Die Hardware-Krise hat uns in ihren Klauen – und wenn es nach so manchem Branchenexperten geht, dann sollten wir uns besser daran gewöhnen.
Die meisten von euch kennen die gegenwärtige Lage, aber um sie noch mal in einem Satz herunterzubrechen: KI-Rechenzentren treiben die Nachfrage nach Speicher in die Höhe und verschärfen den Wettbewerb um Produktionskapazitäten.
Die Folge: hohe Speicherpreise, die wir alle aushalten müssen. Am meisten spüren es aber wohl die PC-Spielerinnen und -Spieler.
Dieser Artikel beschäftigt sich jedoch mit etwas anderem.
Wie wirkt sich die Speicherkrise auf die Zukunft aus? Die Speicherkrise könnte nämlich dafür sorgen, dass innovative Produkte gar nicht erst entstehen, sich nicht durchsetzen oder für große Teile der Bevölkerung schlicht unerschwinglich bleiben.
Gaming-Handhelds: Vom Nischenprodukt zurück in die Nische?
Für eine laufende Innovation, die abgewürgt werden könnte, stehen Gaming-Handhelds schon fast symbolisch. Klar, den Game Boy gibt es schon ewig, aber so richtig aus dem Schatten getreten sind sie mit dem Steam Deck, wohl angetrieben durch den Erfolg der Switch, Nintendos erfolgreichster Konsole.
Der Siegeszug des Handhelds begann, weil auf einmal jeder Hardware-Hersteller ein Stück vom Kuchen abhaben wollte. Sukzessive wurden die Handkonsolen so in einen breiteren Markt geführt. Ein natürlicher Vorgang im wettbewerbgetriebenen Markt.
Fakt ist auch: Die Geräteklasse hat davon profitiert, dass leistungsfähige Hardware mittlerweile kompakt ist und ausreichend Speicher vorhanden war. Ja, Vergangenheitsform.
Die goldene Ära der Handhelds war allerdings kurz. Logisch, teure Hardware ist teuer, das war auch vor der Speicherkrise so, doch mittlerweile ist die preisliche Einstiegshürde drastisch angestiegen.
Ohne mich hier in Specs zu verzetteln, verweise ich auf die Preisanpassung des Steam Decks, dem Gerät, das den Hype um Handhelds entfacht hat.
- Steam Deck OLED 512 GB: vorher 570 Euro; jetzt 780 Euro
- Steam Deck OLED 1 TB: vorher 680 Euro; jetzt 920 Euro
Mich haben die Mondpreise nicht überrascht, was mich jedoch auch unvorbereitet getroffen hat ist die Tatsache, dass das erst der Anfang war. Der Asus ROG Xbox Ally X20 hat meinen Kollegen Linh zu folgender Aussage verführt: »Selten war mein erster Eindruck so positiv«. Das Gesamtpaket passt und auch ich war von dem Handheld beeindruckt, als ich ihn Händen hielt.
Und dann kam der Preis.
1.400 Euro.
Das ist kein Betrag, den die meisten von uns mal eben aus der Portokasse zahlen. Wir sprechen hier immer noch von einem Gaming-Handheld, einem Luxusgut, das die meisten von uns sich alle Jubeljahre mal gönnen. Unter oben verlinktem Hands-on zum Asus ROG Xbox Ally X20 befindet sich genau ein Kommentar und der bringt es auf den Punkt:
Eine weitere Totgeburt bei den aktuellen Preisen.
Natürlich handelt es sich hier um ein Oberklassemodell. Dennoch steigt das Wasser von unten, bis es uns bis zum Hals steht. Die günstigste Version des Steam Decks kostet 780 Euro – immer noch ein Haufen Geld.
Ein Blick in unsere Handheld-Kaufberatung verrät: Ein guter Preis-Leistungs-Tipp ist das Lenovo Legion Go S – und das findet ihr kaum noch neu (via Geizhals) und müsst wohl auf Gebrauchtware zurückgreifen.
Und damit sind wir schon mitten in der Krux. Durch steigende Speicherpreise erhöhen sich die Gerätepreise – natürlich auch bei eigentlich günstig gedachten Einsteigergeräten. Selbst »günstige« Hardware ist signifikant teurer geworden, was sich auf einen höheren Kaufpreis niederschlägt.
