Ich habe fast ein Jahr gebraucht, dieses Problem mit meinem PC zu lösen - Dabei war es so simpel

Redakteur Alex hat sich monatelang gefragt, warum sich der Grafiktreiber nur sporadisch installieren ließ. Letztlich war eine alte Marotte schuld daran.

von Alexander Köpf,
14.04.2022 13:30 Uhr

Ich staune heute noch, wie leicht sich das Problem am Ende lösen ließ. Ich staune heute noch, wie leicht sich das Problem am Ende lösen ließ.

Immer wieder werde ich gefragt, was es eigentlich genau ist, das mich an Computern fasziniert. Bin ich einfach nur jemand, der leidenschaftlich gern zockt, oder habe ich vielleicht ein Faible für die Technik dahinter? Ich habe über diese Frage selbst schon sehr viel nachgedacht. Und im Kern kann ich die Antwort darauf herunterbrechen, dass ich einfach sehr gerne möglichst komplexe Dinge durchdringe und womöglich sogar noch viel lieber Probleme löse.

Gerade Letzteres ist beinahe unerlässlich, wenn man so wie ich ein Kind der 1980er- und 1990er-Jahre ist und sich gleichzeitig damals schon für PCs interessierte. Die gängigen Systeme waren weit davon entfernt, so stabil zu laufen, wie das heutzutage der Fall ist. Wer mit Windows 95 und Co. aufgewachsen ist, musste sich zwangsläufig etwas tiefer mit dem Betriebssystem auseinandersetzen, sofern man es nicht jede Woche neu aufsetzen wollte.

Aber nichts von damals hat mich auch nur annähernd so viele Nerven gekostet, wie ein Problem mit der Installation des Grafiktreibers, das ich erst vor zwei Jahren beheben konnte – nach fast einem Jahr der Suche. Dabei war die Lösung so simpel, und schlimmer noch: das Problem war selbstgemacht.

Alexander Köpf
@NebulaMutara

Alex konnte sich schon immer für Technik begeistern und ist mit seinen 42 Lebensjahren schon lange genug dabei, um viele Trends kommen und gehen zu sehen. An manchen Dingen hält er aber immer noch fest, obwohl sie längst überflüssig sind. Nostalgie in allen Ehren, manchmal erweist sie sich jedoch als hinderlich.

Der Grafiktreiber ließ sich nur sporadisch installieren

Vor gut drei Jahren fing es an: Urplötzlich konnte ich den Grafiktreiber für meine Nvidia Geforce RTX 2080 Ti nicht mehr installieren. Beinahe bei jedem Versuch brach die Installation mit einer nicht wirklich hilfreichen Fehlermeldung ab. Aber eben nicht jedes Mal, sondern aus meiner Sicht absolut zufällig. Eine Treiberversion funktionierte, die nächste wieder nicht. Manchmal haute die Installation aus ein und derselben Datei zunächst nicht hin, nach einem Neustart dann allerdings schon. Es gab meines Erachtens keinen ersichtlichen Grund für das zufällige Verhalten meines Rechners respektive von Windows.

Der erste winzige Anhaltspunkt war der Grafiktreiber selbst. Denn nach einigen Versuchen gelang es mir, den sogenannten DCH-Treiber für meine Grafikkarte aufzuspielen, während der Standard-Treiber das nicht zuließ. DCH-Treiber sind spezielle Treiberpakete für Windows. Diese unterscheiden sich zwar nicht in ihrer Funktionsweise von den normalen Treibern, werden jedoch anders gepackt und installiert. Ich vermutete daher, dass der DCH-Treiber für mein Setup zwingend vorausgesetzt wurde und hielt das Problem für gelöst. Gott sei Dank, denn meine zweite Vermutung war ein Defekt der Grafikkarte.

Die Freude über das vermeintlich gelöste Problem währte jedoch nur kurz. Um genau zu sein: bis zum Release des nächsten Geforce-Treibers. Ich lud mir zwar direkt die DCH-Installationsdatei herunter, aber schon nach wenigen Augenblicken brach das Setup mit derselben Fehlermeldung wie schon zuvor ab.

Ich weiß nicht mehr genau wie, aber nach ewigem Probieren mit verschiedenen Installationsdateien, mehreren blitzsauberen Deinstallationen samt manuellen Löschens diverser Systemeinträge wurde das Setup irgendwann bis zum Ende durchgeführt. Der Lösung näher brachte mich das jedoch nicht. Ganz im Gegenteil: Ich konnte erst recht kein Muster erkennen. Es trieb mich schier in den Wahnsinn.

