Eine aktuelle Analyse des Vergleichsportals Verivox zeigt ein ernüchterndes Bild für deutsche Internetnutzer: Hierzulande werden die höchsten Preise pro Megabit pro Sekunde (Mbit/s) in der gesamten Europäischen Union gezahlt.
Mit durchschnittlich 1,00 Euro pro Mbit/s liegen die deutschen Internetkosten weit über dem EU-Durchschnitt von 18 Cent und sind damit mehr als fünfmal so hoch wie der europäische Mittelwert. Der direkte Vergleich mit anderen Ländern fördert riesige Unterschiede zutage:
- In Rumänien liegen die Kosten pro Mbit/s bei gerade einmal einem Cent – also nur ein Hundertstel des deutschen Preises.
- In Polen und der Slowakei liegt der Preis bei drei Cent pro Mbit/s, was ebenfalls einen enormen Unterschied darstellt.
- Insgesamt liegen 13 EU-Länder unter der 10-Cent-Marke, darunter Italien, Frankreich, Spanien und Portugal.
Auf den Plätzen hinter Deutschland folgen Belgien und Österreich, die mit jeweils 0,35 Euro pro Mbit/s bereits deutlich günstiger als Deutschland sind, aber immer noch fast doppelt so teuer wie der EU-Durchschnitt.
Erweitert man den Blick auf nicht-EU-Länder in Europa, übertrifft nur die Schweiz mit 1,99 Euro pro Mbit/s den deutschen Preis – sie ist damit das einzige Land in Europa mit noch teureren Internetanschlüssen als Deutschland.
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Kaufkraftunterschiede sind laut Verivox nicht das Problem
Die Datengrundlage für diese Auswertung lieferte das britische Portal Bestbroadbanddeals.co.uk, das die Preise für Festnetz-Internetanschlüsse europaweit erfasst hat.
Die Erhebung fand im September und Oktober 2023 statt und umfasste pro Land bis zu 40 verschiedene Tarife über alle verfügbaren Bandbreiten hinweg – in Deutschland wurden 37 Tarife in die Analyse einbezogen.
Um einen fairen Vergleich zu ermöglichen, wurden die monatlichen Kosten pro Mbit/s berechnet und der Median als Durchschnittspreis verwendet.
Die Analyse berücksichtigte indes nicht die Kaufkraftunterschiede zwischen den Ländern. Laut Verivox würde dies aber auch keinen wesentlichen Unterschied ausmachen: Deutschland belegt im EU-27-Ranking bei der Kaufkraft den achten Platz und liegt damit deutlich vor Ländern wie Bulgarien oder Griechenland, aber hinter Österreich und Belgien – wo die Internetpreise pro Mbit/s nur etwa ein Drittel der deutschen Kosten betragen.
»Nicht nur hochpreisig, sondern auch zu spät«
Der Verivox-Experte Jörg Schamberg identifiziert mehrere strukturelle Probleme als Hauptursachen für die Preissituation in Deutschland. Ein wesentlicher Faktor sei die Wettbewerbssituation.
- Viele Anbieter sind nach wie vor darauf angewiesen, ihre Anschlüsse über das Netz der Deutschen Telekom zu schalten.
- Der Konzern habe jedoch lange Zeit an der veralteten DSL-Technik festgehalten, was den technologischen Fortschritt ausgebremst hat.
Ein weiteres Problem ist der langsame Glasfaserausbau in Deutschland. Schamberg warnt: »Deutschland ist nicht nur hochpreisig unterwegs, sondern droht auch beim zukunftsweisenden Umstieg von Kupfer- auf Glasfaserleitungen den Anschluss zu verpassen«. Die Prognose für die Abschaltung von DSL-Technologie liegt in den 2030er Jahren, was laut dem Experten »viel zu spät« sei.
Der Blick ins europäische Ausland offenbart laut Verivox deutliche Unterschiede beim Glasfaserausbau.
Während Länder wie Portugal und Schweden bereits nahezu eine Vollversorgung mit Glasfaser erreicht haben, hinkt Deutschland hinterher. Diese Lücke trägt maßgeblich zu den Preisunterschieden bei, da Glasfasertechnologie deutlich kostengünstiger pro Mbit/s ist als DSL-Verbindungen.
Die Probleme in Deutschland sind laut dem Verivox-Experten indes nicht nur technischer Natur, sondern haben auch mit der Wahrnehmung der Verbraucher zu tun. Schamberg erklärt hierzu:
»Viele Menschen sehen mehr Hürden als Chancen beim Umstieg auf Glasfaser«.
Dies erschwere den Ausbau zusätzlich, da die Nachfrage trotz der potenziellen Vorteile gedämpft bleibt. Der Experte fordert daher von der Bundesregierung Gegenmaßnahmen, etwa Kampagnen, die für den Glasfaserausbau werben.

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