Alle Action-Cams sind zum Filmen. Punkt. Das war bisher meine sture Annahme in Bezug auf die kleinen, eckigen Apparate.
Die Ace Pro 2 von Insta360 hat mich jedoch eines Besseren belehrt. Denn abseits des Filmens macht die Kamera auch beim Fotografieren einen guten Job. Und das sogar weitaus besser, als ich dachte.
Transparenzhinweis: Insta360 hat mir die Ace Pro 2 für den Test kostenfrei zur Verfügung gestellt. Der Hersteller hatte keinen Einfluss auf den Artikelinhalt und bekam keine Einsicht vor dem Erscheinen des Tests. Es bestand keine Verpflichtung zu einem Testbericht.
Inhaltsverzeichnis
Spezifikationen
| Kategorie | Angabe laut Hersteller |
|---|---|
| Sensortyp | 1/1,3" CMOS, 8K-fähig |
| Objektiv | Leica SUMMARIT, 157° Weitwinkel |
| Blende | f/2.6 |
| Maximale Videoauflösung | 8K bis 30 fps |
| 4K-Video | Bis 120 fps, 4K 60 fps Active HDR |
| Weitere Video-Modi | 2,7K bis 120 fps, 1080p bis 240 fps |
| Fotoauflösungen | Bis 50 MP (z.B. 9, 12,5, 37, 50 MP) |
| Dynamikumfang | Bis zu 13,5 Blendenstufen |
| Stabilisierung | FlowState, 360°‑Horizontsperre |
| Besondere Modi | PureVideo (Low-Light), Endurance Mode |
| Hauptdisplay | 2,5" klappbarer Touchscreen |
| Zusatzdisplay | 0,7" Frontdisplay |
| Touch-Bedienung | Ja, Flip-Touchscreen |
| Chips | Dual-Chip-Design (Imaging + KI) |
| Wasserdichtigkeit | Bis ca. 12 m ohne Case |
| Akku-Kapazität | 1800 mAh |
| Maximale Laufzeit | Bis ca. 180 Min (1080p 24 fps) |
| Schnellladen | 0–80% ca. 18 Min, 0–100% ca. 47 Min (30 W) |
| Speicher | microSD bis 1 TB |
| Audio | Integrierte Mikrofone, Windrauschunterdrückung |
| Steuerung | Touch, Sprache, Gesten |
| Schnittstellen | USB‑C, Zubehör-Halterungen/Shoe |
Preis und Verfügbarkeit
Die Insta360 Ace Pro 2 ist im Standard-Bundle zum Preis von rund 400 Euro (UVP) erhältlich. Neben dem Standard-Bundle bietet der Hersteller viele weitere Pakete an.
Insta360 Ace Pro 2: Solides Fundament
Im Kern bietet die Insta360 Ace Pro 2 das gewohnte Erlebnis einer Action-Kamera.
- Das robuste, rechteckige Gehäuse ist wasserdicht bis 12 Meter und passt mit Leichtigkeit in (fast) jede Hosentasche.
- Sie verfügt über ein klappbares 2,5-Zoll-Display. Auf der Vorderseite befindet sich zusätzlich ein zweites Display, das Informationen zu Akkulaufzeit und Einstellungen anzeigt.
- Ebenfalls auf der Vorderseite befindet sich ein Mikrofon mit Windschutz, das die Stimme erstaunlich klar einfängt.
Die Kamera ist wunderbar klein und lässt sich praktisch verstauen. Zumindest ohne den Xplorer-Grip. (Bilder: Patrick Schneider, GameStar Tech)
Die vordere Linse lässt sich bei Bedarf gegen optional erhältliche Objektive austauschen, die interessante Blickwinkel ermöglichen. Soweit, so bekannt.
Wie gut sind die Videoaufnahmen direkt aus der Kamera? Das kommt erfahrungsgemäß auf das Szenario an. In den Standardmodi (4K mit 30 FPS, H.265) hat der 1/1,3-Zoll-Sensor vor allem im Wald Probleme: Bei dichtem Blattwerk neigt die Kamera zu verwaschenen Details. Auch 8K mit 30 FPS ändert daran nichts.
