40:38 Das schmerzhafte Ende der Handheld-Ära

Der Handheld-Markt war in den vergangenen Jahren ungewöhnlich experimentierfreudig. Hersteller haben neue Formate ausprobiert, Controller abnehmbar gemacht, OLED-Displays verbaut und sogar Geräte für die Nutzung mit Videobrillen entwickelt. Doch ausgerechnet die steigenden Preise könnten dieser Entwicklung jetzt einen Dämpfer verpassen.

Genau darüber haben sich Linh, Jan und Maxe kürzlich auch in einem unserer Tech-Talks gesprochen. Dabei ging es nicht nur um die Frage, warum Gaming-Handhelds inzwischen teilweise mehr als 1.000 Euro kosten, sondern auch darum, was die Preisentwicklung mit dem gesamten Markt macht.

Denn während immer mehr Hersteller mit ihren Geräten in den Markt drängen, werden die interessanten Experimente gleichzeitig immer teurer. Und damit stellt sich eine unangenehme Frage: Was passiert mit einem Markt, in dem sich kaum noch jemand Experimente leisten kann?

Erst kam der große Handheld-Boom

Noch vor einigen Jahren war die Auswahl an leistungsfähigen Gaming-Handhelds überschaubar. Neben Nintendo gab es lange Zeit kaum Hersteller, die ernsthaft auf mobile Gaming-Geräte für ein breiteres Publikum gesetzt haben.

Das hat sich mit der Switch und später mit dem Steam Deck grundlegend verändert. Plötzlich wollten auch klassische PC-Hersteller einen Teil des Marktes abbekommen. In den vergangenen zwei Jahren wurde die Auswahl entsprechend immer größer.

Dabei ging es nicht nur darum, einen weiteren Handheld mit etwas mehr Leistung auf den Markt zu bringen. Hersteller haben mit unterschiedlichen Konzepten experimentiert: Geräte mit abnehmbaren Controllern, ungewöhnlichen Displays oder der Unterstützung von Videobrillen.

Linh vergleicht diese Phase deshalb mit einer anderen Zeit der Technikgeschichte [ab 09:37]:

»Der Handheldmarkt erinnert mich an den wilden Westen der ersten Handys.«

Genau diese Experimentierfreude macht den Markt interessant. Nicht jede Idee muss sich durchsetzen. Entscheidend ist zunächst, dass Hersteller überhaupt ausprobieren, was mit einem Handheld möglich ist.

Razer Prio
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Ausgerechnet die Experimente werden jetzt zum Problem

Das Problem dabei sind die Preise. Ein Handheld, der vor zwei Jahren noch mit rund 700 Euro als teuer gegolten hat, wirkt 2026 plötzlich vergleichsweise günstig. Gleichzeitig sind Geräte aus dem oberen Preissegment mittlerweile deutlich über 1.000 Euro angekommen.

Im Talk beschreibt Linh, wie stark sich die Situation verändert hat: Als das Asus ROG Ally vor rund zwei Jahren auf den Markt kam, waren rund 700 Euro bereits ein Preis, bei dem man über die Kosten eines Handhelds diskutiert hat. Heute würde ein Gerät für diesen Preis laut Linh bereits als Low-Budget-Modell gelten [ab 06:29].

Tablet mit Controllern gefällig? Lenovo Legion Go Fold. (Bildquelle: Lenovo) Tablet mit Controllern gefällig? Lenovo Legion Go Fold. (Bildquelle: Lenovo)

Damit wird es für Hersteller schwieriger, ungewöhnliche Konzepte auszuprobieren. Denn ein Gerät mit einer speziellen Idee muss nicht nur technisch funktionieren – es muss auch genügend Käufer finden.

