Die NASA wird sich 2030 von der internationalen Raumstation verabschieden – und das Zeitalter der kommerziellen Raumstationen einläuten

2030 wird die ISS kontrolliert zum Absturz gebracht. Eine ISS 2 wird es nicht geben – zumindest nicht von der NASA selbst.

Die ISS hat nur noch etwa 5 Jahre übrig, bevor sie in den Pazifik abstürzen soll. (Bildquelle: dimazel - stock.adobe.com) Die ISS hat nur noch etwa 5 Jahre übrig, bevor sie in den Pazifik abstürzen soll. (Bildquelle: dimazel - stock.adobe.com)

Seit fast 25 Jahren kreist sie ununterbrochen über unseren Köpfen und jetzt nähert sich ihre Mission dem Ende: Die Internationale Raumstation (ISS) soll im Jahr 2030 kontrolliert in einer entlegenen Region des Pazifiks zum Absturz gebracht werden.

Damit endet eines der größten Gemeinschaftsprojekte der Menschheitsgeschichte – und zugleich beginnt ein neues Kapitel der Raumfahrt (space.com hat berichtet).

Die ISS: Ein Meilenstein der Kooperation und Forschung

Seit dem Start der ersten Module 1998 gilt die ISS als Symbol internationaler Zusammenarbeit.

Die USA, Europa, Russland, Japan und Kanada betreiben sie gemeinsam. Seit November 2000 ist die Station durchgehend bewohnt. Ein ganzes Vierteljahrhundert menschlicher Präsenz im All.

In dieser Zeit entstanden über 4.000 Experimente und mehr als 4.400 wissenschaftliche Publikationen. Die Forschung reichte von Materialwissenschaft und Biotechnologie bis zu Astronomie und Medizin. 

Auf der ISS wurden künstliche Netzhäute gezüchtet, DNA im All sequenziert, ultrareine Glasfasern getestet und neue Verfahren zur Medikamentenentwicklung erforscht.

Die Mikrogravitation, die Vakuumbedingungen und die Strahlung im Orbit machten die Station zu einem einzigartigen Labor, das Erkenntnisse für das Leben auf der Erde wie auch für künftige Missionen zum Mond und Mars lieferte.

Die ISS: Ihre Nachfolger sollen nicht mehr von der Nasa selbst entwickelt werden. (Bildquelle: NASASpaceX Crew Dragon) Die ISS: Ihre Nachfolger sollen nicht mehr von der Nasa selbst entwickelt werden. (Bildquelle: NASA/SpaceX Crew Dragon)

Warum die ISS bald zum Absturz gebracht wird

Trotz ihrer Erfolge ist die ISS in die Jahre gekommen. Ihre Module, Systeme und Strukturen stammen größtenteils aus den 1990er-Jahren. 

Wartung und Betrieb werden zunehmend teuer. Allein für die USA belaufen sich die jährlichen Kosten auf mehrere Milliarden Dollar. Deshalb hat die NASA beschlossen, die Station 2030 kontrolliert zu deorbitieren, also gezielt in der Erdatmosphäre verglühen zu lassen. 

Trümmerreste sollen in der abgelegenen »Raumfahrzeug-Friedhofszone« des Südpazifiks niedergehen, weit entfernt von besiedelten Gebieten.

Hier befindet sich der Raumfahrt-Friedhof. (Bildquelle: NASA) Hier befindet sich der Raumfahrt-Friedhof. (Bildquelle: NASA)

Der nächste Schritt: kommerzielle Raumstationen

Doch das Ende der ISS bedeutet nicht das Ende der bemannten Raumfahrt im niedrigen Erdorbit. Die NASA will ihre Präsenz im All fortsetzen, allerdings mit einem neuen Ansatz.

Statt selbst eine Nachfolgestation zu betreiben, setzt sie auf private Anbieter.

Bereits im Dezember 2021 vergab die Behörde rund 400 Millionen US-Dollar, um die Entwicklungskonzepte für kommerziell betriebene Raumstationen anzuschieben.

Das Ziel: Unternehmen sollen eigenständig Stationen entwerfen, die sich später wirtschaftlich betreiben lassen, während NASA als Kunde Forschungszeit und Transportleistungen einkauft.

Ihr wärt gern mal selbst im Cockpit? Diese extrem authentische Weltraum-Simulation nach NASA-Vorbild wird gerade auf Steam gefeiert:

Video starten 2:27 Reentry: Die realistische Raumfahrt-Simulation feiert nach zehn Jahren Entwicklungszeit den Release

Im September 2025 startete die nächste Phase dieses Kommerzialisierungsprogramms: Ausgewählte Unternehmen dürfen ihre Entwürfe und Businesspläne präsentieren, um Finanzmittel für die Realisierung zu erhalten.

In dieser zweiten Runde geht es um die technische Verfeinerung, Sicherheitsprüfung und die spätere Zertifizierung.

Die NASA plant, die fertigen Stationen ähnlich zu nutzen, wie sie heute Fracht- und Crewflüge mit SpaceX oder Boeing beauftragt, also auf kommerzieller Basis, statt sie selbst zu besitzen.

Ein Wettlauf um die Zukunft im Orbit

Noch ist offen, welche Firmen sich durchsetzen werden. Blue Origin, Axiom Space, Vast und andere US-Unternehmen arbeiten an Konzepten für modulare Stationen, die flexibler und kostengünstiger sein sollen als die ISS.

Währenddessen betreibt China mit seiner Tiangong-Station bereits eine dauerhaft bewohnte Raumstation und könnte bald das einzige Land mit permanenter Besatzung im Orbit sein, bis die ersten privaten Stationen der NASA-Partner starten.

Bis es so weit ist, wird die ISS weiterhin regelmäßig am Nachthimmel zu sehen sein – ein heller, lautloser Punkt, der in wenigen Minuten über den Himmel zieht.

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