In der Stadt sieht das Bild hingegen deutlich besser aus. Hier liefert die Kamera durchweg gute Ergebnisse, ohne das Material durch eine zu aggressive Rauschreduzierung zu verschlimmbessern.
Ganz anders sieht es im Wald aus, wenn ich den Modus »PureVideo« einschalte, der eigentlich für schlechte Lichtbedingungen konzipiert ist. Dann wirken Äste, Blätter und Details weniger verwaschen, wie das folgende Beispiel zeigt.
Selbst bei Tageslicht: Wenn ihr Pure Video einschaltet, verbessert sich das Bild im Wald deutlich.. (Bilder: Patrick Schneider, GameStar Tech)
Bei Nacht muss PureVideo zwingend hinzugeschaltet werden. Ansonsten wirken die Bilder zu dunkel. (Bilder: Patrick Schneider, GameStar Tech)
Das Gleiche gilt übrigens auch für den manuellen Modus. Wenn ich ISO und Belichtungszeit manuell wähle, sehen die Bilder viel klarer und schärfer aus. Das Bild gefällt mir dann richtig gut!
Besonders hervorzuheben ist zudem die Stabilisierung der Kamera. Wie bei der Osmo Action 6 gibt es hier nichts zu beanstanden. Selbst wenn ich mit der Kamera renne, sind Verwacklungen kaum spürbar.
Im folgenden Video habe ich einige Szenen mit der Kamera festgehalten:
5:56
Insta 360 Ace Pro 2: So sehen die Aufnahmen aus der Kamera aus
Der große Star dieser Action-Kamera sind die Farbmodi. Die Insta360 Ace Pro 2 wurde in Zusammenarbeit mit dem deutschen Traditionsunternehmen Leica entwickelt. Somit stehen euch in den Einstellungen die berühmten Farbmodi »Vivid«, »Leica B&W«, »Kontrast Leica Eternal«, »Leica Natural« und weitere zur Verfügung.
Diese Farbeinstellungen stehen im Video- und Fotomodus zur Verfügung und können, abhängig von der Szene, einen filmischen Look erzeugen. Besonders gut gefallen mir die Profile »Leica B&W« und »Leica Natural«. Beide Farbprofile zeichnen sich durch ästhetische Farben und schöne Kontraste aus.
Bei den Videoaufnahmen reicht mir aber meistens der Standardmodus aus, beim Fotografieren habe ich mich hingegen gerne an den zuvor erwähnten Leica-Profilen bedient.
Leider unterstützt die Kamera nur 8-Bit- und keine 10-Bit-Farben, sprich: weniger Farbtiefe.
Möchtet ihr mit I-Log das Maximum an Details und Dynamikumfang in der Nachbearbeitung herausholen, stößt man mit 8-Bit-Farben schnell an Grenzen. Gelegenheitsfilmern hingegen, die ihre Videos schnell und unkompliziert teilen möchten, wird der Unterschied im Alltag kaum auffallen.
Insta360 Ace Pro 2: Riesiger Funktionsumfang
Wie für derartige Kameras üblich, überzeugt auch die Insta360 mit einer Vielzahl an Features. Neben den Standard-Videomodi bietet die Kamera Slow-Motion mit bis zu 4K bei 120 FPS. Allerdings müsst ihr dabei einen Zuschnitt des Bildes in Kauf nehmen (Crop).
Zu den weiteren Modi zählen Zeitraffer, Intervallaufnahmen und ein Dashcam-Modus. Aufnahmen könnt ihr wahlweise per Handgeste oder Sprachsteuerung starten und stoppen, wenn die Hände nicht frei sind.
Die App bietet zudem weitere Optionen:
- Ihr könnt die Übertragung der Kamera auf das Smartphone streamen.
- Wahlweise erstellt die Software einen Clip mit den Höhepunkten eurer Aufnahmen. Diese Funktion ist bereits von anderen Produkten des Herstellers bekannt.