Linh sieht darin einen grundlegenden Widerspruch des aktuellen Marktes. Zunächst beschreibt er, wie der Handheld-Markt zu einem zweiten Gaming-Laptop-Markt werden könnte [ab 11:18]:

»Also so wie das jetzt halt weitergeht, kann es halt echt sein, dass der Hand Markt einfach zum zweiten Gaming Laptop Markt wird.«

Noch gibt es laut Linh einen wichtigen Unterschied: Handhelds seien deutlich experimentierfreudiger. Genau diese Eigenschaft wird aber durch die hohen Preise ausgebremst.

Linh nennt Beispiele für die unterschiedlichen Ideen, die derzeit ausprobiert werden – von OLED-Displays und abnehmbaren Controllern bis hin zu AR-Brillen und Geräten, die sich mehrfach falten lassen. Doch anschließend bringt er das Problem auf den Punkt [ab 11:48]:

»Man kann nicht experimentieren, wenn die Experimente halt niemand kaufen will, niemand ausprobieren kann – auch wegen der Preise.«

Das betrifft gerade die Geräte, die sich bewusst von klassischen Handhelds abheben wollen. Ein faltbares Display oder eine Kombination mit anderen Technologien kann interessant sein. Gleichzeitig treiben solche Konzepte den Preis weiter nach oben.

Ein Beispiel aus dem Talk ist ein Handheld mit klappbarem Display und Tastatur. Linh findet die Idee interessant, stellt aber gleichzeitig die Frage, ob Käufer bereit wären, dafür rund 2.000 Euro auszugeben [ab 10:13].

Asus ROG Ally X mit SteamOS Bildquelle: Duy Linh DinhGameStar Tech Asus ROG Ally X mit SteamOS Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech

Droht dem Handheld-Markt der Einheitsbrei?

Damit könnte genau das verschwinden, was den aktuellen Handheld-Markt ursprünglich so spannend gemacht hat.

Wenn Hersteller vor allem Geräte bauen, die sich möglichst sicher verkaufen lassen, bleibt weniger Platz für ungewöhnliche Konzepte. Statt neue Formen auszuprobieren, könnten sich die Geräte immer stärker an einem gemeinsamen Grundrezept orientieren.

Das wäre eine deutliche Veränderung gegenüber der Entwicklung der vergangenen Jahre. Denn Jan hält gerade den experimentellen Charakter des Marktes für wichtig. Nicht jede neue Idee müsse zum Standard werden. Entscheidend sei, dass Hersteller überhaupt den Raum haben, solche Konzepte auszuprobieren [ab 10:51]:

»Genau. Ja, das finde ich halt so schön daran. Deswegen meinte ich auch, dass diese Handys damals so cool waren, weil ich denke, das ist einfach eine schöne Innovation. Und klar ist nicht alles davon Goldstandard und das davon setzt sich nicht alles durch, aber trotzdem finde ich, dass so ein experimenteller Markt einfach cool und wichtig ist und dann kommen einfach coole neue Ideen auf dem Markt, anstatt dass jeder halt sagt, ne, keine Ahnung, Formel X, wir machen jetzt halt auch eine Switch.«

Gerade darin liegt das Dilemma: Die technischen Möglichkeiten für neue Konzepte sind vorhanden. Gleichzeitig wird es schwieriger, sie einem ausreichend großen Publikum anzubieten.

Linh fasst die Situation deshalb direkt zusammen [ab 11:48]:

»Also ich finde, der Handheldmarkt steckt einfach 2026 in einem Dilemma.«

Der Handheld-Markt steht damit zwischen zwei Entwicklungen: Einerseits gibt es mehr technische Möglichkeiten als je zuvor. Andererseits können hohe Preise dafür sorgen, dass gerade die experimentellen Geräte zu wenige Menschen erreichen.


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Damit könnte ausgerechnet der große Handheld-Boom der vergangenen Jahre seine eigene Experimentierfreude ausbremsen. Je teurer die Geräte werden, desto größer wird der Druck, lieber auf ein möglichst risikoarmes Konzept zu setzen.

Und wenn sich dieser Trend fortsetzt, könnte aus dem einstigen Experimentierfeld für neue Gaming-Hardware tatsächlich ein deutlich berechenbarerer Markt werden.


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