Europa, eine gefrorene Welt im Orbit um den größten Planeten des Sonnensystems. Das Mondsystem des Jupiters birgt so manches Rätsel, die Lösung für eines davon läge vielleicht in greifbarer Nähe. Gibt es Leben im Ozean unter der Eiskruste auf dem Trabanten? Forscher haben eine Idee: Das Eis mit einem Laser beschießen.
Wir erklären euch, was die vorgeschlagene Untersuchung ergeben könnte und weshalb sie einen entscheidenden Vorteil gegenüber einer Landung mitbringen würde.
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Laserblick ins Eis
Das Team um Gideon Yoffe hat eine recht einfach klingende Idee: Mittels eines Lasers an Bord einer Raumsonde, die sich in der Nähe des Mondes aufhielte, wird das Eis unter Beschuss genommen.
Anhand der Reaktion des gefrorenen Wassers sowie der darin gelösten Stoffe ließe sich mit speziellen Sensoren erkennen, ob sich darin Biosignaturen verbergen. Dabei handelt es sich gemeinhin um chemische Verbindungen (in diesem Fall Aminosäuren), die nur oder höchstwahrscheinlich von biologischer Aktivität herrühren.
Ihre Idee legt das Team in Earth and Planetary Astrophysics vor.
Eckdaten des Jupiter-Mondes Europas:
- Einer von 95 Monden des Gasriesen Jupiters
- Etwa 3.100 Kilometer Durchmesser, etwa 300 Kilometer weniger als unser Erdmond
- Viertgrößter Mond Jupiters sowie der sechstgrößte im Sonnensystem (Ganymed, ebenfalls Jupiter, ist der Größte mit rund 5.000 Kilometern Durchmesser)
- Oberflächentemperatur: –130 bis –160 Grad Celsius
- vermuteter Aufbau:
- Kilometerdicke Eisschicht mit darunterliegenden Ozean. Die flüssige Wassermenge könnte mehr als doppelt so hoch ausfallen, wie der irdischen Ozeane. Zudem werden im Eis Kilometer durchmessende Wasserblasen vermutet. Hinzu kommen wahrscheinlich Durchstöße von Wasser, das bis zur Oberfläche gelangt, um sich dort als gewaltige Fontänen gasförmig in den Weltraum zu ergießen.
- Darauf folgt eine Gesteinssicht sowie im Zentrum des Mondes ein Kern aus flüssigem Eis.
- Die Ozeane werden vermutlich durch die gravimetrischen Kräfte Jupiters flüssig gehalten. Der Mond wird quasi durchgeknetet und so entsteht Hitze.
- Atmosphäre: extrem dünne Sauerstoffatmosphäre
Mehr Informationen unter anderem beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).
Sollten Aminosäuren am Grunde des Ozeans von Europa nahe hydrothermalen Quellen entstehen, würden sie zwangsläufig auch mit der Zeit hinauf ins Eis gelangen. Die Säuren wären die Grundbausteine von Leben.
An der Oberfläche gerieten sie aber unter das Bombardement an Strahlung der Sonne sowie des Jupiters – zerstörerische Kräfte. Sie wirken am stärksten am Äquator und nehmen zu den Polen hin ab.
Die Chance, Spuren von Leben an der Oberfläche zu finden, sei den Berechnungen des Teams zufolge demnach am höchsten bei Eis in hohen Breiten. Hier lohne sich der Laserbeschuss also besonders. Sollten hierbei Aminosäuren nachgewiesen werden, sei eine nicht-biologische Herkunft eher unwahrscheinlich.
Derweil bleibt auch die Frage, wie sich das Leben genau auf Erden entwickelt hat, eine stets diskutierte Thematik. Dabei könnten Erkenntnisse hier nämlich auch der Suche sonst wo im Universum zugute. So haben Wissenschaftler erst kürzlich eine Theorie vorgelegt, nach der wir nach lilafarbenen Planeten suchen sollten – sie könnten das uralte Rätsel lösen.
Vorteile aktiver Fernuntersuchung
Untersuchungen mittels aktiver Sensorik aus dem Orbit haben einen entscheidenden Vorteil. Denn ein Laser, wie der von Gideon Yoffe und seinem Team beschriebene, könnte zwar analysierbare Veränderungen herbeiführen, aber eben keinen dauerhaften Schaden anrichten.
Jede Sonde und vor allem ein Mensch, der einen Mond, Asteroiden oder Planeten betritt, bringt auch die Gefahr mit, winzigste Mikroben einzutragen. Damit kann die Suche nach Leben quasi im letzten Moment versehentlich sabotiert werden. Eine Sonde, die nur Energie aussendet und zurückkehrende Signale analysiert, umgeht solch ein Risiko.
Untersuchungen, wie sie Radioteleskope auf der Erde vornehmen, empfangen nur abgestrahlte oder reflektierte Energie. Sie sind als passiv zu charakterisieren.
Aktuell sind mit dem Europa Clipper und dem JUICE (JUpiter ICy Moons Explorer) gleich zwei Raumsonden unterwegs zum Planeten-Monde-System des Jupiters. Beide werden dort Anfang des kommenden Jahrzehnts eintreffen.
Forscher versprechen sich hiervon die bis dato grundlegendste Untersuchung der Monde, inklusive Europa. Allerdings ist nach aktuellem Kenntnisstand solch eine Laser-Untersuchung, wie sie hier vorgeschlagen wird, weder mit JUICE noch mit dem Clipper möglich.
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