Die Palette der Möglichkeiten erweitert sich, wenn ihr andere Objektive an die Kamera anbringt. Damit verringert ihr beispielsweise die Naheinstellgrenze, vergrößert den Bildwinkel oder erzielt einen filmischen Look.
Mein persönlicher Favorit ist dabei die Kinolinse. Sie optimiert den Kino-Look für das Seitenverhältnis 2,35:1 und erzeugt dabei bei starkem Lichteinfall horizontale Lichtreflexe. Letzteres konnte ich selbst leider nicht (richtig) testen. Andere Rezensenten empfinden den Effekt allerdings als »Spielerei«.
Dennoch erzeugt gerade dieser Film-Look in Kombination mit den Leica-Farbprofilen ein ziemlich schickes Bild. Wenn ich die Wahl zwischen den Linsen hätte, würde ich mich definitiv für diese entscheiden.
Das hängt allerdings auch von eurem Verwendungszweck ab. Wie bei anderen Action-Kameras üblich, arbeitet die Ace Pro 2 mit Distanzfokus: Ab einer gewissen Distanz ist alles scharf und alles davor unscharf.
Wenn ihr VLOG-Aufnahmen macht, kann dies mitunter dazu führen, dass euer Gesicht unscharf eingefangen wird. Abhilfe schafft hier die Close-up-Linse. Allerdings sind Objektive nicht im Lieferumfang enthalten. Die Kosten belaufen sich auf 124 bis 144 Euro.
Leichte Handhabung, selbst für Neueinsteiger
Für die Action-Kamera muss man kein Profi sein. Für einige Modi wählt die Kamera die optimalen Einstellungen automatisch. Wenn ihr ein anderes Objektiv aufschraubt, gibt es in den Optionen den »Objektiv-Meister«.
Hier wählt ihr das entsprechende Objektiv aus und die Kamera passt das Bild entsprechend an (FOV, Entzerrung). Das ist besonders wichtig, denn falsche Einstellungen können das Bild ruinieren.
Derartige Optionen vereinfachen die Handhabung der Kamera erheblich und machen sie somit auch für Neueinsteiger geeignet.
Eine gute Kamera zum Fotografieren
Der optional erhältliche Xplorer Grip (Kostenpunkt: 115 Euro) verwandelt die Action-Cam in eine waschechte Kamera. Dazu zählen:
- ein Auslöseknopf (Shutter Button) wie bei einer Kamera.
- eine Zoom-Wippe, mit der zwischen einfachem und doppeltem Zoom gewechselt werden kann.
- ein Auswahlrad, um beispielsweise durch die Farbprofile zu scrollen.
Das Gefühl und die Handhabung kommen denen einer richtigen Kamera tatsächlich sehr nahe. Jeder, der schon einmal eine Kamera in der Hand hatte, findet sich sofort zurecht. Wie zuvor erwähnt, spielen die Leica-Profile meiner Meinung nach ihre Stärken im Foto-Modus bestens aus.
Im Zusammenspiel mit dem 50-Megapixel-Modus gefallen mir die Bilder richtig gut. Natürlich kann der vergleichsweise kleine Sensor nicht mit der Qualität richtiger Kameras mithalten, aber die Ergebnisse können sich durchaus sehen lassen!
Leica B&W zählt eindeutig zu meinem Favoriten, wie die Bilder unschwer erkennen zu lassen. (Bilder: Patrick Schneider, GameStar Tech)
Die Bilder sind ausreichend scharf und der Dynamikumfang ist für diese Art von Sensor grundsolide. Das hat meine Erwartungen übertroffen und lässt mich den eigentlichen Verwendungszweck solcher Kameras infrage stellen.
Mir gefällt die Idee, das Gerät bei Bedarf in eine kleine Fotokamera umzumodeln. So kann man etwa bei einer Fahrradtour bei einer Rast schöne Erinnerungsaufnahmen festhalten.
Allredings hat der Fotomodus einen Nachteil: Drückt man im 50-Megapixel-Modus auf den Auslöser, benötigt die Kamera rund drei Sekunden, um das Foto zu speichern. Das ist eine lange Zeit, in der man coole Momente verpassen kann.
