Seit 15 Jahren jage ich der besten Bildqualität hinterher und ein neuer Trend zeigt mir, wie unwichtig sie für viele eigentlich ist

Derzeit sind günstige Spielzeug-Kameras im Trend – und ich kann es nachvollziehen.

Kameras wie diese sind gerade im Trend und das hat drei gute Gründe. (Bildquelle: Duy Linh DinhGameStar Tech, Myki TrieuGamePro) Kameras wie diese sind gerade im Trend und das hat drei gute Gründe. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech, Myki Trieu/GamePro)

Mehr Megapixel, mehr Dynamikumfang, weniger Rauschen, schärfer und besser – 15 Jahre lang habe ich diese und mehr Eigenschaften bei einer Kamera und bei Handys gesucht. Dafür war ich bereit, immer wieder tief in die Tasche zu greifen. 

So fällt man schnell in ein Hasenloch, in dem man ständig denkt, dass die jetzige Ausrüstung nicht gut genug ist; die nächstbessere Kamera und das nächstbessere Objektiv waren nie weit entfernt.

Inmitten meiner unendlichen Jagd nach der besten Bildqualität, feiert eine ganz bestimmte Kategorie an Kameras eine Wiedergeburt, die ich so nicht auf dem Schirm hatte: Spielzeugkameras – und plötzlich erkenne ich, wie unwichtig meine ewige Suche eigentlich war.

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Was sind Toy-Cameras und warum sind sie im Trend?

Toy-Cameras, zu Deutsch Spielzeugkameras, sind besonders günstige Kameras, die nicht die Bildqualität, sondern den Spaß am Fotografieren in den Fokus legen. 

Die Kodak Charmera ist gerade einer der beliebtesten Kameras in dieser Kategorie. (Bildquelle: Myki TrieuGameStar Tech) Die Kodak Charmera ist gerade einer der beliebtesten Kameras in dieser Kategorie. (Bildquelle: Myki Trieu/GameStar Tech)

Sie kosten selten über 100 Euro, bestehen häufig aus Kunststoff (oft sogar auch das Objektiv) und liefern Fotos und Videos, die nicht selten an die Bildqualität von günstigen Kameras der 90er und 2000er erinnern. 

Und das ist mitunter einer der wichtigsten Gründe, warum diese Plastikscherben gerade eine Renaissance feiern. 

Lo-Fi statt klinisch sauberen Handyfotos: Die Fotos von diesen Kameras rauschen, sind teilweise unscharf und besitzen einen geringen Dynamikumfang – und einen gewissen Charme.

Der Lo-Fi-Look dieser Fotos ist in unserer heutigen Zeit nicht mehr üblich, da selbst die günstigsten Handys ordentliche Fotos mit hohem Dynamikumfang und Schärfe abliefern. 

Genau dieser Kontrast zu der klinisch sauberen Bildqualität von Handys ist das, was viele Menschen zu diesen günstigen Spielzeugkameras zieht; sie liefern Fotos, die aus der Masse herausstechen.

Hier hat jemand eine solche Kamera zu einem verlassenen Einkaufszentrum mitgenommen. Die Fotos erwecken dank ihrer geringen Qualität eine leicht unheimliche Atmosphäre:

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Toy-Cameras erwecken Nostalgie: Viele von uns, mich eingeschlossen, sind mit dem Look der heutigen Spielzeugkameras aufgewachsen. Die von Fans geteilten Fotos, von Modellen wie der Kodak Charmera, erinnern an diese Zeit, obwohl es sich um Schnappschüsse aus diesem Jahr handelt.

Früher haben wir uns ständig geärgert, wenn der starke und direkte Blitz einer Digicam für harte Schatten und rote Augen sorgte. Heute wünschen sich viele genau diesen Look zurück. 

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Toy-Cameras als Digital-Detox-Maßnahme: Immer mehr Geräte in unserem Alltag sind mit dem Internet vernetzt, mit KI-Funktionen ausgestattet oder schreien nach Aufmerksamkeit. 

Die günstigen Kameras sind für viele Menschen eine kleine Auszeit für die digitale Welt, in der wir uns heute befinden. Anders als ein Smartphone, muss so ein Gerät nichts anderes können, außer Fotos und Videos aufzunehmen.

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Bildqualität ist längst nicht mehr das Wichtigste

Ich kann diesen neuen Trend sehr gut nachvollziehen. Gerade beim Festhalten von Momenten mit Freunden und Familie ist die reine Bildqualität absolut zweitrangig; das habe ich jetzt erkannt.

Wenn ich Fotos mit meinen Freunden teile, interessiert es sie nicht die Bohne, ob das Foto bei ISO 3200 noch rauscharm ist und das Auge scharf gestellt wurde. Nein, sie laden es bei Instagram hoch, fügen Filmkorn hinzu und wenden einen Weichzeichnungsfilter an. Das ist ein Szenario, das ich genauso schon erlebt habe. 

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Ich muss zugeben, dass ich das inzwischen ähnlich mache. Obwohl meine Vollformat-Kamera keine Wünsche bei der Bildqualität offen lässt, füge ich gern in der Nachbearbeitung eine Körnung hinzu, scheue mich nicht davor, mit sehr hohen verrauschten ISO-Stufen zu fotografieren und verwende einen Black-Mist-Filter, der Lichtquellen weichzeichnet. 

Nach all den Jahren habe ich durch diesen Trend gelernt, die Imperfektionen in der Fotografie zu schätzen. Perfektion hat seinen Platz, ist aber oft langweilig.


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