Wer heute einen erschwinglichen Handheld kaufen möchte, greift eher zu alten und/oder gebrauchten Geräten. Für Hersteller ist das kein gutes Zeichen.
Wenn Handhelds für die Hersteller nicht mehr rentabel sind, werden sie die Reißleine ziehen. Somit könnten Gaming-Handhelds auf mittelfristige Sicht wieder in der Nische verschwinden, aus der sie gekommen sind und ein Produkt für Enthusiasten bleiben.
Die einzige Ausnahme bildet hier die Nintendo Switch 2. Die kostet aktuell 500 Euro ohne Spiel, laut Geizhals bekommt ihr sie im Angebot auch mal für 439 Euro. Allerdings lässt sich die Konsole nicht mit deutlich performanteren PC-Handhelds vergleichen. Darüber hinaus sprechen wir hier von Nintendo, die seit jeher Konsolen für preisbewusste Kundinnen und Kunden anbieten.
Wollt ihr mehr zum Thema Handhelds wissen, dann schaut gerne in unseren Handheld-Talk von Anfang September. Wir biegen jetzt nämlich in Richtung Smartphones ab (kommen aber nachher wieder in den Gaming-Bereich).
40:38
Das schmerzhafte Ende der Handheld-Ära
Foldables: Technisch ausgereift, aber weiterhin zu teuer
Ganz ähnlich wie den Gaming-Handhelds geht es den Foldable-Handys. Wenn ihr jetzt denkt »Ach, das ist eh nur ein Luxusprodukt«, dann habt ihr das Kernproblem bereits erkannt. Doch beginnen wir am Anfang.
Gestern erschien bei uns eine Kolumne von Linh zum Vivo X Fold 6, einem nagelneuen Falthandy. Darin attestierte mein Kollege den Foldables Marktreife.
- Die Akkulaufzeit ist endlich auf einem Niveau, wo die Geräteklasse mit herkömmlichen Handys mithalten kann.
- Die Kamera boxt ebenfalls in einer höheren Gewichtsklasse, weil die Software fehlende Sensoren nun besser ausgleichen kann.
- Die IP-Schutzklasse ist mittlerweile auf einem Niveau, bei dem die Faltphones vor Staub und/oder Wasser geschützt sind. Das iPhone Duo brilliert sogar mit einer IP68-Zertifizierung (vollständig staubdicht und überlebt auch Untertauchen in Wasser).
Ich selbst besitze ein Foldable und möchte es nicht mehr missen. Das Handy auf Zack zu einem Tablet zu machen, hat unschätzbare Vorteile. Prinzipiell ein No-Brainer wäre da nicht der Preis.
Gemessen an Linhs Aussage brauchte es acht Jahre, bis Foldables mit herkömmlichen Smartphones gleichziehen konnten. Ob sich das nun allgemeingültig ist, sei mal dahingestellt, aber klar ist: Preislich bleiben die Geräte aber seit jeher teuer.
Das bereits erwähnte Vivo X Fold 6 schlägt mit heftigen 2.200 Euro zu Buche.
Wie bei den Handhelds ist das für viele Menschen astronomisch hoch, bloß sprechen wir bei Handys nicht zwingend von Luxusprodukten, sondern von einem Alltagsgegenstand, auf den viele von uns angewiesen sind – was im Umkehrschluss nicht heißt, dass man unbedingt ein Foldable kaufen muss. Die Vorteile liegen dennoch auf der Hand.
Natürlich, auch ohne Speicherkrise richtet sich das iPhone Duo hauptsächlich an Enthusiasten. Das Handy kostet immerhin mindestens 2.300 Euro mit einem schmalen internen Speicher von 256 GB und von da an wird es nur noch teurer:
- 512 GB: ab 2.549 Euro
- 1 TB: ab 3.049 Euro
- 2 TB: ab 3.799 Euro
Ein Blick auf ein günstigeres Pendant lohnt sich. Das Samsung Galaxy Z Fold 8 beispielsweise. Das erschien Anfang August. Anderthalb Wochen danach wurde der UVP von knapp 2.000 Euro bereits um über 400 Euro unterschritten. Heute bekommt ihr das Handy ab 1.359 Euro, so Geizhals.
Das sind hunderte Euro günstiger als noch vor rund zwei Monaten zum Release. Das ist heftig – aber nicht heftig genug, um sich einen Platz im Mainstream zu sichern.