Zudem stellt sich die Frage, ob das Smartphone nicht ohnehin in der Tasche für Fotos bereitsteht. Dieses Zubehör richtet sich demnach an diejenigen, die ein »All-in-one-Paket« suchen.
Eine Sofortbildkamera
Mit dem Kamera-Grip ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. Der Hersteller bietet als weitere Kaufoption einen Fotodrucker für die Insta360 Ace Pro 2 an.
Richtig gelesen! Ein Fotodrucker für Action-Cams. Das ist mal neu.
Wie funktioniert das Ganze in der Praxis? Ihr setzt die Fotokasette für insgesamt zehn Fotoausdrucke ein, verbindet den Drucker via Bluetooth mit der Kamera – und los geht's.
Das Leica-Wasserzeichen könnt ihr wahlweise in den Druck-Einstellungen deaktivieren. (Bild: Patrick Schneider, GameStar Tech)
Habt ihr ein Foto geschossen, könnt ihr es in Sekunden über das Auswahlmenü drucken. Die Fotos sind laminiert, unterstützen 10-Bit-Farben und haben eine Auflösung von 300 dpi.
Das hat seinen ganz eigenen Charme und in meinen Augen gibt es wenige Unterschiede zu herkömmlichen Sofortbildkameras, wie denen von Fujifilm. Das gilt auch für den Preis.
Der Drucker selbst kostet 115 Euro (inklusive einer Fotokassette). Jede weitere Fotokassette kostet 12 Euro. Allerdings bieten einige Händler zwei Kassetten zum Preis von einer an.
Pro Bild zahlt ihr also etwa 60 Cent.
Trotzdem: Wenn ihr auf euren Reisen unbezahlbare Erinnerungen festgehalten habt, die ihr gerne in diesem Format für die Ewigkeit drucken möchtet, ist das eine coole Möglichkeit.
Wie lange könnt ihr mit der Ace Pro 2 filmen?
Der Hersteller gibt eine Akkulaufzeit von bis zu 180 Minuten bei 1080p-Aufnahmen an. Im Test hielt die Kamera bei 4K und 30 FPS knapp 110 Minuten durch.
Die gute Nachricht: Mit dem entsprechenden Netzteil ist der 1.800-mAh-Akku nach rund 50 Minuten wieder vollständig aufgeladen.
Solltet ihr die Insta360 Ace Pro 2 kaufen?
Die Insta360 Ace Pro 2 lohnt sich für euch, wenn ihr …
- … eine solide Action Kamera sucht.
- … Neben Videoaufnahmen das Gadget auch zum Fotografieren nutzen wollt.
- … ein Faible für besondere Farbprofile habt.
- … eine Action-Kamera mit einem soliden internen Mikrofon sucht.
Die Alternativen zur Insta360 Ace Pro 2
Mit der Osmo Action 6 hat der größte Konkurrent DJI eine starke Alternative auf den Markt gebracht. Die variable Blende und der quadratische Sensor sind die größten Pluspunkte. Mit diesen beiden Features seid ihr beim Filmen und in der Nachbearbeitung extrem flexibel.
GoPro ist nach wie vor mit seinen Action-Cams auf dem Markt vertreten. Abgesehen vom quadratischen Sensor und der variablen Blende bietet das Unternehmen ähnliche Spezifikationen. Zudem verfügt die GoPro über ein 1/4-20-Gewinde für Kamerastative. Etwas, das den beiden Kontrahenten fehlt.
Die Insta360 Ace Pro 2 ist auch viele Monate nach der Veröffentlichung eine sehr gute Wahl mit kleinen Schwächen. Diese sind allerdings mit den richtigen Kniffen schnell behoben. Die Kooperation mit Leica ist das Verkaufsargument und macht besonders beim Fotografieren eine Menge Spaß. Das interne Mikrofon ist erstaunlich gut und die Vielfalt an Funktionen und Erweiterungen ist groß. Allerdings wirken sich die zusätzlichen Produkte wiederum stark auf das Budget aus.

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