In China kaufen Eltern ihren Kindern keine Handys, sondern Smartwatches, um sie im Auge zu behalten

Rund jedes dritte chinesische Kind trägt eine Smartwatch, und eine Marke dominiert den Markt.

Die Uhren der Marke Xiaotiancai (hierzulande »Imoo«) erobern den chinesischen Smartwatch-Markt. (Bildquelle: Xataka mit Magnific) Die Uhren der Marke Xiaotiancai (hierzulande »Imoo«) erobern den chinesischen Smartwatch-Markt. (Bildquelle: Xataka mit Magnific)

Während hierzulande viele darüber diskutieren, was das richtige Alter für das erste Smartphone ist, tragen Kinder in China oft schon ab dem Kindergartenalter vernetzte Technik am Körper.

Es handelt sich dabei allerdings nicht um Mobiltelefone, sondern um Smartwatches. Spezielle Uhren für Kinder haben sich dort zum bevorzugten Werkzeug übervorsichtiger Erziehungsberechtigter entwickelt.

Der Grund: Sie ermöglichen Ortung und Anrufe, ohne den Nachwuchs den unbegrenzten Gefahren und Verlockungen eines vollwertigen Smartphones auszusetzen.

Dieser Artikel stammt im Original von unserer spanischen Schwesterseite Xataka und erscheint bei GameStar Tech in übersetzter und angepasster Form.

Kinder-Smartwatches boomen in China

Schätzungen zufolge (via news.cn, Stand 2024) trägt jedes dritte chinesische Kind im Alter zwischen 5 und 12 Jahren eine derartige Smartwatch. Auf dem Markt tummeln sich mehrere Anbieter, doch ein Hersteller dominiert die Branche: Der Platzhirsch sichert sich je nach Quartal (Q3 2025) deutlich über ein Drittel der Marktanteile bei Kinderuhren sowie 7 Prozent des gesamten Smartwatch-Marktes.

In China heißt die Marke Xiaotiancai (BBK Electronics), was übersetzt »Little Genius« bedeutet. Im Westen werden die Geräte als Imoo vertrieben. Die Uhren bieten Mobilfunk-Konnektivität, GPS, Nachrichtendienste und Videoanrufe.

Bunt fürs Handgelenk: Der Hersteller hat seine Smartwatch kindgerecht gestaltet. (Bildquelle: Imoo) Bunt fürs Handgelenk: Der Hersteller hat seine Smartwatch kindgerecht gestaltet. (Bildquelle: Imoo)

Fortgeschrittene Modelle gehen bei der Ortung noch weiter und erfassen die Position von Kindern sogar präzise innerhalb mehrstöckiger Gebäude. Preislich bewegen sich die Modelle hierzulande zwischen 100 und 300 Euro.

In einem Bericht des Wall Street Journal schildern Mütter und Väter ihre Beweggründe für den Kauf.

»Wenn mein Sohn die Uhr nicht tragen würde, wäre ich extrem besorgt. Ich müsste ihn ununterbrochen im Auge behalten.«

Zwar verlässt das Kind das Haus oftmals nicht allein, doch das Gadget verschafft den Eltern zusätzliche Sicherheit, falls der Junge im Supermarkt oder Park einmal kurz aus dem Blickfeld gerät.

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Die Beweggründe

Der Vorteil liegt auf der Hand: Erziehungsberechtigte wissen jederzeit, wo sich der Nachwuchs aufhält, und erreichen ihn auf Knopfdruck. Gleichzeitig bleibt der Zugriff auf freies Surfen und ungefilterte Smartphone-Inhalte verwehrt. Apps existieren zwar auch auf den Uhren, sind aber stark reglementiert und lassen sich mitsamt den Kontaktlisten vollständig über das elterliche Dashboard verwalten.

In einem Artikel der South China Morning Post berichtet eine Mutter:

»Wir haben uns Modelle von Huawei und Xiaomi angesehen, aber meine Tochter bestand unbedingt auf Little Genius.«

Hier zeigt sich der strategische Schachzug von Imoo: Während das Unternehmen Eltern mit Sicherheitsversprechen gewinnt, lockt es Kinder mit einem sozialen Mini-Netzwerk direkt am Handgelenk. Die hauseigene App fungiert als Mischung aus Messenger und Social-Media-Feed: Kinder chatten, teilen Schnappschüsse über die integrierte Kamera und kommentieren Beiträge von Schulfreunden.

Dieses Ökosystem ist proprietär – es funktioniert ausschließlich zwischen Uhren derselben Marke. Dadurch hat Imoo nicht nur ein Kontrollwerkzeug für besorgte Familien geschaffen, sondern zugleich ein unverzichtbares Statussymbol für den Schulhof.

Fairphone 6
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Nothing Phone (3)
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Crosscall Stellar M6
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Die Schattenseite

Das Problem: Suchtpotenzial am Handgelenk. Obwohl die Funktionen im Vergleich zu regulären Smartphones beschnitten sind, geraten die Uhren in China zunehmend wegen ihres Suchtfaktors in die Kritik.

Wie die South China Morning Post beschreibt, setzt die Plattform auf Gamification: Kinder sammeln Punkte durch tägliche Logins, das Hinzufügen neuer Kontakte oder das Absolvieren von Schrittzielen.

Als Belohnung steigen sie im Level auf, was wiederum das Limit an »Likes« erhöht, die das eigene Profil empfangen kann. Diese digitalen Privilegien gelten als Beliebtheitsgradmesser – mit der Folge, dass manche Kinder massenhaft fremde Profile hinzufügen, um ihr Level künstlich nach oben zu treiben.

Ein Gerät, das eigentlich für elterliche Gelassenheit sorgen sollte, entfacht so einen harten Wettbewerb unter Kindern und reproduziert genau die Mechanismen, für die klassische Social-Media-Plattformen und Smartphones in der Kritik stehen. In einigen Regionen Chinas sind Smartwatches und Smartphones bereits aus den Klassenzimmern verbannt.


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