Und jetzt sind wir wieder beim »Ach, das ist eh nur ein Luxusprodukt«. Keine Frage, saftige Produktionskosten durch faltbare Displays, Scharniere und leistungsfähige Komponenten im High-End-Bereich halten die Preise ohnehin hoch. Hinzu kommt aber die Speicherkrise.
Die Speicherkrise macht hier vor allem eins: Günstige Foldables – beispielsweise im Mittelklassebereich – sind dadurch viel schwieriger zu realisieren. Wie heftig der Speicherpreis am Gesamtpreis zerrt, seht ihr an der UVP des iPhone Duo.
Zwar gibt es hier keinen Aufstieg und (vermeintlichen) Fall wie bei den Handhelds, aber Foldables könnten jetzt eine gläserne Decke erreicht haben, die sie nicht durchbrechen können; die Speicherkrise hält diese Innovation zurück, die durchaus für viele Menschen eine Erleichterung im Alltag sein könnte – so sie denn erschwinglich wäre.
Mir ist auch klar, dass das wohl noch Jahre dauern würde, aber momentan sehe ich da keinen Spielraum, Falthandys in den Massenmarkt überzusiedeln. Eine innovative Geräteklasse bleibt somit langfristig auf ein zahlungskräftiges Publikum beschränkt.
Technischer Fortschritt wird ausgebremst
Anhand von Handhelds und Foldables habe ich aufgezeigt, wie die Speicherkrise Nischenprodukte daran hindert, den Mainstream zu erreichen. Doch auch bestehende Produktklassen könnten sich nicht weiterentwickeln.
Besonders hart trifft der teure Speicher Geräte mit geringen Gewinnmargen, zum Beispiel Mittelklasse- und Einsteigerhandys. Bereits Ende 2025 haben wir vorausgesagt, dass die Preise für die Taschenrechner stark steigen sollen.
Zwei Beispiele, wie rasant das gehen kann, habe ich hier.
- Ende August verglich mein Kollege Marinus das Nothing Phone 4a mit dem 4a Pro – und musste kurz danach bereits bei dem Preis nachjustieren.
- Dasselbe passierte bei Marinus’ Handyempfehlungen bis 500 Euro. Hier musste er erst vor wenigen Tagen Hand anlegen.
Ganz so überraschend kam das nicht, denn Qualcomm prognostizierte bereits im Sommer höhere Preise ab 1. September, durch einen Umsatzrückgang in Verbindung mit stark gestiegenen Kosten in der Lieferkette.
Das sind alles Handys, die bereits auf dem Markt sind; Hersteller können einfach an der Preisschraube drehen, wenn sie wollen. Was ist mit Geräten, die sich gerade in Entwicklung befinden und womöglich nächstes Jahr oder später kommen sollen? Als Konsequenzen fällt mir für diese beispielhaft ein:
- Höhere Verkaufspreise bei gleichbleibender Ausstattung
- Weniger RAM oder interner Speicher in bestimmten Preisklassen
- Einsparungen bei anderen Komponenten wie Display oder Kamera
- Langsamere Verbreitung neuer Technologien aus dem Premiumsegment
Meine Befürchtung ist, dass die Mittelklasse bei Handys – aber auch anderen Produktkategorien – ihre Rolle als Vermittler technischer Innovationen verlieren könnten. Oder anders ausgedrückt: Sollte es Neuheiten geben, könnten sie länger für die Oberklasse exklusiv bleiben und damit nur bei zahlungswilligen Kundinnen und Kunden ankommen.
Von Innovationen kann man im PC-, Notebook- und Laptop-Bereich nur träumen, denn hier stehen die Speicherpreise wortwörtlich vor dem Kollaps. Das verteuert quasi alles, vom Einsteiger-Mini-PC bis hin zu PC-Komplettsystemen.
Als weniger dramatisches Beispiel möchte ich hier abschließend die Steam Machine anführen.
Spielerinnen und Spieler, welche die Entwicklung des Hybrid-PC fürs Wohnzimmer seit der Ankündigung vor rund einem Jahr verfolgt haben, wissen um den steinigen Weg zum Release. Da hat die Speicherkrise Valve gehörig in die Suppe gespuckt.
- Eigentlich war der Release, so munkelt man, Anfang 2026 geplant. Durch die stetig steigenden Speicherpreise musste Valve nachjustieren.
- Im Frühjahr war für viele klar: Kostet die Box über 1.000 Euro, dann lassen sie den Geldbeutel stecken.