Denn eigentlich ist gerade das der Weg: Egal welches Problem ich in meinen vielen Jahren mit Rechnern hatte, so gut wie immer zeichnete sich binnen kürzester Zeit ein erkennbares Muster ab, das mich der Lösung rasch näherbrachte. Diesmal jedoch nicht.

So vergingen viele Monate: Grafiktreiber um Grafiktreiber wiederholte sich das Spiel. Nach etlichen, nervenaufreibenden Versuchen klappte die Installation irgendwann und ich zitterte schon vor dem Gedanken an die nächste Treiberversion. Es zog fast ein Jahr ins Land, ehe ich per Zufall auf die Lösung stieß.

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Das Problem war selbstgemacht

Wobei Zufall es nur insofern trifft, als dass ein weiteres Ereignis eintrat, das mich endlich ein Muster erkennen ließ. Ich weiß nicht mehr genau, um welches Programm es sich handelte, auf jeden Fall brach auch das während der Installation mit einer Fehlermeldung ab. Diesmal jedoch mit einem indirekten Verweis auf das Problem. Konkret stand dort, dass ein Fehler beim Entpacken der Installationsdatei auf einem Laufwerk aufgetreten ist. Aber nicht auf irgendeinem Laufwerk, sondern auf meiner RAM-Disk!

Und ja, ich höre einige Leser jetzt direkt laut aufschreien: Wieso zur Hölle nutzt man heute noch eine RAM-Disk? Die Frage ist berechtigt. Früher konnte das virtuelle Laufwerk im Arbeitsspeicher durchaus sinnvoll sein, beispielsweise um Cache- oder temporäre Ordner respektive Dateien darauf zu hinterlegen. Da Arbeitsspeicher Daten nur behält, solange Strom anliegt, werden entsprechend darauf gespeicherte Informationen bei jedem Neustart des Systems automatisch gelöscht. Das konnte unter anderem die Performance verbessern, da Windows nicht so schnell vermüllte.

Die Benutzeroberfläche der RAM-Disk. Die Benutzeroberfläche der RAM-Disk.

Heutzutage sind die Arbeitsspeicher-Laufwerke jedoch aus der Mode gekommen. Schlicht deshalb, weil Windows seine Ressourcen so gut verwaltet und generell so viel Leistung zur Verfügung steht, dass sie für die meisten Anwendungsfälle überflüssig sind.

Und genau diese RAM-Disk wurde mir auch bei der Installation des Grafiktreibers zum Verhängnis. Dabei reichte es, die temporären Windows-Ordner wieder zurück auf eine normale Festplatte zu legen. Später stellte sich heraus, dass es ebenso genügte, die Kapazität der RAM-Disk zu erhöhen, obwohl die Größe abzüglich der darauf gespeicherten Daten rein rechnerisch auch zuvor hätte ausreichen müssen.

Warum ich den Grafiktreiber trotz aktiver RAM-Disk über ein Jahr hinweg letztlich doch immer irgendwie installieren konnte, ist mir bis heute nicht restlos klar. Denkbar ist, dass sich das RAM-Laufwerk nach dem Neustart des Systems in manchen Fällen nicht korrekt initialisierte und Windows die temporären Dateien derweil wieder in den dafür vorgesehen Standard-Ordner hinterlegte. Ebenso kann es sein, dass sich lediglich einige Programme nach dem Neustart nicht gestartet haben und so die möglicherweise wenigen Megabyte mehr Kapazität zur Verfügung standen, die für das Entpacken nötig gewesen sind. Aber sicher weiß ich das nicht.

Ich nutze die RAM-Disk übrigens immer noch, auch wenn mir klar ist, dass es dafür kaum mehr einen rationalen Grund gibt. Gelernt habe ich aus dem Schlamassel aber auch etwas: Niemals aufgeben! Egal, wie lange es dauert, es gibt, abgesehen von Defekten, kaum ein technisches Problem mit einem PC, das sich nicht durch Geduld, Akribie und Logik lösen lässt. Und das ist nicht die erste Lektion, die ich in meinem Leben erteilt bekommen habe:

Habt ihr schon ähnliche Erfahrungen mit dem PC gemacht wie ich? Nutzt ihr vielleicht selbst eine RAM-Disk und hattet sogar das gleiche Problem? Oder ist euch das völlig fremd und es hat immer alles reibungslos geklappt? Schreibt es uns gerne in die Kommentare!

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