Trends sind schon manchmal merkwürdig. Da arbeiten Handy- und Kamera-Hersteller jahrzehntelang daran, die perfekte Bildqualität zu erreichen, und am Ende gehen doch billige Plastikkameras viral.
Als ich Anfang 2026 für kurze Zeit beruflich in Los Angeles unterwegs war, habe ich selbst so eine Kamera ausprobiert und hatte dabei so viel Spaß wie schon lange nicht mehr.
Zum Glück gezwungen
Analog-Liebe: Ich habe schon seit ein paar Jahren Interesse an der Analogfotografie. Die Idee, einen Moment wirklich »einzufangen« und nicht hunderte immer gleiche Bilder vom selben Motiv schießen zu können, finde ich einfach spannend.
Als ich Anfang des Jahres dann nach L. A. geschickt wurde, wollte ich die legendäre Filmstadt am liebsten stilecht auf Film einfangen.
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Eine der besten Anschaffungen für meine Kamera: ein Makroobjektiv
Da meine geliebte Yashica FR II aber letztes Jahr den Geist aufgegeben hat und Geld leider nicht auf Bäumen wächst, saß ich kurz vor der Abreise gewissermaßen auf dem Trockenen. Kurzerhand entschloss ich mich dazu, eine Halbformatkamera von Kodak, die ich vor einigen Jahren mal gekauft hatte, in den Koffer zu schmeißen.
Das Modell meiner Wahl: Es handelt sich dabei um eine Kodak EKTAR H35N, die auf Amazon für ungefähr 75 Euro zu haben ist. Im Grunde handelt es sich dabei um eine dieser Wegwerfkameras, die man etwa auf Hochzeiten oft sieht. Nur, dass man sie eben nicht wegwerfen muss, sondern den Film einfach austauschen kann.
Cool ist zudem, dass die Kamera Fotos im Halbformat aufnimmt. Bei jedem Auslösen wird also nur die Hälfte eines Ausschnitts eines 35-mm-Films belichtet. Ein Film, der normalerweise 36 Bilder bietet, kann so für 72 Bilder verwendet werden.
Ein paar der Bilder könnt ihr hier sehen:
110 Gramm purer Spaß
In der Stadt der Engel selbst hatte ich gar nicht so viel Zeit, weshalb ich vor allem Hollywood und Umgebung erkunden konnte. Die EKTAR H35N entwickelte sich dabei schnell von der Notlösung zum Star.
Die Kamera ist superleicht und kann so einfach in der Schlaufe am Handgelenk baumeln. Angst, dass sie einen Kratzer bekommt, hatte ich nie, weil sie eben eh aus Plastik ist und ich kein Vermögen in sie investiert habe.
Stattdessen konnte ich mich voll und ganz aufs Fotografieren konzentrieren. Und wow, so viel Spaß hatte ich wirklich schon lange nicht mehr. Durch den Sucher nach passenden Motiven suchen macht einfach Spaß und dass man nicht weiß, ob das Bild etwas geworden ist, hat auch einen gewissen Reiz.
Hier noch mehr Eindrücke:
Es gibt auch Nachteile
Letzteres ist dabei aber natürlich auch ein Nachteil. Man kann sich eben nicht darauf verlassen, dass das Motiv auch gut aufgenommen wurde, und läuft gewissermaßen Gefahr, eben kein Foto von einem bestimmten Ort zu haben.
Zudem ist die Arbeit mit dem Fotografieren noch nicht erledigt. Man muss den Film entweder selbst entwickeln oder, so wie ich, in ein Labor bringen. Das kostet Zeit und geht auch ins Geld. Will man sie dann auch noch teilen oder bearbeiten, muss man sie zusätzlich digitalisieren (lassen).
Dieser ganze Prozess hält mich auch davon ab, die EKTAR H35N öfter zu nutzen. Nach ein paar Filmen hat man fürs Entwickeln alleine mehr Geld ausgegeben, als die Kamera gekostet hat, und es gibt eben auch ein paar Bilder, die schlicht zu dunkel geworden und somit unbrauchbar geworden sind.
Mehr zum Thema Analogfotografie: Warum ich meine Digitalkamera verkauft und es nie bereut habe
Mein Fazit
Jonas Herrmann
Wie so oft bringt der Fokus aufs Wesentliche auch beim Fotografieren viel Freude. Die Bilder, die ich geschossen habe, sind einzigartig und ich freue mich jedes Mal wieder, wenn ich sie ansehe. Über die tausenden Aufnahmen in meiner Handy-Galerie kann ich das nur bedingt sagen.
Zudem hatte ich eben einfach unheimlich viel Spaß beim Erkunden der Stadt und beim Fotografieren.
Gleichzeitig gibt es aber auch gute Gründe dafür, dass analoge Fotografie nicht mehr der Standard ist. Die ganze Arbeit und die Kosten, die hinterher anfallen, muss man auf jeden Fall mit einberechnen, bevor man sich für ein solches Modell entscheidet. Für besondere Anlässe kann ich die Kodak EKTAR H35N aber wirklich wärmstens empfehlen.



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