- Im Juni kam nach schwerer Geburt die Steam Machine auf den Markt – mit einem ab-Preis von 1.039 Euro ohne Controller.
Man darf hier schon von einer Innovation sprechen oder zumindest von einem Schritt, Konsolen und Gaming-PC zu verheiraten. Sie hat Valve (und Spielerinnen und Spieler) viel Geduld abgerungen, bis sie endlich auf dem Markt war. Zynisch ausgedrückt könnte man hier von einer der letzten Innovationen sprechen, bevor die Speicherkrise den Hahn auf absehbare Zeit zugedreht hat, zumindest von meiner Warte aus.
Innovation wird zum Luxus – oder zur Chance
Jetzt will ich euch nicht mit einem schlechtem Gefühl aus dieser Kolumne lassen. Schließlich handelt es sich hier lediglich um meine Gedanken und Vermutungen, wohin die Reise gehen könnte. Trotzdem will ich realistisch bleiben.
Bei einem Blick in die Zukunft sehe ich zwei Möglichkeiten.
Innovation wird zum Luxus
Egal, wie man es dreht und wendet: Innovationen waren schon immer mit einem Risiko verbunden. Nicht nur ist die Entwicklung von etwas Neuem kostspielig, es gibt keine Garantie dafür, dass das Gerät am Ende am Markt auch ankommt.
Das kann ausgehen wie bei der Wii U, mit der Nintendo 2014 220 Millionen US-Dollar Verlust einfuhr, woraufhin CEO Satoru Iwata sein Gehalt halbiert hat, damit Nintendo überhaupt konkurrenzfähig blieb.
Oder besagte Innovation schlägt ein wie eine Bombe, siehe das iPhone von Apple. Da muss ich nicht mal eine Quelle heraussuchen, denn euer Smartphone habt ihr vermutlich gerade in der Hand und lest diesen Artikel.
1:24:27
Der Gaming-Kollaps: Diese Krise geht uns alle an
Natürlich gibt’s hier nicht nur Schwarz oder Weiß. Innovationen müssen auch mal auf dem Herd köcheln und peu à peu weiterentwickelt werden, aber das kostet Geld – und damit sind Hersteller in Zeiten der Speicherkrise zurecht knauserig. Wir alle sind preisbewusster denn je, da derzeit gefühlt alles teurer wird.
Kurz und gut: Experimente könnten immer weniger werden und der Markt sich homogenisieren. Es ist leichter und sicherer, das x-te Samsung-Galaxy-Smartphone mit marginalen Verbesserungen auf den Markt zu bringen, anstatt Foldables in die Mittelklasse zu hieven. Das muss man sich als Hersteller leisten wollen und können. Wäre das ohne Speicherkrise passiert? Schwer zu sagen. Jetzt allerdings halte ich es jedoch für nahezu unmöglich.
Innovation wird zur Chance
Als Kreativschaffender weiß ich, dass ein enges Korsett den Geist beflügeln kann. Freilich, ich schreibe nur Texte in Form von Artikeln oder Belletristik, mein monetärer Einsatz ist gering; ein Mieder durch Geld eng geschnürt ist da deutlich unbequemer.
Ich würde aber einmal mehr Nintendo als Beispiel nehmen. Nach dem Megaflop der Wii U musste man in Osaka unbedingt einen Banger auf den Markt bringen, der sich wie geschnitten Brot verkauft. Daraufhin hat Nintendo die Switch aus der Taufe gehoben. Auf die sich am schlechtesten verkaufende Konsole folgte schließlich die Nummer 1 der Firmengeschichte.
Na ja, und um den Kreis zum Anfang zu schließen, wäre da natürlich das Steam Deck. Auch ein erfolgreicher Banger, der auf bestehenden Strukturen – sprich: Handhelds – aufgebaut hat. Für mich und viele andere ist vor allem das Steam OS ein absoluter Mehrgewinn – und diese Innovation findet sich schließlich auch auf anderen Handhelds wieder, wie dem Lenovo Legion Go S.
Innovation inspiriert. Ohne Innovation keine Inspiration. Die Speicherkrise schickt uns alle gerade durch ein Tal der Tränen. Aber ihr kennt ja den Spruch.
Auf eine Wii U folgt immer eine Nintendo Switch.
Oder so ähnlich.




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