Ein Laserstrahl durchbricht die Dunkelheit. Das Waldstück schält sich kantig im nächtlichen Schneegestöber heraus. Es könnte einem Science-Fiction-Film entspringen, doch jede Sekunde ist echt.
Die Bilder stammen vom YouTuber Styropyro. Er lässt den bläulich-gleißenden Strahl durch die Baumreihen wandern. Sein Publikum: mehr als 4 Millionen Views, Stand 10. Juli 2025.
Nach wochenlanger Bastelarbeit zeigt der nach Aussage seines Schöpfers weltweit stärkste Handlaser auch im Testlabor Tests, was in ihm steckt – denn er ist weit mehr als nur eine schicke Taschenlampe.
Laser können übrigens auch Menschen vor dem Verdursten retten – oder dabei helfen, fremdartiges Leben auf außerirdischen Planeten aufzuspüren.
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Handheld-Laser im Selbstbau
Set fast 20 Jahren ist Styropyro auf YouTube mit Spezial-Bastelprojekten aktiv. Doch solch einen Monster-Laser habe er bisher noch nie gebaut: 250 Watt Leistung, was der maximalen Leistungsaufnahme einer Nvidia Geforce RTX 5070 entspricht.
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Laser steht als Abkürzung für Light Amplification by Stimulated Emission of Radiation
, zu Deutsch: Lichtverstärkung durch stimulierte Strahlungsemission
.
Vereinfacht beschrieben, zwingt ein Laser Photonen dazu, sich zeitgleich identisch zu verhalten, quasi der perfekte Marsch einer optisch nicht voneinander unterscheidbaren Armee. Die Photonen schwingen im gleichen Takt, wodurch auch die intensive Farbe entsteht (via Bundesamt für Strahlenschutz).
Laser kommen heutzutage in allerlei Feldern zum Einsatz, wie zum Beispiel Entfernungsmessung, in der Medizin oder auch bei einem alltäglichen Laserpointer zum kontaktlosen Markieren von Punkten auf einer Beamerprojektion.
Der Handlaser besteht aus handelsüblichen Komponenten, die aber modifiziert und nach eigenem Bauplan zusammengesetzt wurden. Unter anderem:
- das Gehäuse einer Radarfalle der Polizei
- Wasserkühlung für Computer-Prozessoren
- Batterien versorgen den Emitter mit Strom, sodass die mit einer Hand tragbare Kanone auch ohne Stromkabel auskommt.
Bei uns würde der Eigenbau das Limit von einem Milliwatt (0,001 Watt) der erlaubten Stärke eines Laserpointers um das 250.000-Fache überschreiten. In den USA gilt ein fünffach höherer Grenzwert: 5 Milliwatt.
Besitzen, bauen und zu Hause benutzen dürfe Styropyro das Gerät dennoch, wie er selbst im Video erläutert. Denn die Regeln beziehen sich ausdrücklich auf den Import sowie inländischen Verkauf (via laserpointersafety und bussgeldkatalog).
Er hatte schon zuvor Handlaser gebaut – aber selbst der stärkste bisherige inoffizielle Weltrekordhalter erreichte laut ihm kaum die Hälfte des Energieoutputs des aktuellen Geräts.
Achtung! Es ist generell davon abzuraten, selbst mit Lasertechnik zu experimentieren. Egal, ob es nun ausdrücklich verboten ist oder nicht.
Die Gefahren für die Gesundheit, allen voran das eigene Augenlicht oder das anderer, sind hoch. Abseits der gesundheitlichen Risiken regeln in Deutschland verschiedenste Gesetze den Umgang mit Lasern, wodurch eine Strafbarkeit nicht ausgeschlossen werden kann.
Wer also mit so etwas als Hobby umgeht, sollte genau wissen, was er oder sie tut, worauf zu achten ist oder was sogar straf- oder zivilrechtliche Folgen nach sich ziehen kann (via Bundesamt für Strahlenschutz).
Was kann der Laser?
Abseits simpler Tests wie dem Entzünden von Holz, Papier oder dem widerstandslosen Durchdringen von Kunststoff durch Verdampfung (selbst CDs halten nur wenigen Sekunden durch), widmet sich Styropyro auch hartnäckigeren Materialien.
