Ein aktuelles Gutachten des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) fordert ein fixes Abschaltdatum für Deutschlands Kupfernetze bis 2030, um einen diskriminierungsfreien Übergang zu Glasfasernetzen zu ermöglichen.
Das vom Branchenverband VATM (Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten) in Auftrag gegebene Gutachten argumentiert, ein verbindlicher Abschaltzeitrahmen sei notwendig, um:
- Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden: Die Deutsche Telekom könnten durch gezieltes Abschalten von Kupfer in Eigenausbaugebieten Konkurrenten benachteiligen.
- Planungssicherheit zu schaffen: Ein festes Datum beschleunige die Migration und vermeide Parallelbetrieb beider Netze.
- Lock-in-Effekte zu verhindern: Ohne Regulierung bestünde die Gefahr, dass Kunden automatisch auf Telekom-Glasfaserprodukte migriert werden, was ebenfalls nicht im Sinne des freien Wettbewerbs sei.
ZEW-Präsident Achim Wambach betont, dass das Abschaltverhalten unabhängig vom Netzbetreiber sein müsse, um faire Bedingungen zu gewährleisten.
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Deutsche Telekom weist auf bestehende Gesetze hin
Die Deutsche Telekom hält dagegen die bestehenden gesetzlichen Regelungen für ausreichend und warnt vor verfrühten Entscheidungen.
Der Anbieter (via Golem) verweist auf § 34 des Telekommunikationsgesetzes (TKG), der bereits einen »strukturierten Migrationsprozess« mit ausreichend Vorlauf ermögliche. Technikvorstand Abdurazak Mudesir betonte bereits im Oktober 2023 in einer Telekom-Fragerunde, dass die Abschaltung schrittweise erfolgt:
- Im Februar 2024 begannen hierfür erste Tests in Bad Salzungen (Thüringen) und Wiesbaden.
- In Glasfaser-regionalen Gebieten werden Kupfer-Linecards zudem schrittweise deaktiviert – die vollständige Abschaltung geschieht erst nach komplettem Glasfaserausbau in einer Region.
Glasfaserausbau: Ist das deutsche Vorhaben zu ambitioniert?
Kritiker wie der Bundesverband Breitbaukommunikation (BREKO) bemängeln jedoch schon seit einigen Monaten, die Telekom habe in Wettbewerber-Ausbaugebieten »kein Interesse« an einer Kupferabschaltung, was den Glasfaserwettbewerb behindere.
Laut der Bundesnetzagentur sind aktuell rund 35 Prozent der Haushalte mit Glasfaser versorgt. Die EU-Vorgabe einer vollständigen Migration bis 2030 gilt in Deutschland allerdings als »überambitioniert«.
Erfolgsbeispiele wie Dänemark zeigen jedoch auch, dass ein fixes Abschaltdatum den Übergang beschleunigen kann. In Frankreich plant Orange die Kupferabschaltung ebenfalls bis 2030 (via FTTHCouncil). Das ZEW-Gutachten schlägt angesichts dessen folgende Maßnahmen für eine Beschleunigung des Status quo in Deutschland vor:
- Moratorium für Überbauungen: Verlustbringender Glasfaserausbau in dünn besiedelten Gebieten soll verhindert werden.
- Voucher-Programme für eine nachfrageorientierte Förderung für Haushalte und Unternehmen.
- Wettbewerbsneutrale Umschaltung: Kunden sollen unabhängig vom Anbieter Zugang zu Glasfaser erhalten.
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