Nicht nur Saudi-Arabien: Wüsten-Staaten errichten seit Jahren große Himmels-Laser im schier unendlichen Sand – das steckt dahinter

Die Wüsten gehören zu den lebensfeindlichsten Orten auf der Erde schlechthin. Länder wie Saudi-Arabien steuern mit Hightech seit einigen Jahren gegen.

Ein Himmels-Laser zur Orientierung inmitten einer Wüste, nur etwas überzeichnet zwecks Deutlichkeit. Bildquelle: Unsplash Ein Himmels-Laser zur Orientierung inmitten einer Wüste, nur etwas überzeichnet zwecks Deutlichkeit. Bildquelle: Unsplash

Aus der Düsternis sticht ein farbiges Licht gen Abendhimmel. Schier wahllos an einem Punkt inmitten des sandigen Nichts steht es für Hoffnung: Denn an Ende des Signals wartet eine Wasserstelle auf den Durstigen.

Seit einigen Jahren soll Hightech so ein Problem angehen, das selbst Jahrtausende nach Aufbruch erster Karawanen durch die Erdwüsten noch Menschen tötet.

Wir nehmen euch mit auf eine Hightech-Suche nach Wasser ins Reich von Sand, Stein und Geröll.

Die Problemlage rund um fundamentale Rechte in Saudi-Arabien: Amnesty International zufolge missachtet der Golfstaat in etlichen Bereichen Menschenrechte und international anerkannte Standards für Gesellschaften. Meinungs-, Presse- oder Vereinigungsfreiheit sind nicht gegeben.

Ferner bleibt die gesellschaftliche Stellung von Frauen und Minderheiten weiterhin problematisch. Sie werden durch Gesetze und im täglichen Leben durch Tradition und Religion diskriminiert.

In der Strafverfolgung herrscht teils Willkür, Regimekritiker werden ohne klare Anklage, mitunter für sehr lange Zeit, in Gewahrsam genommen oder verschwinden spurlos. Vor Gericht erwarten sie regelmäßig ausgedehnte Haftstrafen, und in Gefängnissen sind sie Folter ausgesetzt. Auch die Todesstrafe bleibt ein Mittel für die Gerichte, die diese auch für Straftaten wie Drogenschmuggel verhängen.

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Künstliche Oase und keine Fata Morgana

Inmitten einer für uns Menschen von Natur aus feindseligen Gegend verloren zu sein – ein Alptraum. Laut Arab News ist Saudi-Arabien eines der Länder, das aktiv versucht, hier zu helfen, und zwar mit Lasern.

  • Seit einigen Jahren stehen an ausgewählten Stellen solche Signalfeuer, um Verirrten den Weg zu Wasser zu weisen. Betrieben werden sie vom Ministerium für Umwelt, Wasser und Landwirtschaft des Wüsten-Staats.
  • Die Mini-Tech-Oasen bestehen aus einer Pumpe und/oder einem Tank, einer Solaranlage samt Batterie und eben dem Laser. Nachts sollen sie selbst aus größerer Entfernung gut sichtbar sein.
  • Laut der Behörde sind regelmäßige Wartung notwendig, um den Betrieb zu gewährleisten.
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Es kann lebensgefährlich werden

Laut des freiwillig-organisierten Such- und Rettungsteams Enjad sind allein im Jahr 2020 13.000 in der saudischen Wüste gestrandete Fahrzeuge und 142 in der Wüste verirrte und verschollene Personen gemeldet worden.

Der Großteil kam mit dem Schrecken davon, 28 verstarben allerdings nachweislich. Es sollen laut dem Bericht in Einzelfällen nur relativ geringe Distanzen zwischen einer Wasserquelle und dem Verstorbenen gelegen haben.

Für Wüsten-Unerfahrene sei die Orientierung unter den Extrembedingungen mitunter eine unüberwindbare Herausforderung, wie Mohammad Fohaid Al-Sohaiman Al-Rammali dem arabischen Nachrichtenportal gegenüber einordnet. Er ist ein Umweltaktivist und der Initiator der Idee.