Mit aufgesetzter Linse, die die einzelnen Strahlen des Lasers zu einem fokussiert (an einer Stelle rund einen halben Meter entfernt), beschießt er zum Beispiel:
- eine Metallmünze, die daraufhin beginnt, zu schmelzen
- ein Stück Trockenwand, wie typisch für Baustellen
- eine Reihe altmodischer Rasierklingen. Früher wurden so Laser verglichen, der sogenannte Gillette-Test. Er schätzt seine Stärke auf 4,5 Gillette pro Sekunde.
- zwei moderne Rasierklingen, deren Kanten aneinanderliegen. Er verschweißt sie auf diese Weise.
- ein Stück Wolfram-Draht. Dabei handelt es sich um das Metall mit dem höchsten Schmelzpunkt aller Metalle im Periodensystem, 3.422 Grad Celsius.
- Kleine Diamanten, die nach wenigen Sekunden explodieren. Besonders beachtenswert ist hierbei aber die Lichtshow, da der Diamant das Laserlicht bricht und in mehrere Richtungen zugleich gestreut – der Effekt nennt sich Refraktion.
Schnee bleibt aber auch für den Rekord-Laser der Nemesis
Erstens braucht Eis enorme Mengen an Energie, um zum Schmelzen gebracht zu werden, und zweitens schützt sich die Masse quasi selbst. Denn Weiß hat bekannterweise eine extreme hohe Albedo, das heißt: Es reflektiert so gut wie alles an Licht, was mit ihm interagiert.
Laser sind letztendlich nichts anderes als reichlich konzentriertes Licht, von dem der Schnee kaum etwas absorbiert. Das wäre aber nötig, um Eiskristalle aufzubrechen und somit zu schmelzen.
Des Weiteren könnte der Laie meinen, brennbare Flüssigkeiten müssten beim ersten Kontakt mit dem fokussierten Strahl in Flammen aufgehen – weit gefehlt. Es passiert ganz im Gegenteil nichts.
Der Grund: Als Erstes brennen bei zum Beispiel Benzin die austretenden Gase. Sie und auch die Flüssigkeit selbst sind aber durchsichtig. Der Laser muss seine Energie über Absorption übertragen. Wo quasi nichts ist, was aufnimmt, da kann das gebündelte Licht auch nichts erhitzen.
Dennoch kann Styropyro mit dem Laser Benzin und Co. über einen Umweg in Brand versetzen. Nur müssen dafür der Brennstoff oder seine Ausgasungen mit etwas Brennendem oder sehr Heißen in Kontakt kommen – wie etwa einem Stück Papier oder dem heißen Boden unterhalb einer Lache an Benzin.
Sobald der Laser letzteren auch nur kurz trifft, erhitzt der sich innerhalb weniger als einer Sekunde derart, dass sich die Flüssigkeit daraufhin entzündet.
Weltrekord, ja oder nein?
Styropyro zufolge, handelt es sich bei seinem Werk (erneut) um den stärksten Handlaser der Welt. So wäre es zweifelsohne ein Rekord, der eines Eintrages in gängige Werke wie das Guinness-Buch der Rekorde würdig wäre. Doch wird ihm dieser vorenthalten bleiben.
Wie der YouTuber erklärt, sind die Hürden dafür unter anderem, dass zwei unabhängige Stellen die Leistung seines Selbstbau-Lasers bestätigen und das wäre sehr aufwendig.
Solch ein Gerät per Post zu verschicken oder es selbst im Zug, geschweige denn per Flugzeug zu transportieren wäre ein Sicherheits-Alptraum.
Deshalb müssten beide Labore in unmittelbarer Nähe seines Zuhauses sein – extrem unwahrscheinlich. Ferner müssten die Stellen überhaupt bereit sein, das Gerät zu testen.
Hier hätte er bereits arge Zweifel, denn die Gefahren seien aus Sicht einer unter allerlei Auflagen operierenden technischen Forschungsanstalt sicher nicht tragbar.
Und selbst wenn: Wer professionell Laser für die Industrie, Militär oder Forschungsanwendungen entwirft, konstruiert und testet, hantiere nicht mit so einem Eigenbau – auch im Fall eines echten Mega-Handheld-Lasers.

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