Der Staat sowie Investoren nahmen sie auf.

Welche Wüstenarten es gibt

  • Wendekreiswüsten: Sie entstehen um jeweils etwa 23,5 Grad nördlicher und südlicher Breite, an den Wendekreisen der Sonne (Frühjahr und Herbst). Ihr Haupturheber sind hier absinkende Luftmassen – der Ausgangspunkt der gen Äquator wehenden Passatwinde. Die Sahara oder die Arabische Halbinsel sind die bekanntesten Beispiele.
  • Binnenwüsten: Sie entstehen fernab der Ozeane, da die Luftmassen ihre beim Meer aufgeladene Feuchtigkeit durch Herabregnen eingebüßt haben. Im Inneren Asiens findet sich mit der Wüste Gobi ein berühmter Vertreter.
  • Regenschattenwüsten: Sie befinden sich am Ozean-abgewandten Rücken von Gebirgen. Die an der Vorderseite aufsteigenden Luftmassen haben den Großteil ihres Wassers dort seeseits verloren. Auf der Rückseite kommt vornehmlich trockene Luft an. Die Mojave hinter den Gebirgszügen der Sierra Nevada und San Bernardino Mountains gehört hierzu.
  • Küstenwüsten: Klingt seltsam, aber auch in gemäßigten Breiten, direkt am Meer sind Wüsten möglich, wie etwa die Atacama in Chile. Verantwortlich sind kalte Meeresströmungen, die den Ozean oberflächennah stark abkühlen, sodass weniger Wasser als üblich verdunstet.
  • Kältewüsten: Das grönländische Inlandeis sowie Arktis oder die Antarktis gelten ebenfalls als Wüsten, aber eben gänzlich anderer Art. Wasser gibt es reichlich, trotzdem ist sie trocken, da Lebewesen auf die gefrorene Flüssigkeit nicht zugreifen können.

Flächenmäßig steckt letztere Kategorie alle anderen in die Tasche. Selbst die Sahara erreicht mit ihren 9,2 Millionen Quadratkilometern nicht mal 3/4 der Arktis – und die Antarktis übertrifft diese wiederum knapp (via ARDAlpha und Statista).

Ein anderes Beispiel findet sich in Libyen. Hier hat laut eines Posts auf Reddit das Unternehmen Insiab ähnliche Solar/Batterie-betriebene Rettungsbarken aufgestellt. Die Information lässt sich schwer unabhängig überprüfen, aber die Firma existiert und sie beschäftigt sich mit Wasserpumpen.

Wir haben die Verantwortlichen einige Zeit vor Redaktionsschluss kontaktiert. Sollten wir Antwort erhalten, aktualisieren wir den Artikel mit Informationen zu dem Projekt.

Hinweis: Generell sind solche künstlichen Rettungsinseln unserem Eindruck nach eher wohlhabenderen Wüstenregionen vorbehalten. Denn Wüsten dienen dort oft auch als Magneten für Touristen auf der Suche nach Abenteuern. Ihre Sicherheit nimmt für den jeweiligen Staat hohe Priorität ein.

In den Anrainer-Ländern des Mittelmeeres auf dem afrikanischen Kontinent zeigt sich die Lage weit unübersichtlicher (via APnews). Denn innerhalb ihrer Grenzen durchqueren auch zahlreiche vor Krieg, Hunger und Verfolgung flüchtende Menschen die Wüsten – gezwungenermaßen.

Hierbei kommt es immer wieder zu Todesfällen, deren Aufklärung sich als schwierig erweist.

Eines bleibt aber grundsätzlich auch in unserer Zeit bestehen: Wer eine Wüste betritt, sollte wissen, worauf er oder sie sich einlässt, sonst droht rasch Lebensgefahr.